Das Automatenbuffet – im Akademietheater

Diesmal nur im Fernsehen gesehen.

Ich muss etwas ausholen: es ist im Moment schwierig, an Theaterkarten zu kommen, ich bin das als Abonnement einfach nicht gewöhnt. Kaum hatte ich das erschienen Programm studiert und mir ausgesucht, was ich denn so sehen wollte (und auch mit meinem interessierten Enkel abgestimmt hatte) war schon fast alles ausverkauft. Ja, wir haben halt noch immer Corona-Zeit und es dürfen nicht alle verfügbaren Sitze verkauft werden.  

Im vergangenen Herbst, als alles noch über mein Abonnement ablief, habe ich aber ein Stück versäumt – und angenommen es später sehen zu können. Aber alles kam dann doch ganz anders – und da ich es nun im Fernsehprogramm angekündigt gefunden hatte (3SAT) habe ich beschlossen, jedenfalls darum nicht um Karten zu raufen und mir das Ganze im Fernsehen anzusehen.

Es geht um die Aufführung im Akademietheaters „Automatenbüffet“, von Anna Gmeyner. Meine Freundin hat es gesehen, und dazu gemeint: „Du hast nichts versäumt“, wir haben aber nicht ganz denselben Geschmack, was nun Theaterstücke anlangt.

Ich habe vorher, ganz gegen meine sonstigen Gewohnheiten auch nichts darüber gelesen, auch keine Vorschauen und Kommentare gesehen. Ich ließ das Stück nur „auf mich wirken“, gespielt war es hervorragend, aber leider, ich muss zugeben, mir hat das Stück leider „nichts gesagt“, ja ich habe es langweilig gefunden. Sollte damit gegen die Automatisierung bzw. Digitalisierung polemisiert werden?

War der Grund, die Aufführung uninteressant zu finden,  darin liegen, dass ich das Stück nicht live gesehen habe? Ich glaube nicht, das Bühnenbild war nicht so komplex, dass man eventuell verwirrt sein könnte und die Sprache war auch im Fernsehen klar und gut verständlich (bei den Schauspielern nicht weiter verwunderlich!).

Das Burgtheater schreibt dazu:

Der eigenbrötlerische Provinzbürger Adam verhindert gerade rechtzeitig, dass sich die unbekannte Eva in einem Teich das Leben nimmt. Er bringt sie ins Automatenbüfett, ein von seiner Gattin geführtes Restaurant, wo Speisen, Getränke und auch Musik auf Knopfdruck bestellt werden können. Unter der strengen Obhut Frau Adams treffen sich hier die Honoratioren der Stadt. Die Fremde entfacht sogleich die Fantasie der Männerrunde, und so wird es mit Evas Unterstützung für Adam ein leichtes Spiel, seine visionären Pläne zum Aufbau der Fischzucht-Industrie umzusetzen. Dem ersehnten wirtschaftlichen Aufschwung dürfte nichts im Wege stehen, doch mit Evas kalkuliertem Einsatz von Gefühlen entlarvt sich auch die Doppelmoral der örtlichen Verantwortungsträger.

Anna Gmeyner wurde 1902 in Wien geboren und blieb wie ihre Bühnenheldinnen eine autonome Außenseiterin. In Berlin zur Zeit der Weimarer Republik arbeitete sie als Dramatikerin und Dramaturgin, das politische Exil führte sie nach Paris und London, wo sie Drehbücher und Romane verfasste. Die technischen Errungenschaften und das reaktionäre Bürgertum ihrer Zeit inspirierten sie 1932 zu ihrem ersten Stück AUTOMATENBÜFFET, mit dem sie auf den großen Bühnen in Hamburg, Berlin und Zürich Aufmerksamkeit erregte, bevor sie vor der nationalsozialistischen Verfolgung fliehen musste.

Im „Standard“ lese ich dazu:

Regisseurin Barbara Frey findet in ihrer Akademietheater-Inszenierung, die nach der Premiere und der Sonntagsvorstellung nun direkt in die Lockdown-Pause übergehen wird, indes einen überzeugenden zeitgenössischen Zugriff, der einerseits der Reproduktion immer gleicher Opferbilder ausweicht und der andererseits dem Soziotop einer abgewirtschafteten Kleinstadt einen faszinierenden Kunstmärchenboden mit Nordlichtern und puppenhafter Personnage bereitet. Jede Minute ist voller Spannung.

Diesen Gedanken kann ich mich gar nicht anschließen, es tut mir leid, aber spannend war’s für mich gar nicht. Das Drama wurde 1932 uraufgeführt. Es hatte zu seiner Zeit durchaus einigen Erfolg, wurde in Hamburg, Berlin und Zürich gespielt.

Die Inszenierung ist, wie das Stück selbst auch, durchgehend sehr komisch. Das kann ich aber hinwieder nicht nachvollziehen. Ich habe die Sache eher sehr traurig gefunden, Kälte und Armut wohin das Auge blickt, und die eventuelle Aussage der einzelnen handelnden „Neben“-Personen nicht verstanden. (Warum trägt man dauernd einen Sessel wie einen Rucksack auf den Rücken geschnürt, auf den man sich zuweilen niederlässt?)

Regisseurin Barbara Frey und Bühnenbildner Martin Zehetgruber dafür ein Bühnenbild gefunden: Das titelgebende Automatenbüffet, in dem das gesamte Stück spielt, besteht aus einer Rückwand aus lauter kleinen, beleuchteten Kästchen, in denen Bierkrügerl mit immer-steifem Plastikschaum stehen und deren Türen sich gegen Einwurf öffnen und dann schließen. Auch der Klavierspieler, eine lebende Juke-Box, sitzt in einem solchen, natürlich etwas größeren Kästchen, das er nur verlassen darf, wenn jemand Münzen einwirft.

Aus meiner vielleicht etwas zu laienhaften Sicht, ist das Stück nur aufgrund der Leistung der Schauspieler sehenswert.

Das Automatenbuffet – im Akademietheater

2 Gedanken zu “Das Automatenbuffet – im Akademietheater

  1. Man sollte sich über ein Stück, sei es Musik- oder Sprechtheater, immer selbst eine eigene Meinung bilden als sich auf die des Rezensten verlassen. Ich habe Opernpremieren gesehen, von den ich – gemeinsam mit dem anwesenden Publikum – begeistert war. Ich habe mehrmals erlebt, dass der Rezensent scheinbar eine ganz andere Aufführung gesehen hat.

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