Zum Karlsplatz

Keine Angst, das Platzverbot ist schon wieder aufgehoben.

Für mich ist der Karlsplatz irgendwie „ausgefranst“, er ist kein richtiger Platz, sondern eine Ansammlung von recht unterschiedlichen Plätzen – auch mit unterschiedlicher Geschichte, getrennt durch stark befahrene Straßen. Er hat ja seinen Namen auch erst seit 1899. Ich überquere ihn oft, am liebsten komme ich von der Dumbagasse entlang des Musikvereins dorthin – mit dem wunderschönen Blick auf die Karlskirche. Für mich geht dem Platz der Wienfluss ab. Ich verstehe schon, warum er unterirdisch fließt, aber früher dominierte er hier.

In Grauen Vorzeiten gab hier einst Schotterbänke und kleine Inseln, eine richtige Aulandschaft, die auch als Jagdgebiet genutzt wurde. Aber das Gebiet wurde sehr häufig überschwemmt. Zur Römerzeit wurden die Auwälder abgeholzt und zwei Fernstraßen angelegt. Eine davon war die Limesstraße. Hölzerne Brücken ermöglichten das Überqueren des Wienflusses. Dieser wurde zur Holzschwemme aus dem Wienerwald genutzt, am späteren Karlsplatzes wurde das Holz aufgefangen und gelagert. Das Gebiet war schon zu dieser Zeit ein wichtiger Handels- und Verkehrsknotenpunkt. Nach dem Ende der römischen Herrschaft im 5. Jahrhundert verfiel die Infrastruktur langsam.

Das im Mittelalter zur Vorstadt Wieden vor dem Kärntnertor gehörige Terrain wurde vielfältig genutzt. Einerseits befanden sich dort Lucken (schmale Gässchen, Durchgänge oder ein Gelass) mit Gärten, Weinschenken und Handwerkerhäusern. Andererseits wurden im 13. Jahrhundert das Heiligengeistspital und das Bürgerspital gegründet. Beide Spitäler nutzten zur Versorgung der Kranken und Alten eigene Mühlen und Bierbrauereien, die vom Wasser des Wienflusses betrieben wurden. Im Zuge der ersten Türkenbelagerung wurden die Spitäler niedergebrannt und nicht wieder aufgebaut. Die hölzerne Brücke (später Elisabethbrücke) wurde zwischen 1400 und 1404 durch eine Brücke aus Steinquadern ersetzt, um so dem Verkehrsaufkommen zu entsprechen. Im 15. Jahrhundert werden Weiher (keine Teiche) des Wienflusses erwähnt.

1529 war das Gebiet ein Schauplatz der Kampfhandlungen während der ersten Türkenbelagerung. Dies führte zu einem Ausbau der Befestigungsanlagen. Das an die Befestigungsanlagen unmittelbar angrenzende Gebiet wurde zum militärischen Sperrgebiet mit einem Bebauungsverbot (Glacis).

1713 und 1781 wurden (nie ausgeführte) Pläne zur Regulierung des Wienflusses ausgearbeitet. Von 1716 bis 1739 wurde die Karlskirche erbaut. Im späten 18. Jahrhundert begann die Wandlung des Glacis vom Sperrgebiet hin zu einem Erholungsgebiet. Alleen und Beleuchtungen wurden errichtet und 1787 kam es zu einer Flussregulierung, nachdem es, im 18. Jahrhundert elf Hochwässer gegeben hatte.

Das Polytechnikum wurde 1816 errichtet. Nach der Schleifung der Befestigungsanlagen wurde die Verbauung des Karlplatzes zu einem architektonischen Experimentierfeld. Hier entstand der erste Monumentalbau der Ringstraßenzeit, die Evangelische Schule. Auf bürgerliche Initiative hin wurden Handelsakademie, Künstlerhaus und Neues Musikvereinsgebäude errichtet, die das neue Bild des Platzes, noch mit einem offen fließenden Fluss, prägen. Das Polytechnikum wurde 1816 errichtet. Nach der Schleifung der Befestigungsanlagen wurde die Verbauung des Karlplatzes zu einem architektonischen Experimentierfeld. Hier entstand der erste Monumentalbau der Ringstraßenzeit, die Evangelische Schule. Auf bürgerliche Initiative hin wurden Handelsakademie, Künstlerhaus und Neues Musikvereinsgebäude errichtet, die das neue Bild des Platzes, damals noch mit einem offen fließenden Fluss, prägen.

Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts beschäftigte sich der auch städteplanerisch tätige Architekt Adolf Loos eingehend mit der nach wie vor nicht zur allgemeinen Zufriedenheit gelösten Frage der Verbauung des Platzes. Der Plan von Loos sah eine Avenue vom Schottentor bis zur Karlskirche vor.

Das von Wagner ebenfalls konzipierte Historische Museum der Stadt Wien wurde erst 1959 nach vierjähriger Bauzeit nach Plänen von Oswald Haerdtl errichtet. Am 1. November 1969 begannen die Bauarbeiten für die U-Bahn (fünf unterirdische Geschosse für die U1, U2 und U4; Fertigstellung 8. Mai 1976); die Stadtbahnstationsgebäude Wagners (Stadtbahnhaltestelle Karlsplatz) wurden restauriert und wiederaufgestellt. In den 1970er Jahren wurden auch die letzten Baulücken durch den Bau der Bibliothek der Technischen Universität und des Akademiehofs geschlossen.

In Verbindung mit dem Karlsplatz stehen in jüngerer Vergangenheit der Schwarzmarkt im Resselpark nach dem zweiten Weltkrieg und die Drogenszene seit dem Ende der 80er Jahre bis Mitte der 2000er Jahre (die sich auch auf die U-Bahn-Station erstreckt).

Seit den 1960er Jahren wurde der Karlsplatz für experimentelle Kunstprojekte im öffentlichen Raum genutzt. In jüngster Zeit wurden verschiedene Konzerte und Festivals dort veranstaltet.

In Corona-Zeiten wurde der „Komplex Karlsplatz“, besonders rund um den Teich mit dem Moore-Brunnen zur jugendlichen Partyszene, zu einem Hotspot für junge Leute, die zum aller größten Teil eigentlich nur feiern wollten. Doch in der Nacht 5. Auf 6. Juni eskalierte die Situation: Über 60 Anzeigen und acht verletzte Polizisten lautete die Bilanz am Tag darauf. Es wurde ein Platzverbot verhängt, das aber alsbald wieder aufgehoben wurde. Die Verhängung war politisch umstritten. Manche sind auch erbost, denn seit Mitte Mai 2021 wurde die Karlskirche rund 18 Mal Opfer von Graffitiattacken und die Kosten der fachgerechten Entfernung und Müllentsorgung sind erheblich.

Heute habe ich wieder sowohl den Karlsplatz als auch den Resselpark durchquert -alles war höchst ordentlich und sauber; jedenfalls waren wenige Leute unterwegs – Kinder waren beglückt, denn der Teich vor der Karlskirche wurde gerade frisch eingelassen.

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