Als das Parfum zum Duft wurde …

Heute bin ich an einer Dame vorbeigegangen, die in eine feine, dezente Duftwolke gehüllt war. Dabei ist mir aufgefallen, dass man derartiges nur mehr sehr selten wahrnimmt, fast eher noch bei Männern, als bei Frauen. Und es ist schade drum, früher hat das Parfum beim Ausgehen dazu gehört, wie der Hut und die Handschuhe.  Dabei wird eifrig darum geworben! Benötigen wir es nicht mehr, aufgrund all der Deos, Lotions etc. die ebenso heftig beworben werden?

Die Geschichte des Parfüms beginnt in den alten Hochkulturen Ägypten und Indien. Die duftende Kosmetik, als Kyphi bereits vor fünftausend Jahren in Luxor bei den Ägyptern bekannt, wurde später auch von Arabern übernommen und von den Römern genutzt. Mit dem Kamasutra ist sowohl die Kunst eines erfüllten Liebeslebens überliefert, als auch der Umgang mit aromatischen Substanzen, deren Verwendung sich jeder gebildete Mensch zu eigen machen sollte. Die abendländische Kultur wurde durch die Kreuzzüge mit den duftenden Rohstoffen und Mixturen des Orients vertraut. Bis dahin war(nur)  Lavendelwasser bekannt, und bei Karl dem Großen (Ende 8. Jahrhundert) findet sich eine Anordnung, die den Anbau aromatischer Pflanzen zur Verwendung in Medizin und Küche regelt. Wohlgeruch wurde zugleich als Ausdruck von Gesundheit verstanden. Nachdem Venedig zum wichtigen Handelsplatz aufgestiegen war, gelangten größere Mengen neuer Kräuter, Gewürze und andere Waren nach Europa. Nachdem die handwerklichen Kenntnisse und die technischen Voraussetzungen so weit entwickelt waren, dass Destillate von hoher Konzentration hergestellt werden konnten, kamen im 15. Jahrhundert die ersten ätherischen Öle in den Handel.

Die Entstehung (Belebung) der Parfümerie wird u. a. mit dem Eintreffen der Katharina von Medici (1519–1589) am Hofe von Heinrich II. in Verbindung gebracht. 1580 kommt der Alchimist und Apotheker Francesco Tombarelli nach Grasse (Frankreich) und eröffnet ein Laboratorium zur Herstellung von Düften, womit Grasse zum Gründerzentrum der europäischen Parfümindustrie wurde.  Grasse gilt noch heute als Welthauptstadt des Parfüms. Als gegen 1600 die Mode aufkam, Handschuhe zu parfümieren, verlegte man sich hier auf die Destillation von Duftstoffen. Seit dem 17. Jahrhundert haben sich die Parfümeure aus Grasse auf die Extraktion von Blütensaft spezialisiert, besonders für Orangenblüten und Jasmin. Aus dem Nebenerwerb wurde das Hauptgeschäft, und das ist bis heute so geblieben. Ich habe sie noch erlebt, die früher charakteristischen Blumenplantagen um Grasse, sie sind heute rar geworden, da Blüten meist aus Billiganbauländern wie Marokko, Bulgarien, Indien oder der Türkei importiert werden.

Aber zurück zur Geschichte des Parfums: Unterschieden wurde jedoch zwischen einfachen Leuten und Oberschicht: „Gute Myrrhe in den Mund zu nehmen geziehmt sich für den einfachen Mann nicht“. 1709 wird eine Einteilung vorgenommen, in der zwischen einem königlichen Parfum und dem Parfum für den Bourgeois (noch nicht für den „Pöbel“!) unterscheidet. Letzteres soll keinerlei ästhetische Wirkung erzielen, sondern lediglich die Luft desinfizieren. Parfum hatte dieser Auffassung nach zugleich therapeutische Wirkung, es belebe den Geist, stärke den Körper und galt als Mittel im Kampf gegen die Pest. Parfum entzücke die Sinne, reinige, schütze und sei zugleich Symbol für materiellen Wohlstand. Die Vermutung, dass beim Baden schadhafte Keime den Körper befallen könnten, beförderte den massenhaften Einsatz der Duftwässer, die zum unverzichtbaren Hilfsmittel bei der täglichen Toilette wurden, die auf Wasser als Reinigungsmittel verzichtete. Man wusch sich nicht, man parfümierte sich!

Das eigentliche Ziel, sich zu parfümieren ist, den körpereigenen Geruch zu verändern, um damit die eigene Person zu betonen und den persönlichen Geschmack oder Stil zu unterstreichen. Dabei kann sich eine Duftnote auf der Haut verschiedener Menschen unterschiedlich entwickeln.

Für viele bekannte Modehersteller sind die Lizenzen für Düfte und Kosmetika eine sehr wichtige Einnahmequelle. Auch die Verspackung spielt eine große Rolle, es sind traumschöne Kristall-Flacons, in denen diese Parfums „verpackt“ sind.  

Aber Parfüms finden in vielen Produkten Verwendung. Hauptbereich sind Produkte für die Körperpflege, da muss man dann aufpassen, dass man nicht unterschiedliche, möglicherweise konkurrierende Düfte verwendet.

In einer Umfrage gaben 59 % der Frauen ab 14 Jahren an, innerhalb der letzten Woche Duftwasser verwendet zu haben; bei Männern lag der entsprechende Anteil nur bei 35 % (allerdings verwendeten 65 % ein Rasierwasser). Gegenwärtig sind insgesamt 1100 Düfte im Handel erhältlich, jedes Jahr werden rund 200 neue Düfte eingeführt, davon ungefähr 60 bis 80 Luxusdüfte. 97 % der Neuerscheinungen werden binnen drei Jahren wieder eingestellt, da sie sich nicht wirtschaftlich am Markt durchsetzen konnten.

Und wenn Sie etwas Aufregendes über Parfums wissen wollen, dann lesen Sie „Das Parfum – die Geschichte eines Mörders“ von Patrick Süskind.

Ja, und noch etwas: Seien sie ja sehr vorsichtig, wenn Sie ein Parfum verschenken wollen, denn das kann ziemlich schief gehen. Tun Sie das am besten nur dann, wenn Sie das von der zu beschenkenden Person bevorzugte Parfum kennen.

Aber soweit ich weiß, kaufen junge Menschen kein Parfum, sondern einen Duft – und für mich liegt darin ein recht großer Unterschied.

Als das Parfum zum Duft wurde …

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