Gab es in Ihrer Jugend auch ein „Traumhaus“?

Als ich so 16, 17 Jahre alt war, da war mein Traumhaus eine römische Villa. Wir hatten wohl gerade Plinius gelesen, der diese Häuser ja recht anschaulich beschreiben hatte, ich war mehrmals in Carnuntum gewesen, wo derartige Häuser ja ausgegraben worden waren – und stellte mir halt vor, in einem solchen Haus zu leben. Schließlich hatte ja die Römer auch in unseren Breiten ganz bequem gelebt. Ob eine Fußbodenheizung wohl ausgereicht hat? Vielleicht hatte ich meine Ideen aus den Monumentalfilmen aus dieser Zeit, in denen derartige Villen dargestellt worden waren. Wesentlich für mich wäre wohl das Atrium gewesen, mit dem Impluvium in der Mitte, mit einem Säulengang rundherum. Natürlich sollte diese meine Villa auch eine Therme enthalten, Springbrunnen und vieles Ähnliches.

Später sah ich noch diese altrömischen  Villen im Pompei und Herculaneum, aber auch in Sizilien (Villa von Piazza Armerina) und Tunesien (Karthago). Dort hatten sie auch noch die wunderbaren farbenprächtigen Mosaikfußböden, die Wände waren teilweise bemalt. Ich halte diese Häuser noch immer für sehr schön und auch „klimagerecht“ gebaut.  

Dann, etwas später erlebte ich eine Villa in der weiteren Umgebung von New York. Ich hatte ein Studienjahr in Kalifornien verbracht und lebte die zwei Ferienmonate Juli und August noch in New York. Ich hatte genügend Geld erspart, um mir das noch leisten zu können. Ich lebte (im billigsten Raum) im „International House“, aß möglichst wenig und hatte in der Summer School an der Columbia University inskribiert. Und interessierte Amerikaner luden Studenten aus dem International House über Wochenende zu sich nach Hause ein. Da konnte man sich dann ordentlich sattessen. Ich erhielt öfter derartige Einladungen, da ich aus einem Land kam, das noch nicht im „Freien Westen“ lag, sondern noch eine russische Besatzungszone aufwies (das war so etwas wie mein Entertainment Value). Diese konkrete Einladung war mir ohnedies nicht so willkommen, da der Busfahrpreis dorthin (und zurück) doch relativ hoch war, und eigentlich für das Essen übers Wochenende gereicht hätte. Aber neugierig war ich doch, und bei solchen Einladungen ging es manchmal recht luxuriös zu.

Und die Anlage faszinierte mich. Das Haus lag in einem großen Park. Das Haus war sehr gemütlich eingerichtet und wie keine besonderen Merkmale auf, die ich mir gemerkt hätte. Aber: es gab einen großen Swimming Pool, auch das wäre noch nicht bemerkenswert gewesen, sondern herum standen Säulen und Säulenstümpfe, wie bei einem antiken Tempel. Das hat mich schon sehr beeindruckt. Und dann gab’s auf einer anderen Seite des Hauses noch einen großen Teich, der angeblich dazu diente, dass der Hausherr von seinem Fenster aus – Enten schießen konnte. Das hat mich zugegebenermaßen eher abgeschreckt.

Aber von so einem Swimming Pool habe ich dann auch lange geträumt – bis ich viel später den Swimming Pool im Hearst Castle in Kalifornien gesehen habe. Den habe ich mir dann nicht mehr gewünscht.

Aber es bleib bei diesen Träumen, denn mein Leben entwickelte sich doch ganz anders.

Als es dann endlich dazu kam, dass wir uns ein Haus in Pernitz bauen wollten, träumte ich weiter: ich stellte mir ein Haus mit einem Oberstock vor, im unteren Teil eine geräumige Halle – mit Kamin (selbstverständlich), von wo man ebenerdig die Küche und das Speisezimmer erreichen sollte und eine große Treppe in den ersten Stock mit umlaufenden Innenbalkon, mit den Schlafräumen. Das einzige, das vom „Traum“ blieb, war der rote Klinkerboden. Es wurde kein Haus sondern ein Häusl, ebenerdig, so wie halt Kinder ein Haus zeichnen, ohne besondere Merkmale, natürlich ohne Kamin mit einer praktischen Zentralheizung. Wir wollten uns für dieses Häusl nicht groß verschulden. Später haben wir einiges dazu gebaut, wie z.B. einen so genannten Wintergarten, wir haben ein Glasdach über den Stiegenaufgang gebaut, dass man aus der Garage halbwegs trockenen Fußes ins Haus kommen konnte.  Als mein Mann aufgrund seiner Behinderung nicht mir Stiegen Steigen konnte, haben wir einen Lift gebaut – und im Garten – ein Geschenk an meinen Mann, ein hübsches Lusthaus, in dem er bis zu seinem Tod gerne gesessen ist.(Voriges Jahr hat einer meiner Enkel darin geheiratet).

Aber von außen schön oder elegant war das Häusl nie, gemütlich war’s im Inneren und schön im Garten zu sitzen.

Jetzt ist es im Besitz meiner Tochter, vielleicht kann sie ihren Traum dort verwirklichen und einen Swimming Pond bauen, allerdings wird es notwendig sein, einen Stock auf das Haus draufzusetzen – um die ganze, wachsende Familie dort möglichst gleichzeitig unterzubringen. In der Corona-Zeit was das Häusl beliebt gewesen wie nie zuvor und war dabei fast aus allen Nähten geplatzt.

Ein Traumhaus war es nie, aber ein Zu-Hause ist es geworden.  

Gab es in Ihrer Jugend auch ein „Traumhaus“?

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