Bunbury – Oscar Wilde – im Akademietheater

Für mich eine missglückte Inszenierung

Ich versuche jetzt nachzuholen, was ich an Theaterabenden im Lockdown versäumt habe. Also ich war schon wieder im Akademietheater – die Burg hat ja noch geschlossen.

Auf dem Programm stand Bunbury. Das Stück heißt ja eigentlich „The importance of being Earnest“, und es gehörte zur englischen Literatur, die wir in der Oberstufe gelesen haben. Ich gebe zu, ich hatte nur eine vage Erinnerung, das einzige Detail, das ich mir aus dieser Zeit gemerkt haben, waren die Cucumber Sandwiches. Wohl auch deshalb, da wir in der damaligen Zeit noch nicht gar so viel „Gehaltvolles“ zum Essen hatten, dass mir ein Gurkensandwich einfach sinnlos erschien.

Unser damalige Englischprofessorin war eine sehr sympathische Dame, mit grauen kurzen Haaren, der es wirklich ein Anliegen war uns Englisch aber auch britische Lebensart, Literatur und Geschichte näher zu bringen. Ich sehe sie noch klar vor mir – aber leider ihren Namen, den habe ich vergessen.  

Kurz nur der Inhalt des Stückes: Die zwei englischen Gentlemen Algernon und Jack sind Lebemänner und geben sich (in ihrer Freizeit? Wirklich nur Freizeit) dem Vergnügen hin. Um diese Leidenschaft mit ihren gesellschaftlichen Verpflichtungen zu vereinen, haben beide eine Ausrede erfunden: Algernon erfindet einen kranken Freund namens Bunbury, um ab und zu auf das Land fahren zu können, und Jack gibt vor, sich um seinen liederlichen Bruder Ernest (also Ernst) kümmern zu müssen, um ab und zu in die Stadt kommen zu können.

Jack, der sich in der Stadt immer als sein Bruder Ernest ausgibt, verliebt sich in Algernons Cousine Gwendolen und macht ihr einen Heiratsantrag. Diese bezeichnet es als ihr Lebensziel, jemanden zu heiraten, der Ernest heißt. Algernon besucht das Landhaus von Jack unter der falschen Behauptung, Jacks Bruder Ernest zu sein. Dabei verliebt er sich in Jacks Mündel Cecily. Auch sie hält den Namen Ernest für eine unbedingt notwendige Voraussetzung für ihren zukünftigen Mann. Algernons Tante Augusta ist absolut gegen eine Heirat ihrer Tochter mit Jack, nachdem sie erfahren hat, dass Jack Vollwaise ist und als Säugling auf dem Londoner Bahnhof Victoria in einer Reisetasche gefunden wurde. Einer Hochzeit ihres Neffen Algernon mit Cecily stimmt sie jedoch zu, nachdem sie von deren recht stattlichem Vermögen gehört hat. Jack will aber seine Einwilligung nur geben, wenn er im Gegenzug Gwendolen heiraten kann.

Es stellt sich heraus, dass Cecilys Gouvernante Miss Prism vor vielen Jahren den Bruder von Algernon in einer Handtasche aus Versehen am Bahnhof zurückließ. Dabei wird schließlich klar, dass das Findelkind Jack dieser Säugling war, und er somit Algernons älterer Bruder ist. Weiter stellt sich heraus, dass Jack in Wirklichkeit nach seinem leiblichen Vater Ernest John benannt wurde. Jack hat die ganze Zeit, ohne es zu wissen, doch die Wahrheit gesagt.

Leider war der gestrige Abend dann doch ein wenig enttäuschend für mich. Erstens – das Bühnenbild, schon wieder war die hässliche, dreckig wirkende, hintere Betonwand der Bühne durchgehend voll sichtbar, mit technischen Anlagen und Feuerlöscher. Es handelt sich doch bitte um ein Salonstück. Aber ein Butler sprach die Regieanweisungen! Etwas war wirklich bemerkenswert: die Akrobatikkünste von einigen Der Schauspieler – aber wenn ich Akrobatik sehen will, gehe ich in den Zirkus.

Die Kostüme waren auch eigenartig – während Tante Augusta im pompösesten aller Kleidungsstücke mit Straßenfedern am Kopf auftrat, trug ihre Nichte Kleider der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Was diesmal hängen blieb: ein lange andauernder für mich unmotivierter Lachanfall jener Tante. „Am Land“ trug man Glitzerkostüme, die sich aber für die Akrobatikrecht trefflich eigneten. Eine Damenrolle wurde mit einem Mann besetzt – naja, das macht man jetzt halt so, warum wurde mir nicht klar.  Die Sprache geriet einigermaßen in den Hintergrund, manche Textstellen wurden mehrmals wiederholt – warum, auch das entzog sich meiner Kenntnis. Aber die Schauspieler können auch trefflich singen.

Für mich ist es schade, dass auf die Gesellschaftskritik dieses Stückes fast verzichtet wurde. Für meinen Geschmack war es zu laut, zu schrill, und ich wage zu sagen, dem Geist des Stückes nicht gerecht werdend.  

Obwohl die Aufführung nicht besonders lange dauerte – etwa 1 ½ Stunden, war mir streckenweise etwas fad, besonders bei der überbordenden Akrobatik.

Schade – denn es waren wirklich hervorragende Schauspieler, die hier unpassender Weise Klamauk abliefern mussten.

Bunbury – Oscar Wilde – im Akademietheater

2 Gedanken zu “Bunbury – Oscar Wilde – im Akademietheater

  1. Sehr schade um das Stück, ich habe vor einigen Jahren eine sehr gute Aufführung im Theater Akzent gesehen und wir haben – trotz der Gesellschaftskritik – einen sehr unterhaltsamen Abend genossen.

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