Die niederösterreichische Seenplatte

Oder Schotterteiche bei Loosdorf/Albrechtsberg

Nachdem mir meine Enkelin gestern ihre doch recht beachtlichen Reitkünste vorgeführt hatte, wollte mir ihr Bruder sein “Fischrevier“ zeigen. Er ist bereits mit seinen 9 Jahren passionierter Fischer. Also fuhren wir nach einem üppigen Muttertagsessen – im Freien (herrlich) – und Bewundern der neu geworfenen Katzen (nein, keine steht mehr zu Verfügung, alle schon vergeben), Richtung Loosdorf/Albrechtsberg, wo durch den Bau der Autobahn einige Teiche (sieben an der Zahl) entstanden waren.

Loosdorf liegt im Tal der Pielach im niederösterreichischen Alpenvorland am Südrand des Dunkelsteinerwaldes im Mostviertel. Albrechtsberg hinwieder ist bekannt vor allem für das gleichnamige Schloss, das im 12. Jahrhundert durch Albrecht von Perg errichtet wurde und zeitweise Sitz des Geschlechts der Enenkel (Ennenkel) war. Das Schloss ging in den Besitz der Starhemberg über. Da die Starhembergs während des Dreißigjährigen Krieges als eifrige Protestanten gegen den Kaiser kämpften, wurden die Schlösser von kaiserlichen Truppen geplündert, Albrechtsberg in Brand gesteckt. In der Folge konfiszierte man die Güter als Rebellengut. 1623 kaufte Hans Ruprecht Hegenmüller von Dubenweiler nach langen Verhandlungen die beiden Schlösser Albrechtsberg und Sitzenthal. In Albrechtsberg wurde wieder der katholische Gottesdienst eingeführt. 1683 konnte das Schloss gegen eine kleine Truppe angreifender Osmanen erfolgreich verteidigt werden. 1768 musste das Schloss erneut zwangsversteigert werden. Im Laufe der nächsten 250 Jahre wechselte es mehrfach seine Besitzer. Schloss Sitzenthal hinwieder war Lehensbesitz des Stiftes Melk und gehörte dem 1619 geächteten Grafen Ludwig Starhemberg. Im 20. Jahrhundert kam Sitzenthal an die Freiherren Hammerstein-Equord. Der Dichter und Politiker Hans Hammerstein-Equord (gest. 1947), der hier im Schloss geboren wurde, war 1936 österreichischer Bundesminister für Justiz und nach 1938 Häftling im Konzentrationslager Mauthausen.

Diese großen Teiche oder kleinen Seen liegen in unmittelbarer Nähe der Pielach, die dann bei Melk in die Donau mündet. Am Albrechts- oder Danubiusbrunnen in Wien, an der Albertin, ist die Pielach allerdings nicht vertreten!

In diesen Auen der Pielach und den kleinen Seen bzw. großen Teichen sind wir durch frühlingsfrischen Wald spaziert. Es sprießt nur so aus dem Boden und in die Höhe. Aber, wie Sie vielleicht wissen oder mich kennen – ich kann „die Geschichte“ nicht lassen. Diese Schotterteiche entstanden beim Bau der Westautobahn.

Die West Autobahn A 1 ist die erste in Österreich gebaute Autobahn. Sie führt von Wien über Linz zum Walserberg bei Salzburg. Die wichtige Verkehrsverbindung zwischen Salzburg und Wien, die lange Zeit durch die römische Reichsstraße südlich des Limes abgedeckt wurde, später als k.k. Reichsstraße und ab 1921 als Bundesstraße geführt wurde verlief durch viele Ortskerne, weshalb ein Neukonzeption nahe lag.

Der erste Spatenstich zum Bau der Autobahn wurde bereits kurz nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 7. April 1938 bei Salzburg im Beisein von Adolf Hitler gefeiert. Bereits im Sommer 1938 waren von der geplanten 150 km langen Strecke 60 km in Bau. Durch den Arbeitskräftemangel im Verlauf des Krieges verzögerte sich der Bau. Im Jahr 1942 wurde der Autobahnbau bei einer fertiggestellten Gesamtlänge von 16,8 Kilometern eingestellt. Im Nachkriegsösterreich dachte man zwar in der amerikanischen Besatzungszone an den Weiterbau der Autobahn, dies wurde aber durch die sowjetischen Besatzer verhindert, so dass ein Weiterbau erst nach dem Staatsvertrag von 1955 möglich war.

Ein Teil dieser Teiche dient ausschließlich den Fischen und Fischern. Dort ist es sehr ruhig und idyllisch. Die Anzahl der Fischer die gleichzeitig dort fischen dürfen ist beschränkt – erzählt mir mein Enkel. Er verfügt über eine Jahreskarte, die ihn ermächtigt dort zu fischen, selbstverständlich nur in jenen Perioden, in denen gefischt werden darf (Schonzeiten müssen respektiert werden) und Fische nur nach bestimmten Prinzipien – wenn sie zu groß oder zu klein sind, müssen sie zurück ins Wasser. Vieles ist noch nicht bei der Familie auf dem Tisch gelandet.

Aber es gibt auch die Badeteiche, und da geht’s weniger geruhsam zu, selbst wenn der Imbissstand noch nicht offen hat und es zum Baden eigentlich noch zu kühl ist. Die vorhandenen Parkplätze sind noch nicht voll, aber die Autotafeln weisen nur Nummern aus der Umgebung auf. Die „Sonnenhungrigen“ lagern im Gras rund um die Seen, andere sitzen auf Bankerln, manche spielen (ähnlich schaut’s derzeit im Burggarten in Wien aus, nur an den Schotterteichen ist es nicht so gedrängt). Manche wagen sich schon ins Wasser. Ich stell’s mir noch recht kalt vor. Meine Enkelin wagt es, kommt aber nach kurzer Zeit mit blauen Lippen und Gänsehaut wieder aus dem Wasser. Die Luft ist zwar warm. Die Sonne scheint prächtig, aber der Wind ist doch noch kühl.

Aber um spazieren zu gehen, ist das Wetter wunderbar, der Boden in diesen Auen ist oft sandig und weich, die Wurzeln nicht allzu störend. Nur Vögel hört man wenige, die ich sonst da vermutet hätte. Aber dafür sind auch keine störenden Insekten unterwegs, die man in solcher Umgebung früher auch oft finden konnte.

Zu Jause kehren wir noch einmal in den Garten zurück – dort kann ich noch unter der prächtigen alten Platane verweilen, die noch nicht so viel Schatten spendet, wie sie es dann im Sommer tun wird, denn die Blätter sind noch klein und im Wachsen.

Ein wunderschöner Muttertag.

Die niederösterreichische Seenplatte

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