Massenpanik während des Freudenfestes La baOmer in Israel

Etwas Hintergrund zu diesem Fest

Bei unserer Israel-Reise haben wir auch Safed besucht, dort hat es uns besonders gut gefallen. Die dort lebenden Leute waren fröhlich, sehr freundlich und zuvorkommend gewesen, die auf einem Berg angelegt Stadt hatte eine hübsche Altstadt aufzuweisen, wir konnten eine Reihe von Tempeln besichtigen, auf der Hauptstraße gab es nette Geschäfte und lauschige Lokale. Viele junge Leute waren dort unterwegs – man hatte einen herrlichen Blick in das Land. Man merkte auf Schritt und Tritt, dass diese Stadt ein Ort der Gelehrsamkeit war.

Aber nach Meron (Ort des derzeitigen Unglücks), das ganz in der Nähe liegt, sind wir nicht gekommen.  Die heutige Siedlung wurde 1949 nach dem Ende des Palästinakrieges von aus Ungarn und der Tschechoslowakei stammenden israelischen Soldaten an der Stelle des durch den Krieg entvölkerten historischen Meron gegründet. Meron ist auch für seine Weinberge in über 600 m Höhe bekannt. Dieser Ort ist tief in der Geschichte Israels verankert. Es geht unter anderen um den Rabbi Schimon ben Jochai. Er lebte im zweiten Jahrhundert n. u. Z. und war Schüler des Rabbi Akiba in Bne Brak. Der Legende nach trat Rabbi Simon später gegen die Römer auf und hielt sich, von diesen zum Tode verurteilt, mit seinem Sohn Rabbi Eleasar 13 Jahre in einer Höhle versteckt, wo sie unablässig die Tora studierten. Nach Kaiser Hadrians Tod ging er nach Rom und heilte dort die kaiserliche Prinzessin von einer schweren Krankheit. Dadurch erwirkte er bei Kaiser Antoninus die Aufhebung der hadrianischen Judengesetze.

Und in Meron ist Ende April 2021, ein tragisches Unglück geschehen – mit vielen Toten.Einige zehntausend Menschen hatten das jüdische Freudenfest Lag Baomer gefeiert. Dann kam es zu Panik und Gedränge: 44 Menschen kamen ums Leben, wahrscheinlich 150 wurden teils schwer verletzt. Wir alle, egal wo, trauern mit Israel.

Aber bei allem Interesse am Judentum, dass es das Fest Lag baOmer gibt, hatte ich bisher noch nicht gehört. Es ist ein Halbfeiertag, der am 33. Tag des Omer-Zählens zwischen Pessach und Schawuot begangen wird und jeweils auf den 18. Ijjar fällt. Lag steht hier für 33, zusammengesetzt aus Lamed (30) und Gimel (3).

Der Ursprung des Festes geht auf den Bar-Kochba-Aufstand gegen die Römer 132–135 n. Chr. zurück. Zusätzlich dient das Fest zur Erinnerung an Rabbi Schimon bar Jochai, der nach der Überlieferung an diesem Tag verstorben ist. In Meron in Galiläa, unweit von Safat, werden seine Grabstätte und diejenige seines Sohnes Elasar ben Schimon jeweils von Zehntausenden an Lag baOmer besucht.

Lag baOmer ist ein fröhliches Fest. Die verschiedenen einschränkenden Gebote der Trauerzeit, die für die 49 Omer-Tage zwischen Pessach und Schawuot gelten, sind an diesem Tage aufgehoben. Kinder und Erwachsene veranstalten Picknicks und versammeln sich um Lagerfeuer. Vor allem aber können an diesem Tag Hochzeiten gefeiert werden – ein Angebot, von dem reichlicher Gebrauch gemacht wird. Man darf sich wieder rasieren und sich auch die Haare schneiden lassen. An Lag baOmer wird deshalb auch die Zeremonie der Chalaka durchgeführt. An diesem Tag werden die Söhne, die schon drei Jahre alt sind, nach Meron gebracht, und ihnen werden hier zum ersten Mal die Haare geschnitten. An diesem Tag wird der Kopf des Kindes das erste Mal mit einer Kippa bedeckt, und man zieht ihm das erste Mal einen kleinen Gebetsschal an.

Der berühmte Rabbi Akiba hatte den Bar-Kochba-Aufstand unterstützt. Akiba ben Josef (geboren um 50/55; gestorben 135 n. Chr.,), gewöhnlich Rabbi Akiba genannt, gehört zu den bedeutendsten Vätern des rabbinischen Judentums. Er gehört zu den Zehn Märtyrern, die unter Kaiser Hadrian getötet wurden. Nach Aussagen des Talmud war Akiba ben Josef von einfacher Herkunft und von Beruf Schafhirte. Bis zu seinem vierzigsten Lebensjahr soll er völlig ungebildet gewesen sein. Erst seine Frau Rachel habe von ihm verlangt, lesen und schreiben zu lernen. Er begann erst mit 40 Jahren das Studium der Tora und wurde nach 13 Jahren selbst ein Tora-Gelehrter. Das Ende Rabbi Akibas wird als Märtyrertod mit vorheriger Folter geschildert, bei der Rabbi Akiba unbeirrt in seinem Glauben das Schma Jisrael gebetet habe, bevor er starb. Daraufhin sei eine Himmelstimme mit den Worten „Heil dir, Rabbi Akiba, denn du bist für das Leben der zukünftigen Welt bestimmt“ erklungen. Er gilt als erster Sammler und Gestalter des vorher teilweise auch nur mündlich tradierten Bestands an Gesetzen, Diskussionen und Texten für die Mischna, die jüdische Auslegung der mündlichen Tora. Er systematisierte die Schriftauslegung beispielsweise nach Sachgebieten wie Sabbat-Gesetzen, Gesetzen zur Ehe, Gesetzen zum Eigentum. Er war maßgeblich beteiligt an der Kanonisierung der hebräischen Bibel und der Entstehung der griechischen Übersetzung des Aquila. In den 50 Omer-Tagen sollen  24.000 Schüler Akibas im Aufstand gegen die Römer gefallen sein.

Der Überlieferung nach endete an dem Tag von Lag Baomer eine Epidemie, an der damals zahlreiche jüdische Religionsschüler gestorben waren. Sind wir nicht daran erinnert, dass auch heute in Israel gerade eine Pandemie zu Ende geht?

Massenpanik während des Freudenfestes La baOmer in Israel

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