Einige Splitter der wechselvollen Geschichte der Als

Ein eingewölbter Bach unter den Wiener Straßen

Heute, an diesem heißen Tag träume ich wieder einmal davon, dass die Wiener Bäche nicht überbaut worden wären. Ich denke besonders an die Als, die in vielen Namen von Wiens Gegenden und Straßen enthalten ist: Alsergrund, Alservorstadt, Hernals, Alser Straße, Alser Weg, Alsterbach, Alszeile, Alserbachstraße. Sie ist der längster Wienerwaldbach (neben der Wien), der in die Donau mündet (10,552 Kilometer) mit dem größten Einzugsgebiet (mit Einschluss des Währinger Bachs). Eigentlich sind sehr viele Wiener und Wienrinnen mit dieser – jetzt weitgehend überbauten – Als verbunden.

Halten wir uns nur vor Augen wo heute die Als fließt: unter der Neuwaldegger Straße, Alszeile, Richthausenstraße, Rötzergasse, Jörgerstraße, Zimmermannplatz (Unteres Alseck), Kreuzung Lazarett-, Sensen- und Spitalgasse, Nußdorfer Straße und Alserbachstraße, um unterhalb der Friedensbrücke in den Donaukanal zu münden. Und lange habe ich auch am Julius Tandlerplatz bearbeitet, und war selbstverständlich durch die Alserbachstraße dorthin gekommen.

Selbst wenn eine Fee meinen Wunsch erfüllen würde, diesen Bach freizulegen, würde wahrscheinlich der Verkehr in Wien zusammenbrechen, wenn man diesen Verlauf bedenkt. Ich selber habe zeitweilig an ihrem Ufer gewohnt (in der Comeniusgasse) und bin oftmals von dort mit verschiedenen Verkehrsmitteln in die Stadt und zurückgefahren.  

Der Gewässername hatte ursprünglich die Bedeutung „die Feuchte“; die seinerzeitige Annahme, dass es sich um eine Ableitung aus dem Keltischen (alt = Bach) handelt, ist verfehlt; die volkstümliche Aussprache Alsterbach brachte die Elster ins Ortswappen der Alservorstadt.

Die Als wird aus drei Quellbächen gespeist: dem Dornbach (Quellen am Nordhang des Heubergs von der Steinernen Lahn, dem Dahaberg und dem Exelberg), der sich mit dem Eckbach (Quellen am Mittereck, Grünberg und Hameau) vereinigt, und dem Gereutebach (Quellen in den feuchten Wiesen der Tiefau am Südfuß des Dreimarksteins, verballhornt Kräuterbad). Ein Zufluss ist der Währinger Bach, der seine Quellen am Nord- und Osthang des Schafbergs besitzt und sich (eingewölbt) seit 1910 unter dem Julius-Tandler-Platz mit der Als vereinigt. Die Als führt zu Trockenzeiten in Neuwaldegg etwa 75 Liter pro Sekunde ab, bei heftigem Regen sogar bis zu 17.000 Liter pro Sekunde. In der Endstrecke vor dem Donaukanal erreicht die Wassermenge 56.000 Liter pro Sekunde.

Die Als wird vor 1044 erstmals urkundlich erwähnt (Alsa; Salzburger Urkundenbuch). Im Hochmittelalter wurde eine Wehr errichtet, dessen Stauraum im Bereich Lazarett-, Sensen- und Spitalgasse, die Als durch die Sensengasse zur Währinger Straße geführt („bey der Bleichwiese“). Naja, in der Währinger Straße habe ich in den vierziger und fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gewohnt. Sodann wurde die Als (vorbei am Alser Tor und Maria-Magdalena-Kloster – diente ursprünglich der Bekehrung „sündiger“ Frauen) unterhalb des Schottentors in die Stadt geleitet: am Schottenkloster vorbei durch die Herrengasse bis zur Strauchgasse ins alte Bett des Ottakringer Bachs durch den Tiefen Graben zum Donauarm beim Werdertor, heute Concordiaplatz. Dieser Verlauf des Baches war nun den Minoriten beim Bau ihres Klosters in der Stadt hinderlich gewesen (der Bach floss über ihr Bauterrain und störte die Bauarbeiten), weshalb sie seine Ableitung durchsetzten; er wurde als St.-Ulrichs-Bach in südöstlicher Richtung in den Wienfluss geführt. Da am alten Bachbett wassergebrauchende Gewerbeleute (z.B. Färber) ansässig gewesen waren, suchte man einen Ausweg darin, dass man als Ersatz die Als in die Stadt leitete; der zeitliche Ablauf ist allerdings nicht eindeutig geklärt. Um diese Zeit bürgerte sich die Unterscheidung in eine „Herren Als“ (abgeleitet „Hernals“) und „Siechenals“ ein (ursprünglicher Lauf, benannt nach dem an ihm liegenden Siechenhaus, das 1298 beim Kirchlein St. Johann erwähnt wird); der Name des Bachs ging allmählich auf die Siedlung (später Thury) über. Das Gebiet des Thurygrunds war bereits zur Zeit der Kreuzzüge besiedelt. St. Johann an der Als, ursprünglich als Hospitium für Fremde gegründet, wurde vermutlich schon zu dieser Zeit teilweise als Hospital genutzt. Während der südliche Teil des Thurygrunds Anfang des 18. Jahrhunderts bereits besiedelt wurde, blieb der nördliche Teil lange Zeit von Ziegeleien geprägt. Im südlichen Teil wurde wiederum bereits 1713 eine Kapelle für die Bewohner errichtet.

Wahrscheinlich 1426 wurde der Bachlauf durch die Stadt wieder trockengelegt, da er die weitere Verbauung behinderte. Der beim Alseck abgeleitete Arm der Als wurde im 17. Jahrhundert zugeschüttet; nur Mühlbäche blieben bestehen. Im 16. Jahrhundert entzogen einige Wasserleitungen der Als viel Wasser. Als 1732 die Hauptquelle der Als in die städtische Wasserleitung einbezogen wurde, verringerte sich die Wassermenge so sehr, dass im Dorf Hernals eine Mühle ihren Betrieb einstellen musste. 1829 wurden die bis dahin üblich gewesenen unterirdischen „Holzgränden“ der Wasserleitung durch gusseiserne Rohre ersetzt. Um 1830 war allerdings die Als (da innerhalb des Linienwalls 656 Häuser ihre Abwässer einleiteten) ein derart „schmutziges Rinnsal“, dass die Fische ausstarben und die Rattenplage überhandnahm (im Volk sprach man von den „Alserbachforellen“).

1741, 1785, 1845 und 1907 kam es zu verheerenden Überschwemmungen.1840 begannen die Einwölbungen sowohl der Als als auch des Währinger Baches, die aber erst 1011 vollendet wurde.

Jetzt kann man doch nicht damit beginnen, diese Einwölbungen abzubauen – oder?

Einige Splitter der wechselvollen Geschichte der Als

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