Die neuen Dominanten der Politik: Hass und Neid

Fast alle haben wir irgendeine Aufführung davon gesehen: der Bauer als Millionär (oder das Mädchen aus der Feenwelt) von Ferdinand Raimund. Und darin werden sie drastisch verkörpert: der Hass und der Neid.

Aber mich erschreckt, dass diese beiden, Hass und Neid, jetzt einen so festen Platz in der Politik, aber auch in der Gesellschaft haben. Und weit und breit ist keine Fee Lacrimosa zu sehen, „die alles wieder richtet“. Unser Herr Bundespräsident hat es versucht: er hat gemeint „So sind wir nicht!“ Er hat dabei nur die Österreicher gemeint. Aber ich habe den Eindruck, dass dieses Phänomen nicht auf Österreich beschränkt ist, sondern die gesamte „westliche Welt“, wie immer sie auch definiert sein mag, erfasst hat.

Aber was ist die Ursache, wo ist die Quelle? Wann es begonnen?

Sicherlich hilfreich, bei der Durchsetzung dieses Hasses, sind die technischen Möglichkeiten. Jedes Verhalten, jeder gesprochene Satz wird „aufgezeichnet“, sie es durch Kameras/Mikrophone der Journalisten – und diese (manchmal halt auch etwas unbedachten Äußerungen) werden zu einem späteren Zeitpunkt hervorgeholt, manchmal aus dem Zusammenhange gerissen und der Betroffene wird damit konfrontiert. Vor allem wenn sich „die Lage verschärft hatte“; Political Correctness Regeln (wer stellt sie übrigens auf?) werden laufend „verschärft“. Was man früher locker in lustiger Runde sagen konnte, ist heute bereits ein absolutes Tabu. Da können alte Aufnahmen für einen (böswilligen) politischen Gegner schon sehr nützlich sein. Eine sehr effektive Methode, jemanden „fertigzumachen“.

Nur ein Einschub in persönlicher Sache: ich habe sehr oft z.B. mit Taxichauffeuren ein Gespräch begonnen, indem ich sie fragte: „woher kommen Sie denn?“ Ich hatte den Eindruck, dass sie gerne davon erzählten, entweder woher sie gekommen waren oder wie sie mit dem Leben hier zurechtkamen. Ich habe viel interessantes gehört und hatte nicht den Eindruck etwas „Böses“ getan zu haben. Nun höre ich, dass es diskriminierend ist, derartige Fragen zu stellen und ich dies besser unterlassen sollte.  

Kann ich diese kritische Haltung auf die jetzt inflationär so bezeichnete wokeness zurückführen? Als woke werden seit den späten 2010er Jahren (da bin ich jetzt mit meiner Recherche eh recht spät dran) Menschen bezeichnet, die ihrem Bewusstsein für Ungerechtigkeiten, Ungleichheit und Unterdrückung von Minderheiten Ausdruck verleihen und sich eines intersektionalen (Intersektionalität: beschreibt die integrative Analyse des Zusammenwirkens unterschiedlicher Formen und Dimensionen von Ungleichheit, Differenz und Herrschaft) Vokabulars bedienen, vor allem in den Bereichen Rassismus, Sexismus und Klimawandel. Die „Neue Zürcher“ bezeichnet wokeness als gesteigerte Form der Political Correctness: Sei wach, richte über andere, und fühle dich gut dabei. Und nicht nur „sich gut dabei fühlen“, sondern sich im absoluten Besitz der Wahrheit wähnen.

Ich halte das für extrem gefährlich – wo bleiben Toleranz, Verständnis für den anderen, den andersdenkenden?

Aber zurück zu den technischen Medien: Z.B. gerade in Großbritannien, wo gerade ein Gesundheitsminister aufgrund seines Verhaltens zurücktreten musste, gibt es allüberall Überwachungskameras – die der Sicherheit der Menschen dienen sollen. Nun sind Bilder einer dieser Überwachungskameras aufgetaucht, die ein Fehlverhalten des Ministers zeigen. Wer hatte Zugriff darauf, wer hat sie der Zeitung gegeben?

Ich (uralt) bin noch in der Zeit des Briefgeheimnisses aufgewachsen. Und Zensur habe ich besonders in der Nachkriegszeit erlebt.  Da sind Briefe angekommen, wo gar kein Geheimnis daraus gemacht worden war, dass sie vor dem Empfänger von jemanden geöffnet worden waren – zwecks „Zensur“. Aber das war in der Besatzungszeit.

Gilt nun dieses Briefgeheimnis auch für Mails, auch für SMS‘. Ja, sicher, wenn Messages von Dienstcomputern, von Diensthandys versendet werden, dann gilt das Briefgeheimnis nicht, oder? Aber von privaten Geräten versendet? Gibt es da überhaupt irgendwelche gesetzlichen Regeln?

Gar so weit vom Hass bin ich ja nicht entfernt, wenn ich diese Themen berühre, denn z.B. in den Untersuchungsausschüssen scheint sich der Hass wirklich breitgemacht zu haben. Es wird kaum mehr normal geredet (ja, ich gebe zu, ich war nicht dort und es werden auch nur kleine Teile über die Medien verbreitet) aber da wird von allen Seiten – unabhängig von der Pateizugehörigkeit – gegeifert und gekeift. Ich finde, dass das ein sehr unwürdiger Umgang miteinander ist. Schon, man trifft auf Arroganz, wittert Verschlagenheit dahinter. Ich finde, dass das nicht zum Vertrauen in unsere Demokratie beiträgt.

Ich fürchte, ich werde in Zukunft verstärkt dieses Phänomen des Hasses und Neides in der Politik der Westlichen Welt zurückkommen müssen. Ich finde, es wäre wichtig, herauszufinden, wann das „alles“ wo begonnen hat, um es wieder in „geordnete Bahnen“ zurücklenken zu können. Ich glaube nicht, dass Dirty Campaigning am Anfang stand, das war wieder nur ein Mittel – die Ursachen müssen anderswo, tiefer, liegen.

Ihre Meinung dazu würde mich interessieren!

Die neuen Dominanten der Politik: Hass und Neid

4 Gedanken zu “Die neuen Dominanten der Politik: Hass und Neid

  1. Ich frage mich (weil ich knapp 30 Jahre in der DDR lebte), was zuerst wirksam wurde: Die immer weitere Individualisierung/Egoismusgläubigkeit der „normalen“ Menschen, für die es immer häufiger nur noch Konkurrenten/Feinde gab, oder (die Auswirkungen von) Mißgunst und Haß – die sich in der Politik zeigen …

    Wahrscheinlich sind beide Entwicklungen ineinander verschränkt.

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      1. Ich kann mich nicht daran erinnern, daß wir in der DDR einen solchen allumfassenden Konkurrenzkampf hatten; wir arbeiteten eher mit- als gegeneinander (auf allen Gebieten wurde sich gegenseitig unkompliziert geholfen, jedenfalls in meiner DDR). Deshalb hatte und habe ich wohl auch solche Schwierigkeiten mit dieser Ellenbogengesellschaft.

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