Ein weiter, steiniger Weg: Vom Gesagten zu Gehörtem bzw. Erfasstem

(Auch mit der Maske)

Ich finde, dass Masken Menschen beim Sprechen behindern, vielleicht behindern sie die Sprechenden nicht, aber die Hörenden.   Dadurch, dass man die Mundbewegungen nicht sieht und auch die Mimik zum Teil unsichtbar gemacht wird, wird es dem Hörenden erschwert, das Gesprochene zu verstehen.

Mit geht’s dabei überhaupt nicht gut, da ich schon „natur-terrisch“ bin und mich grundsätzlich bemühen/anstrengen muss mein Gegenüber zu verstehen. Ja, ich habe Hörgeräte, teure Hörgeräte, aber wirklich gut höre ich – vor allem bei Nebengeräuschen (vor allem musikalischen Untermalungen) nicht. Darum schaue ich mir gerne Netflix-Filme an, denn da gibt es neben dem gesprochenen Wort die Untertitel.

Dazu kommt, dass junge Menschen heutzutage sehr schnell sprechen (vielleicht kommt mir das als alter Mensch nur so vor). Vielleicht ist „der Weg vom Gehörten bis ins Gehirn“ länger geworden. Ich „erfasse“ es langsamer. Bis ich etwas erfasst habe, ist mir der junge Sprechende schon weit vorausgeeilt. Möglicherweise war das schon immer so, und die Alten haben die Jungen dann einfach reden lassen, ohne es zu erfassen. Vielleicht sollte ich nicht von mir auf andere schließen? Es geht ja nicht nur ums Hören, es geht ums Erfassen. Nicht umsonst sagt man auch „bei einem Ohr hinein und beim anderen Ohr hinaus“.  Ablenken, durch die Umgebung lassen wir uns alle doch sehr leicht, vielleicht noch leichter, wenn uns ein Thema nicht interessiert.  

Es wird sie aufgrund dessen vielleicht wundern: dennoch bin ich für die Maskenpflicht. Denn die Gesundheit möglichst aller und das Ende/Eindämmung der Pandemie ist mir einfach sehr, sehr wichtig.

Aber hören allein macht noch kein Verstehen aus. Es ist überhaupt ein weiter tückischer Weg vom gedachten Wort, über das Ausgesprochene, zum Gehörten, bis zum Verstandenen.  Ich gebe zu, ich höre selektiv, und aus dem, was ich „selektiert“ habe, meine ich zu wissen, was er andere gesagt hat.  Das muss aber noch lange nicht das sein, was er gemeint hat. Und all das geschieht noch „an der Oberfläche“, und enthüllt nicht das “zwischen den Zeilen Gesagte“.

Ich meine, dass „im öffentlichen Diskurs“ einfach viel aneinander, bewusst oder unbewusst, vorbeigeredet wird. Wie schwer haben es Moderatoren an „runden Tischen“ oder ähnlichen Orten, die Diskutierenden daran zu hindern, nicht durcheinanderzureden. Ähnliches gilt auch für private Gesellschaften, auch dort versucht jeder seine Meinung „anzubringen“, kaum macht einer eine Gesprächspause – vielleicht um das Gesagte wirken zu lassen, platzt schon der nächste hinein, um möglicherweise eine durchaus interessante Diskussion einfach abzuwürgen, vom Thema abzulenken oder schlicht sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen.  Private Diskussionen in Gesellschaften sind selten moderiert, daher reden am Ende auch oft zur jeweils zwei miteinander …

Darum lernte ich in manchen diesbezüglichen Seminaren, dass es nicht darauf ankommt, was man sagt, sondern was der Gesprächspartner hört. Und ich glaube, es ist ein Dilemma unserer Zeit, dass viele Menschen einfach nicht zuhören wollen und daher auch nicht zuhören können. Ich lese in gescheiten Unterlagen, dass man beim Hören einer sprachlichen Äußerung nicht jedes Wort verstehen muss, um den Inhalt zu erfassen, dass Intonation, Mimik und Gestik, Bilder, Geräusche sowie das ihnen eigene Weltwissen dem Sprachverständnis und der individuellen Handlungs- und Ausdrucksfähigkeit dienen. Aber da behindert derzeit wiederum die Maske.

Betrachten wir Kinder, Kinder verstehen was wir sagen! Einige Kinder hören zunächst aus Texten nur vertraute Signalbegriffe oder Begriffe, die sie mit anschaulichen Vorstellungen verknüpfen können. Andere können aus einem Text bereits Informationen heraushören, die den Sinn verdeutlichen. Weitere konstruieren einen Sinnzusammenhang, den sie durch Gesten oder Bilder verdeutlichen können. Wieder andere können das Gehörte bereits im Detail wiedergeben.

Wir sollten alle versuchen, einander besser zu verstehen, aber dazu müssen wir einander wieder mehr zuhören. Wir sollten es auch jetzt schon versuchen, selbst wenn das eigentliche Hören durch die Maske weitgehend behindert ist!

PS: ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag und ich bin dennoch stolz auf unsere Fußballmannschaft, auch wenn sie gegen die Azzurri nicht gewonnen hat.

Ein weiter, steiniger Weg: Vom Gesagten zu Gehörtem bzw. Erfasstem

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