Eine Leseempfehlung,

aber nur für historisch/archäologisch Interessierte

Es ist schon spannend, wie manche Autoren die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse in einen Roman verpacken können.  Ich meine „Stonehenge“, vom Bernard Cornwell.

Dazu ist zu bemerken, dass mich Steinsetzungen, egal wo, immer interessieren und interessiert haben. Wir haben sie in Korsika gefunden, besonders auch in der Bretagne, aber auch in Irland. Und daher waren mein Mann und ich selbstverständlich auch in England – und konnten Stonehenge bewundern.

Außerdem gab und gibt es immer wieder Dokumentationen, die über neueste Funde in der Umgebung berichten, aber auch über die faszinierenden heutigen Methoden, die es nicht mehr erforderlich machen, auszugraben, um zu wissen, was da alles unter der Erde liegt.

Stonehenge  ist ein vor über 4000 Jahren in der Jungsteinzeit errichtetes und mindestens bis in die Bronzezeit genutztes Bauwerk im Süden Englands. Weitere Bauten aus der Megalithepoche – vor allem Hügelgräber und zwei Gebilde, die als Rennbahnen bezeichnet werden – finden sich in der Umgebung. Darüber hinaus gibt es die Reste des sogenannten Prozessionsweges, der vom genannten Ausgang nach rechts bis zum Avon-Ufer reicht. Der Radius, der nach unten hin in den Eingang des Monuments führt, deutet in seiner Verlängerung dann zur Südküste Englands; interessanterweise genau auf die gemeinsame Mündung der Flüsse Avon und Stour in den Ärmelkanal. Demnach könnte es Prozessionen gegeben haben, die an bestimmten Tagen morgens Richtung Nordosten begannen, zur Küste hinab eine der scheinbaren Sonnenbahn folgende Bewegung absolvierten und am Abend ins Monument zurück kehrend endeten.

Über den Anlass und letztlichen Zweck dieser höchst aufwendig konzipierten Anlage existieren verschiedene, einander teils ergänzende, teils auch sich widersprechende Hypothesen. Sie reichen vom Selbstporträt eines urpolitischen Bündnisses zweier ehemals verfeindeter Stammesorganisationen (Größenhierarchie der Menhire) über eine religiöse Begräbnis- oder Kultstätte bis hin zu einem astronomischen Observatorium inklusive Kalender für die Saat- und Erntezeiten.

Alle diese Hypothesen, auch die eher rein spekulativen, stimmen in einem Punkt überein: Es ist den Architekten des Monuments gelungen, die Hufeisen und die ihren Öffnungen senkrecht vorangestellten Steine exakt auf den damaligen Sonnenaufgang am Tag der Sommerwende auszurichten. Neueste Forschungen legen nahe, dass der Ort, an dem heute die Reste des Monuments zu betrachten sind, bereits vor 11.000 Jahren eine besondere rituelle Bedeutung für die Menschen hatte.

Aber das Buch ist spannend, es geht um die Macht der Clanführer, es geht natürlich auch um Liebe, es geht um den Einfluss der Priester und wie sich Priester und Clanführer abgrenzen. Eine große Saga um Bruderzwist, Machtgier und Liebe – und die wahrscheinliche/mögliche (?) Geschichte eines der eindrücklichsten Bauwerke, die jemals von Menschenhand geschaffen wurden. Die Religion wird auch hier benutzt um Macht zu vermehren. Es wird zwar beschreiben, dass sich die Menschen oft nackt bewegten und nur Fellmäntel zum Schutz gegen die Kälte trugen, dass sie ihre Körper bemalten. Es wird auch beschrieben wie es Menschenopfern kam. Aber dennoch wirken diese beschriebenen Menschen alle auf mich äußerst „heutig“.  

Um die Macht in Ratharryn zu erlangen, wendet sich Lengar, der Krieger, gegen den eigenen Vater und raubt dem Bruder die Frau. Doch Clanführer wird der Jüngste, Saban der Baumeister, bis Verrat ihn zum Sklaven macht. Blutige, langwährende Kriege überziehen das Volk von Ratharryn. Aber dann hat der Seher Camaban, der mittlere Bruder, eine Vision: Frieden ist nur möglich, wenn ein gewaltiger Steinkreis erbaut wird – eine neue Heimstatt für die Götter: Stonehenge.

Und es gab viele Götter – dieser Tempel – Stonehenge – sollte dem „Hauptgott“ (Sonnengott) die Macht zurückgeben, die ihm die Mondgöttin entzogen hatte. Und jeder Clan hatte dazu noch seinen eigenen Gott. Die Konkurrenz war auch hier groß.

Mich haben an dem Buch besonders die Beschreibungen des möglichen Transports der Riesensteine fasziniert. Es wurden „Schlitten“ gebaut, auf dies diese Steine gehievt wurden und von Ochsen gekarrt wurden, aber es wurden auch gigantische Flöße gebaut um sie teilweise in Küstennähe und teilweise über Flüsse an ihren Bestimmungsort zu befördern. Sie mussten aber letztendlich aufgerichtet werden und in den Boden versenkt werden, wofür mannstiefe Löcher gegraben werden und Tripode errichtet werden mussten um das Aufrichten zu ermöglichen. Auf das Leben der Sklaven, die mit der eigentlichen Arbeit befasst wird, wird – wie immer – kaum eingegangen. Viele sind auch bei der Arbeit am Tempelbau verunglückt und gestorben.

Mir ist schon klar, dass vieles Fantasie war, das in diesem Buch beschrieben ist. Aber dennoch gibt es Antworten wie diese riesigen, ungeheuerlich schweren Megalithen möglicherweise an ihren Platz gebracht werden konnten.

Ich – mit meiner archäologischen Ader – fand es wirklich spannend.

Eine Leseempfehlung,

2 Gedanken zu “Eine Leseempfehlung,

  1. Wir haben 2013 den beeindruckenden Steinkreis von Stonehenge bewundert. Den Audioguide habe ich irgendwann ausgeschaltet, ich wollte das Gesamtwerk in mich aufnehmen, einfach umhergehen, stehenbleiben, gucken, staunen und fühlen. Fühlen? Ja, ich habe dort irgendwas gefühlt, da war etwas, ohne dass ich es näher Beschreiben könnte.
    2015 waren wir am Steinkreis von Brodgar. Dort hatte ich mich von unserer Besuchergruppe abgesetzt, zurückfallen lassen. Nein, da hatte ich das Gefühl nicht.

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