Kennen Sie die Geschichte der Gegend um die alte Seidenstraße in China?

Spannend und abwechslungsreich!

Meine Reisefreundin (manche von Ihnen wissen das schon, es ist weitgereiste Schulfreundin, die Filme über alle ihre Reisen gedreht hat, und sie mir nun zeigt) zeigte mir heute den chinesischen Teil der Seidenstraße. Und ich muss betroffen zugeben, dass ich von der Geschichte von großen Teilen dieses Landes überhaupt keine Ahnung habe. In der Schule haben wir darüber nichts gehört, und später habe ich mich nie besonders mit diesen Gebieten beschäftigt Also gilt da allerhand nachzuholen.  Ich sah Ruinen aus vorchristlicher Zeit – wer diese Stätten wohl errichtet hat, ich sah Höhlenkloster (Grotten) aus verschiedenen Jahrhunderten, ich sah viel Muslimisches, Buddhistisches …  (Heute: Die Hauptreligion in Xinjiang ist unter den Uiguren und den Hui-Chinesen der Islam, während viele der Han-Chinesen den Daoismus, Konfuzianismus und Buddhismus praktizieren oder areligiös sind. Muslime bilden 58 % der Bevölkerung. Dem Christentum zugehörig sind 1 % der Einwohner).

Ich sah Bewässerungsanlagen, wohl arabischen Ursprungs, in denen Schmelzwasser aus den Bergen in die breiten Täler floss und dort die Felder bewässerte – und das heute noch.  Ich habe mir völlig fremde Namen von Orten gehört, die heute Millionenstädte sind. Es ging bei der Reise (2011) hauptsächlich um die Provinzen Xinjiang, Gansu, Qinghai.

Im 1. Jahrtausend v. Chr. wurde Xinjiang von zahlreichen sowohl nomadisierenden als auch sesshaften Ethnien bevölkert. Die Bewohner waren im Altertum oft indogermanische Ethnien, vom Westen und Süden kamen wahrscheinlich vorübergehend auch kulturell hellenisierte Bewohner des Graeco-Baktrischen Reiches, die Handelsverbindungen nach Fergana und ins Industal herstellten. Später kamen mongolisch- oder turksprachige Stammesverbände hinzu, es gab aber auch sinotibetische Völker, die von Südosten her Xinjiang und das Tarimbecken besiedelten.

Unter dem chinesischen Kaiser Han Wudi (141–87 v. Chr.), der das Tarimbecken erstmals für China eroberte, wurden die chinesischen Fernhandelsstraßen mit dem Netz der altpersischen und graeco-baktrischen Handelsstraßen verbunden, womit das Fernhandelsnetz der Seidenstraße eröffnet wurde. Dadurch wurden die Städte in Xinjiang und im Tarimbecken zu Handelszentren, in denen auch sogdische, chinesische, persische, syrisch-aramäische, jüdische u. a. Kaufleute lebten, deren Schriften im trockenen Klima der Taklamakan ebenso konserviert wurden, wie Schriften in regionalen Sprachen und Religionssprachen.

104 v. Chr. während der Han-Dynastie wurde das Gebiet wiederum vom Kaiserreich China erobert, das ein strategisches Interesse an der Seidenstraße besaß (daran hat sich im modernen China wenig verändert). In der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts konnte sich in der Dsungarei kurz das Osttürkische Kaganat etablieren, doch während der Tang-Dynastie eroberte China seine verlorenen Gebiete zurück (645–763) und weitete kurzzeitig seinen Einfluss bis ins westliche Zentralasien aus.

Nachdem ihr Großreich in der Mongolei von den Kirgisen vernichtet worden war, siedelte im 9. Jahrhundert der größte Teil der nomadisierenden Stämme der Uiguren vom Baikal nach Xinjiang über. Hier bauten sie im Turfanbecken ihren eigenen Staat auf, der im 12. Jahrhundert ein Vasall der Kara-Kitan wurde. Später wurde das Gebiet vollständig von den Mongolen unterworfen und ins Tschagatai-Khanat eingegliedert. Nach 1250 nahmen die Uiguren den Islam an (Ich gehe davon aus, dass viele von den Konvertiten früher auch Christen gewesen waren).

Um 1757 wurde das Gebiet vom Qing-Reich unter Kaiser Qianlong endgültig unterworfen. Während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sorgten die in Zentralasien ansässigen Khane von Kokand ständig für Unruhen in den Gebieten um Yarkant und Kaxgar. Nach der Zerschlagung des islamischen Emirats, das unter der Führung von Jakub Bek (1864–77) eine vorübergehende Unabhängigkeit im Tarimbecken erreicht hatte, vereinigte die Qing-Dynastie die Dsungarei und das Tarimbecken zur Provinz Xinjiang. 1876 wurde Kokand vom russischen General Skobelew eingenommen. Der Zar löste das Khanat Kokand auf und schlug das Gebiet dem russischen Turkestan zu, 1871 bis 1881 war auch das Ili-Gebiet ein Teil des Russischen Reiches. Bis zur Xinhai-Revolution 1911 galt Xinjiang als Einflusszone des Russischen Reiches, spätestens ab 1928 – bis zur Gründung der Volksrepublik China 1949 – übte die Sowjetunion starken Einfluss in Xinjiang aus. Die UdSSR unterhielt eine Militärbasis in Xinjiang, dominierte die Wirtschaft und führte sogar militärische Expeditionen im Ili-Gebiet durch.

Es kam zu einer Militärdiktatur in Xinjiang. Im Süden der Provinz spaltete sich kurzzeitig die Islamische Republik Ostturkestan ab. Es kam zu einer sowjetischen Invasion in Xinjiang. In dieser Zeit wurde mit Hilfe der Sowjetunion die Wirtschaft von Xinjiang aufgebaut. Am 5. Januar 1945 kam es zur „Drei-Regionen-Revolution“ (Altay, Gulja und Qoqek). Die Revolutionäre proklamierten eine Republik Ostturkestan, deren Territorium circa 10 % des heutigen Xinjiang ausmachte, die aber von keinem Staat der Welt anerkannt wurde. Ein Jahr später erreichten nationalistische und revolutionär-demokratische Kräfte in Xinjiang eine Übereinkunft, es wurde eine Koalitionsregierung gebildet.

Im Jahre 1949 erreichten die chinesischen Kommunisten eine Eingliederung Xinjiangs in die Volksrepublik China. Im September 1955 wurde das „Uigurische Autonome Gebiet Xinjiang“ geschaffen. Während der Kulturrevolution (1966–76) musste Xinjiang, wie ganz China, den Roten Terror über sich ergehen lassen, der viele Menschenleben kostete und nachhaltige Folgen hinterließ. Viele Kulturgüter wurden zerstört. Seit der Ära Deng Xiaopings ist Xinjiang im großen Maße vom „Chinesischen Wirtschaftswunder“ betroffen, jedoch profitieren hauptsächlich angesiedelte Han-Chinesen davon.

Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts, während der Qing-Dynastie waren etwa 30 Prozent der Bevölkerung von Xinjiang Han-Chinesen und 60 Prozent Angehörige von Turkvölkern. Pantürkistische Nationalisten erheben Vorwürfe, die chinesische Regierung strebe (ähnlich wie in Tibet) eine Sinisierung der einheimischen Bevölkerung an. Heute liegt der Anteil der Han-Chinesen bei etwas mehr als 40 %, während Uiguren etwa 46 % der gesamten Bevölkerung ausmachen.

Bis zu eine Million Menschen jährlich sollen nach UN-Schätzungen „willkürlich in Internierungslagern festgehalten und dort politisch und kulturell indoktriniert werden.“ Das Bestehen derartiger Lager wurde im Oktober 2018 von der Regierung offiziell bestätigt, zugleich jedoch die Vorwürfe von Misshandlungen bestritten.

Neben dem Assimilationsprogramm in Umerziehungslagern wurden mit dem sogenannten Arbeitskräfte-Transferprogramm mehrere hunderttausend Uiguren ab der zweiten Hälfte des 2010er Jahrzehnts zur Zwangsarbeit (besonders der Baumwollernte) innerhalb Xinjiangs umgesiedelt und eingesetzt.

Es ist ein landschaftlich großartiges Gebiet, mit einer faszinierenden Geschichte. Schade, dass ich keine Gelgenehit mehr haben werde, dorthin zu reisen.

Kennen Sie die Geschichte der Gegend um die alte Seidenstraße in China?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s