Die Hitzekuppel über USA und Kanada

Ja, es ist der Klimawandel, der die extremen Wetterverhältnisse hervorbringt

Jetzt, da unsere Hitzewelle vorerst einmal gebrochen ist, da die COVID-Neuinfektionen gering sind (hoffentlich bleiben sie es!), ist es wohl an der Zeit uns wieder einmal dem Klimawandel zuzuwenden.

Dazu muss ich bemerken, dass ich die Westküste der USA, also besonders Oregon, Washington und das angrenzende Kanada besonders mag, wir sind diese Küste entlanggefahren, haben in den jetzt öfter genannten Orten haltgemacht. Wir haben uns beide sehr wohl gefühlt, an dieser Pazifik-Küste, mit ihren Frühnebeln, ihren großen Wellen, ihrer lange Düne, ihren begehbaren Aquarien, ihren dahinterliegenden Bergen und Wäldern. Seattle und Vancouver sind auch für Europäer sehr lebenswerte (grüne) Städte.

Und jetzt? Jetzt wird dort in der Gegend die höchste Temperatur in der Geschichte gemeldet, fast 48°, doppelt so hoch wie die Durchschnittstemperatur im Juni, die Menschen müssen in „Kühlhallen“ fliehen, um wenigstens temporär dieser Hitze entgehen zu können.

Aber nun habe ich versucht herauszufinden, wie es dazu kommen kann. Und das habe ich gefunden: Für diese extremen Hitzewellen ist ein sogenannter „Heat Dome“, eine Hitzekuppel verantwortlich. Dabei wirkt die Hochdruckzirkulation in der Atmosphäre wie eine Kuppel, die die brütende Hitze wortwörtlich einfängt. Die Hauptursache für Hitzekuppeln ist eine starke Veränderung der Ozeantemperaturen im tropischen Pazifik im vorangegangenen Winter, erklärt der National Ocean Service der US-Regierung (NOAA). Für die Entstehung einer Hitzekuppel spielten demnach die starken atmosphärischen Hochdruckbedingungen, die auf Einflüsse von La Niña (ein natürlich vorkommendes kühlendes Wetterphänomen) treffen, eine Rolle.

Während La Niña (das Gegenstück zu El-Niño) seien die Passatwinde (ein mäßig starker, sehr beständiger Wind, der in den Tropen, beziehungsweise Subtropen auftritt) noch stärker als gewöhnlich, wodurch sie mehr warmes Wasser in Richtung Asien treiben. Vor der Westküste der USA nehme der Auftrieb zu und bringe kaltes Wasser an die Oberfläche.

Dieses kalte Wasser im Pazifik treibe den Jetstream (ein sehr starker Wind in etwa zehn Kilometer Höhe) nach Norden an. Wenn die vorherrschenden Winde die heiße Luft aber nach Osten bewegten, fangen die Nordverschiebungen des Jetstreams die Luft ein und bewegen sie in Richtung Land, wo sie sinkt, was zu Hitzewellen führe, erklären die Wissenschaft.

Wenn der Jetstream sehr wellig und langgestreckt wird, könnten Drucksysteme an Stellen zum Stillstand kommen oder „stecken bleiben“, an denen sie normalerweise nicht sind − so wie jetzt über Kanada und dem Norden der USA. Bereiche mit hohem Druck, wie Wärmekuppeln, enthalten absinkende Luft. Dadurch werde die Luft am Boden komprimiert, durch diese Kompression erwärmt sich die Luft − auf teils sehr hohe Temperaturen, wie aktuell zu beobachten ist.

Die Hitzewelle und die Hitzekuppel bleiben bestehen, bis das Hochdrucksystem zusammenbricht. In den geplagten Städten muss es also zu Niederschlägen komme. Dies kann von heftigen Gewittern begleitet werden, da heiße und kühle Luft aufeinanderprallen.

Für Laien (wie mich) versucht man das folgendermaßen zu erklären: Wenn in einem Schwimmbad die Heizung eingeschaltet ist, steigen die Temperaturen in den Bereichen um die Heizungsdüsen schnell an, während der Rest des Pools länger braucht, um sich aufzuwärmen. „Wenn man sich den Pazifik als einen sehr großen Pool vorstellt, sind die Temperaturen des Westpazifik in den letzten Jahrzehnten im Vergleich zum Ostpazifik gestiegen, wodurch im Winter ein starker Temperaturgradient, oder Druckunterschiede über den gesamten Ozean entstanden sind, die den Wind antreiben.“

Die Druckunterschiede seien laut Studien aufgrund der globalen Erwärmung entstanden, „was auf das zukünftige Potenzial immer häufigerer Hitzewellen hindeutet“, so die NOAA-Forschenden.

Die Konsequenzen, besonders in den Städten, sind lebensbedrohend: Straßen- und S-Bahnen fahren nicht mehr, weil die Stromleitungen zu schmelzen begannen. Auf zahlreichen Straßen begann sich der Asphalt in der Hitze zu wölben oder zu lösen. Schulen und Geschäfte bleiben geschlossen, selbst manche Bäder und Eisgeschäfte sperrten nicht mehr auf.  Sogar Impf- und Testzentren für Corona stellten den Betrieb ein.

In diesen Gegenden, in denen üblicherweise moderate Temperaturen herrschen, verfügt weniger als die Hälfte der Einwohner über eine Klimaanlage zu Hause. Wer doch eine besitzt, nutzte sie ausgiebig. Andere griffen auf Ventilatoren zurück. Der erhöhte Energieverbrauch überlastete jedoch vielerorts das Leitungsnetz und führte zu Stromausfällen.

Ja, wir haben hier bei uns ganz andere Bedingungen. Hitzesommer sind auch bei längst keine Seltenheit mehr. Bei uns ist die Durchschnittstemperatur um 1,3° höher im Vergleich mit dem Mittel 1981-2010, dadurch steigt auch die Wahrscheinlichkeit für extrem heiße Tage, mit all den Konsequenzen, die wir in den letzten Tagen erlebt haben, schwere Gewitter, Sturzfluten, Überschwemmungen, Hagel (mit besonders großen Körnern – eigentlich Ballen), darauffolgend Erdrutsche, und – wie an unserer Grenze – Tornados.

Der Klimawandel ist ein globales Phänomen, mit höchst unterschiedlichen lokalen Auswirkungen, aber Auswirkungen treffen wiederum uns alle – in unterschiedlicher Form.

Die Hitzekuppel über USA und Kanada

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