Die EU und die Schweiz

Die Bande lockern sich

Es schockiert mich. Nach dem Brexit nun: Schweiz lässt Rahmenabkommen mit der EU nach langen Verhandlungen über die bilateralen Beziehungen platzen. Allerdings bleiben ohne das Rahmenabkommen die bilateralen Verträge zwischen der EU und der Schweiz bestehen, für Grenzgänger etwa ändert sich zunächst nichts. Allerdings hat die Europäische Union diese Woche gewarnt, mit welchen Folgen die Schweiz ohne den Abschluss rechnen müsse: Es werde keine weiteren Abkommen geben, und ältere Abkommen würden möglicherweise nicht aktualisiert.

Eigentlich ist der Vertrag schon seit 2018 ausgehandelt – in der Schweiz gab es aber massive Bedenken, was zu Nachforderungen aus Bern führte. Zuletzt beharrte die Schweiz darauf, Streitfragen zu entsendeten Arbeitnehmern, Staatsbeihilfen und der Personenfreizügigkeit aus dem Abkommen zu nehmen. Dies lehnte die EU ab. Mit dem Vertrag sollte der Zugang der Schweiz zum europäischen Binnenmarkt gesichert und der Weg zum Abschluss neuer Abkommen ermöglicht werden.

Der Rahmenvertrag hätte die Abkommen zur Personenfreizügigkeit, zu Agrarhandel, Luft- und Landverkehr sowie zur Beseitigung technischer Handelshemmnisse betroffen. Auf diesen Feldern sollte die Schweiz fortan „dynamisch“ EU-Recht übernehmen.

Bisher müssen die Vereinbarungen bei jeder Änderung des EU-Rechts nachverhandelt werden, was zuweilen nur stockend oder auch gar nicht erfolgt. Außerdem sah der Vertrag die Einführung eines Schiedsverfahrens zur Beilegung von Rechtsstreitigkeiten zwischen den Vertragspartnern vor.

Die Schweiz ist über bilaterale Verträge aber in viele europäischen Projekte eingebunden. Sie hat auch Zugang zum EU-Binnenmarkt und gewährt im Gegenzug die Personenfreizügigkeit. Nach EU-Angaben leben 1,4 Millionen EU-Bürgerinnen und -Bürger in der Schweiz und gut 340.000 EU-Bürger pendeln jeden Tag in die Schweiz. 400.000 Schweizer leben in der EU. Der Handel mit der EU macht 60 Prozent des Schweizer Bruttoinlandsprodukts aus, umgekehrt ist die Schweiz für die EU der viertgrößte Handelspartner nach den USA, China und Großbritannien.

Die EU-Kommission kündigte indirekt an, dass sie die Abkommen ohne den Rahmenvertrag nicht mehr aktualisieren werde. Im Fall der Medizintechnikbranche hat sie genau das schon getan: Nach einigen Rechtsänderungen im Zusammenhang mit dem Patientenschutzes weigerte sich die EU, das Abkommen zur gegenseitigen Anerkennung von Produktbescheinigungen zu erneuern. Das erhöht bürokratische Hürden für Exporte von Medizinprodukten in die EU, aber auch für entsprechende Importe aus der EU in die Schweiz.

Wesentliche Streitpunkte waren: Staatshilfen, Maßnahmen zum Schutz der hohen Schweizer Löhne und den Zugang von EU-Bürgern zu Schweizer Sozialkassen.

Das Aus für den Rahmenvertrag bedeutet auch, dass die EU vorerst keine Abkommen auf neuen Feldern abschließt. Dies könnte unter anderem zu Lücken in der Schweizer Stromversorgung führen. Der nationale Netzbetreiber Swissgrid weist darauf hin, dass der Schweiz ohne entsprechendes Abkommen mit der EU der Ausschluss aus dem sogenannten Regelenergiemarkt drohe. Diesen nutzen europäische Netzbetreiber, um das Netz bei ungeplanten Stromflüssen auszubalancieren.

Der Bundesrat will sich dafür einsetzen, dass das Parlament in Bern die sogenannte Kohäsionsmilliarde freigibt. Dabei handelt es sich um ein mit 1,3 Milliarden Franken gefüttertes und auf zehn Jahre angelegtes Programm zur Verminderung der wirtschaftlichen und sozialen Ungleichheiten in den EU-Staaten. Für die EU-Kommission ist die Kohäsionsmilliarde indes eine Art Eintrittsticket der Schweiz für den europäischen Binnenmarkt, das längst hätte gelöst werden sollen.

Die EU-Kommission teilte ihrerseits mit, man nehme „diese einseitige Entscheidung der Schweizer Regierung zur Kenntnis“ und bedauere diese „angesichts der Fortschritte, die in den letzten Jahren gemacht wurden“. Die oberste EU-Behörde erinnerte an den Zweck, den sie mit dem Rahmenabkommen erzielen wollte: Es sollten „für alle gleiche Bedingungen gelten, die im EU-Binnenmarkt agieren, zu dem auch die Schweiz einen signifikanten Zugang hat“. Aus Brüsseler Sicht geht es um Fairness und Rechtssicherheit: Privilegierter Zugang zum Binnenmarkt setzt voraus, dass alle die gleichen Regeln und Pflichten respektieren.

Ich mache mir Sorgen – um die EU; ist sie nicht mehr attraktiv genug, um dazuzugehören, treten nur mehr Staaten bei, die sich finanzielle Vorteile erhoffen? Ich wünsche mir eine grundlegende Reform dieser Institution – die halt jetzt schon in die Jahre geraten ist. Dass die Schweiz nicht mehr interessiert ist, zumindest irgendwie dazu zu gehören, erscheint mir schon sehr bedenklich.

Die EU und die Schweiz

Der Dow-Jones-Index

Zufälligerweise bin ich darauf gestoßen: an einem 26. Mai des Jahres 1896 – also heute vor 125 Jahren – wurde an der New York Stock Exchange wird zum ersten Mal der von den Gründern des Wall Street Journals und des Unternehmens Dow Jones, Charles Dow (1851–1902) und Edward D. Jones (1856–1920), entwickelte Aktienindex Dow Jones Industrial Average veröffentlicht. Die Erstnotiz liegt bei 40,94 Punkten. Charles Dow stellte den Index zusammen, um die Entwicklung des US-amerikanischen Aktienmarktes zu messen. Der Dow-Jones-Index an der New York Stock Exchange (NYSE) ist nach dem Dow Jones Transportation Average der älteste noch bestehende Aktienindex der USA und setzt sich heute aus 30 der größten US-Unternehmen zusammen.

Er ist ein rein preisgewichteter Index, dessen Stand ausschließlich aus den Aktienkursen ermittelt wird. Er wird ohne Dividenden, Bezugsrechte und Sonderzahlungen berechnet, Marktkapitalisierung oder Anzahl der Aktien im Streubesitz werden nicht berücksichtigt. Aktien mit einem hohen Kurs wirken stärker auf den Index als Aktien mit einem niedrigen Kurs. Die Aufnahme von Unternehmen in den Index und Indexausschlüsse folgen keinen festen Regeln, sondern unterliegen dem Ermessen der Herausgeber des Wall Street Journal. Die Berechnung wird während der NYSE-Handelszeit von 9:30 bis 16:00 Ortszeit (15:30 bis 22:00 MEZ) jede Sekunde aktualisiert.

Um einen Richtwert für die Beurteilung der Aktienkursschwankungen zu erhalten, entwickelte Charles Dow den US-amerikanischen Aktienindex „Dow Jones Railroad Average“, den Vorgänger des heutigen Dow-Jones-Indexes. Er wurde erstmals am 3. Juli 1884 im „Customers’ Afternoon Letter“ veröffentlicht und bestand zunächst aus elf Werten, darunter neun Eisenbahngesellschaften, eine Dampfschifffahrtsgesellschaft und eine Geldtransfergesellschaft. Eisenbahngesellschaften gehörten zur damaligen Zeit zu den größten Unternehmen in den USA. Industrieunternehmen wurden als eher spekulativ angesehen.

Ende des 19. Jahrhunderts prosperierte die US-amerikanische Wirtschaft, und es entstanden durch zahlreiche Übernahmen große Industrieunternehmen. Der Informationsbedarf über diese Gesellschaften wuchs ständig. Daher kreierte Charles Dow für diesen Bereich den Dow Jones Industrial Average, auch als Dow-Jones-Index bezeichnet. Er wurde erstmals am 26. Mai 1896 im Wall Street Journal publiziert und bestand aus zwölf Aktienwerten. Von diesen zwölf Werten befand sich zuletzt, bis 25. Juni 2018, nur General Electric noch im Index.

1896, zum Start des Index, stellte dieser das arithmetische Mittel der Kurse der damals noch 12 darin enthaltenen Aktien dar, das durch Aufsummierung der einzelnen Aktienkurse und der anschließenden Division durch 12 berechnet wurde. Das Prinzip ist heute noch das gleiche, nur ist der Divisor ein deutlich anderer.

1907 erlebte die Wall Street eine schwere Bankenkrise. Am 14. März 1907 verlor der Dow-Jones-Index 8,29 Prozent, als die Aktien der Eisenbahngesellschaft Union Pacific Railroad, die zum großen Teil als Sicherheit für Finanzierungswechsel verwendet wurden, um 50 Punkte sanken. Am 21. Oktober 1907 verweigerte die National Bank of Commerce die Einlösung von Wechseln der Knickerbocker Trust Company, der damals drittgrößten Bank New Yorks. Einen Tag später löste ein Massenansturm auf die Knickerbocker Trust Company eine allgemeine Panik an der Wall Street aus. Die Banken forderten ihre Kredite zurück, die Aktienkurse an der Börse brachen ein. Ende 1907 notierte der Dow-Jones-Index um 37,73 Prozent niedriger als zum Jahresanfang.

Wegen des Ersten Weltkrieges war die Börse 1914 viereinhalb Monate geschlossen. Als die New York Stock Exchange am 12. Dezember 1914 wieder öffnete, schloss der Dow-Jones-Index bei 74,56 Punkten und damit um 4,4 Prozent über dem Schlussstand von 71,42 Punkten am 30. Juli des Jahres.

Den folgenreichsten Börsenkrach erlebte die Welt am 24. Oktober 1929. Dieser Tag ist als „Black Thursday“ („Schwarzer Donnerstag“) bekannt. In Europa kennt man den Tag wegen der Zeitverschiebung als „Schwarzen Freitag“, da es hier bereits nach Mitternacht war. Dieser Börsenkrach gilt als Auslöser der Weltwirtschaftskrise. Der bisher größte Sturz an einem Tag war der Schwarze Montag am 19. Oktober 1987. Aufgrund der Terroranschläge in New York war die New York Stock Exchange zwischen dem 11. und 14. September 2001 für vier Handelstage geschlossen, da der gesamte Finanzdistrikt evakuiert wurde. Nach dem Platzen der Spekulationsblase im Technologiesektor (Dotcom-Blase) fiel der Aktienindex bis 9. Oktober 2002 auf einen Tiefststand von 7.286,27 Punkten.

Nach dem Platzen der Spekulationsblase im Technologiesektor (Dotcom-Blase) fiel der Aktienindex bis 9. Oktober 2002 auf einen Tiefststand von 7.286,27 Punkten. Am 6. Mai 2010 führten Panikverkäufe im Handelsverlauf zu dem, nach Punkten gemessen, massivsten Einbruch des Dow-Jones-Indexes in seiner Geschichte.

Die tatsächliche Aussagekraft des Dow-Jones-Indexes wird – trotz seiner Bekanntheit – oft kritisiert. Die Eröffnungspreise der zugrunde liegenden Aktien (Konstituenten) eines Tages sind nicht alle für den ersten Indexwert verfügbar, da deren Handel zu verschiedenen Zeiten beginnt. Daher muss für den Indexeröffnungswert teilweise der Schlusskurs des Vortages herangezogen werden, was aussagekräftige Sprünge erschwert. Zusätzlich ist der Index preisgewichtet, was zu einer Überbetonung von Aktien mit einem zahlenmäßig hohen Wert führt. Bei einer außergewöhnlichen Volatilität des Dow-Jones-Indexes wurde von der US-amerikanischen Börsenaufsicht United States Securities and Exchange Commission (SEC) beschlossen, die New York Stock Exchange (NYSE) nach einem Rückgang des Index von über 350 Punkten für eine halbe Stunde und von mehr als 550 Punkten für eine Stunde zu schließen.

Dow-Jones-Indexstand heute – 29. Mai 2021: 34 380,48 +68,02 (0,20 %)

Unabhängig von unserem Zutun beeinflusst das Verhalten des Dow-Jones-Indexes allemal unser aller wirtschaftliches Wohlergehen

Der Dow-Jones-Index

Ein elegischer Besuch – oder vielleicht doch nicht?

Beim Interspar am Schottentor

Ich gebe zu, für mich es seltsam bis traurig, dass im Kassensaal der ehemaligen Creditanstalt nun ein Interspar residiert, mitsamt einem Restaurant im “Mezzanin“. Traurig bin ich wohl deshalb, weil ich eine lange eigene Geschichte mit der CA habe.

Ich habe mich schon 1959 dort beworben, habe die Prüfung geschafft und habe ein Angebot bekommen: Schilling 1800 p.m. (was ich nicht wusste, dass das öfter als 12-mal ausgezahlt wurde). Ich habe den Job damals nicht angenommen (man hatte zu dieser Zeit nach Abschluss eines Studiums die Wahl zwischen mehreren Jobangeboten), sondern einen anderen, der meiner damaligen Lebenssituation besser angepasst und außerdem höher bezahlt war.

Es dauert bis 1972, bis ich wieder auf Jobsuche war. Der sehr bequeme, gut bezahlte Job war etwas langweilig geworden, es gab wenig neue Herausforderungen und ich fand mich noch zu jung, um bequem weiter zu dümpeln. Wieder gab es mehrere Angebote und die Wahl fiel mir schwer. Und neuerlich gab die Lebenssituation den Ausschlag, mein Sohn war im Schottengymnasium und agierte nicht immer ganz angepasst – und so hatte ich keinen langen Weg, wenn es wieder einmal galt, als devote Mutter zu intervenieren.

Ich nahm den Job in der Creditanstalt an. Ich arbeitete zwar nicht im „Haupthaus“, sondern daneben, in der Hessgasse, aber nicht nur fangen die meisten Besprechungen in diesem Haupthaus statt und außerdem aß man dort täglich zu Mittag, und/oder trank seinen Kaffee dort. Ich hatte bis zur Schließung meinen Safe im Untergeschoss dort, – sehr elegante Räumlichkeiten. Ich liebte es, mit dem ächzenden Paternoster zufahren. Einen Lift, der nur für Vorstand und Direktoren diente und nur in der Ersten Stock fuhr, (Bonzenheber benannt) benutzten wir nicht.  Ich bewunderte die eleganten Räumlichkeiten des Ersten Stocks, wo es sogar eine Direktionsküche gab. Da war das wunderbare Oktogon, und die Sitzungszimmer, elegant möbliert, mit wertvollen Bildern ausgestattet. Den Abtransport dieser Möbel habe ich im Vorbeigehen wahrgenommen. Ich gebe zu, mein Herz hat geblutet.

Ich war nicht sehr glücklich, als wir später ins so genannte Technische Zentrum am Julius-Tandler-Platz ausgesiedelt wurden, nicht nur wegen der Arbeit in einem Großraumbüro. Auch ein Gebäude nach damaligem Standard allen Anforderungen angepasst, wird jetzt ebenso anderwärtig verwendet (und teilabgerissen). Ich arbeitete dort, als die Creditanstalt zur Bank Austria wurde, ich erlebte den Verkauf nach München – HypoVereinbank, bis wir dann allesamt von der italienischen – Unicredit aufgekauft wurden. Ich blieb bis zu meiner Pensionierung, auch wenn ich in einer Tochterfirma arbeitete, blieb ich doch Bankangestellte. Und hinterher arbeitete ich noch als „Konsulentin“ bis 2004.

Und jetzt also Interspar. Die alten Bronzetüren sind noch vorhanden, mit den Namen der Filialen in der ganzen Monarchie. Auch die Loge des Portiers, der uns alle gekannt und immer gegrüßt hat, gibt es noch – jetzt „Information“. Es führen noch immer die Stufen in den ehemaligen Kassensaal, es gibt aber einen Lift für Behinderte.  Der Marmor und das Glas sind geblieben, auch die wunderschönen eingelegten Türen in das ehemalige „Fremdenbüro“, wo die sprachgewandten eleganten Kollegen Diplomaten und hohe Beamte aus den Internationalen Organisationen betreuten. Dort befindet sich jetzt passenderweise die Weinabteilung.

Ich wurde an die früheren Weltspartage erinnert, als Direktoren beim Eingang standen, und die Gäste aus Politik und Wirtschaft begrüßten, so standen sie auch heute – ausgesehen haben sie wie Direktoren – dort und warteten auf hohen Besuch?

Das Angebot dieses Interspar ist sehr reichhaltig. Es gibt von allem – und das reichlich, das heißt von vielen unterschiedlichen Lieferanten. Ich kann mir kaum etwas vorstellen, das man dort etwas nicht finden könnte. (Allerdings, und jetzt werde ich pingelig, den von mir so geschätzten Weißen Port habe ich nicht gefunden).

 Frische Produkte aus heimischen Quellen sind mit einem roten Herzerl gekennzeichnet, z.B. auch bei der reichlich ausgestatteten Fischtheke, aber auch beim Brot, wo ich auch das aus der Bäckerei meines Sohnes täglich frisch geliefert Brot (mit Gragger gekennzeichnet) gefunden habe. Überall stehen Angestellte und helfen den Kunden ihre gewünschten Produkte zu finden. Die Kassen befinden sich dort, wo man früher fremde Währungen kaufen und verkaufen konnte. Es reicht, wenn man das Gekaufte bezahlt, es wir auf Wunsch nach Hause geliefert, bei einem Kauf von über € 100 gratis ansonsten kostet es ein bissel was.

Noch kurz zum Mezzanin: dort kann man nicht nur gemütlich essen und trinken, es gibt auch einen Sonntagbruch – den ganzen Tag – und was mir wirklich gut gefällt: in den nahegelegenen Votivpark wird auch – auf Wunsch – ein elegantes Picknick geliefert. Na bitte!

Ich empfehle: gehen Sie hin, schauen Sie sich das alles an, beim Weggehen kann man noch einen Kaffee mitnehmen (allerdings noch immer im Pappbecher, aber der Kaffee ist sehr gut). Ich glaube kaum, dass Sie mit dem Angebot und der Beratung dort unzufrieden sein werden.

PS: nur damit Sie’s wissen: ich krieg nix dafür, dass ich drüberschreibe!

Ein elegischer Besuch – oder vielleicht doch nicht?

Ein seltsamer Zufall

Zwei Mal Treffen mit Bürgermeistern

Als ich von dieser Gerichtsverhandlung am Vormittag fröhlich nach Hause ging, es regnete nicht, es war nur nicht sonnig (immerhin, und es war auch nicht bitter kalt), wählte ich den Weg „durch die Parks“. Das heißt: Rathauspark, Volksgarten (die Rosen gehen gerade auf!), Heldenplatz, Burggarten.

Als ich grad den Rathauspark querte, bemerkte ich eine Gruppe – darunter unseren Wiener Bürgermeister.  

Es ist schon ein eigenartiger Zufall, dass ich ihn gerade dort sah, in der Nähe des wunderschönen Waldmüllerdenkmals, (Ferdinand Georg Waldmüller (*1793; † 1865) war einer der bedeutendsten österreichischen Maler in der Biedermeierzeit) denn vor ca. 75 Jahren traf ich an fast genau dieser Stelle den damaligen Bürgermeister Theodor Körner. Ich war – im Auftrag meiner Mutter mit meinem kleineren Cousin, der in Pernitz wohnte und bei uns zu Besuch war, unterwegs um ihm Wiener Sehenswürdigkeiten zu zeigen. Wir waren gerade im Rathauspark angelangt als ein sehr großer, weißbärtiger, sehr achtungsgebietender, aufrechtgehender Herr uns entgegenkam. Ich wusste, dass er unser Bürgermeister war, damals Theodor Körner.  Ich wusste auch, dass er früher einmal General gewesen war, ich wusste, dass er nie einen Hut trug, im Gegensatz zu den Männern seiner Zeit, und auch im Winter keinen Mantel (soweit meine damaligen Kenntnisse).

Er blieb bei uns stehen und fragte uns, ob wir auch brav in der Schule lernen würden – was wir – ziemlich verschüchtert, bejahten.  Ihm war Bildung – für alle – sehr wichtig gewesen, auch als der dann später Bundespräsident geworden war.  

Ich fragte heute am späten Vormittag, ob ich an der Gruppe vorbeigehen können, was mir selbstverständlich gewährt wurde. Als aber dann grad niemand beim Bürgermeister stand, trat ich auf ihn zu, um ihm zu sagen, dass ich die Vorgangsweise der Stadt Wien im Zusammenhang mit Testen und Impfen für sehr gut hielte. Ich glaube, dass ihn das gefreut hat (mein Mann hat schon immer gesagt, dass man nie genug Lob bekommen kann). Der Bürgermeister hat mir dann erklärt, dass hier ein Baum gepflanzt worden wäre – für Israel, ein Mandelbaum, wohl in Erinnerung an das Mandelbaumtor in Jerusalem, dieses war 1948 bis 1967 ein Kontrollpunkt zwischen dem ehemaligen israelischen und jordanischen Sektor der Stadt Jerusalem. Der Checkpoint lag ca. 2 km nördlich vom Damaskustor. Der israelische Botschafter war anwesend, der Baum war bunt geschmückt (was- aus meiner Sicht schade ist, denn er ist auch sonst schön). Na jedenfalls ist mir der Baum lieber, als die Flagge auf dem Bundeskanzleramt.

Ich finde allerdings, man könnte auch einen Baum für die Palästinenser pflanzen, vielleicht einen Olivenbaum, denn von denen wurden viele im Westjordanland umgehackt, als die Israelis dort Siedlungen bauen und bauten.

Ein seltsamer Zufall

Es war ein wirklich aufregender Vormittag heute.

Als Zeugin bei einer Gerichtsverhandlung

Es war das erste Mal, dass ich eine Vorladung bekommen hatte, als Zeugin in einer Strafsache auszusagen. Über den Anlass dafür habe ich voriges Jahr ausführlich geschrieben (https://christachorherr.wordpress.com/2020/09/29/warnung-teil-1/, https://christachorherr.wordpress.com/2020/09/29/warnung-teil-2/).

Angeklagt war „nur“ der Gehilfe des eigentlichen Täters, der aber zu mir in die Wohnung gekommen war und der mir dann meine Handtasche mit den Wertsachen abgenommen hat. Der eigentliche Täter – gegen den ein internationaler Haftbefehl läuft, wird halt von der Türkei nicht ausgeliefert.

Ich musste mich in Landesgericht für Strafsache Wien, ins „Graue Haus“, wie man bei uns sagt, begeben – allerdings von der Hinterseite, der Wickenburggasse. Und die Kontrollen, um in dieses Gebäude zu kommen sind streng – und mit jenen an Flughäfen zu vergleichen (aber es geht ja auch hier um den Häf’n, sorry nur für Wiener verständlich). Bei der Taschenkontrolle fiel meine Haarbürste negativ auf.  Warum fragte ich: weil sie so feste Stacheln hat. Sie wurde aufbewahrt, bis ich sie beim Verlassen des Gebäudes wieder mitnehmen durfte.

Ich kam in einen Wartesaal und war über den „Andrang“ etwas erstaunt. Es warteten 7 Damen – fast alle mit Kopftuch, und ebenso viele junge Männer, von denen ich annahm, dass sie Verwandte oder Freunde des Angeklagten wären. Naja, Irgendwie kam ich mir dann doch sehr „exponiert“ vor, und dachte drüber nach, wieso diese jungen Leute nicht zur Schule oder zur Arbeit gehen müssten. Anwesende Journalisten sprachen mit mir, sie durften dann in den Verhandlungssaal, die Verwandten und Freunde des Angeklagten nicht, dazu war der Saal wirklich viel zu klein. Ihre Enttäuschung war sehr groß. Also warteten wir, ca. eine drei viertel Stunde. Dann wurde ich aufgerufen und saß im Zeugenstuhl. Der schräg gegenübersitzende Angeklagt entschuldigte sich zu allererst bei mir. Im Grunde tat er mir leid. Aber er hat etwas Strafbares getan und das muss halt vom Rechtssaat geahndet werden, wobei ich der Meinung bin, dass er genauso vom eigentlichen Täter in der Türkei manipuliert worden war wie ich.

Ich musste nicht schwören, die Wahrheit und nichts als die Wahrheit zu sagen, wie ich das von Filmen kenne.  Die Richterin forderte mich freundlich auf, meine „Geschichte“ zu erzählen, und räumte gleich ein, dass ich möglicherweise einzelne Details vom Ablauf schon vergessen haben könnte. (Ich war erleichtert). Das tat ich dann auf, wo bei einzelnen Vorgängen anhand der Protokolle hinterfragt wurde. Nach der Richterin befragte mich noch ganz kurz der Staatsanwalt, der Verteidiger verzichtete auf weitere Fragen – und schon war die Prozedur zu Ende.

Hinterherkam noch kurz die Richterin heraus und dankte mir für meine Aussage.

Beklommen betrachteten uns die Verwandten und Freunde des Angeklagten. Dann nahm ich mir ein Herz und ging auf die Damen zu und fragte sie, ob sie Verwandte des Angeklagten wären. Sofort sprang eine jüngere der Damen auf und meinte, sie wäre seine Schwester und begann auch sofort, sich bei mir zu entschuldigen, was mir wieder fast peinlich war. Ich versicherte ihr, dass ich keinen „Rachefeldzug“ führen würde und dass ich hoffe, dass der Angeklagte hinterher ein ehrliches Leben führen werde und seine Verurteilung eine Warnung für andere wäre, sich auf derartiges einzulassen. Was hätte ich sonst sagen können? Ich hatte das Gefühl, dass es wichtig für diese Menschen, die so lange gewartet hatten, gewesen ist, dass ich mit ihnen kurz geredet hatte, denn auch die jungen Burschen kamen herbei und als ich dann ging, hielten sie mir freundlich die Tür auf. Na hoffentlich lassen sie sich diese Verurteilung eine Lehre sein und lassen sich nicht für Geld in irgendwelche Machenschaften ein, finden eine passende Arbeit …
Ich war froh, diesen Warteraum zu verlassen, der kein natürliches Licht hat, zwar sehr sauber und effizient wirkt, aber doch ein bissel trostlos – für mich.  Ich holte meine wohl verwahrte stachlige Haarbürste wieder ab und begab mich zum Ausgang. Frohgemut – dass es jetzt vorüber war, es ist doch ein wenig belastend immer wieder drüber reden zu müssen, begab ich mich auf den Heimweg. Zu Fuß, betrachtete die riesige Baustelle – U-Bahn U2 und U5 mit den monströsen Geräten und den fixierten langen Umleitungen, traf im Rathausviertel noch eine alte (also nicht alt, sondern eine, die ich schon sehr lange kenne aus den Journalistenkreisen meines Mannes) Bekannte, die ich schon lange nicht mehr gesehen hatte. Rühr dich doch einmal – damit verabschiedeten wir uns – naja, ich bin nicht sicher wie ernst das gemeint war. Vielleicht doch – nach den gesellschaftlich entbehrungseichen Corona Lockdowns.

Ich überlegte, dass genau hier eine Freundin von mir wohnt, die ich auch schon lange nicht gesehen habe, ich beschloss sie ehebaldigst anzurufen. Und dann kam ich noch vorbei, bei dem Ausweichlokal des Museums der Stadt Wien wo eine Felix Salten Ausstellung gezeigt wird, ich möchte sie auch nicht versäumen.  

Ich nehme an, ich werde noch informiert werden, welche Strafe für den Angeklagten verhängt wird, dennoch – ich wünsche ihm alles Gute für seine Zukunft.  

Es war ein wirklich aufregender Vormittag heute.

Die derzeit allseits so beliebte Opferrolle

Ein sehr genauer Beobachter der Szene in Israel hat darüber geschrieben, dass sich beide, Israelis und Palästinenser in einer Opferrolle sehen. Und das ist nicht gut, denn in diesem Denken gibt es auch „den Bösen“ der das Opfer zu dem macht, was es dann ist – eben das Opfer. Und als Opfer kann man mit seinem bösen Unterdrücker nicht diskutieren, man kann die Standpunkte nicht annähern man kann zu keinem Kompromiss kommen. Eine ziemlich ausweglose Situation.

Der „richtige“ Begriff für dies Situation ist Viktimisierung. Viktimisieren bedeutet „zum Opfer machen“, indem jemand durch kriminelles Handeln geschädigt wird. Viktimisieren bedeutet „zum Opfer machen“, indem jemand durch kriminelles Handeln geschädigt wird. Der Begriff Viktimisierung wird in den Sozialwissenschaften unterschiedlich verwendet, sowohl transitiv (jemand macht jemand anderen zum Opfer oder bezeichnet jemand anderen als Opfer) als auch reflexiv (jemand hält sich für ein Opfer bzw. bekennt sich dazu, ein Opfer zu sein). Stigmatisierung kann eine Opferrolle, einen Opferstatus oder ein Opfermythos auslösen.

Auch können Menschen durch schicksalhaft-unabwendbare Vorgänge (z. B. eine Naturkatastrophe) geschädigt werden. Manche fassen des Weiteren Menschen, die durch Altersdiskriminierung, Klassismus, Elitarismus, Ethnozentrismus, Nationalismus, Speziesismus, Rassismus, Sexismus, Kriegsfolgen usw., also durch „strukturelle Gewalt“ geschädigt wurden, unter den Opferbegriff.

Die Zuschreibung einer Opferrolle an einzelne Mitglieder oder Gruppen der Gesellschaft erfolgt unter Umständen durch Mitglieder dominanter gesellschaftlicher Gruppen, Institutionen oder Ideologien.

Bei der Verstetigung der Rolle von Opfern spielt der Effekt der erlernten Hilflosigkeit eine Rolle. Durch Attribuierung von außen oder durch die Übernahme entsprechender Etikettierungen ins Selbstbild können leicht aus Menschen, die einmal oder mehrmals geschädigt wurden (Vorgangspassiv), Menschen werden, die dauerhaft geschädigt sind (Zustandspassiv), die also dauerhaft in eine Opferrolle geraten sind, einen dauerhaften Opferstatus erworben haben oder einen Opfermythos pflegen.

Man spricht auch davon, dass jemand immer wieder in die Opferrolle gerät. Wer immer wieder andere für sein Unglück verantwortlich macht, der immer anderen die Verantwortung für seine Probleme in die Schuhe schiebt, der fühlt sich als Opfer. Und wer in der Opferrolle gefangen ist, der kann nicht selbstständig tätig sein. Natürlich gibt es Menschen, die durch andere unterdrückt werden, aber in den westlichen Gesellschaften könnten die meisten Menschen in die Selbstverantwortung, in die Selbstwirksamkeit gehen und selbst die Verantwortung für ihr Leben in die Hand nehmen.

In diesem Zusammenhang ist auch das „Dramadreieck zu erwähnen.  Es beschreibt ein grundlegendes, in vielen Märchen und Heldensagen lange tradiertes Beziehungsmuster zwischen Personen, die darin die drei Rollen des Opfers, des Täters oder Verfolgers, und des Retters einnehmen. Diese Rollen sind meist temporär verteilt und können in verschiedenen Situationen leicht gewechselt werden.

Das postmoderne Subjekt (also wir alle!) neigt zu einem narzisstischen Selbstverhältnis, bei dem es seine „Beschädigtheit“ betont und sich gern in einer selbstgewählten Opferrolle darstellt. Diese Situation erscheint mir heute die österreichische Innenpolitik zu prägen – die Regierenden sehen sich als Opfer der Opposition, mancher Institutionen, die Opposition sieht sich wieder als Opfer der Regierenden.  Mir erscheint dieser Zustand nur peinlich!

Der Begriff Opfer wird heutzutage inflationär verwendet. Das erweckt den Verdacht, es gehe eher darum, durch Benutzung eines emotional stark aufgeladenen Begriffs in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit (auch in Konkurrenz oder gar Gegnerschaft zu anderen Opfergruppen) für das Leiden bestimmter Geschädigter zu wecken und einen Anspruch auf Entschädigungszahlungen für sie zu begründen, als den Geschädigten angemessen zu helfen. Wird wirklich vielen Geschädigten ihr Opferstatus vorenthalten? Denn bei der Benutzung des Begriffs „Opfer“ schwingt oft die Erwartung mit, Menschen müssten „rein“ und „vollkommen unschuldig“ sein, um das Mitgefühl der Gesellschaft zu verdienen. Zunehmend werden Opfer-Kollektive konstruiert, manche ordnen sich selbst dann diesem Opferkollektiv zu, ohne dass überzeugend dargelegt werden kann, welche verwerfliche oder gar strafbare Tat gegen ihn begangen worden sein soll. Insbesondere gelten zulässige Meinungsäußerungen verfassungsrechtlich als Ausübung des Menschenrechts auf Meinungsfreiheit und dürften daher eigentlich nicht als (Straf-)Taten bewertet werden, auch wenn Menschen anderer Meinung sich durch sie angegriffen („viktimisiert“) fühlen. Niemand hat ein Recht darauf, dass ihm nicht widersprochen wird, und zwar auch mit Argumenten, die ihm nicht gefallen, die ihn womöglich sogar kränken. Bei der Beurteilung dieser Opfersituation sollten aber machtpolitische Zusammenhänge klargelegt werden.  Oft geht es nur um eine von außen hineingelegte Interpretation, um einen Konflikt als einen besonderen (z.B.- Rassenkonflikt) zu definieren.

In Österreich kennen wir „Opfermythos“ recht gut. Die Opferthese war ein nach dem Zweiten Weltkrieg weit verbreitetes Argumentationsmuster in Österreich über die Zeit vor dem „Anschluss“ bzw. die Rolle Österreichs in der Zeit des Nationalsozialismus. Nach der Opferthese – gestützt durch die Moskauer Deklaration – war der Staat Österreich das erste Opfer der nationalsozialistischen Aggressionspolitik. Damals war es auch üblich sich auf Befehle durch obere Instanzen zu berufen und damit als „Unschuldslamm“ da zu stehen.  

Derzeit scheint es, dass viele die Welt in „Wir-Gruppen“ einteilen, die aus lauter „Opfern“ bestehen, und „Ihr-Gruppen“, deren Angehörige „die Täter“ sind. So geht gedeihliches Zusammenleben ziemlich schief.

Die derzeit allseits so beliebte Opferrolle

„The Dig“ (die Ausgrabung) auf Netflix

Mir hat der Film sehr gefallen

Wie komm‘ ich dazu, mir einen bestimmten Film auf Netflix anzuschauen? Dazu muss das Fernsehprogramm, das mir normalerweise zur Verfügung steht, für mich eher trostlos sein – naja, samstags ist das meist so.  Aber seit meine Enkel bei mir eingezogen sind, gibt es Netflix. Anfangs haben meine Enkel die Filme ausgesucht, von denen sie annahmen, dass sie mir gefallen könnten. Sie haben mir auch eine diesbezügliche Liste erstellt.

Gestern habe ich einfach selbst herumgeschmökert, und da ist ein Film aufgetaucht, dessen Titel mich schon fasziniert hat: „The Dig“ (Die Ausgrabung). Da ich ja – bekanntlich – an Archäologie immer interessiert war und bin, bin ich eingestiegen, habe gleich anfangs erfahren, dass es sich dabei um eine wahre Geschichte handelt, die im Jahr 1939 spielte. Eine der Hauptrollen war zudem Ralph Fiennes anvertraut worden, der mit aus z.B. „Schindlers Liste“, „der englische Patient“, aber auch aus „Grand Budapest Hotel“ bekannt ist. Dem Film zugrunde liegt ein Buch eines Journalisten namens John Preston.

Gut, also blieb ich dabei. Kurz zur Handlung: Die englische Landbesitzerin Edith Pretty beauftragt 1939, wenige Monate vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, den Amateurausgräber Basil Brown, der auf ihrem Anwesen eine bedeutende archäologische Entdeckung macht. Es handelt sich um einen Schiffsrumpf, der sich später als angelsächsisches Schiffsgrab entpuppt. Nach Bekanntwerden des Fundes erklärt Charles Phillips, ein führender Archäologe aus Cambridge, die Ausgrabung zu einer Angelegenheit nationaler Bedeutung und sich selbst zum Grabungsleiter. Außerdem meldet er das Interesse des British Museum an den Funden an.

Als der Krieg beginnt und Edith Pretty immer stärker erkrankt, entscheidet sie, den Fund dem British Museum zu spenden unter der Bedingung, dass Brown als Entdecker anerkannt würde. Der Abspann erklärt, dass dies nicht geschehen ist und Browns Name erst viele Jahrzehnte später im British Museum erstmals erwähnt wird.

Der historische Hintergrund: Bei Ausgrabungen im Jahr 1939 fand der Amateurarchäologe und Astronom Basil Brown (22. Januar 1888–12. März 1977) in Sutton Hoo ein angelsächsisches Schiffsgrab aus dem 7. Jahrhundert. Der Fund gilt als eine der bedeutendsten archäologischen Entdeckungen in Großbritannien.

Es geht nicht nur um die Ausgrabung, Edith Preston ist eine von jenen wohlhabenden (verwitweten) Landedelfrauen, die sehr komfortabel (mit Dienstboten) in einem schlossartigen Haus leben. Sie hat einen sehr aufgeweckten Sohn, trauert aber um ihren Mann – der bei der Armee gewesen ist. Sie ist zudem aussichtslos krank. Und eigentlich ist sie es, die vermutet, dass die Hügeln ihres Landes Gräber enthalten. Und da ist noch die junge Ausgräberin – die Ehefrau eines der professionellen Archäologen, die die Neigung ihres Mannes für einen anderen entdeckt.

Sehr bemerkenswert ist auch die Arroganz der „professionellen“ – universitär gebildeten – Archäologen gegenüber den kompetenten Laien. Du da wäre noch eine bezaubernde Liebesgeschichte am Rande und der drohende Krieg mit seinen Schrecken (ein abgestürzter englischer Pilot) … Und in einer Nebenrolle die an Verzicht gewohnte Ehefrau des Amateurausgräbers.

Mich hat auch diese wundervolle englische Landschaft begeistert – und der Meeresstrand dazu – wundervoll, bei (halbwegs) schönem Wetter, absolut grässlich bei Dauerregen.

Aber hauptsächlich geht es doch um Vergänglichkeit und Kampf gegen „das Vergessen-(werden). Was bleibt von den Anglo-Sachsen, was bleibt von dem Amateur-Ausgräber und was bleibt von der englischen Landedelfrau? Was wird aus der Gesellschaft – durch diesen neu beginnenden großen Krieg. Auch der junge Photograph, der Verwandte der Landedelfrau – der gerade seinen Einberufungsbefehl bekommen hat, versucht Vergängliches durch Photographieren zu erhalten.

Der Film, erschienen 2021, ist in seiner Beschaulichkeit aber doch Dramatik für mich ein Kammerspiel menschlicher verhaltener Leidenschaften. Ein sehr „englischer“ Film.

„The Dig“ (die Ausgrabung) auf Netflix

Schlaglicht auf ein Stück Kolonialgeschichte

Namibia

Viele europäische Länder haben eine koloniale Vergangenheit, und nun scheint die Zeit gekommen zu sein, sich den Konsequenzen dieser Zeit und der resultierenden Aktionen zu stellen. Es betrifft auch Deutschland.

Erst spät trat Südwestafrika in den Bereich der europäischen Erforschung und Kenntnis. Schon 1868 wollten deutsche Missionare der Rheinischen Missionsgesellschaft den König von Preußen für das Gebiet interessieren und baten um seinen Schutz, da sie unter den ständigen Kämpfen der Afrikaner sehr zu leiden hätten. 1876 versuchten die Briten von der Kapkolonie aus, das Gebiet in Besitz zu nehmen, konnten sich aber nicht durchsetzen. Sie behielten jedoch die Walfischbai und die Pinguininseln in ihrer Hand.

Im Auftrag des Bremer Tabakhändlers Adolf Lüderitz erwarb der 22 Jahre alte Kaufmannsgehilfe Heinrich Vogelsang am 1. Mai 1883 die Bucht von Angra Pequena, die heutige Lüderitzbucht und fünf Meilen Hinterland vom Volk der Nama in Bethanien. Der vereinbarte Kaufpreis betrug 200 alte Gewehre und 100 englische Pfund. Im September 1883 segelte Lüderitz dann selbst nach Südwestafrika. Reichskanzler Bismarck entsandte das Kanonenboot SMS-Nautilus auf Erkundungsfahrt in die Lüderitzbucht. Lüderitz beanspruchte fortan ein um das sechzehnfache größere Gebiet da unterschiedliche Meilenlängen dem Vertrag zugrunde lagen) . Die Nama fühlten sich getäuscht, konnten aber trotz Protest ihren Standpunkt nicht durchsetzen. Das erste offizielle Flaggen-Hissen in Südwestafrika fand am 7. August 1884 in Lüderitzbucht statt.

Sogleich wurde ein zweiter Vertrag abgeschlossen, in dem Lüderitz der Küstenstreifen zwischen dem Oranje-Fluss und dem 26. Breitengrad und ein Gebiet von 20 Meilen landeinwärts von jedem Punkt der Küste aus für weitere 500 Pfund und 60 Gewehre verkauft wurde. Bis 1890 vergrößerte sich Deutsch-Südwest um das Damaraland, das Ovamboland und die Republik Upingtonia im Norden. Im Nordosten kam der Caprivizipfel hinzu, von dem man sich neue Handelsrouten versprach und der den Anschluss zum Sambesi-Fluss herstellte. Dieser Gebietsgewinn beruhte auf dem mit Großbritannien abgeschlossenen Helgoland-Sansibar-Vertrag vom 1. Juli 1890.

1890 wurde der Grundstein für die Feste „Groß Windhuk“ gelegt. Die Schutzgebietsverwaltung wurde bald darauf in diese Festung verlegt. Um sie herum entstand im Laufe der kommenden Jahre die spätere Landeshauptstadt Windhuk, die heute offiziell „Windhoek“ heißt.

Nun wurde 1884 ein kaiserlicher Generalkonsul und Kommissar für Deutsch-Westafrika ernannt. Reichskanzler Bismarck ernannte 1885 Heinrich Göring, den Vater des späteren nationalsozialistischen Politikers Hermann Göring, zum neuen Reichskommissar. Als ich mit meinem Mann kurz Windhoek in Namibia besucht hatten, war ich damals erstaunt als ich mich in einer Heinrich-Göring-Straße fand, aber auch dass ein schwarzer Arbeiter in einem Park, den wir nach dem Weg fragten – auf unsere englische Anfrage auf Deutsch geantwortet hat. Über Windhoek sind wir aber, sehr zu meinem Leidwesen nicht hinausgekommen. 1887 wurde das Gerücht verbreitet, dass bei der Walfischbucht Gold gefunden worden sei.

Der Aufstand der Herero begann am 12. Januar 1904, nachdem sich die Volksgruppe durch massive Landkäufe der Deutschen Kolonialgesellschaft immer mehr aus ihrem Siedlungsgebiet zurückgedrängt sah und sie durch skrupellose Händler an den Rand der wirtschaftlichen Existenz gebracht worden waren. Es folgte ein jahrelanger zermürbender Kleinkrieg mit der Schutztruppe, der erst 1907/08 endgültig niedergeschlagen werden konnte. Zunächst wurden einzelne Farmen, Eisenbahnlinien und Handelsstationen angegriffen. Die zunächst zahlenmäßig unterlegene deutsche Schutztruppe wurde im Februar durch 500 Marineinfanteristen und eine Freiwilligentruppe verstärkt. Da die Kampfkraft der Herero falsch eingeschätzt worden war, gelang es zunächst nicht, entscheidende Vorteile zu erringen. Die Reichsregierung war mit dem Verlauf der Operationen unzufrieden tauschte die verantwortlichen Personen aus und machte die völlige Vernichtung des Gegners – der Herero – zum Ziel.

Es gelang den Herero zwar, wie im Falle einer Niederlage geplant, nach Südosten auszuweichen, sie unterschätzten jedoch die Schwierigkeiten, welche sich durch eine Flucht mit Rinder- und Ziegenherden, Kindern und Verwundeten durch die Omaheke-Trockensavanne ergaben. Während der Kämpfe und der Flucht kamen nach unterschiedlichen Quellenangaben bis zu 60 Prozent der Herero ums Leben. Dieses ging als Völkermord an den Herero und Nama in die Geschichte ein.

Die Vorgänge kosteten durch Krankheiten, Hunger und Durst, Kampfhandlungen, Überfälle, Flucht und vielfach menschenunwürdige Missstände in den Internierungslagern nach Schätzung zwischen 24.000 und 64.000 Herero, etwa 10.000 Nama sowie 1365 Siedlern und Soldaten das Leben. 76 Weiße galten als vermisst und sind wohl größtenteils durch Kriegseinwirkung umgekommen. Gefangene Herero und Nama wurden von den Deutschen in eigens für sie errichtete Konzentrationslager gebracht. Die ersten dieser Lager wurden in den Jahren 1904/05 nach dem Vorbild der britischen Buren-Lager in Südafrika errichtet.

Repräsentanten der Herero argumentierten in der Vergangenheit, dass nach der vierten Haager Konvention von 1899 Repressalien gegen die Zivilbevölkerung der Verlierer schon damals untersagt gewesen seien. 2004 verlangte ein Sprecher der Herero in Berlin von den Deutschen das Eingeständnis der Schuld und ein Bekenntnis zur kolonialen Vergangenheit. Er verwies auf die Holocaustmahnmale und sah sein Volk benachteiligt, da nirgends die Schlacht am Waterberg erwähnt werde. Für die Vertreter der Herero blieben wichtige Fragen offen. Neben der Anerkennung als Völkermord sind dies die offizielle Entschuldigung der deutschen Regierung, die Rückgabe aller menschlichen Überreste aus deutschen Sammlungen sowie Versöhnungsmaßnahmen einschließlich der Zahlungen von Reparationen. Im Mai 2021 wurden die Gespräche mit einem Abkommen abgeschlossen. Demnach werde sich der Bundespräsident vor der Nationalversammlung Namibias förmlich entschuldigen. Wiedergutmachung werde in Form von Sozialprojekten in den historischen Siedlungsgebieten geleistet.

Nun wird in Deutschland nach Spuren von glorifizieren Kolonialismus und Völkermord gesucht. Es wird gegen koloniales Vergessen gearbeitet.

Schlaglicht auf ein Stück Kolonialgeschichte

Auch im Fernsehen kann man gutes Theater sehen

GRAF ÖDERLAND Eine Moritat in zwölf Bildern von Max Frisch

Ich bin noch nicht im „Ausgehmodus“ angekommen. Einerseits habe ich zu spät auf das Angebot der Theater reagiert und daher keine Karten mehr bekommen. Andererseits freut es mich einfach noch nicht, abends wegzugehen. Ob das Faulheit, Gewohnheit – aus dem Lockdown ist, darüber möchte ich gar nicht nachdenken.

Aber gestern gab es Interessantes im Fernsehen, nein, nicht der Songcontest, nicht gleich mehrere Tatorte.  Es gab eine Moritat – das allein faszinierte mich schon, denn eine Moritat (vielleicht auf Mordtat oder Moralität zurückgehend, oder vom um Lateinischen moris für „Sitten, Brauchtum“ abgeleitet) ist eine schaurige Ballade und das Erzähllied des Bänkelsängers. Diese Schauerballaden, die sich auch an wahren Begebenheiten orientierten, wurden häufig durch eine Drehorgel, Violine, Gitarre oder Harfe begleitet, auf Straßen, Plätzen und Jahrmärkten von Moritatensängern und Bänkelsängern vorgetragen. Der Moritatensänger verschwand in den 1930er Jahren allmählich aus dem öffentlichen Leben. In letzter Zeit wurde allerdings der Moritatengesang durch Einzelne oder Gruppen wiederentdeckt.

Der zweite Grund war, dass der Autor dieses Stücks Max Frisch (* 15. Mai 1911 in Zürich; † 4. April 1991 ebenfalls in Zürich) war. Ich schätze seine Werke. Wer meiner Generation hat nicht Biedermann und die Brandstifter oder Andorra im Theater gesehen, wer hat nicht seine Romane Stiller, Homo faber und Mein Name sei Gantenbein gelesen.

Der Name des Stücks klang seltsam, aber irgendwie auch seltsam vertraut: Graf Öderland; und wenn Sie keine Gelegenheit haben die Aufführung nachzusehen: es geht um einen Staatsanwalt, der vom bürgerlichen Leben gelangweilt ist und sich auf die Suche nach absoluter Freiheit begibt, wobei er mit einer Axt jeden ermordet, der sich diesem Ziel in den Weg stellt. Öderland endet als Anführer einer revolutionären Freiheitsbewegung und erhält durch diese Position Macht und Verantwortung, die ihn ebenso unfrei machen, wie er es zu Beginn des Stücks war. Es wurde 1951 geschrieben. Es wurde damals zum Misserfolg.

Ein weiterer Grund mir dieses Stück im Fernsehen (3SAT) anzusehen: er war eine Koproduktion des Theater Basel mit dem Residenztheater München, beide renommierte Institutionen.

Zum Inhalt jetzt noch ein wenig konkreter: Ein Hauswart, erschlagen: ohne Grund, ohne Motiv, einfach so. Eine Tat, die alle Gewissheiten und Lebenskonstrukte ins Wanken bringt. Durch den Arbeitsalltag vom Leben entfremdet, greift der Kassierer einer Bank zur Axt und mordet. Im Mörder und dessen „sinnloser“ Tat sieht Staatsanwalt Martin, der mit diesem Fall betraut ist, sein eigenes Gefangensein in einer von Pflicht, Gesetz und Ordnung dominierten bürgerlichen (spießbürgerlichen?) Existenz gespiegelt. Schlagartig erobern den Staatsanwalt die lebenslänglich verdrängten Sehnsüchte und treiben ihn zur Flucht in die Welt seines mysteriösen Alter Ego: in die Welt von Graf Öderland. Als Graf Öderland beginnt Martin mit der Axt in der Hand einen blutigen Feldzug gegen den gesellschaftspolitischen Status quo. Er streift mordend und marodierend durchs Land. Er schart immer mehr Anhängerinnen und Anhänger um sich, die ihn zum Befreiungshelden stilisieren und schließlich eine Bewegung bilden, die nicht mehr zu stoppen ist. Alle Verzweifelten, Ausgegrenzten und Gelangweilten vereinen sich zu einem nihilistischen Kult um den Grafen als Führerfigur und stürzen schließlich sogar die Regierung. Ohne jede Ideologie oder Agenda ist die Gruppe allein der radikalen Freiheit verpflichtet. Das gesellschaftliche Gefüge ist zerstört, die Gesellschaft im wahrsten Sinne des Wortes gespalten. Doch was anfangs als gesellschaftlicher Befreiungsschlag erscheint, entpuppt sich als verzweifeltes und brutales Ringen um die eigene innere Freiheit, unter dem Motto: „Ich will nicht die Macht! Ich möchte leben!“

In dieser Inszenierung taumeln, kriechen und stürzen die Figuren aus einem schwarzen Trichter, was sie zum Teil zu recht verkrampften Körperhaltungen zwingt. Sie scheinen sich in einer Welt zu bewegen, in der für unumstößlich gehaltene Grundsätze verloren sind und autoritäre, totalitäre Strömungen die Oberhand gewinnen. Menschlichkeit ist nichts weiter als eine naive Erinnerung – oder war doch alles nur ein böser Traum? Es sind hervorragende Schauspieler „am Werk“, die vor allem auch sehr klar sprechen, und die live-Musik untermalt das Stück absolut kongenial.

Wenn das Stück (angeblich Lieblingsstück von Max Frisch) auch 1951 geschrieben wurde, erinnert vieles an die derzeitige Situation – wenn im Stück auch die Pandemie nicht vorhergesehen ist.

Ich finde, diese Aufführung sollten viele sehen – denn sie regt zum Denken an!

Auch im Fernsehen kann man gutes Theater sehen

Zum Ergebnis der Hochschülerschaftswahl

Alle zwei Jahre werden alle Ebenen der Österreichischen Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft (ÖH) von den Studentinnen/Studenten neu gewählt. 2021 fand die ÖH-Wahl von Dienstag, den 18. Mai bis Donnerstag dem 20. Mai statt. Um bei der ÖH-Wahl wahlberechtigt zu sein, musste der ÖH-Beitrag für das Sommersemester 2021 bis spätestens 30. März 2021 eingezahlt werden.

Gewählt wird dabei:

  • die Bundesvertretung
  • die Hochschulvertretung
  • die Studienvertretung

Die ÖH-Wahl erfolgt an folgenden Institutionen:

  • Universitäten
  • Fachhochschulen
  • Pädagogische Hochschulen
  • Privatuniversitäten

Die ÖH-Wahl ist eine bundesweite Wahl mit einer zentralen Wahlbehörde. Bei der Wahl sind amtliche Stimmzettel zu verwenden.

Wir lesen, dass sich nur ca. 16% der Studierenden daran beteiligt haben. Auch bei den vorherigen Wahlen war die Beteiligung nicht hoch, aber immerhin lag sie noch bei ca. 25%.

Dass diese trostlos niedrige Wahlbeteiligung ein demokratiepolitisch sehr schlechtes Zeichen ist, lässt sich nicht leugnen. Dass die Wahl terminmäßig halt in die Corona-Zeit gefallen ist, dass noch immer viele Vorlesungen und Veranstaltungen on-line stattfinden, und die Studenten keinen Grund haben, an die Universität zu kommen, trägt auch zu dem schlechten “turnout der Studenten bei diesen Wahlen“ bei.  Ich gebe auch zu, dass die derzeitige Bundespolitik demokratiepolitisch nicht sehr vorbildlich abläuft. Alles Gründe, eventuell nicht zur Wahl zu gehen.

Aber: Diese Wahl wäre eine Gelegenheit der Studenten gewesen, darauf aufmerksam zu machen, dass sie bei den Corona Maßnahmen der Regierung weitestgehend „vergessen“ worden waren. Sie stellen auch keine (besonders bedrohte) Gruppe dar, und die Impftermine von Studenten liegen in weiter Zukunft. Nicht nur an den Schulen, an denen dauernd neue Regulierungen kommen, leiden die Schüler, auch Studierende leiden am fehlenden Hochschulbetrieb – wer kümmert sich um sie? Auch sie werden durch die fehlenden Vorlesungen, Übungen und Kontakte mit anderen Studierenden psychische Probleme haben- wer greift dieses Thema auf – ich habe noch nichts davon gehört.  Auch sie haben wahrscheinlich „Zeit verloren“ nicht nur die Maturanten, denen man weit entgegenkommt.

Und was hat die Hochschülerschaft im Zusammenhang mit diesen Problemen getan? Meist hat man sich mit internen Problemen herumgeschlagen, war zerstritten und in den Programmen stand nichts, das Studenten in ihrem Studium wirklich – in Zeiten wie diesen – unterstützen würde. Möglicherweise haben sich viele Studenten gefragt, warum man diese einander anfeindenden Gruppen überhaupt wählen soll.

Es sitzen zwar junge Menschen im Parlament, eigentlich fast von jeder Partei, manche kommen aus der Hochschülerschaft – dient diese nur als Karriereweg? Ich höre wenig von (strategischer) „Jugendpolitik“ aus dem Parlament (oder von der Regierung).  

Da hat es früher – viel früher – Politiker gegeben, die sich um die Belange der Hochschulen wirklich gekümmert haben (ich war nicht immer einverstanden mit den Lösungen, aber immerhin hat man sich bemüht!). Mir fällt als besonders prominente Vertreterin in dieser Riege Frau Dr. Hertha Firnberg ein. Sie hatte ein Ziel, das sie verfolgt hat, sie hat die Situation verstanden.  Es war auch Erhard Busek in dieser Funktion erfolgreich tätig, wie auch Karl Heinz Töchterle. Die Wissenschaft wurde des Öfteren mit anderen Bereichen in einem Ministerium gekoppelt, nicht immer zum Vorteil der Wissenschaft.

Wir leben jetzt in einer Zeit des Umbruchs und gerade die Jugend ist gefordert, die notwendigen Maßnahmen mitzutragen, bei der Globalisierung (besonders um deren Auswüchse festzustellen und korrigieren), bei der Digitalisierung (besonders um eine Spaltung der Gesellschaft dabei zu verhindern), und besonders bei Lösung der Klimaprobleme – und alles rundherum. Demonstrieren bei Fridays-For-Future reicht wirklich nicht.

Die Fraktionen der Hochschülerschaft sollten ordentlich Bericht erstatten, was sie wirklich für die Zukunft erreicht haben, und dadurch, dass ihre Programme für die Zukunft ziemlich gleich klingen, macht es für die Studenten nicht einfacher, sich für die eine oder andere entscheiden.

Jetzt scheint es mir hoch an der Zeit zu sein, die Studenten und alle anderen jungen Menschen in unserem Land bei allen politischen Maßnahmen stärker zu berücksichtigen, denn, und das sollten wir nicht vergessen, sie sind für unsere Zukunft verantwortlich.

Zum Ergebnis der Hochschülerschaftswahl