Der lange steinige Weg zur Religionsfreiheit

Beginnend 313 mit dem so genannten Toleranzedikt von Mailand

Das war 313 entschieden worden: „Nachdem wir beide, Kaiser Konstantin und Kaiser Licinius, durch glückliche Fügung bei Mailand zusammenkamen, um zum Wohle aller […] zu regeln […] sowohl den Christen als auch allen Menschen freie Vollmacht zu gewähren […] ihre Religion zu wählen […] damit die himmlische Gottheit uns und allen […] gnädig und gewogen bleiben kann. […] Wir sind seit langem der Ansicht, dass Freiheit des Glaubens nicht verweigert werden sollte. Vielmehr sollten jedermann seine Gedanken und Wünsche gewährt werden, so dass er in der Lage ist, geistliche Dinge so anzusehen, wie er selbst es will. Darum haben wir befohlen, dass es jedermann erlaubt ist, seinen Glauben zu haben und zu praktizieren, wie er will.“

Die Bezeichnung für diese Vereinbarung ist auch Toleranzedikt von Mailand (bzw. Edikt von Mailand u. ä.), was aber sachlich falsch ist. Denn es gab nie ein reichsweites Edikt, sondern nur bestimmte Vereinbarungen bezüglich der Politik der beiden Kaiser, weshalb man heute stattdessen überwiegend den Begriff „Konstitution“, „Protokoll“ oder „Mailänder Vereinbarung“ bzw. „Übereinkunft“ verwendet.

Wer waren diese beiden Kaiser und was hatte sie zu dieser Vereinbarung veranlasst?

Flavius Valerius Constantinus (* an einem 27. Februar zwischen 270 und 288; † 22. Mai 337), bekannt als Konstantin der Große, war von 306 bis 337 römischer Kaiser. Ab 324 regierte er als Alleinherrscher.

Konstantins Aufstieg zur Macht vollzog sich im Rahmen der Auflösung der römischen Tetrarchie („Viererherrschaft“), die Kaiser Diokletian errichtet hatte. 306 trat Konstantin das Erbe seines Vaters Constantius I. an, nachdem dessen Soldaten ihn zum Kaiser ausgerufen hatten. Bis 312 hatte sich Konstantin im Westen, 324 auch im Gesamtreich durchgesetzt. Folgenreich war seine Regierungszeit vor allem aufgrund der von ihm eingeleiteten konstantinischen Wende, mit der der Aufstieg des Christentums zur wichtigsten Religion im Imperium Romanum begann. Seit 313 garantierte die Mailänder Vereinbarung im ganzen Reich die Religionsfreiheit, womit sie auch das noch einige Jahre zuvor verfolgte Christentum erlaubte. In der Folgezeit privilegierte Konstantin das Christentum. 325 berief er das Erste Konzil von Nicäa ein, um innerchristliche Streitigkeiten (arianischer Streit) beizulegen. Im Inneren trieb Konstantin mehrere Reformen voran, die das Reich während der weiteren Spätantike prägten. Außenpolitisch gelang ihm eine Sicherung und Stabilisierung der Grenzen. Nach 324 verlegte Konstantin seine Residenz in den Osten des Reiches, in die nach ihm benannte Stadt Konstantinopel.

Licinius (vollständiger Name Licinianus Licinius, * um 265; † 325) war von 308 bis 324 römischer Kaiser. Licinius war angeblich bäuerlicher Herkunft, seine Familie stammte aus Dakien. Er diente als Offizier im römischen Heer. Licinius wurde im November 308 auf der Kaiserkonferenz von Carnuntum zum Augustus des Westens ernannt und mit der Herrschaft über Thrakien, Illyrien und Pannonien betraut. Im März 313 heiratete Licinius in Mediolanum (Mailand) Constantia, eine Halbschwester Konstantins des Großen, mit dem er ein strategisches Bündnis einging.

Konstantin und Licinius zerstritten sich, man führte Krieg gegeneinander, Licinius und sein Sohn, der seit 317 den Caesarentitel führte, wurden in Thessaloniki interniert. Konstantin verpflichtete sich eidlich, sie zu schonen, doch er hielt sich nicht lange an diesen Schwur: Licinius wurde bereits im folgenden Jahr aufgrund einer angeblichen hochverräterischen Korrespondenz mit barbarischen Völkern hingerichtet, sein Sohn starb etwas später.

Diese so genannte Religionsfreiheit bestand also seit 313. Aber selbst im Christentum wurde sie nicht so eng gesehen. Ich erinnere an die Katharer, Albigenser, die gnadenlose verfolgt wurden. Ich erinnere an die Reconquista, dabei wurden sowohl Juden als auch Muslime gezwungen, ihren Glauben aufzugeben oder das Land zu verlassen. Und nicht nur im Mittelalter, auch später und in unseren Breiten war man nicht gar so tolerant: cuius regio, eius religio, (wessen Gebiet, dessen Religion), sie ist die Kurzform eines im Augsburger Religionsfrieden (1555) niedergelegten Rechtsprinzips, das weitgehend bis zum Westfälischen Frieden (1648) galt. Diese Regelung hat auch bei uns zu furchtbaren Folgen geführt.

Heute sind die meisten tolerant genug, anderen ihre Religionsfreiheit zu zugestehen. Denn die Religionsfreiheit ist ein Grund- und Menschenrecht, welches jedem Menschen erlaubt, die persönliche individuelle Glaubensüberzeugung in Form einer Religion oder Weltanschauung frei und öffentlich auszuüben. Dies umfasst neben der Angehörigkeit zu einer Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft auch die kultische Handlung entsprechend ihrer normativen Lehre sowie ihre aktive Verbreitung. Insbesondere umfasst sie damit auch das Recht, keiner Religion anzugehören, nicht an einen Gott zu glauben (Atheismus) oder religiöse Annahmen prinzipiell als unentscheidbar zu bewerten (Agnostizismus).

Aber heute leben bei uns auch viele Muslime. Viele von ihnen sind gläubig und halten sich an die Gebote des Korans:  Die Glaubensfreiheit im Islam bedeutet nach islamischem Recht die Freiheit der Muslime, ihren Glauben auszuüben, und die Freiheit aller, den Islam anzunehmen. Das islamische Rechtssystem kennt für Muslime keine negative Religionsfreiheit und erkennt auch nicht den Anspruch an, keiner Religion anzugehören. Nun viele hier lebender Muslime halten sich an die hier geltenden Gesetze und tolerieren auch das Ablegen des muslimischen Glaubens.

So alt diese Mailänder Vereinbarung auch ist, so schwierig war und ist es seither, sich an sie zu halten.

Der lange steinige Weg zur Religionsfreiheit

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