Es ist doch schon viel „weitergegangen“

Gedanken zum Muttertag 2021

In Anbetracht der jetzt „tobenden“ Belästigungsdebatte im Zusammenhang mit oe24.tv möchte ich mich der Gleichberechtigung im Beruf und der Frage der Kompatibilität von Mutterschaft und Karriere widmen.

Machtausübung (also sexuelle Belästigung) von Männern gegenüber Frauen war auch zu meiner anfänglichen Berufszeit üblich. Dem konnte nur „Zähne-zusammen-beißen“ und Ignorieren bzw. Jobwechsel entgegengestellt werden. Da hat sich wohl sehr viel zum Besseren geändert.   Was aber nicht heißt, dass es „schon gut“ ist. Schlimm genug, dass man auch heute „zum Kadi rennen muss“ um sich wehren zu können. Aber man kann! Nicht, dass ich manches auf diesem Gebiet nicht für übertrieben halte, ich war nie beleidigt, wenn mir in jungen Jahren irgendwelche Kerle nachgepfiffen haben – ich habe es eher als Kompliment aufgefasst. Aber ich gebe zu, dass die Grenze zur sexuellen Belästigung jetzt anders gezogen werden.

Aber abgesehen von diesem Thema, als ich mein „Arb Als ich mein „Arbeitsleben“ begonnen habe, waren gesellschaftspolitisch betrachtet, Mutterschaft und Karriere Gegensätze.eitsleben“ begonnen habe, waren gesellschaftspolitisch betrachtet, Mutterschaft und Karriere Gegensätze. Wenn man nicht bei seinem (ersten) Kind zu Hause blieb, galt man als Rabenmutter, wenn man sein Kind vor seinem dritten Lebensjahr einem Kindergarten anvertrauen wollte, galt man als fahrlässig. Chefs förderten junge Frauen nicht, es gab wenig zukunftsorientierte Weiterbildung für Frauen, denn „die kriegt ohnedies bald ein Kind“. Und wenn eine Mutter berufstätig war, wurde ihr unterstellt, „sofort beim ersten Schnupfen des Kindes“ zu Hause zu bleiben (gesetzlich geregelte Kinderbetreuungstage im Krankheitsfall gab es erst später). Das war die allgemeine Ansicht, als ich zu arbeiten begonnen habe. Da hat sich sehr viel zum Besseren geändert. Vor allem durch die Einbindung von Vätern in die Kinderbetreuung (die gesetzlich verändert ist) und die Teilung auch der Verantwortung von Haushalt und Kindererziehung hat sich auch das diesbezügliche Denken (der heutigen Chefs) verändert. Als der erste Kollege Karenzurlaub genommen hat, hat der Chef damals gemeint, „der wird, solange ich Chef bin, niemals mehr befördert).

Meiner Generation mangelte es damals auch an Vorbildern für Karrieren für Frauen, daher mussten wir erst unser Selbstbewusstsein aufbauen. Erfolgreiche Frauen in Führungspositionen waren damals z.B. Margarethe Ottilinger, Maria Schaumayer. Beide nicht verheiratet, keine Kinder.  Das war nicht leicht. Ich glaube, wir versuchten Männer nachzuahmen. Ich komme mir noch heute ohne Kostümjacke nicht „ordentlich“ angezogen vor. Aber vor allem versuchten wir die Verhaltensweisen, vielleicht besser gesagt, den Führungsstil der Männer nachzuahmen. Aber uns Frauen fehlte z.B. die Einbindung in Seilschaften. Uns fehlte die Möglichkeit, aufs Bier nach der Arbeit zu gehen, denn zu Hause warteten die Kinder (mit wahrscheinlich noch nicht gelernten Vokabeln, unfertigen Hausaufgaben etc.), die Hausarbeit und das Kochen des Nachtmahls. Wir machten Überstunden, wenn es notwendig war, aber Männer konnten abends im Büro sitzen bleiben, manchmal nur um untereinander gemütlich zu tratschen – und nannten es Überstunden.  

Meine Generation hatte noch nicht gelernt – erkannt, dass Frauen „anders führen“. Aber wenn wir überhaupt die Gelegenheit bekamen, in „Führungsvorbereitungsseminare“ zu gehen, lernten wir ja nur über die bisher eingefahrenen Methoden, wie sie Männer erdachten (die Mitarbeiter von z.B. McKinsey) und dann Männer ausübten. Dass Frauen sehr viel Erfahrung mit Führung – einfach in der Familie z.B. durch Kindererziehung – haben konnten, wurde vollkommen vernachlässigt.  Selbst wenn es uns bewusst war, hatten noch nicht ausreichend Selbstbewusstsein, um darauf z.B. zu pochen – vor allem auch aus Furcht, dass uns die „führenden Männer“ ausgelacht hätten.

Auch da hat sich viel geändert, man braucht sich heute nur die feschen jungen Frauen anschauen, die heute in Führungspositionen sitzen. „Lässig“ schupfen sie es, z.B. Ministerin zu sein und Kinder zu haben.

Die wesentliche Änderung – meines Erachtens – ist, dass sich Frauen zutrauen, zu führen. Und Männer sehen es nicht mehr als Reduktion ihrer Männlichkeit, von Frauen geführt zu werden.  Selbstbewusste Frauen gründen heute Startups, sie haben Vertrauen in sich selbst, „es zu schaffen“.

Um Frauen zu ermöglichen, auch angemessene Karrieren zu machen, bedarf es auch verständnisvoller, helfender Männer. Man sieht viele Männer die nicht nur Kinderwagen schieben, Babys füttern, sondern ihre Kinder in den Kindergarten/die Schule bringen, … Das Männerbild ändert sich heute. Manche Männer wollen und können das nicht. Sie werden frustriert und aufsässig. Aber zum Glück sind das wenige. (Vielleicht ist das auch ein Grund der doch sehr häufigen Frauenmorden in Österreich)

Ich meine, es hat sich vieles verbessert, aber es ist noch ein weiter (vielleicht nicht mehr ganz so steiniger) Weg, zu einer geschlechteradäquaten Gleichberechtigung.

Es ist doch schon viel „weitergegangen“

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