Noch einmal zum „M-Wort“

Und zum Heiligen Mauritius

In verschiedenen Zusammenhängen taucht in Österreich – wie auch sonst im deutschsprachigen Raum noch das M-Wort auf. Das M-Wort steht für Mohr.

Die „Mohren“ bezeichneten die „Mauren“, die in Nordafrika und bis zur Reconquista im 15. Jahrhundert in Spanien gelebt haben. Waren es die ersten schwarzen Menschen, die in unseren Breiten real auftauchten, die Haussklaven, die Söldner mitbrachten – im 17. Jahrhundert? Aber das war lange nachdem es schon Bezeichnungen an Häusern, Geschäften in den alten Städten gab. Es gibt auch Straßennamen: z. B. die Große und die Kleine Mohrengasse in der Wiener Leopoldstadt (zweiter Wiener Gemeindebezirk), benannt (1862) nach dem Hausschild „Zum großen Mohren“ an einem der dort befindlichen Häuser.

Soll man von einem rassistischen Bezug der Hausnamen sprechen? Wäre es im Gegenteil nicht plausibel, dass der Begriff Mohr positiv besetzt gewesen ist, sonst hätten die Besitzer ihr Haus, ihr Geschäft (z.B. Mohrenapotheke) nicht so benannt. Erwiesen ist jedenfalls, dass Schmähnamen im Spätmittelalter äußerst selten als Hausbezeichnung gewählt wurden.

Nun könnten manche heute glauben, anhand gewisser Quellen herleiten zu können, dass das M-Wort historisch gesehen einmal anders gemeint war, als es heute wirkt. Doch Sprache bzw. Begriffsinhalte verändern sich laufend. Es ist doch nicht ausschlaggebend, was die mögliche Wortherkunft ist, relevant ist doch die Wirkung- oder?

Ist das anfänglich verwendete Wort Mohr auf die christliche Ikonographie zurückzuführen? Ist es denkbar, dass diese alten Mohren dunkelhäutigen Heiligen darstellten, also z.B. einen der Heiligen Drei Könige?

Oder sollte es vielleicht den Heiligen Mauritius meinen? Mauritius (* angeblich bei Theben in Ägypten; † angeblich um 290 in Agaunum (Saint-Maurice) im Wallis) war der Legende nach, der Anführer (Primicerius) der Thebaischen Legion und wird in der katholischen und der orthodoxen Kirche seit dem 4. Jahrhundert als Heiliger verehrt. Er war ein Schutzheiliger des Heeres, der Infanterie, der Messer- und Waffenschmiede und wurde angerufen vor Kämpfen, Gefechten und Schlachten. Das Reichsschwert und die Heilige Lanze, Teile der Reichskleinodien, wurden ab dem Hochmittelalter ebenfalls auf den heiligen Mauritius zurückgeführt.

Gemäß der Legende war Mauritius Kommandeur einer Legion, die zur Zeit der römischen Kaiser Diokletian und Maximian bei Theben in Ägypten aus vorwiegend christlichen Männern ausgehoben worden war. Als Offiziere des Mauritius dienten Candidus und Exuperius. Kaiser Maximian hat die sogenannte Thebäische Legion dann seinem Heer einverleibt, das er gegen die Christen einsetzen wollte. Dabei wird in der Legende die Grausamkeit des Kaisers besonders betont.

Bei der Überquerung der Alpen meuterten die 6600 Mann der Thebäischen Legion im Engnis bei Agaunum, da sie nicht gegen die Christen ziehen wollten. Das Ereignis fand je nach Quelle im Jahr 302 oder 303 statt. Maximian weilte zu der Zeit in Octodurum (Martigny) und gab erzürnt den Befehl, die Legion zu dezimieren, d. h. jeden zehnten Mann hinzurichten. Eine weitere Dezimierung führte ebenfalls nicht zum Erfolg, weshalb der Kaiser die völlige Vernichtung der Legion befahl. Ohne Gegenwehr hätten sich die Offiziere und die Mannschaften als Märtyrer für ihre Religion hinrichten lassen. Fliehende Angehörige der Legion wurden in Solothurn hingerichtet (Ursus und Victor).

Mauritius wurde von Anfang an als römischer Offizier im Kettenhemd, auch mit Schild und Lanzenfahne abgebildet. Seit der Darstellung in Magdeburg etwa 1250 wird Mauritius in der Ikonographie als schwarzer Mauretanier dargestellt.

Ist es heute noch wichtig, wie ein Begriff einst gemeint war. Oder ist es nur mehr wichtig, wie er heute auf Leute wirkt? Der Begriff wirkt für schwarze Menschen heute abwertend und verletzend. Ist es aber richtig, der historischen Bedeutung so wenig Gewicht beizumessen? Welche Funktion hat der Stadtraum wirklich? Kann er auch Ausstellung, Museum, oder auch Archiv unser aller Geschichte sein? Wo ist die Grenze, wer oder was wird entfernt?

Diese Diskussion wir ja auch heftig in Bezug auf Lueger (von anderer Seite auch Renner) geführt. Entfernen oder Kontextualisieren?

Ich glaube, wir sollen uns unserer Geschichte stellen, sie genau – aus heutiger Sicht analysieren, und dann die strittigen Objekte belassen, aber mit ausreichend klar verständlicher, objektiver (gar nicht einfach) Erklärung versehen.

Wir können z.B. nicht einerseits stolz auf unseren Welterbe Status sein und andererseits bestimmte Objekte daraus entfernen oder negieren. Aber ja, den „Mohr im Hemd“ (bestehend aus Butter, Dotter, Zucker, geriebener Schokolade, mit der Schale geriebenen Mandeln sowie mit Kristallzucker aufgeschlagenem Eischnee), den bannen wir von unserer Speisekarte, vielleicht fällt jemand ein besserer Name als Schokoladekuchen dafür ein.

Noch einmal zum „M-Wort“

2 Gedanken zu “Noch einmal zum „M-Wort“

  1. Das, was für das Wort „Mohr“ gilt, könnte auch für das Wort „Jude“ gelten, das in manchen Kreisen als Schimpfwort bzw. zum Zweck der Diffamierung und der Sündenbockprojektion eingesetzt wird.

    Müsste oder sollte man in der Konsequenz nun also z.B. die Judengasse in der Inneren Stadt in Wien umbenennen ?

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