Was es mit dem Juneteenth auf sich hat

Auch heute noch in den USA für Afroamerikaner: Freiheit ja, Gleichheit nein? Black Lives Matter!

Erstmals bin ich auf den Begriff Juneteenth gestoßen. Es ist das Erinnern an den 19. Juni 1865, der jährlich in Gedenken an die Befreiung der afroamerikanischen Bevölkerung der Vereinigten Staaten aus der Sklaverei begangen wird.

Die Ausgangslage heute: die schwarze Bevölkerung in den USA ist – obwohl schon zum Teil in den Mittelstand aufgestiegen – weitgehend arm und von Corona besonders betroffen. Und – und das ist derzeit ausschlaggebend – sie wird von der weitestgehend oftmals rassistischen weißen Polizei drangsaliert. 

Der Gedenktag bezieht sich auf die Proklamation der Sklavenbefreiung in der Hafenstadt Galveston in Texas durch den kommandierenden General der siegreichen Unionstruppen Gordon Granger am 19. Juni 1865. Die Emanzipationsproklamation von 1863 konnte erst nach dem faktischen Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs in den Südstaaten im April 1865 auch im Herzen von Texas offiziell bekanntgemacht werden. Auf dem Weg zur Gleichheit aller Amerikaner vor dem Gesetz folgten aber noch mehrere Zusätze zur Verfassung.

Die eigentliche Proklamation der Sklavenbefreiung durch Abraham Lincoln fand allerdings schon am 22. September 1862 statt.

Nur zur Erinnerung: Die Vereinigten Staaten von Amerika sind eine zerrissene Nation, als Abraham Lincoln 1846 ins US-Repräsentantenhaus in Washington gewählt wird. Im Süden der USA will man sich das Recht auf Sklavenhaltung nicht nehmen lassen. Denn die Besitzer der Tabak-, Zuckerrohr- und Baumwollplantagen wollen ihren Lebensstil nicht aufgeben, der auf der Ausbeutung der Sklaven als billige Arbeitskräfte basiert. In den Nordstaaten, in denen sich die industrielle Produktion ausbreitet, ist die Sklaverei dagegen weitgehend abgeschafft.

Auch wenn sie im Norden nicht sicher vor Sklavenjägern sind, versuchen viele Afroamerikaner, aus dem Süden zu flüchten. Mithilfe der „Unterground Railroad“, einem im Untergrund operierenden Netzwerk von Helfern, gelangen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts rund 100.000 Afroamerikaner in den Norden. Zusammengehalten wird das Land durch den sogenannten Missouri-Kompromiss von 1820. Demnach ist die Sklaverei nördlich des 36. Breitengrades nicht zulässig – mit der Ausnahme des Bundesstaates Missouri.

Als Mitte des 19. Jahrhunderts die USA wachsen und die im Westen neu besiedelten Territorien Bundesstaaten werden wollen, spitzt sich der Streit um die Sklavenhaltung zu. Lincoln war eindeutig der Meinung, dass eine westliche Expansion ohne Sklaverei stattfinden sollte. Der spätere US-Präsident hält die Besiedelung des amerikanischen Westens mit freien Afroamerikanern lange Zeit für nicht richtig. Er zählt zu den Anhängern der Rekolonisations-Idee: Die Schwarzen sollen die USA freiwillig in Richtung Afrika verlassen. Lincolns Devise für den gesellschaftlichen Status der Afroamerikaner lautet damals: Freiheit ja, Gleichheit nein. Auch amerikanische Helden waren nicht immer tugendhaft!

Zwei Jahre lang bekämpfen sich Nord- und Südstaaten. Dann ändert Lincoln seine Taktik. Er fällt die Entscheidung, die Sklaverei im Süden abzuschaffen – aber um den Gegner zu schwächen! Am 22. September 1862 legt er dem Kabinett die sogenannte „Executive Order“ vor, die am Tag darauf veröffentlicht wird: Ab dem 1. Januar 1863 sollen „alle Sklaven in jenen Staaten oder Gebieten, die sich in Rebellion gegen die Vereinigten Staaten befinden, frei sein“. Das Dokument erinnert auch an die Möglichkeit der Freilassung von Sklaven gegen Entschädigung. Zu diesem Zeitpunkt gibt es in den USA rund vier Millionen Sklaven.

Die Verabschiedung des 13. Verfassungszusatzes im Februar 1865 erlebt Lincoln noch, im April wird er Opfer eines Attentats. Eine Woche zuvor haben die Südstaaten kapituliert. Der vierjährige Bürgerkrieg mit mindestens 650.000 Toten ist beendet.

Nach dem Tod des Schwarzen George Floyd bei einem Polizeieinsatz in Minneapolis ist das Thema Rassismus im ganzen Land in den Fokus gerückt. So erklärten in dieser Woche noch schnell zwei US-Bundesstaaten den 19. Juni zum Feiertag: New York und Virginia.

Ausgerechnet am 19. Juni wollte Trump nach drei Monaten Pause seinen Wahlkampf mit einer Großveranstaltung in Tulsa in Oklahoma wieder aufnehmen. Der Wahlkampf wurde um einen Tag verschoben, der Ort bleibt umstritten. Denn ausgerechnet Tulsa war im Juni 1921 Schauplatz eines Massakers an der schwarzen Bevölkerung durch einen weißen Mob. Hunderte Menschen wurden getötet, Kirchen, Schulen, Läden, ein Krankenhaus und zahlreiche Wohnhäuser abgebrannt. Der schlimmste Zusammenstoß zwischen Weißen und Schwarzen in den USA nach dem Ende des Bürgerkriegs.

Und jetzt werden Statuen von Südstaatlern, die während des großen Sezessionskrieges auf Seiten der Südstaaten gekämpft haben, gestürzt. Noch immer: the Winner takes it all!

Wir aber hier, im friedlichen Österreich sollten nicht mit dem Finger auf die USA zeigen: auch hier werden Nicht-Weiße diskriminiert!

Was es mit dem Juneteenth auf sich hat

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