Zur Geschichte der NGOs

Heute spielen sie eine gewichtige Rolle – nicht nur auf dem humanitären Sektor, sondern auch in der Politik. Die NGOs:  Eine Nichtregierungsorganisation (Non-governmental organization oder auch nichtstaatliche Organisation) ist ein zivilgesellschaftlich zustande gekommener Interessenverband, der nicht durch ein öffentliches Mandat legitimiert ist. Anders definiert: private Organisationen, die durch ihre Aktivitäten versuchen, Leid zu mindern, die Interessen der Armen in der Öffentlichkeit zu vertreten, die Umwelt zu schützen, grundlegende soziale Dienste zu leisten oder Aktionen für Entwicklungsvorhaben zu initiieren.

Der englische Begriff non-governmental organization wurde einst von den Vereinten Nationen (UNO) eingeführt, um Vertreter der Zivilgesellschaft, die sich an den politischen Prozessen der UNO beteiligen, von den staatlichen Vertretern abzugrenzen; non-governmental bedeutet dabei „nichtstaatlich“ im Sinne von „staatsunabhängig“, „regierungsunabhängig“. Heute wird der Begriff von und für nichtstaatliche Vereinigungen benutzt, die sich insbesondere sozial- und umweltpolitisch engagieren, und zwar unabhängig von einer Beziehung zur UNO. Zu den bekanntesten und größten internationalen Organisationen zählen beispielsweise im Bereich Umweltschutz Greenpeace und World Wildlife Fund, bei den Menschenrechten Amnesty International und Human Rights Watch, in der Korruptionsbekämpfung Transparency International und Internet Corporation for Assigned Names and Numbers für neue Technologien.

Seit wann gibt es NGOS? In meiner Jugend hat man sie nicht unbedingt schon so genannt, tätig waren sie allemal – ich selbst habe von CARE profitiert, das heißt ich habe eines ihrer begehrten Pakete erhalten, auch UNICEF (gegründet Dezember 1946), das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen war mir bald ein Begriff. Auch die so wichtige Wahrung kultureller Schätze durch die UNESCO (Bildung, Wissenschaft und Kultur) begann im November 1945.

Aber war das wirklich der Beginn? Manche verweisen in der Ahnenreihe der Nichtregierungsorganisationen neben den christlichen Kirchen auf die im 6. Jahrhundert entstehenden religiösen Orden und die späteren religiösen und säkularen Orden. Als Vorläufer der heutigen Nichtregierungsorganisationen im humanitären Bereich wird allgemein die Antisklaverei-Bewegung der Quäker im 17. Jahrhundert angesehen. Im 19. Jahrhundert vermehrte sich die Zahl der Nichtregierungsorganisationen rasch, wobei neben die zunächst humanitär ausgerichteten Organisationen auch solche mit politischen, wirtschaftlichen, gewerkschaftlichen aber auch wissenschaftlichen Zielen traten. Internationale Organisationen wie World Evangelical Alliance (1846), Alliance Israélite Universelle (1860), Komitee vom Roten Kreuz (1863), Die Erste Internationale (1864), International Law Association (1873) und International Association of Geodesy entstanden.

Auch der Erste Weltkrieg hat zum Entstehen wichtiger internationaler Nichtregierungsorganisationen wie der Internationalen Handelskammer und dem Internationalen Gewerkschaftsbund (IFTU) auf dem wirtschaftlichen und sozialen Gebiet geführt. Schon damals haben Flüchtlingselend und Migrationsprobleme zum Entstehen zahlreicher Nichtregierungsorganisationen geführt. Unter Führung des Roten Kreuzes wurde ein Hoher Kommissar für Flüchtlinge beim Völkerbund eingerichtet. In der Praxis des Völkerbundes entwickelte sich eine rege Zusammenarbeit gerade mit internationalen Nichtregierungsorganisationen, die Rederechte erhielten, Beratungsvorschläge einbringen konnten und in Ausschüssen tätig wurden.

Wie bereits oben erwähnt, ist eine Vielzahl von NGOs aus der Nachkriegsnot des Zweiten Weltkriegs – besonders das Flüchtlingswesen betreffend – entstanden: UNHCR, ist mit dem Schutz von Flüchtlingen und Staatenlosen (Flüchtlingsrecht) beauftragt und auch im Bereich der humanitären Hilfe tätig. Besonders nach Kriegen und in Krisenregionen sind immer NGOs tätig, entweder sind dies die bereits bestehenden oder es werden neue, dem jeweiligen Problem zugeschnittene gegründet. Ein Beispiel hierfür ist die UNWRA, gegründet 1948, Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen für die humanitäre Versorgung der palästinensischen Flüchtlinge von 1948 und deren Nachfahren. Seitdem hat sich das Hilfswerk zum größten Anbieter sozialer Leistungen für die Palästinenser entwickelt.

Seit den 1990er Jahren wurde aufgrund von steigenden Anforderungen an die Kompetenz und Spezialisierung der Mitarbeiter das Ehrenamt zu Gunsten von hauptamtlichen (professionellen) Mitarbeitern im Kerngeschäft zurückgedrängt. Die Nichtregierungsorganisationen sind heute gezwungen, untereinander um Spendengelder zu konkurrieren. Erhalten auch Sie so viele Erlagscheine mit der Post, mit Bildern von notleidenden Menschen?

Immer weitere NGOs entstehen – und werben! Private „mit Anliegen“ gründen NGOs und versuchen mittels Spenden ihre Ziele zu verwirklichen. Parallel dazu gibt es „Großspender“, wie z.B. die Bill & Melinda Gates Foundation und viele, viele Menschen, die spenden, was ihnen möglich ist (z.B. Aktionen „Nachbar in Not“).

 Die Omnipräsenz und politische Bedeutung vieler Nichtregierungsorganisationen wurde durch die Globalisierung seit den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts befördert, da

  • das Ende des Kalten Krieges, die Wahrnehmung grenzüberschreitender Problemlagen wie Umwelt- und Klimabedrohungen, weltweiter Migrationsströme u. ä. verstärkte.
  • die weltweite Vernetzung – nicht zuletzt durch das Internet – auch der Bereiche Politik, Recht und Gesellschaft sprunghaft zunahm.

Daneben fand ein Prozess der „Entstaatlichung“ statt, indem im Inneren staatliche Aufgaben an Private und im Äußeren an nichtstaatliche überstaatliche Institutionen mit Hoheitsgewalt übertragen wurden. Dadurch entstand ein Problem demokratischer Legitimation. So entstanden selbsternannte Anwälte des öffentlichen Interesses wie Greenpeace oder Amnesty International.

Sie sind unerlässlich geworden, in Zeiten der Globalisierung, die NGOs. Es wird sehr viel Gutes getan! Aber der „aggressive Eifer“ mancher dieser Institutionen trägt zuweilen sehr zur Verschärfung des politischen Klimas bei.

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