Die Donau. Eine Reise in die Vergangenheit

Zu sehen: im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek

Es regnet, es ist kühler geworden – was gibt es Besseres zu tun, als Ausstellungen zu besuchen, die jetzt – Gott sei Danek – alle wieder offen haben.

Wir haben diesmal „Die Donau. Eine Reise in die Vergangenheit“ im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek gewählt. Es war eine wirklich gute Wahl. Außerdem war ich bei der Donauausstellung auf der Schallaburg, (nachzulesen unter:  https://christachorherr.wordpress.com/2020/08/17/empfehlung-ein-besuch-auf-der-schallaburg/)

und eine Freundin hat mir ihren Reisefilm über eine Flusskreuzfahrt auf der Donau gezeigt.

Also, so besehen sollte die Ausstellung nicht viel Neues zeigen. Weit gefehlt. Je mehr man sich mit etwas beschäftigt, desto mehr Fragen tauchen auf.

Da wir beide, mein Enkel und ich großes Interesse an Karten haben, war diese Ausstellung einfach großartig für uns. Es waren auch nicht so viele Leute dort, dass man einander behindert hätte. Das Einzige, das mir diesmal gefehlt hat, war eine Lupe. Denn die Texte auf den Karten waren einfach „mit freiem Auge“ für mich nicht immer so leserlich, wie ich mir das gewünscht hätte, besonders auch, weil es im Prunksaal einfach nicht besonders hell ist, um die alten Objekte zu schonen. Und wenn man sich zu sehr über die Vitrinen beugt, wird man „abgemahnt“.

Selbstverständlich haben wir uns jene Teile der Donau genauer angeschaut, die wir kennen, also besonders Österreich – obwohl es auch da für uns „weiße Wissensflecken“ gab. Die unregulierte Donau um Wien faszinierte uns, die Hochwasser in der Leopoldstadt, denn eigentlich hat die Regulierung erst sehr spät begonnen. Die alten Abbildungen aller am Ufer liegenden Burgen, Schlösser, Klöster und sonstige Ansichten sind einfach eine Augenweide.

Aber es fehlt auch nicht der Bezug zur Gegenwart, die Stopfenreuther Au mitsamt ihrer Besetzung fehlt ebenso wenig literarische Hinweise von Ingeborg Bachmann bis Peter Handke.  Natürlich sind auch das Donauweibchen wie auch der Flussgott Danubius vertreten.

Die Schifffahrt zu den verschiedensten Zeiten auf der Donau wird selbstverständlich auch erläutert. Auf die verschiedensten Arten von Kähnen und Schiffen wird eingegangen. Natürlich spielte entlang der Donau auch das Treideln eine wichtige Rolle, man kann ja nicht immer nur stromabwärts fahren (obwohl manche Kähne nach einer Fahrt zerlegt und verheizt wurden). Zum Treideln wurden Strafgefangene (kam fast einer Todesstrafe gleich, denn Schiffe ziehen, das überlebte keiner lang), Zugtiere aber auch Lokomotiven verwendet.

Interessant auch dass diese unsere Donau Grenze und Bindeglied gleichzeitig war (und ist). Lange haben wir die so genannte Militärgrenze betrachtet, die ja das Habsburger Reich von den Osmanen trennte. Aber den Höhepunkt der Ausstellung, die spektakuläre, 44 Meter lange Reproduktion der berühmten Pasetti-Karte müssen Sie sich schon selbst anschauen.

Und das Eiserne Tor, das hätte ich schon gerne selber gesehen: Das Eiserne Tor ist ein Durchbruchstal an der Donau. Es liegt in den südlichen Karpaten, an der Grenze von Serbien und Rumänien. Bis zu seiner Entschärfung 1972 im Zusammenhang mit dem Kraftwerk Eisernes Tor 1 galt es als der für die Schifffahrt gefährlichste Flussabschnitt der Donau, der nicht ohne ortskundige Lotsen passiert werden konnte.

Meine Faszination für dieses Eiserne Tor liegt in seiner Geschichte begründet. Ein bekanntes römisches Zeugnis ist die in den Felsen am Eisernen Tor geschlagene Tabula Traiana auf der serbischen Seite der Donau. Das ist eine Tafel, die der römische Kaiser Trajan im Jahre 100 anlässlich der Beendigung des Straßenbaus rechtsseitig in der unteren Schlucht der Donau anbringen ließ. Im Verlaufe der Bauarbeiten für das Kraftwerk wurde die Tafel wegen des künftig ansteigenden Wasserspiegels der Donau auf einen höheren Standort versetzt, um sie auf diese Weise zu erhalten. Seitdem ist sie nur noch vom Wasser aus sichtbar.

Nicht mehr sichtbar, da überflutet, ist ein von den Römern angelegter und 3,2 Kilometer langer Schleusenkanal entlang des rechten Ufers der Donau zur Umgehung des im Flussbett liegenden Felsriegels Prigrada.

In den Jahren 102 bis 105 errichtete der bedeutende römische Architekt Apollodor von Damaskus im Taldurchbruch etwas weiter stromabwärts, beim heutigen Ort Drobeta Turnu Severin die Trajansbrücke und verlängerte dadurch eine strategisch wichtige Römerstraße über den damaligen Grenzfluss hinaus. Die Brücke, die die längste der antiken Welt war, wurde hauptsächlich militärisch genutzt.

Beim Berliner Kongress 1878 war Österreich-Ungarn mit der Regulierung der Donaustrecke am Eisernen Tor betraut worden. Die ungarische Regierung ließ die Bauarbeiten in den Jahren 1890–1896 mit hohem Kostenaufwand und unter Überwindung großer technischer Schwierigkeiten ausführen. Die regulierte Donaustrecke am Eisernen Tor wurde am 27. September 1896 von Kaiser Franz Joseph I. von Österreich eröffnet. Das Eiserne Tor ist seit den 1990er-Jahren ein Teil von Serbien und Rumänien.

Noch kurz zu Ada Khale: das war eine Binneninsel in der Donau, deren Bewohner ab 1968 wegen des Baus des rumänisch-jugoslawischen Kraftwerks Eisernes Tor 1 abgesiedelt wurde und 1971 durch den Rückstau des Kraftwerks, und damit steigenden Wasserspiegels der Donau in diesem Bereich, überflutet wurde. Ada Kaleh war bis 1912 eine übriggebliebene Exklave des Osmanischen Reiches. Auf der Insel befanden sich eine Festung und eine kleine Ortschaft mit einer Moschee, einem Basar, einer kleinen orthodoxen Kapelle, mehreren Kaffeehäusern, einem Gouverneurspalais und mehreren verwinkelten Gassen. Ada Kaleh diente den Bewohnern der umliegenden Regionen als romantisches Ausflugsziel und, dank einer Steuerbefreiung, als beliebte Einkaufsmöglichkeit für türkische Delikatessen, Schmuck und Tabakwaren. Berühmt war Ada Kaleh auch für seine Rosenzucht und die daraus gewonnenen Produkte (Rosenöl und Parfüm). Irgendwie schade drum – oder?

Schauen Sie sich diese wirklich interessante faszinierende Ausstellung an. Sie werden vieles finden, das Sie persönlich anspricht (und nehmen Sie eine Lupe mit).

Die Donau. Eine Reise in die Vergangenheit

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