„Stadt und Land“ in der Albertina

Schauen Sie sich das an!

Gleich, nach dem Übergang von einem harten auf einen etwas weicheren Lockdown, habe ich mir eine ganz große Freude gemacht, ich bin in die Albertina gegangen. Und – ich kann es mir leisten, nur eine der mehreren dort gebotenen Ausstellungen anzusehen – demnächst gehe ich wieder hin – und schaue mir die Bilder von Xenia Hausner an. Diesmal wollte ich die Eindrücke nicht „mischen“ und habe mir „nur“ die Ausstellung „Stadt und Land – Zwischen Traum und Wirklichkeit“ angesehen.

Die Albertina ist so reich an Schätzen, dass sie eine derartige Ausstellung nur aus ihren eigenen Beständen zusammenstellen kann. Der Großteil stammt sogar noch vom Sammlungsgründer Albert von Sachen-Teschen (1738 – 1822), dem Namenspatron der Albertina, der größten Graphiksammlung der Welt, und seiner Frau Marie Christine (einer Tochter Maria Theresias). Ihr,  Marie Christine wurde das wunderschöne Grabmal (von Canova) in der Augustiner Kirche mit dem berührenden Text „Uxori optimae Albertus“ errichtet.

In dieser großartigen Ausstellung sind 170 Landschaftsbilder aus 450 Jahren zu sehen. Fast jedes einzelne hat mir gut gefallen, jedes einzelne würde ich gerne bei mir zu Hause aufhängen. Fasziniert hat mich die Akribie, mit der Stimmungen eingefangen wurden, hier – in diesen Werken ist der Impressionismus in jedem Jahrhundert vorweggenommen.

Leider musste ich wieder einmal verärgert feststellen, dass meine diesbezügliche Bildung einfach nicht ausreicht – hier sind gemalte Werke, Radierungen, Stiche etc. und was ist der Unterschied? Aber mit diesem technischen Thema muss ich mich ein andermal auseinandersetzen, für jetzt genügt die Freude am fertigen Werk, das man hier bewundern kann.

Es sind große Namen die man hier trifft – gleich zu Anfang steht man vor Werken von Albrecht Dürer, aber es nicht nur das Rasenstück, das da fasziniert. Bei den „ganz großen Namen“, die man aus allen Museen kennt, faszinieren hier die „kleinen“ Arbeiten, die sie von einer ganz anderen Seite zeigen: Rembrandt, Canaletto, Boucher, Caspar David Friedrich, Menzel, Jakob Alt, Rudolf von Alt, Cézanne, Emil Nolde oder Paul Klee, das gilt für sie alle. Aber nicht nur die Bilder der „großen Namen“ faszinieren. Es sind einerseits  die Phantasielandschaften, sogfältig komponiert und zusammengestellt, andererseits die abgebildete Realität.  Dort der Verfall der römischen Kultur – dargestellt durch eine Scheune in den Resten eines Tempels. Ja, es zeigt, wie die Ruinen der Vorfahren als „Steinbruch“ für die eigenen Häuser (Schupfen) gedient haben.

Interessant fand ich auch, dass bei den frühen Werken, die Menschen verhältnismäßig klein im Vergleich mit den sie umgebenden Objekten der Landschaft waren. Man musste sie förmlich suchen. Später wurden sie dann „die Landschaft dominierend“ dargestellt.

Ein Faktum, das durchgehend zu merken war, dar diese „obligate Studienreise in die Antike“, die jeder der einem gehobenen Stand angehörte,  durchführen musste. Daher stammt dann wohl auch die große Nachfrage nach Bildern, seien sie nun realitätsnahe oder phantasievoll.

Idyllisch waren sie, die meisten der gebotenen Landschaften, gerne würde man dort weilen. Aber auch enorm „ansprechend“. Bei einem Bild Canalettos – den ich ja überhaupt sehr mag- stand ich lange. Es erinnerte mich an eine wunderbare Reise mit Freunden an den Brenta-Kanal und die Palladio Villen. Und beim näheren Hinschauen auf Maler und Gegend – hatte mich meine Erinnerung nicht getäuscht.

Aber nicht nur die Landschaften begeisterten mich, auch die Darstellung von Gebäuden mit großartigen Licht-Schatten Kontrasten, die die Gebäudeteile hervortreten ließen. Es sind auch die Städte, deren frühere Schönheit (teilweise aber auch noch heute erkennbar) in dieser Ausstellung sichtbar wird. Danke Jacob und Rudolf von Alt – für Landschaften und Städte.

Nicht zu vernachlässigen: die großartigen „Vogelschauen“, die gleichermaßen Pläne der damaligen Städte waren. Lang verbrachte ich vor einem derartigen Plan der Wiener Innenstadt und einiger umgrenzender Bezirke, bei denen sogar die Plätze beschriftet waren. Sie wurden zum Teil von Militärs gezeichnet, aber in ungeheurer Genauigkeit, aber auch hohem künstlerischen Geschick.

In die Moderne übergehend, wurden die Darstellungen wesentlich weniger lieblich, als die Landschaften der früheren Künstler, es wurde auch die beginnende Industrialisierung sichtbar, da hat mir Lyonel Feiniger sehr gefallen. Allerdings Macke, Klee, Nolde und Corinth haben mich in diesem Rahmen weniger beeindruckt. Die Darstellungen von Kubin waren mir dann doch etwas zu trostlos- dagegen waren „die alten Häuser in Krumau“ von Schiele schon eine recht fröhliche Ansicht.  

(Es gibt zwar in fast jedem Saal Sitzgelegenheiten, von denen man die Bilder allerdings nicht genau sehen und die Texte eher nicht lesen kann. Ich „stehe schon schlecht“ über längere Zeit – altersbedingt leider – und da haben mir diesmal halt die Bankerln wenig geholfen.) Ich muss mir eine „eigene Lösung“ überlegen).

Ich kann nur empfehlen, gehen Sie hin, suchen Sie sich ihre Lieblingsbilder, genießen Sie diese Ausstellung. Mach Sie sich selbst ein Bild.

„Stadt und Land“ in der Albertina

2 Gedanken zu “„Stadt und Land“ in der Albertina

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s