Gedanken zu extremer Wortwahl

Kann man seine Gedanken nicht auch anders ausdrücken?

Bin ich grantig, oder doch eher traurig? Ich mag nicht mehr ins Facebook schauen, denn dort kommt hauptsächlich Werbung für Dinge, die mich nicht interessieren, ein paar Meldungen von Freunden – aber von vielen „Freunden“ nichts, habe sie aufgehört zu posten oder verschluckt Facebook das?  

Und in Twitter bin ich immer empörter ob der Wortwahl von Personen, die ich bisher eigentlich für seriös gehalten habe. Da wimmelt es nur so von Zuordnungen von A…loch, man wünscht manchen Menschen Böses, z.B. Krankheiten, wiederholt dumme Sprüche, verbreitet Halbwahrheiten oder Verschwörungstheorien. Langsam gefallen mir fast nur mehr Blumenphotos.  Und man muss wirklich „schürfen“, um interessante und/oder wichtige Beiträge zu finden. Ich finde das sehr schade. Vieles ist einfach nicht mehr witzig, sondern nur böse. Ich habe den Eindruck, viele sitzen vor dem Fernseher und kaum wird dort z.B. in der ZIB2 etwas gesagt, wird es bereits „zerrissen“. Das ist keine ehrliche Auseinandersetzung, sondern erscheint mir eine generelle Schmutzkübelkampagne.

Vielleicht werfen Sie mir jetzt vor, „die falschen Freunde zu haben“. Mag ja wohl so sein.

Aber selbst bei oft wiederholten “Forderungen“ wie z.B. „Kurz muss weg“, denke ich mir auch OK, wenn das gewollt wird – aber bitte wer sonst oder was sonst? Neuwahlen, naja, in der noch immer laufenden Pandemie keine so rasend gute Idee (mindestens ein halbes Jahr „Politikstillstand“, erbitterte Auseinandersetzungen, „teure“ Versprechungen und ein ungewisses Ergebnis). Nur ein Wechsel an der Spitze, mitsamt Nachfolger(in) aus derselben Riege? Und welche Lichtfiguren sehen Sie jetzt bei den anderen Parteien?

Ich finde, bevor man einen Slogan z.B. eines Demagogen wiederholt, sollte man sich auch über die Konsequenzen Klarheit verschaffen. Ich muss ja zu meinem Leidwesen vielen „Anschuldigungen“ zustimmen, ich mag auch Arroganz gar nicht, ich sehe (und bin wahrscheinlich damit komplett „outdated“) in Politikern letztlich Diener des Volkes (und das scheinheilige „demütig dem Wähler nach den Wahlen zu danken“, mag ich auch nicht.)

Ich mag es auch gar nicht, wenn nur einer die guten Nachrichten verkünden darf, (die sich nachher aufgrund faktischer Gründe zuweilen als nicht haltbar herausstellen), während der Koalitionspartner die schlechten verlautbaren muss. Ja, und mir hat das schon sehr gut gefallen, dass abgetretene Gesundheitsminister sich zuweilen entschuldigt hat (so wie auch die deutsche Kanzlerin). Man entschuldigt sich doch auch im privaten Bereich?   

Ich mag auch das „interne Gepackel“ (genannt Familie) gar nicht. Andererseits verstehe ich, wenn man gut regieren will, dann wählt man lieber verlässliche Freunde als Außenseiter, die einem noch dazu gefährlich werden könnten.  Und es ist nicht nur ein Charakteristikum der Politik, dass sich nur wirklich große Männer oder Frauen mit „Besseren“ umgeben. Von denen fürchten kleinere Geister, verdrängt zu werden.

Ja überhaupt: die Auswahl der Minister – das scheint mir eine ziemlich „zufällige“ Vorgangsweise. Da gibt’s keine Ausschreibung, da werden „Bekannte“ aus dem Hut gezaubert, dann angerufen, ob sie wohl Minister werden wollen? Ein öffentliches Hearing durch das Parlament würde mir da schon sehr gut gefallen. Auch in Untersuchungsausschüssen würde mir eine gepflegtere Sprache sehr wünschenswert erscheinen.

Eine der Konsequenzen dieser Vorgangsweise erscheint mir die Message Control. Sie funktioniert ähnlich wie der Clubzwang im Parlament. Da werden gute Leute gesucht, sowohl als Regierungsmitglieder als auch als Parlamentarier – und dann macht man sie mundtot? Sicher, ich verstehe, dass es eine „Parteilinie“ geben muss, ein vereinbartes Regierungsprogramm existiert, aber gute Lösungen kommen doch nur durch Diskussionen zustande, und warum dürfen die denn nicht öffentlich sein. Außerdem muss man doch auch flexibel, „situationselastisch“ bleiben können? Vor allem, wenn eine Partei einen (guten) Vorschlag macht, muss ihn die Opposition schlecht finden, und vice versa. So werden viele gute Vorschläge einfach „umgebracht“. Ich habe schon manchmal den Eindruck, dass Spielen der Kinder in der Sandkiste konsensualer abläuft, als Vorgehensweisen im Parlament.  

Ich mag es auch gar nicht, wenn Institutionen angegriffen und beschuldigt werden, man muss wohl einer Prüfung seiner/ihrer Vorgangsweisen ertragen können. Es stimmt schon, vieles geschieht aufgrund von „Parteiverhalten“, aber nicht alles und nicht jeder in diesen Institutionen ist „Partei“, und dann persönlich angegriffen zu werden ist schmählich. Kritik muss immer und überall zulässig sein, man kann darauf hinweisen, dass vielleicht zu langsam gearbeitet wird, dass vielleicht falsche Prioritäten gesetzt werden, aber das kann doch auch in „ziviler Form“ geschehen.

Und dann ist da noch das „Peter Principle“: „In einer Hierarchie neigt jeder Beschäftigte dazu, bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen“.

Aber alle diese ja, unvollkommenen Leute, die uns regieren, wirklich so übel durch den Schmutz zu zerren, indem man sie mit üblen Schimpfwörtern belegt, bringt uns doch nicht weiter.

Auch der Ton in der „internationalen Politik“ ist rauer geworden, nicht nur bei uns.

Aber ich hoffe, Sie können verstehen, warum ich grantig bin. Und eigentlich mag ich nicht grantig sein müssen!

Gedanken zu extremer Wortwahl

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s