Assoziationen an einem düsteren Tag

Zu Sterbeversicherungen und Friedhöfen

Nachdem ich gestern eine Aussteuerversicherung (geschlossen in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts) erwähnt habe, fanden das einige meiner Leser komisch. Naja, die Aussteuer eines Mädchens spielt hat heute keine so große Rolle mehr. Ich glaube, dass das Geld, das früher in die Aussteuer gesteckt wurde, heutzutage eher der Ausbildung von Mädchen dienen sollte.

Und nachdem heute ein fast „novembriges“ Wetter zu sein scheint – derzeit zu mindestens, es kann ja noch besser werden, fällt mir ein, dass meine Eltern auch eine Sterbeversicherung abgeschlossen hatten. Ich kann mich noch gut erinnern, dass jedes Quartal ein Kassierer vom Wiener Verein bei uns zu Hause aufgetaucht ist, und die Beiträge zu dieser Versicherung – die nicht sehr hoch war – einkassiert hat. Sollte man heute noch eine Bestattungsversicherung abschließen, würde der Beitrag wahrscheinlich quartalsweise vom Konto eingezogen.

Ja, vielleicht wäre es sinnvoll, (in meinem Alter) mein Begräbnis zu planen. Aber so grau ist es heute doch nicht draußen, dass ich darauf Lust hätte – allerdings ist das fahrlässig und ich sollte es bald in Angriff nehmen!

Jedenfalls mach‘ ich mir keine Sorgen darüber, in welches Grab ich kommen werde. Diese Sorge hat mir mein Mann schon abgenommen – ich komm zu ihm auf den Zentralfriedhof. Der Grabstein steht, es muss dann nur mehr mein Name aufgebracht werden. Auf diesem Friedhof liegen auch die Eltern meines Mannes, ein Teil seiner Großeltern, sein Onkel und seine Tante. Ein Grab eines Onkels meines Mannes habe ich „aufgelassen“, ich habe ihn nie kennengelernt, und wusste nur, dass er manchmal seine Neffen bei sich wohnen ließ, ihnen aber keine Schlüssel gab – sie mussten beim abendlichen Heimkommen pfeifen – und zwar den Walkürenritt. Er war nämlich Wagnerianer, das ist aber auch das einzige, das ich von ihm weiß.

Auch meine Großeltern (väterlicherseits) sind am Zentralfriedhof begraben, das heißt also, meine Großmutter und mein Stiefgroßvater. Meinen „echten“ Großvater kannte ich nicht. Dessen Grab war in Klosterneuburg. Dort wurde auch mein Vater bestattet. Fast immer, wenn mein Mann am Sonntag am Nachmittag Dienst (die Zeitung musste ja am Montag erscheinen) hatte, packte ich meine Kinder ins Auto, holte zuerst meine Mutter ab und dann meine Tante Maria (die Schwester meines Vaters) und wir fuhren nach Klosterneuburg, auf den Friedhof. Dort wurde gejätet, gepflanzt oder gegossen. Hinterher sind wir meist ein wenig spazieren gegangen und konnten beobachten, wie sich Klosterneuburg ausgedehnt hat. Dann sind wir zuweilen über die Höhenstraße, also über den Leopoldsberg und Kahlenberg wieder in den neunten Bezirk gefahren, wo meine Mutter und meine Tante gewohnt hatten. Das in meinem 2CV.

Meine Tante Maria (die ihre Zeitgenossen Mizzi genannt haben) hatte bei Ihrem Tod mit 89 Jahren ihren Leib der Anatomie überlassen. Daher gibt es kein eigenes Grab – ich gedenke ihrer aber beim Grab ihrer Eltern.

Meine Mutter hinwieder wollte in Pernitz bestattet werden (in der Hoffnung, dass dort ihr Grab öfter besucht würde, eine Fehleinschätzung) und ihrem Wunsch gemäß haben wir meinen Vater exhumieren und nach Pernitz überführen und dort bestatten lassen. Wessen Gebeine dann wirklich überführt worden sind, die meines Großvaters oder eines weiteren Onkels, der ebenfalls in Klosterneuburg bestattet worden war, kann kaum verifiziert werden. Da ich weder diesen „echten“ Großvater noch den Onkel gekannt hatte, habe ich das Grab in Klosterneuburg aufgelassen.

Ich erinnere mich an das Getratsche in Pernitz, als ich – da ich ein Grab im alten Teil des Friedhofs für meine Mutter haben wollte (Dort liegen auch alle ihre Geschwister und ihre Eltern) – den Grabstein eines aufgegebenen Grabes einfach übernahm. Er hat mir gut gefallen, er hat in seine Umgebung gepasst und ich habe ihn nur abschleifen lassen und die neuen Namen eingravieren lassen, denn die derzeitige „Grabsteinmode“, wie sie sich in Pernitz angeboten hat, hat mir einfach nicht gefallen.

In Wien gibt es noch immer viele Friedhöfe, die ich zum Teil auch kenne, weil dort Menschen begraben wurden, die mir wichtig waren, dazu gehören der Hernalser Friedhof, der Grinzinger Friedhof, der Ober Sankt Veiter Friedhof, der Hietzinger Friedhof.   An den Ottakringer Friedhof erinnere ich mich nur düster, dort liegt die Stiefmutter meiner Mutter begraben, an die ich nur sehr wenige Erinnerungen habe. Da mein Großvater mütterlicherseits aber in Pernitz begraben ist, bin ich auf diesen Friedhof seither nicht mehr gekommen.

So, und jetzt werde ich mich wieder muntereren Dingen zuwenden. Sie hören noch heute von mir.

Assoziationen an einem düsteren Tag

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