Urlaub jetzt – und früher

Derzeit Kurzurlaub – oder Clantreffen über Fronleichnam. Der Ort Strablegg – im Bezirk Leibnitz. Die Sonne scheint, hinter dem Haus liegt ein Wald, in dem man spazieren gehen kann. Wir treffen einander zwar, aber jeder geht so seine Wege, die Kinder sind an einem Teich, in den sie hüpfen können (ich werde ihn wohl nicht betreten, auf mich wirkt er eher wie eine „Krotnlackn). Für die Kleinen gib es allerhand Plastikdinger auf Rädern, eine Sandkiste,  für die Größeren Go-Carts, auch einen Pingpong- Tisch. Man kann im Freien essen, im Schatten von Bäumen, man kann selber kochen oder sich bekochen lassen. Ich habe mein eigenes Zimmer – mitsamt Badezimmer, wohin ich mich auch zurückziehen kann. Manche der Räume haben Balkone, ich bin „unter dem Dach“.

Hier kann ich es ruhig haben, oder lustig zusammen mit den anderen. Ich konnte mit meiner Tochter hierherfahren, ich brauche mich um nichts zu kümmern und kann es mir gut gehen lassen. Das Haus (eher ein Komplex aus Häusern) hat meine Tochter ausgesucht. Lebensmittel um selber zu kochen hat meine Schwiegertochter mitgebracht, Brot mein Sohn aus der Bäckerei. Es bleibt mir nur – mit der Seele zu baumeln.

Wunderbar!

Wie unterscheidet sich das von den Urlauben, die ich mit meinem Mann unternommen habe. Da mein Mann behindert war, und für sein Leben gerne reiste, aber ja nicht stationär bleiben wollte, war es selbstverständlich, dass wir mit dem Auto unterwegs waren. Und da mein Mann auch eine sehr starke Bindung an die USA hatte, war das Ziel oft in den USA gelegen. Mir war das nur recht, denn da ich immer Angst um den Gesundheitszustand meines Mannes hatte, hatte ich in den USA „Sicherheit“ einer guten ärztlichen Versorgung, die es bei anderen Destinationen, die sich mein lieber Mann wünschte, eher nicht gegeben war – als wir einmal in Bali waren „zitterte“ ich von der Ankunft bis zur Abreise dort.

Aber erholsam waren meine damaligen Urlaube wahrlich nicht. Wir fuhren nie „ins Blaue“. Die Route war vor Abreise genau festgelegt, ebenso wie die Orte der Übernachtungen. Am Weg sollten möglichst viele Sehenswürdigkeiten liegen.  Vorbereitend buchte ich überall Motels, Hotels natürlich das Auto und – in den USA nicht besonders schwierig – einen Rollstuhl, der ins Auto passen musste. Dieser wurde dann vor dem Rückflug retourniert. Den eigenen im Flugzeug mitzunehmen wäre komplizierter gewesen. Die Route samt Hotels (und deren Telephonnummern) stand in einer Liste, die ich vor Abreise unseren Kindern hinterließ, um uns im Bedarfsfall kontaktieren zu können bzw. helfen zu können, wenn bei unserer Reise etwas schief gehen sollte (es ging nie etwas schief). Unsere Reisen fanden meist noch in Zeiten statt, indem man über kein Handy verfügte. Dieser Liste beigefügt waren auch noch die Kontaktadressen österreichischer Botschaften bzw. Konsulate, falls man deren Hilfe benötigen sollte. Ja, und nicht zu vergessen: Listen jener Medikamente, die mein Mann auch während einer Reise unbedingt nehmen musste.

Jene Medikamente mussten auch mitgenommen werden – ich hatte fast immer einen kompletten Satz Reservemedikamente in einem „anderen“ Koffer dabei, sollte ein Koffer nicht rechtzeitig ankommen. Nicht nur Medikamente, sondern auch ein Blutdruckmessgerät war dabei – Im Handgepäck! Anfänglich, als wir diese Reisen unternahmen, gab es noch keine so rigorosen Handgepäckskontrollen wie es sie heute üblich sind.

All das musste stattfinden, bevor wir noch weggefahren waren. Und dann war ich verantwortlich für Reisepässe, Flugtickets, Hotelgutscheine, Geld in verschiedenen Währungen, etc. Ich musste mich ums ganze Gepäck kümmern, einchecken, … Erst später „lernte“ ich, dass man in Flughäfen hilfreiche Personen anfordern konnte, die Rollstühle durch die Riesenanlagen schieben würden.  Wenn wir dann endlich angekommen waren musste ich die Zoll- und Einwanderungsformalitäten erledigen, mich ums ankommende Gepäck kümmern – und wenn wir nicht gleich ein Auto nahmen, ein Taxi auftreiben (auf Behindertentaxis muss man in den USA besonders lange warten) …

Viele unserer Reisen fanden in der „Vor-Navi-Zeit“, d.h. ich plante unsere Tages-Route besonders genau, und merkte mir alle wesentlichen Abzweigungen. Denn mein Mann hatte zwar die Karte vor sich, aber zuweilen schlief er auch ein wenig ein, und passte nicht auf den Weg auf, und falsch fahren, oder verirren, das war von der Zeitplanung nicht drin – denn so ca.600 km war schon eine Tagesentfernung. Besonders, in dem von mir so geliebten Südwesten der USA.

Nach solchen Reisen war ich eigentlich – urlaubsreif!

So, und jetzt gehe ich wieder Seele baumeln, denn das Organisieren, das überlass‘ ich jetzt gerne den anderen.

Urlaub jetzt – und früher

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