Gestatten Sie mir noch ein wenig Nostalgie

von der Grotta Azzura zum Sole

Gestern waren wir miteinander essen, eine Freundin und ich – das Lokal hatten wir ausgesucht, weil es ein Lieblingslokal meines Mannes gewesen ist.  Es handelt sich um das Restaurant Sole in der Annagasse. In allen möglichen Familien- und Freundeskombinationen waren wir schon hier gewesen, Familienfest hatten wir hier gefeiert. Die Annagasse hat für mich „Salon-Qualität“, kein Auto fährt hierdurch, hier kennt man einander, die Annagasse ist das Herz dieses innerstätischen Grätzls. Manchmal kommen die Patres der Annakirche vorbei. Und immer trafen und treffen wir hier Bekannte. Es ist einfach unmöglich, hier nicht irgendwelche Freunde und Bekannte zu treffen. Der Besitzer liebt seine Gäste und die Gäste lieben ihn. Und seine besonderen Gäste sind jene, die in der Oper, im Musikverein, im Konzerthaus tätig sind. 

Und wie denn anders, trafen wir auch gestern hier „alte Bekannte“. Und manche davon kannten wir schon aus den Zeiten der Grotta Azzurra – in der Babenbergerstraße. Diese Straße wurde 1863 nach dem ersten österreichischen Herrschergeschlecht der Babenberger benannt, die von 976 bis 1156 Markgrafen, von 1156 bis 1246 Herzöge von Österreich waren. Sie hatten ihre Residenz 1156 nach Wien verlegt. Seither ist Wien die Hauptstadt Österreichs.

Dieses Lokal besteht zwar noch immer, unter irgendeinem anderen Namen – es hat seit dem traurigen Schließen des liebevoll nur Grotta genannten Lokals mehrfach seine „Ethnie“ gewechselt.

In der Grotta Azzurra hatten wir Italien in Wien gefunden, damals war italienisches Essen noch nicht in unsere Küchen eingekehrt, sondern wir kannten es nur durch unsere Urlaube in Italien. Umsichtig geleitet wurde die Grotta von dem Commendatore, der alle seine Gäste namentlich kannte, genauso wie ihre Vorlieben was Essen und Wein anlangte.  Ausgesehen hat er für mich wie ein Tenor, der Verdi Arien singt. Als wir alle dort warten, da waren wir noch jung und das Leben lag noch vor uns, uns stand die Welt offen. Jetzt sind wir etwas abgeklärter, aber essen und trinken bzw. jetzt auch kochen noch allemal gerne – italienisch!

Aber auch im Sole kann man heutzutage köstlich italienisch speisen und trinken. Da wir alle gerne Weißwein trinken, war es dann immer ein Pinot Grigio, der uns angeboten wurde.  Mein Mann hat fast immer Schinken mit Krenn als Vorspeise gegessen, meine Kinder und ich, wir waren eher auf der Meeresfrüchte-Seite, besonders wenn sie mit Avocado zubereitet waren.  Heutzutage geht eine Kombination aus Vorspeise, Hauptspeise, Dessert einfach nicht mehr, ich bin schon nach einem Gang meist satt. Aber ich konnte es nicht lassen, auch gestern wieder gebackene Tintenfische mit Sauce Tartar zu essen. Meine Lieblingsvariante der Tintenfische, von meinen Kindern in deren Jugend Gummiringerln genannt. Wenn ich vernünftiger aufgelegt bin, esse ich den Tintenfisch gegrillt, mit Blattspinat.  Aber es ist auch schwer, die Pasta auszulassen, die es in jahreszeitlich unterschiedlichen köstlichen Varianten gibt. (Mir rinnt gleich wieder das Wasser im Mund zusammen.)

Ja, und da gibt es ein Dessert, das eigentlich immer ein „Muss“ war, das Zitronen- oder Mandarinen-Sorbet, in der jeweiligen Frucht serviert.  Natürlich gibt es vieles andere auch, aber dieses Sorbet – ist einfach unübertroffen. Na und ohne einen Caffè (ristretto) kann man selbstverständlich dieses Lokal nicht verlassen.  Und eigentlich gehört jetzt noch ein Digestiv dazu – mein Mann liebte den Grappa (den ich nicht ausstehen kann), für mich gab’s dann einen Limoncello (den ich auf der Insel Ischia kennen und lieben gelernt hatte) oder, was nach manchem üppigen Essen dringender notwendig war, ein Amaretto.

Da man nach so einem Essen kaum arbeiten kann, musste es gestern mittags leider wesentlich spartanischer ausfallen.  Aber es war ja hoffentlich nicht das letzte Mal, dass ich im Sole gespeist habe.  

Gestatten Sie mir noch ein wenig Nostalgie

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