Ein alter Traum,

der andernorts öffentlich erfüllt wurde

Zuallererst muss ich gestehen, dass ich es gerne hätte, dass Österreich irgendwo am Meer läge. Wenn man so die Geschichte betrachtet, war es ja auch lange so – z.B.ca. 600 Jahre gehörte Triest zum Habsburger Reich. Aber ich sollte das halt nicht so eng sehen, denn derzeit sind sowohl Italien als auch Österreich bei der EU – na, also. Und die Distanz von Wien zum Meer hat sich ja nicht verändert, Abbazia ist halt Opatija geworden und in Kroatien, und das ist ja auch ein Teil der EU.

Und wenn es schon kein Meer sein kann, so wäre es doch schön, wenn unser (jetzt gehört es ja schon meiner Tochter) Häusl am Land an einem See läge – das tut es aber nicht. Es gibt in dem Ort, Pernitz, zwar ein Schwimmbad, aber das nächste „schöne“ Schwimmbad liegt doch wieder mehr als 20 km entfernt – nämlich in Bad Fischau. Ich mag diese Anlage dort sehr, besonders den Wasserfall, aber zugegebenermaßen: das Wasser ist dort ziemlich kalt.

Naja, dann wäre die Antwort gewesen, selbst einen Swimmingpool zu bauen, aber die Kosten dafür wären unverhältnismäßig hoch gewesen, da der Untergrund dort felsig ist. Die Pflege wäre aufwändig gewesen. Außerdem haben wir den Garten ja nur an Wochenende im Sommer genutzt. Also von Kosteneffizienz keine Rede.

Nun, die Zeiten änderten sich, und man baute am Land keine Swimmingpools mehr, sondern Schwimmteiche. Ein Freund von uns hat so etwas, anfänglich war es ein Karpfenteich gewesen, später wurde es zum Schwimmteich, den auch ich dann öfter nutzen durfte.  Der entsprach genau meinen Vorstellungen. Schwimmteiche benötigen aber noch viel mehr Platz als Swimmingpools, ziehen Frösche an, die nächtens quaken, oder Enten, die den Teich sehr bald verschmutzen oder Gelsen, die dann die dort Weilenden belästigen. – So die Einwände meines Mannes.  Außerdem sollte dieser Teich dann doch eine bestimmte Größe haben und einen kleinen Wasserfall, um das darin befindliche Wasser zu bewegen …

Dann, zu allem Überfluss waren wir bei einem Freund in Kärnten eingeladen, dessen Schwimmteich gerade gekippt war, mächtig stank und der Erbauer keine Zeit hatte um ihn zu sanieren. Das war dann das endgültige Ende der Bademöglichkeit im Garten. (Dazu ist noch zu bemerken, dass ich in der Zwischenzeit auch älter geworden war und meine Kältetoleranz erheblich abgenommen hatte.)

Nun, das Haus wird jetzt von den Kindern meiner Tochter viel mehr genutzt, als das früher der Fall war, besonders in der Corona-Zeit war es Zuflucht bei Quarantäne und Aufenthaltsort, als das Stadtleben während des Lockdowns keine Anziehungskraft mehr hatte. Naja, jetzt scheint der Teich wieder eine Option zu sein.

Und heute, während des familiären Kurzurlaubs stellte sich die Frage, wo man hier in der Umgebung wohl baden könne. Uns wurde Oberhaag genannt. Etwas befremdet stellten wir fest, dass dort kein Teich eingezeichnet war, waren aber neugierig genug, um uns dorthin zu begeben. Ein sportlicher Teil der Familie wählte einen Fußweg, (naja, 8 km, mir war’s doch zu weit). Der Rest fuhr mit dem Auto. Und dort fand ich meinen Traum-Schwimmteich. In einer Park-artigen Anlage befand sich ein großer Schwimmteich, tief genug, um von einem kleinen Turm hineinzuspringen, an dem anderen Ende seicht genug für kleine Kinder, umgeben von einem Wasserpflanzengürtel. Auch bewohnt von dezent quakenden Fröschen und Molchen. Es war dort nicht besonders voll, es gab eine Bade-Bar und einen Sportplatz. Das Wasser, das noch immer eingelassen wurde, ob es aus dem naheliegenden kleinen Bach kam, konnte ich nicht feststellen, war für mein Dafürhalten doch zu kalt (für mich). Den meisten anderen gefiel es. Eintritt war jedenfalls keiner zu bezahlen.

Ich halte diese Lösung für sehr vernünftig, eine derartige Anlage in einem Ort „öffentlich“ zu machen. Oberhaag ist eine Gemeinde mit 2064 Einwohnern, im Bezirk Leibnitz in der Steiermark. Es gibt auch eine Sage zu diesem Ort: ein Trud (setzt sich nachts auf die Brust von Schlafenden und verursacht Albträume, Beklemmungen und Atemnot) tritt dort zuweilen auf. Als Abhilfe wird angegeben, man müsse die Hausschuhe mit den Spitzen zum Bett stellen, auf dass die Trud (die mit verdrehten Füßen geschildert wird) diese nicht verwenden könne. Ansonsten liegt der Ort auch an der südsteirischen Weinstraße.  Die „Jubiläums-Volksschule“ in Oberhaag wurde 1908 anlässlich des 60-jährigen Regierungsjubiläums von Kaiser Franz Joseph I. erbaut.

Und jetzt gibt es dort (meinen) Schwimmteich!

Ein alter Traum,

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