Mühevoller Haushalt in früheren Zeiten

Der Waschtag am Land – im Jahr 1944

Angeregt durch eine Äußerung über Twitter: „Meine Großmutter ging damals zum Bach schwemmen, bei 5 Kindern hatte sie sehr viel zu tun“, ist mir eingefallen, dass wir in meiner Kindheit auch die Wäsche im Bach geschwemmt haben.

Das war im Jahr 1944, es war ein sehr kalter, schneereicher Winter. Wir waren gerade von Wien evakuiert worden und lebten in einer Art Untermiete im Haus einer Familie, die eine Hammerschmiede in Pregarten, im Mühlviertel, betrieb. Wir hatten gerade ein Zimmer, im Oberstock des Wohnhauses der Familie des Schmieds (obwohl es auch andere dort leerstehende Zimmer gab – aber man war nicht beglückt, ob dieser Einquartierung von uns Wienern). Dieses Zimmer diente zum Schlafen, Kochen, Essen, für mich „Aufgabe machen“, Spielen. Wir hatten einen Herd, der auch der Heizung diente, die Toilette war über eine freiliegende Holzstiege und über einen Hof erreichbar (Plumpsklo). Nächtens verwendeten wir ein „Potschamperl“. Badezimmer hatten wir keines (die anderen Bewohner des Hauses wohl auch nicht).  

Wir durften auch die Waschküche nicht benützen, denn die Wäsche haben wir beim Nachbarn gewaschen. Daran kann ich mich genau erinnern. Der Nachbar – des war eine etwas exzentrische (angeblich gräfliche) Familie, wovon sie gelebt haben, weiß ich nicht. Aber sie waren freundlich zu uns (später durfte ich auch meinen Hasenstall dort aufstellen). Deren Haus befand sich jenseits des Flusses (der ansonsten die Hämmer der Schmiede antrieb). Es gab einen Steg hinüber, der später ganz kurz die Grenze zwischen der amerikanischen und russischen Zone darstellte. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.  Bei dieser Familie durften wir waschen, d.h. deren Waschküche benützen. Den Platz als Waschküche zu bezeichnen, war etwas übertrieben, sie bestand aus einem beheizbaren Kessel, einem Waschtrog, aufgebockt, und einem Dach darüber, alle Seiten waren offen. Trotz geheiztem Kessel war’s ziemlich kalt und nass dort.

Am Waschtag trug man Holzschlapfen, um die Schuhe zu schonen, die dabei ziemlich durchnässt geworden wären, denn diese musste man immerhin schonen. Das Wasser zum Waschen schöpften wir mit einem Kübel aus dem Fluss (die Aist), wir heizten – mit mitgebrachtem Holz (selber gehackt) ein, und die Wäsche kochte in dem Kessel – mit einem Art Stock mit verbreitertem Ende wurde die Wäsche in den Trog gehoben, man musste aufpassen, damit man sich mit dem heißen Wasser, das von der Wäsche troff, nicht zu verbrennen und dort, im Trog, wurde die Wäsche gebürstet. Wir haben nie Wäscherumpeln verwendet.

Nach dieser aufwändigen Prozedur wurde die Wäsche in Kübeln wieder auf „unsere“ Seite des Flusses getragen – die waren ziemlich schwer, aufgrund der nassen Wäsche. Dort knieten wir uns an den Rand des abgezweigten „Mühl“-bachs und schwemmten die Wäschestücke einzeln darin. Dieser Seitenarm war nämlich aufgrund der Strömung, die für den Antrieb der Hämmer benötigt wurde, nicht zugefroren. Dennoch, das Wasser war sehr kalt, man bekam ganz rote Hände, wenn man hineingreifen musste. Die geschwemmte Wäsche musste dann wieder ausgewrungen werden, Aufhängen durften wir sie aber dann doch auf unserer Seite des Flusses. Kaum war die Wäsche aufgehängt, war sie auch schon gefroren.

Später wurden die Wäschestücke dann in unser Zimmer geholt, wo sie fertigtrocknen mussten und gebügelt wurden. Zuerst mussten die größeren Stücke ausgezogen werden, das erleichterte nämlich das Bügeln. Bügeln – naja das Bügeleisen musste mit einem Eisenstück – nach seiner Form oft als „Ochsenzunge“ bezeichnet wurde, das man im Feuer erhitzt und in das Bügeleisen geschoben hatte, „beheizt“ werden, dann erst konnte man Bügeln.

Verständlicherweise unterzog man sich dieser Prozedur insgesamt ca. nur einmal im Monat. Ich konnte diese Waschtage nicht leiden, denn erstens begannen sie zeitig in der Früh und da meine Mutter aufgrund der „Waschens“ nicht kochen konnte, gab es immer nur irgend ein recht einfaches Essen, das ich meist nicht schätzte, – wie z.B. Grieskoch (in Oberösterreich Schmalzkoch genannt, ob des vielen Fettes, das zu Produktion verwendet wurde).  

Im Sommer wäre das alles viel leichter gewesen, aber da hatte gerade der Krieg aufgehört, die Deutsche Armee hatte sich aufgelöst. Zuerst waren die Amerikaner einmarschiert, aber nicht lange danach waren sie von den Russen abgelöst worden. Da wurde vieles gefährlicher, selbst das Wasserholen aus der nahen gelegenen Quelle, aber auch das Nähern an den Fluss, denn die Russen fischten mit Handgranaten. Ich war dann schockiert, von den vielen toten Fischen, die mit dem Bauch noch oben den Fluss hinunter schwammen.

Da hatten wir dann andere Sorgen, als Wäsche zu waschen und zu bügeln.

Naja, Sie werden verstehen, dass ich die Waschmaschine und das Dampfbügeleisen außerordentlich schätze.

Mühevoller Haushalt in früheren Zeiten

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