Jetzt können Sie Stücke aus dem Nachlass des Erzherzogs Ludwig Viktor ersteigern

Wer das war, und woher die Objekte kommen

Das Dorotheum versteigerte den Nachlass des jüngsten Bruders von Kaiser Franz Joseph I., Erzherzog Ludwig Viktor, aus dessen Wohnsitz Schloss Kleßheim in Salzburg. Die Auktion gilt mit über 7.000 Lots bis heute als die umfangreichste in der Geschichte des Dorotheum.

Die Sammelleidenschaft des ebenso kunstsinnigen wie skandalträchtigen Erzherzogs Ludwig Viktor ist umfassend überliefert. Der Bonvivant des österreichischen Kaiserhauses, dem das Leben im Luxus wesentlich mehr zusagte als eine militärische Laufbahn, stattete sein Salzburger Schloss prächtig aus. Ein Pool mit Sprungbrett, ein Badehaus und ein Tennisplatz gehörten zum Areal. Sowohl das Winter- als auch das Sommerschloss waren übervoll mit Kunstschätzen.

Erzherzog Ludwig Viktor Joseph Anton von Österreich (* 15. Mai 1842 in Wien; † 18. Jänner 1919 in Kleßheim) war der jüngste Sohn von Erzherzog Franz Karl von Österreich und dessen Ehefrau Sophie Friederike von Bayern. Ludwig Victor, innerfamiliär und von Freunden „Luzi-Wuzi“ genannt, spielte sich schon früh bei jeder Gelegenheit in den Mittelpunkt, wobei seine ironischen bis zynischen Bemerkungen auf Kosten anderer oft als geistreich belächelt und ihm als Nesthäkchen lange eine gewisse Narrenfreiheit eingeräumt wurde. Während der Revolution von 1848 floh er im März 1848 mit der kaiserlichen Familie nach Innsbruck und nach Ausbruch des Wiener Oktoberaufstand 1848 nach Olmütz. Der Sechsjährige soll beim Anblick von zum Tode verurteilten Revolutionären um deren Freilassung gebeten haben. Später durchlief er die für Mitglieder des Kaiserhauses traditionelle Militärlaufbahn, er wurde General der Infanterie und ihm wurde die Leitung eines Regiments übertragen, das seinen Namen trug. Aber Ludwig Viktor widmete sich vorwiegend Kunstsammlungen und baute Palais. Bekannt sind vor allem das von Heinrich von Ferstel im Renaissancestil erbaute Palais Erzherzog Ludwig Viktor am Schwarzenbergplatz, und die von ihm ausgesuchte Ausstattung des Schlosses Kleßheim. In seinem Palais veranstaltete er Feste, wobei er die Anwesenheit von Männern der von Frauen vorzog. Seine homosexuelle Orientierung war ein offenes Geheimnis, wobei Ludwig jedoch auch ein langes Verhältnis mit der Tänzerin Claudia Couqui hatte. Dies tat jedoch seinen Beziehungen zu seinem kaiserlichen Bruder und seiner Familie keinen Abbruch, wie seine Privatkorrespondenz beweist.

Dieses Palais am Schwarzenbergplatz ist Ihnen vielleicht vertraut, wenn Sie öfters ins „Kasino“ des Burgtheaters gehen. Es wurde zwischen 1863 und 1866 errichtet. Der Erzherzog selbst konnte das Palais nicht lange für seine außergewöhnlichen Feste nutzen, da er wegen einiger für den Hof unangenehmer Skandale nach Schloss Kleßheim in Salzburg verbannt wurde. Am 30. April 1910 verkaufte Erzherzog Ludwig Viktor das Palais um 2 Millionen Kronen an den Militärwissenschaftlichen und Kasinoverein. Während der Verein 500 000 Kronen in bar zahlte, erlegte die k.k. private Lebensversicherungsgesellschaft Österreichischer Phönix das aufgenommene Darlehen über die weiteren 1,5 Millionen Kronen. Aus mehreren praktischen Gründen wurde jedoch nicht der Verein, sondern die k.k. Heeresverwaltung in das Grundbuch eingetragen. Dem Verein wiederum wurde das uneingeschränkte, ausschließliche und unwiderrufliche Nutzungsrecht seitens des Reichskriegsministeriums garantiert und von Kaiser Franz Joseph ausdrücklich genehmigt. Das Palais war 1912 Schauplatz des ersten offiziell als Rudolfina-Redoute bezeichneten Faschingsballs des K.Ö.St.V. Rudolfina Wien. Nach Ende der Monarchie kam es zu einem Rechtsstreit zwischen der Republik und dem Verein, der nach 1945 erneut entbrannte. Die Offiziersgesellschaft blieb bis heute Mieter im Palais am Schwarzenbergplatz. Deutlich später entschloss man sich, den großen Festsaal dem Burgtheater als Probebühne und Aufführungsort zur Verfügung zu stellen. Ein weiterer Teil der Innenräume wird heute vom Wirtschaftsministerium genutzt und die Räume an der Ringstraßenseite sind an eine Restaurantkette vermietet.

Nach seinem Umzug nach Salzburg Ende 1861 widmete sich Ludwig weiter neuen Bauten, wohltätigen Spenden und der Kunstförderung (er war Mäzen des Salzburger Kunstvereins). 1896 ernannte der Kaiser ihn zur Aufsichtsperson über das Österreichische Rote Kreuz, das nach der Schlacht bei Solferino (1859) entstanden war.

Ludwig Viktors 60. Geburtstag 1902 wurde zu Wien im großen Rahmen gefeiert. Ludwig Viktor wurden zeitlebens zahlreiche Eskapaden nachgesagt: So soll er zuweilen Frauenkleider getragen haben und sich darin sogar fotografieren haben lassen. Außerdem sei seine Versetzung nach Salzburg durch den Kaiser wegen einer Prügelei unter Homosexuellen erfolgt. Tatsächlich war Ludwig Viktor in diese Affäre im Centralbad (heute Kaiserbründl in der Weihburggasse) verwickelt, in der österreichischen Presse wurde dies jedoch nicht thematisiert. In seinen letzten Jahren zeigten sich Anzeichen geistiger Verwirrung. Der inzwischen unter Kuratel gestellte starb 1919 mit 76 Jahren als letzter der Söhne Erzherzog Franz Karls.

Noch zum Schloss Kleßheim: Es liegt westlich des Stadtzentrums von Salzburg auf dem Gebiet der angrenzenden Gemeinde Wals-Siezenheim (Ortschaft Kleßheim). Umgeben wird es von einem großen Schlosspark und dem Mühlbach. Ebenfalls im historischen Park des Lustschlosses befindet sich ein Golfplatz. Unterhalb der Terrassenkante hinter dem Schloss befinden sich heute die Tourismusschulen Salzburg. Während der Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie befand sich das Schloss ab 1866 im Besitz von Erzherzog Ludwig Viktor, der durch den Architekten Heinrich von Ferstel das Kavalierhaus als Winterschloss errichten ließ. Auch Adolf Hitler nutzte das Schloss ab 1938 für Staatsempfänge und Arbeitstreffen, wenn er auf dem Berghof auf dem Obersalzberg, weilte.

Und nun können Sie Objekte aus dem Palais bzw. dem Schloss ersteigern. Vielleicht ein erhebendes Gefühl?

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