Mausi

Eine Freundschaft zwischen Wien und Pernitz

Gehen wir miteinander Schneerosen pflücken? Das war manchmal ein Anlass einander zu treffen. Dazu muss man wissen, dass Pernitzer Wälder so ihre Tücken haben, in manchen Gegenden gibt’s viele Schneerosen – in anderen gar keine. Nur an wenigen Plätzen findet man Maiglöckchen, und der kurzstielige Enzian wächst nur auf der einen Seite der Wälder im Frühling, der langstielige dafür auf den Wiesen der anderen Seite im Sommer.

Gekannt haben wir einander – wie man so schön sagt – ewig. Im Pernitz, wohl schon als Kinder, vom Sehen, wir waren ziemlich gleichaltrig. Später waren wir Kolleginnen in der Atombehörde. Mausi hat zusammen mit Bessy (die Beiden waren wirklich enge Freudinnen) am Aufbau der wissenschaftlichen Bibliothek gearbeitet, ich war in der Verwaltung – Gehaltsabrechnung – tätig. So groß war die Behörde anfangs nicht, daher lief man einander immer wieder über den Weg. Außerdem gab es das Commissary, wo man sich beim Einkaufen traf. Wir österreichische Angestellte dort unterlagen ja durchaus Beschränkungen, aber dennoch konnte man vieles „unbesteuert“ einkaufen, das man sich sonst als „Luxus“ damals kaum je geleistet hätte. Und außerdem traf man sich mittags im hauseigenen Restaurant (die Atombehörde war damals im innen umgebauten Grand Hotel an der Ringstraße untergebracht).

Noch mehr Anknüpfungspunkte gab es dann, als die Automatisierung begann. Mausi und Bessy waren davon betroffen, da „ihre“ Bibliothek on-line ging, und ich stieg mit der Automatisierung der Gehaltszahlungen direkt in die damals so genannte EDV ein. Und alle Projekte konkurrierten einander auf demselben, damals nicht besonders leistungsstarken Computer.

Aber anders wurde es dann, als meine Familie „wochenendlich“ in Pernitz lebte. Wir trafen einander ziemlich regelmäßig sonntags in der Kirche, und sehr oft hinterher beim „Aperitif“.  Wie derartige Treffen abliefen habe ich schon beschrieben: https://christachorherr.wordpress.com/2021/04/14/einladung-zum-schwarzen-kaffee/

Aber die Verbindung zu Mausi (sie hieß nicht so, wurde aber ihr Leben lang so genannt) und ihrer Familie wurde dann noch enger. Zu dieser Familie ist einiges zu sagen, vorerst, dass es sich eher um einen Clan als eine Familie handelte. Mausis Vater war ein wahrer Patriarch, der für seine Familie in den dreißiger Jahren einen „Landsitz“ zwischen Pernitz und Gutenstein erworben hatte. Mausi hatte zwei Schwestern (die in ihrer Jugend sehr umworben gewesen waren) und einen Bruder. Dem Vater war es ein Anliegen gewesen, dass alle seiner „Kinder“ in seinem Haus oder in der allernächsten Umgebung eine angemessene Unterkunft besaßen. Das bedeutete, dass er an den Wochenenden nicht nur seine Kinder und Schwiegerkinder weitgehend um sich versammeln konnte, sondern auch alle seine Enkel, und später auch noch Urenkel, die alle in diesem Umfeld wie Geschwister aufwuchsen. Das bedeutete, dass man dort beieinander aus und ein ging und vieles gemeinsam unternahm.

Mausi selbst war verheiratet und hatte wiederum zwei Söhne – etwa im Alter meiner Kinder. Mit ihrer Familie wohnte sie in einem stattlichen, sehr hübsch umgebauten Haus – und als ihre Söhne heirateten, baute sie einfach ein zweites Haus dazu, um Platz für die Familien zu schaffen. Dennoch fanden familiäre Zusammenkünfte meist im „Haupthaus“ und dem angrenzenden Hof/Garten statt.

In diesem „Hof“ stand eine wunderbare alte Linde, um die herum eine Bank gebaut war, in deren Schatten viele Zusammenkünfte stattgefunden haben. Leider vertrug die alte Linde den Einbau der gemeinsamen Heizung in dem „Häuserkomplex“ nicht gut. Sie wurde krank (auch von einem Blitz getroffen) und musste gefällt werden – das war ein trauriges Ereignis.  Am Rand dieses „Hofes“ gab es auch ein Schwimmbad.

Von dort wurden auch die gemeinsamen Spaziergänge gestartet, die dann mit einem Aperitif oder einer Jause endeten. Allerdings auch die Jagden, an denen aber wir, mein Mann und ich nicht teilnahmen, nicht, weil wir nicht eingeladen gewesen wären, aber weil wir keinen Jagdschein hatten und uns die Jägerei auch nicht so sonderlich interessierte.

Der Patriarch fischte auch noch sehr gerne, im nahegelegenen Fluss, in dem recht sichtbar die Forellen standen.

Als Mausis Mann starb, wurde sie „von der Familie aufgefangen“. Das heißt, sie wurde „einfach“ in die Aktivitäten der Familie ihrer Schwester integriert., bzw. von einem ihrer Söhne betreut.

Mich hat dieses „Clanverhalten“ immer sehr positiv beeindruckt, dieser Familienzusammenhalt der über die Kleinfamilie hinausging, der aber auch (alleinstehende) entferntere Cousins und Cousinen umfasste, die zu den Feiertagen bei der Familie oder in nahegelegenen Gasthäusern einquartiert wurden und an den gemeinsamen Feierlichkeiten teilnahmen. (Über unsere gemeinsamen Osterfeste werde ich noch einmal gesondert berichten).

Mausi ist auch schon länger – hochbetagt – von uns gegangen, aber im Gedächtnis ist sie noch sehr lebendig.

Mausi

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