Impressionen im gelockerten Lockdown

In der Kärntnerstraße sind viele Leute unterwegs, es wird schon wieder schwer, sie zu queren. Die meisten haben Sackerln mit Aufschriften von Firmen in der Hand, sie haben also eingekauft. Man ist fröhlich. In vielen Schanigärten wird gewerkt, geputzt, man erwartet eine baldige Öffnung. Und überall sieht man Schlangen vor den Geschäften, ich bin auch gestanden, vor dem Bäcker – weil ja nur zwei Personen im Geschäft sein dürfen, oder vor dem Fleischhauer. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das in Zukunft anders sein wird. Ich gehe auch davon aus, dass wir weiterhin die Masken tragen werden, auch nach dem Ende des Lockdowns, wann immer das auch sein wird.  Und für die dritte Impfung kauft die Regierung schon ein.

Die Inhalte der Auslagen werden wieder gewechselt, zu lange haben wir uns schon dieselben Dinge angeschaut. Aber Prozente werden teilweise auch schon wieder geboten – die Frühjahrssachen müssen weg – wenn der Sommer da sein wird, ist es zu spät, sie verkaufen zu können.

Apropos, Inhalt der Auslagen. Für Damen scheinen heuer Shorts „in“ zu sein. Und zwar solche, die ihrem Namen alle Ehre machen. Ich hab‘ so ein Kleidungsstück das letzte Mal getragen, als ich noch in der Sandkiste gespielt habe, damals hat man es Spielhoserl genannt.  Gestern sah ich ein wirklich exquisites Exemplar: Jeansstoff, natürlich zerrissen, aber mit Spitze dekoriert. Man kann es auch Pailletten haben. Der Preis dafür schien mir exorbitant. Aber ich bin sicherlich nicht die Zielgruppe.

Schlangen – die bilden sich nicht nur in Einkaufsstraßen vor Geschäften. Ich muss diese Wochen endlich zum Friseur – naja und dafür braucht man noch einen Test, auch wenn man zwei Mal geimpft ist. Da ich auch wissen wollte, ob die Impfung gewirkt hat (ich habe überhaupt keine Nebenwirkungen gespürt) leistete ich mir einen Antikörpertest. Ich hoffe, dann zu wissen, ob ich auch ausreichend geschützt bin. Ich hatte deswegen im Labor meines Vertrauens angerufen, ja ich kann jederzeit ohne Voranmeldung kommen. Ich begab so ca. um 11 Uhr dorthin – und die Wartenden standen im Stiegenhaus – ein halbes Stockwerk lang. Es wurden immer nur Gruppen von drei Personen eingelassen. Alle hatten Masken auf, aber der zwei Meter Abstand ist nicht wirklich eingehalten worden.

Sie werden nicht glauben, was ich mir wünsche! Ich wünsche mir, dass die Bäder bald aufsperren. Warum? Mein täglicher Spaziergang führt durch den Burggarten, den Heldenplatz und den Volksgarten. Und dort lagern die Menschen, wie sonst nur auf den Wiesen in den Bädern. Viele schon mit recht wenig Beleidung – naja, ich verstehe, es ist heiß, wenn man turnt, wenn man Ball spielt, wenn man Yoga betreibt. Außerdem will man ja rundherum braun werden.  Viele bringen ihr Picknick mit, die Abfälle haben in den dafür vorgesehenen Kübeln oft keinen Platz mehr. Außerdem „räumen“ Krähen gerne diese Mistkübeln aus, um Fressbares zu finden. Ja es gibt auch – besser gesagt, nur drei Koloniakübeln im Burggarten. Aber die Plastiksackerln, die Plastikflaschen treibt der Wind durch den Park, oft auch in den Ententeich, dort ist eine Ecke voll mit diesem Abfall.  Es sind auch alle Bänke besetzt, nicht jeder sitzt gerne im Gras (gilt auch für mich, ich kann dann schlecht aufstehen). Aber hier blühen die Pfingstrosen in voller Pracht – und sie duften.

Am Heldenplatz gibt es eine Ecke beim Heldendenkmal, in der sich die „Kunstradfahrer“, die Skateboarder und Rollerskater herumtreiben. Das ist zwar laut, aber fröhlich. Eine der Wiesen ist noch „in restauro“, nachdem der ungenützte Steiermark-Pavillon wieder abgetragen worden ist. Auf den anderen Wiesen ist ein Ballspiel sehr populär, eine Art kleines Trampolin in der Mitte und rundherum Menschen, die einen Ball draufwerfen, der, wenn er aufspringt, vom Nächsten gefangen werden muss. Ich weiß nicht, wie das Spiel heißt, aber es ist sehr populär. Dort treten auch Akrobaten auf, entweder mit mehreren Bällen oder mit Keulen. Es ist ein munteres Bild. Dahinter bellen die Hunde in der Hundezone. Vögel hört man in diesem Lärm nicht mehr So hat der Kaiser sein „Kaiserforum“ sicher nicht vorgestellt. Mir gefällt’s. Vor allem aber auch die blühenden Fliederbüsche, dass man dann ganz genau das Bild vor sich hat, dass vor langer, langer Zeit einen Bühnenvorhang geschmückt hat.

Im Volksgarten gibt es mehr Sitzgelegenheiten, und trotz aller Einzäunungen die Stufen des Theseus-Tempels. Hier werden mehr und mehr Bäume mit Widmungstäfelchen versehen Die Rosenstöcke sind diesbezüglich alle schon “besetzt“. Und die Harfenspielerin sitzt auch schon wieder an ihrem Platzerl. Hier gehen die Kastanienkerzen gerade auf, halt nur bei jenen Bäumen die nicht jeden Winter gestutzt werden. Dass Kinder in den Rabatten spielen – ihre bewundernden und photographierenden Eltern hinterher, gefällt mir schon weniger, aber die Menschen scheinen keine Grenzen zu kennen. Und im Volksgarten, nahe dem Elisabeth-Denkmal sieht man – wenn man Glück hat – manchmal noch verliebte Pärchen.

Anregend, so ein abendlicher Spaziergang.

Impressionen im gelockerten Lockdown

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