Zum Thema: Pensionsantrittsalter

Die Schweiz hat das Antrittsalter der Frauen jenem der Männer angeglichen

In der Schweiz wurde entschieden, dass Frauen bis 65 (bisher 64) arbeiten müssen, um eine Rente zu bekommen. Manner müssen sowieso bis 65 arbeiten. Im Jahr 2019 betrug die voraussichtliche Lebensarbeitszeit in der Schweiz insgesamt 42,6 Jahre; bei den Männern 44,6 Jahre und bei den Frauen 40,4 Jahre. Dies ist nach Island mit 46,6 Jahren der zweithöchste Wert in Europa. Platz 3 belegte mit 41,2 Jahren Schweden. Die geringste Lebensarbeitszeit dagegen hatten Griechenland (32,3 Jahre), Bulgarien (32,1 Jahre) und Italien (30,7 Jahre). Der EU-Durchschnitt lag bei 35,4 Jahren, den die Schweiz mit mehr als 7 Jahren deutlich übertraf. Die Lebensarbeitszeit bezeichnet die Zahl der Jahre, die eine 15jährige Person während ihres Lebens erwartungsgemäß auf dem Arbeitsmarkt aktiv sein wird – entweder beschäftigt oder arbeitslos.

Im Vergleich dazu: im Jahr 2019 betrug die voraussichtliche Lebensarbeitszeit in Österreich insgesamt 37,6 Jahre; bei den Männern 39,8 Jahre und bei den Frauen 35,3 Jahre.

Damit man in Pension gehen kann, gibt es in Österreich 2 wichtige Voraussetzungen:

  • man muss das gesetzliche Pensions-Antrittsalter erreicht haben. Männer: 65 Jahre. Frauen: derzeit 60 Jahre. Das gesetzliche Pensionsantrittsalter der Frauen wird sich schrittweise erst ab 2024 bis 2033 von aktuell 60 auf 65 Jahre erhöhen.
  • Man muss die Mindest-Versicherungsdauer erfüllen. Das sind mindestens 15 Jahre oder 180 Monate.

Also bei uns müssen (dürfen) Frauen noch immer 5 Jahre früher als Männer in Pension gehen. Ich halte das für ungerecht. Denn die Lebenserwartung bei der Geburt in Österreich beträgt 2020 für Männer 78.94 Jahre, für Frauen aber noch immer mehr nämlich 83.74. Frauen beziehen daher fast 10 Jähre ihre Pensionen länger als Männer.

Warum wird aber dieser Unterschied im Pensionsantrittsalter so heftig verteidigt?  Es wird argumentiert, dass Frauen durch die Familie, besonders die Kinder stärker belastet sind als Männer, und daher als „Bonus“ früher in Pension gehen dürfen. Außerdem wird eingewendet, dass die Mehrzahl (sowohl der Männer als auch der Frauen) durch diverse Angebote (z.B. Altersgleitzeit, Hacklerregelung etc.) das Pensionsantrittsalter ohnedies nicht erreichen und es daher nichts bringt, das Regelpensionsalter  für Frauen hinaufzusetzen.

Aber all dies hat Konsequenzen, und ich behaupte, dass die derzeitige Altersarmut der Frauen ursächlich mit der früheren Pensionsantrittsalter zusammenhängt – nicht nur, aber doch. Der Hauptgrund ist wahrscheinlich noch immer die häufig in Anspruch genommene Teilzeit. Aber wenn Frauen länger arbeiten dürften, könnten sie diesen „Teilzeitausfall“ besser kompensieren, denn in diesen „letzten Arbeitsjahren“ könnten sie sehr wohl Vollzeit arbeiten und damit mehr auf ihrem Pensionskonto „anhäufen“.  Österreich hat aktuell gemeinsam mit Polen das niedrigste Pensionsantrittsalter innerhalb der EU. Eine Anpassung sollte daher besser früher als später passieren. Beamtinnen müssen bereits jetzt bis zum Alter von 65 Jahren arbeiten, um ihren Ruhegenuss beziehen zu können. 

Aber es geht nicht nur um die letzten Jahre, das frühe Pensionsantrittsalter für Frauen hat auch noch andere Konsequenzen (die ich selber erlebt habe). Ab einem sehr frühen Alter wird Frauen keine weitere Ausbildung mehr angeboten – nach dem Motto: „die geht eh bald in Pension“. Damit werden auch die Aufstiegschancen von Frauen erheblich verringert, denn sie ist somit weniger qualifiziert, einen höheren Posten anzutreten und ihr Gehalt stagniert. Damit bleibt auch die erwartete Pension kleiner.

Aber noch zum allgemeinen Pensionsantrittsalter: eine kleine „eigene“ Rechnung. Als ich zu arbeiten begann (Ende der 50er Jahre), rechnete man sich aus, dass man voraussichtlich noch durchschnittlich „10 gute Pensionsjahre“ haben würde – aufgrund der damals erheblich geringeren Lebenserwartung (diese stieg pro Jahrzehnt um ca. 2 ½ Jahre an!). Ich bin spät in Pension gegangen – mit 62 Jahren entsprechend unserem Pensionssystem, habe aber dann im Anschluss als „Berater“ – allerdings nicht mehr „full-time“ – bis 69 in derselben Firmengruppe gearbeitet. (in der Pension habe ich dann acht Bücher geschrieben und betreibe seit 5 Jahren einen Blog). Meine Pension beziehe ich somit seit 24 Jahren. Das ist schon ein erheblicher Unterschied zu den damals erwarteten 10 Jahren.

Ich meine daher, um dieses System halbwegs auszugleichen, finanzierbarer und auch gerechter zu machen, dass das gesetzliche Pensionsalter – aller – sich an der steigenden Lebenserwartung orientieren solle. (Vielleicht hat die derzeitige Pandemie einen „Delle“ in den durchschnittlichen Anstieg der Lebenserwartung gemacht.)

Die österreichische Politik schreckt traditionell davor zurück, das Pensionsantrittsalter anzuheben. Denn eine solche Maßnahme würde so wirken, als würde man der älteren Generation „etwas wegnehmen“. Tatsächlich ist es aber so, dass der Generationenvertrag heute bereits zulasten der jungen Menschen geht und eine Reform ein Gebot der Fairness wäre. Vielleicht könnte man diesen Faktor auch bedenken, wenn jetzt darüber nachgedacht wird, wie man den Jungen danken kann, dass sie während der Corona Zeit Rücksicht auf die Älteren genommen haben!

Zum Thema: Pensionsantrittsalter

4 Gedanken zu “Zum Thema: Pensionsantrittsalter

  1. Als damals in Deutschland das Pensions- bzw. Renteneintrittsalter für Frauen von 63 auf 65 Jahre angehoben wurde, fand ich das richtig. Gleiche Rechte, gleiche Pflichten. Mein Jahrgang wird bis 67 arbeiten müssen, das ist mir fast schon zu nahe an der 70. Ärgerlich ist, dass man mit 50 oder darüber in Deutschland so gut wie nicht mehr den Arbeitgeber wechseln kann. Niemand will eine 55jährige einstellen, da kann sie noch so kompetent sein. Klar, unsereiner kostet mehr und lässt sich von jungen Chefs nicht mehr alles sagen.

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    1. ich weiß – das Problem der Einstellung Älterer ist nicht gelöst. Da, und das gebe ich zu, nützt auch die Hinaufsetzung des Pensionsalters nicht. In vielen Betrieben und vor allem in öffentlichen Stellen gibt es noch die „automatische Vorrückung“, geringes Einstiegsgehalt, jährliche Steigerung – damit sind Ältere halt besonders teuer und man entlässt sie daher auch gerne.

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  2. Christiane Sandpeck schreibt:

    Viele Menschen, auch qualifizierte und weiterbildungswillige ab 45 aufwärts haben bis zum gesetzliche Pensions-Antrittsalter keinen Job! Die Hoffnung schwindet mit jeder Absage und der Frust steigt mit der Mehrheit von unbeantworteten Bewerbungen… dies ist eine unerträgliche Situation für diese Personengruppe aber auch für die Wirtschaft, die so wertvolles Wissen vergeudet und menschliche Werte mit den Füssen tritt.
    Mit dem Wandel zur Globalisierung ist die Wirtschaft immer profitgieriger geworden und daher sind wir alle mit unserem Handeln verantwortlich.

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