Muslime im Lockdown und im Ramadan

In Österreich und in der Türkei

Muslime verhalten sich genauso unterschiedlich wie Menschen, die anderen Religionsgemeinschaften angehören. Jetzt ist Ramadan, vom  12. April bis 11. Mai.  Fasten ist wesentlich im Ramadan – das ist eine der fünf Säulen des Islam und gilt für alle Muslime.

Der Konsum von Alkohol gilt sowohl im sunnitischen als auch im schiitischen Islam und in allen Rechtsschulen als haram (verboten). Allerdings erfolgte das Alkoholverbot im Koran stufenweise. Die Koranverse bestätigen, dass zur Zeit Mohammeds Handel mit Wein getrieben wurde und ihn seine muslimischen Zeitgenossen als berauschendes Getränk genossen haben. Absolutes Alkoholverbot im Islam im Koran kann nicht von Anfang an bestanden haben, denn Wein wird ebenso wie der Honig als eine der guten Gaben Gottes genannt. Das Verbot, in der Trunkenheit zu beten, ist wahrscheinlich erst im vierten Jahr nach der Auswanderung in Medina entstanden. Im Paradies hinwieder werden den Gläubigen u. a. auch „Bäche mit Wein“ versprochen, der allerdings keine berauschende Wirkung haben soll. Erst die jüngste Sure zu diesem Thema führt zum Verbot des Alkoholkonsums. In der traditionellen islamischen Rechtswissenschaft hat sich die Abrogation eingebürgert, wonach im Falle sich widersprechender Suren die später aufkommenden Suren frühere „aufheben“.

In Österreich hegen manche Muslime die Befürchtung, dass eine Impfung gegen Corona in der Ramadan-Zeit unzulässig ist. Dem widerspricht allerdings die Islamische Glaubensgemeinschaft in ihrem Leitfaden. In dem festgehalten wird, dass Impfen das muslimische Fasten nicht bricht.

Andere Sorgen haben wiederum Muslime in der Türkei. Auch und gerade dort wir gefastet, da die Regierung doch eine „islamische Agenda“ verfolgt. Aber auch die Türkei hat Sorgen, mit der Ausbreitung von Corona, die Inzidenzzahlen sind hoch. Daher gilt ab Donnerstag, dem 29. April ein harter Lockdown – also mitten im Fastenmonat beginnend, er soll bis 17. Mai dauern. Ein Alkoholverbot wurde zwar im Erlass für den Lockdown nicht erwähnt, aber die Gouverneursämter erteilten Anweisung, dass Spirituosenhandlungen während dieser Periode geschossen bleiben müssten. Das Argument ist, dass Spirituosengeschäfte wie Schuhgeschäfte oder Boutiquen nicht systemrelevant seien. Es ist aber zu bedenken, dass mitten in diesem Lockdown das Ende des Ramadans fällt; das Ende des Ramadans ist für gläubige aber auch nicht ganz so gläubige Muslime ein sehr wichtiger Festtag. Das sogenannte „Zuckerfest“ dauert je nach Land und Region normalerweise bis zu drei Tagen. Dabei wird reichhaltig gegessen (möglicherweise auch getrunken) und Gläubige leisten Spenden an die Armen. Mit dem Almosen können sich Muslime auch von Sünden freikaufen, die sie möglicherweise während des Ramadans begangen haben.

Und dann geschah, was geschehen musste. Mitten im Ramadan, aber vor dem Lockdown wurden in manchen Gegenden der Türkei die Spirituosenläden gestürmt. Es gab einen Ansturm auf Bier, Wein und Schnaps, die Muslime legten ihren Vorrat für das Zuckerfest an. Denn auch Supermärkte und Lebensmittelläden, die während des Lockdowns geöffnet bleiben, dürfen keinen Alkohol verkaufen – um den gesperrten Schnapsläden keine unlautere Konkurrenz zu machen.  

Die Entrüstung über das Alkoholverbot durch die Hintertür ist groß. Liberale Regierungskritiker sehen dieses Verbot al Teil einer Langzeitstrategie der islamisch-konservativen Regierung von Recep Tayyip Erdogan. Schon als Bürgermeister von Istanbul hat er versucht, Alkoholverbote einzuführen, und als Präsident hat er die Alkoholsteuer angehoben und dann den Verkauf von Alkohol nach 22 Uhr verboten. Letztendlich wurde dann ein Verkaufsverbot von Alkohol an Wochenenden eingeführt.

Die Spirituosenhändler toben und beklagen einen drohenden Bankrott durch diese Maßnahme, wobei zugegeben wird, dass derzeit (im Ramadan!) vor dem Lockdown so viele Alkoholika wie vor Silvester verkauft wurden.

Sicher ist die Stimmung in den verschiedenen Regionen der Türkei unterschiedlich. In den Städten und den Küstenregionen (die auch Urlauberzentren sind) ist der Unmut über diese Alkoholregelung groß. In Anatolien (von wo Erdogan stammt), und in sonstigen ländlich geprägten Gegenden ist man eher mit Alkoholverboten einverstanden.

Und die Türken, die bei uns eigewandert sind, kommen zum Großteil aus Anatolien und sind, wie die türkischen Wahlen (an denen noch viele von ihnen teilgenommen haben) gezeigt haben, zum Großteil auch Anhänger Erdogans.

Bei uns konnte man auch während des Lockdowns Alkohol kaufen. Ich finde da auch gut so, denn zuweilen trinke ich auch recht gerne ein Gläschen Wein oder auch etwas „Perlendes“.

Muslime im Lockdown und im Ramadan

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