Ach, Nudeln …

In meinem Elternhaus wurde nicht italienisch gekocht. Aber Nudeln gab es schon, vor allem Suppennudeln, aber die machte meine Mutter selbst. Immer wieder lagen Teigblätter zum Trocknen in der Küche, die dann in feine Nudeln geschnitten wurden. Natürlich aßen wir auch z.B. Hörnchen als Beilage oder Krautfleckerln.  Aber keine eigentlichen Nudelgerichte, außer – aber sehr selten – ein ungarisches Gericht: turos czusza, Topfenfleckerl, aber davon war ich eher nicht begeistert.

Dann kam die Zeit, als meine Mutter nicht mehr für uns kochte und ich mich – eigentlich völlig unvorbereitet – gezwungen sah, selbst zu kochen. Und vorsichtshalber kochte ich dabei nichts, das z.B. meine Mutter oder meine Schwiegermutter gekocht hatten. Diesem Vergleich wollte ich mich nicht stellen. Was lag nun näher als italienische Nudelgerichte zu kochen. Mein Mann liebte sie, und es gab gute Kochbücher, mit – auch für einen Laien wie mich, einfache Rezepte.

Z.B. Spaghetti alio, olio, peperoncino (Knoblauch, Öl und Pfefferoni, ich gab noch gehackten Petersilie dazu). Dabei konnte man wirklich nicht sehr viel falsch machen, außer vielleicht die Nudelkochdauer zu vermasseln. Ob die Nudeln richtig al-dente waren, überprüfte immer mein Mann. Bei dem einen Gericht  blieb’s natürlich nicht, außerdem bemühte ich mich auch Nudeln mit diversen Gemüsen z.B. Karfiol etc. zu zubereiten. Bei uns gab’s selbstverständlich diverse Nudelsorten – sie sollten ja den Saucen angepasst sein, wie auch Fusilli, Malfatti, Rigatoni, Penne, Linguine, Pappardelle etc. Aber zumeist waren Spaghettini Nr. 3 im Einsatz.  

Ich versuchte mich nicht in selbstgemachten Nudeln (ich besaß und wünschte mir auch keine Nudelmaschine). Aber ich mochte frisch gemachte Nudeln – und so etwas kann man in Wien ja auch kaufen, z.B. in La Pasteria in der Servitengasse – und früher lag das noch auf meinem Büroweg. Allerdings – mein Mann mochte „frische“ Nudeln nicht sehr, die waren ihm meist zu wenig „al dente“ und daher fing ich an „besondere“ Nudeln zu suchen. Nicht nur wurden in Italien immer wieder neue Nudelvarianten ausprobiert, wurden von jeder Italienreise „neue Nudeln“ mitgebracht.

Meine Kochbuchsammlung wuchs auch beträchtlich an, wobei mir viele Kochbücher geschenkt wurden, von meinem Schwager z.B., der dann erwartete, dass ich Rezepte daraus bei Familienessen kochen würde. Aber Kochbücher soll man nur selbst kaufen, denn man muss mit den Rezepten „sympathisieren“ können, sonst verwendet man sie nicht der sie werden „nichts“. .

Mein italienisches Lieblingskochbuch ist „Harry’s Bar Kochbuch“ von Arrigo Cipriani. Giuseppe Arrigo Cipriani (1900–1980) eröffnete 1931 in der Nähe von San Marco in Venedig in einem Lagerhaus Harry’s Bar und leitete das Restaurant gut 25 Jahre, ehe es von seinem Sohn Arrigo 1957 übernommen wurde. Leider haben wir dieses Lokal nie besucht. Aber die Rezepte sind fast alle „nachkochenswert“.  Und es gibt die Cipriani-Nudeln – auch in Wien zu kaufen.  Und hin und wieder ließ ich mich hinreißen, das ein oder andere Packerl zu kaufen, denn sie sind halt doch erheblich teurer als die Barilla-Pasta.

Eine Zeitlang hielt ich noch Kochmagazine, aber das stellte ich bald ein. Und dann schnitt ich noch Rezepte aus Zeitungen aus („die Zeit“ hatte sehr gute) und legte sie ab, vor allem habe ich dabei Wolfram Siebeck entdeckt, dessen Rezepte ich gerne nachkochte.

Eigentlich ist mir – als absoluter Laiin – nur verhältnismäßig wenig schief gegangen. Nudeln mit allen Saucen waren nie ein Problem, Fische gelingen mir fast immer, Innereien sind meine Spezialität, Geflügel geht meist gut (ein Gansl nach einem Bocuse Rezept habe ich einmal komplett verpatzt, leider für eine Familienweihnachtsfeier) aber seit mein Mann vor fast genau drei Jahren gestorben ist, koche ich selten „so richtig“.  Mir war fast immer um die Zeit leid, für eine Person zu kochen. Viele Rezepte eignen sich auch nicht für eine Person. Und wenn man das fertige Gericht niemand servieren kann, der hinterher sagt, dass es ihm/ihr geschmeckt hat, ist die Kocherei ein bissel fad.  

Nun hat hier in der Küche eine neue Ära begonnen – die vegetarische, seit hier die Dreier-Wohngemeinschaft eingezogen ist. Da ich zugegebenermaßen keine sonderliche Lust habe alles Kochen zu übernehmen, kochen auch meine Enkel. Da dominiert jetzt nicht mehr „haute cuisine“ oder „nouvelle cuisine“, nicht einmal „fusion cooking“, sondern, „was da ist, wird verkocht2 meist mit viel Zwiebel und noch mehr Knoblauch (könnte man cuisine brute dazu sagen?). Leider riecht man es, wenn man jetzt in die Wohnung kommt.

Naja, und da ist es halt passiert, meine letzte Packung Cipriani Nudeln – für die ich ganz feine Sugos (oder wäre Sugi richtig?) im Auge hatte (wie solche mit z.B. meinen geliebten Jakobsmuscheln, ohne Zwiebel, ohne Knoblauch!!!) tauchten in einer Art Bolognese (mit künstlichem Faschierten – noch dazu) auf, bei einer Mahlzeit, bei der ich nicht dabei war. Naja, meine Mitbewohner können nichts dafür, für die sind Nudeln einfach Nudeln.  Aber mir tat’s in der Seele weh!

Naja, tempora mutantur, nos et mutamur in illis.

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Ach, Nudeln …

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