Ich bin besorgt …

Ich möchte‘ ja nicht unken und ich möchte auch keine Kassandra sein, aber ich fürchte, dass die Pandemie noch nicht vorbei ist, und dass wir uns alle miteinander viel zu sorglos verhalten. Ich wünsche mir keine xxx-te Welle, ich wünsche mir keinen harten oder weniger harten Lockdown mehr.  

Ich verstehe ja, dass man sich jetzt über die neue „Freiheit“ freut, einander zu treffen, beisammen zu sein, miteinander zu feiern, die Masken an den Nagel zu hängen … Sicher, jene Menschen, die diese Masken bei der derzeitigen Hitze den ganzen Tag tragen müssen, sind wirklich zu bedauern. Jene, die dabei nur mit „3-G-Personen“ arbeiten müssen, die kann ich mir vorstellen, jetzt zu befreien. Und die Beschränkung der Anzahl der erlaubten Personen in einem Geschäft, kann auch ganz schön hart sein – selbst erlebt. Ich wollte Blumen kaufen, und wurde des Geschäftes verwiesen – und draußen brannte die Sonne nieder und es hatte 32°. Ich verzichtete auf die Blumen (es ist zwar nicht gerecht, denn die im Geschäft Beschäftigte kann nichts dafür, sie wollte drauf achten, dass die erlaubte Anzahl nicht überschritten wird, aber sehr bald werde ich dieses Geschäft, das ich sonst sehr mochte, nicht mehr betreten).

Überhaupt habe ich den Eindruck, dass es mit der Impfpass-Kontrolle (Green-Card) nicht sonderlich genau genommen wird. Mich freut’s aber nicht, wenn rundherum ungeimpfte und ungetestete Personen sitzen. Die auszufüllenden „Tracking“ Zetteln liegen zwar mit Kugelschreiber auf dem Tisch, aber es wird von den Kunden nicht gefordert, sie auszufüllen – und die tun’s halt auch nicht. Natürlich kann und soll dies alles nicht überwacht werden, aber an Disziplin und Eigenverantwortung mangelt es jetzt schon sehr, so scheint mir.

Ich werde die Maske, auch wenn ich sie nicht mag, weiterhin tragen, wenn auch meine Brillen anlaufen. Dennoch halte ich sie für einen hervorragenden Schutz vor allerhand Ansteckungen, nicht nur durch COVID.

Und noch etwas: vielleicht bin ich diesbezüglich sehr ungerecht: aber ich kann nicht so ganz nachvollziehen, warum „unsere Jungend“ jetzt „so deprimiert“ ist. Ich habe das Gefühl, dass ihnen dieses Gefühl von den Medien auch oft nur eingeredet wird. Ich will sicher nicht allen diesbezüglichen Experten widersprechen, die sich bestimmt besser auskennen als ich, ja, es war eine harte Zeit, aber wie oft gehen Jugendliche und welche doch in die Discos, dass sie durch diesen Mangel deprimiert werden. Will man in diesem Land wirklich den Generationenkonflikt schüren?

Auch wenn ich über allerhand besorgt bin und manches beklage, geht’s mir doch hervorragend. Ich grummle nur so ein wenig vor mich hin. Denn im Moment wohne ich wieder einmal allein, meine WG-Mitbewohner sind unterwegs – und, wenn ich’s so recht bedenke, genieße ich dieses (sehr temporäre) Alleinsein, so lustig es gemeinsam ist.  Derzeit sind alle Kastel- und Ladentüren zu, die Rollos sind, zum Draußen-Halten der Hitze, herunten, es stehen keine Speiserestln herum, es befindet sich nicht schon wieder eingeweichtes Geschirr in der Spüle. Ich habe einen genauen Überblick, über die vorhandenen und benötigten Lebensmitteln und es gibt keine unerwarteten Gäste.  Aber die Gespräche bei den Mahlzeiten, die gemeinsamen Unternehmungen gehen mir schon sehr ab. Alleisein ist kurzfristig sicher erholsam, aber auf die Dauer ist es nicht das Richtige.

Diesbezüglich muss ich schon sehr dankbar sein, wie viele Personen, vor allem Alte, mussten während der Pandemie lange allein bleiben, keine Besuche, kein Ausgang. Dagegen geht’s mir doch hervorragend. Ich bin frei, und kann tun und lassen, was mich so freut.

Jetzt werd‘ ich noch ein wenig auf meinen „grantigen Rücken“ Rücksicht nehmen (d.h. mich gerade hinlegen) und dann, wenn’s hoffentlich wieder ein wenig kühler wird, doch noch spazieren gehen.

Wenn Sie aber bei dem einen oder anderen Punkt nicht meiner Meinung sind, dann lassen Sie mich das bitte wissen, ich diskutiere nämlich gerne mit Ihnen.

Ich bin besorgt …

Kleine Ärgernisse – großer Ärger

Kennen Sie das auch? Die Ereignisse, die plötzlich auftreten und die einem so richtig wütend machen, die aber dennoch Nichtigkeiten sind. Einiges ist diesbezüglich passiert, ich lasse Sie dran teilhaben, urteilen Sie selbst, ob ich mich zurecht gegiftet (geärgert) habe!

Heute früh, Wochenende, ich habe genüsslich „self-ending-sleep“ zelebriert, es war durch das nächtliche Lüften auch in der Wohnung kühler geworden. Ich holte mir die Zeitungen aus dem Postfach, will mir den (unbedingt erforderlichen) morgendlichen Kaffee machen. Dazu hole ich die Milch aus dem Eiskasten (für mich immer noch Eiskasten und nicht Kühlschrank). Sie ist „original-verschlossen“, Ablaufdatum 1. Juli, und sie ist sauer. Nicht ganz so sauer wie ich daraufhin, denn nun war nichts mit dem gemütlichen Kaffeetrinken und Zeitunglesen. Jetzt musste ich zuerst Einkaufengehen, und eine frische Milch und einiges sonstiges für das Wochenende besorgen. Und bei der im Supermarkt (Billa) angebotenen Milch stand eine mit Ablaufdatum 1. Juli. Naja, ich kramte, bis ich ein Packerl mit Ablaufdatum 4. Juli fand – und begann drüber zu sinnieren, wie oft wir den 4. Juli in der amerikanischen Botschaft gefeiert hatten, und dann fiel mir noch der Film 4th of July ein – und ich musste mich heftig darauf konzentrieren, alles mitzunehmen, was ich dieses Wochenende benötigen werden. In der Zwischenzeit bin ich wieder zu Hause, habe Kaffee getrunken und leider nicht so lange Zeitung gelesen, wie ich ursprünglich geplant hatte, damit mir genügend Zeit bleibt, meine G’schicht’ln zu schreiben.

Gestern – eine meiner Freundinnen und ich hatten geplant, einander nach langer Zeit wieder einmal zu treffen. Und wir wollten uns in den Hof des Palais Todesco setzen, der von der K.u.K. Hofzuckerbäckerei Gerstner genutzt wird. Ich finde diesen Hof und die dortige Möblage besonders hübsch, all das erinnert mich (nicht an die Tage der ÖVP, die lange hier ihr „Hauptquartier“ hatte), sondern an die alten eleganten Hotels in früheren englischen Kolonien.  Außerdem ist man in den Höfen vor Autolärm geschützt und Fremde speanzeln (= verstohlen blicken) nicht auf den Teller von dem man gerade isst, um festzustellen, was man da Gutes bestellt hat. Als wir uns dort niederlassen wollten (ich verstehe ohnedies nicht, warum dieser Teil der Hofzuckerbäckerei erst um 12 Uhr aufsperrt), teilte man uns mit, dass man Essen nur im ersten Stock serviere. Hier, im Hof, könne man nur Kaffee und Kuchen genießen. Wir wollten aber Mittagessen.  Vergrämt zogen wir ab, da wir weder Kaffee und Kuchen zu Mittag essen noch „drinnen“ sitzen wollten.

Wir wollten nicht sehr weit gehen und bald etwas essen, so bot sich ums Eck Plachuttas Gasthaus zur Oper an.   Auch ohne bestellt zu haben bekamen wir einen Tisch, naja, der Verkehrslärm in der Walfischgasse hielt sich in Grenzen. Es fahren zwar schon wieder die Hop-on–Hop-off Touristenbusse, die gegenüber ihre Haltestelle haben, aber es gibt noch nicht so besonders viele Touristen, die dieses Service in Anspruch nehmen wollen. Diese Touristenbusse zählen zu meinen innerstädtischen „Feinden“, da sie eine Haltestelle vor unserm Haus haben und sehr oft den Motor laufen lassen, während sie hier stehen. Und das stinkt weit hinauf, bis zu meinem Balkon z.B. Man sitzt hier beim Plachutta etwas abgesetzt von der Straße und ist durch dichtes „Grün“ vor neugierigen Blicken und durch Sonnenschirme vor starker Sonneneinstrahlung geschützt.

Wir beide, die wir „normalerweise“ zu Hause selbst kochen, wählten Speisen, die wir für eine Person nie selbst kochen würden, Wienerisches bot sich an. Die Portionen waren sehr groß, und für Oldies, wie wir es sind, kaum bewältigbar. Entgegen meinen sonstigen Gewohnheiten ließ ich mir die Restl‘n nicht einpacken.

Aber des Ungemachs war kein Ende. Am Nachmittag besuchte ich Freunde – wir plauderten lange, es war sehr gemütlich, und als ich weggehen wollte, regnete es leicht. Mir wurde ein Schirm angeboten, aber da es nur leicht regnete und ich nicht gerne Schirme trage, lehnte ich ihn ab. (Schön blöd von mir).

Ich schaffte es, geschützt von Bäumen, halbwegs trocken die Straßenbahnhaltestelle zu erreichen. Obwohl mir grad ein Zug vor der Nase davongefahren war, konnte ich mich mit einigen anderen in dem Haltestellenhäusl unterstellen, der nächste Zug kam bald. Ich richtete mich grad gemütlich für eine längere Fahrt ein (dabei lese sich gerne), als – wieder einmal – mitgeteilt wurde, dass man den Zug verlassen möge, er würde „eingezogen“ (also in die Remise geführt) werden. Die Haltestelle, wo ich nun stand hatte kein schützendes Wartehäusl und die Passagiere standen im wirklich strömenden Regen herum. Aber eine freundliche Dame nahm mich unter ihren Schirm.

Zurecht werden Sie sagen, über so etwas ärgert man sich doch nicht, bzw. die Unfreundlicheren werden meinen, ob ich denn keine anderen Sorgen habe.  Ich kann allen versichern, dankbar zu sein, keine anderen Sorgen zu haben!

Kleine Ärgernisse – großer Ärger

Der Zehn-Tage-Krieg für die Unabhängigkeit Sloweniens

Das waren aufregende Tage auch für Österreich

Vielleicht erinnern sich einige der Älteren noch daran. Heute vor 30 Jahren (so lange ist das schon her!) am 25.6.1991 erklärten sich Kroatien und Slowenien für unabhängig. Dies war Auslöser des Zehn-Tage-Kriegs in Slowenien und des mehr als vier Jahre dauernden Kroatienkrieges – im Rahmen der Zerfallskriege von Jugoslawien.

Vorauszuschicken ist, dass Slowenien in vielen Aspekten z.B. Österreich näher stand, als dem späteren Nordmazedonien. Als wir – mein Mann und ich – einmal am Ohrid „urlaubten“, trafen wir eine slowenische Gruppe bei einer der alten orthodoxen Kirchen dort. Die Menschen aus dieser Gruppe wandten sich an uns – und nicht an die lokale Bevölkerung, um Auskunft über diese Kirche zu bekommen. Sprachlich und kulturell standen wir ihnen näher als die Mazedonier.

Nachdem die kommunistischen slowenischen Abgeordneten im Frühjahr 1989 das Nationalparlament Jugoslawiens aus Protest endgültig verlassen hatten, wurden im September 1989 die ersten demokratischen Wahlen in Slowenien eingeleitet. Die bis dahin allein regierende slowenische kommunistische Partei stimmte den Wahlen im November 1989 zu, obwohl die Belgrader Parteizentrale auf ein Verbot drängte. Im April 1990 wurden daher trotz massiver Drohungen Belgrads die ersten freien Parlaments- sowie Präsidentschaftswahlen durchgeführt. Die neue, demokratisch legitimierte Regierung Sloweniens versuchte daraufhin, sich mit der jugoslawischen Staatsführung auf eine Art konföderative Staatsstruktur zu einigen, jedoch scheiterte dies. Die slowenische Regierung und der slowenische Präsident Milan Kučan sowie die katholische Kirche begannen im Juli 1990 mit der Aufarbeitung der Kriegsverbrechen des Zweiten Weltkriegs, um einen unbelasteten Neuanfang Sloweniens zu gewährleisten, mit weitgehender Zustimmung der Bevölkerung.

Am 23. Dezember 1990 fand ein Referendum über die Unabhängigkeit Sloweniens statt. Mit einem Ergebnis von 88,2 % stimmten die Slowenen für die Eigenstaatlichkeit. Im Frühjahr 1991 versuchte die slowenische Regierung zum letzten Mal einen Konsens in Form einer Konföderation Sloweniens mit der jugoslawischen Staatsführung zu finden, auch dieser Versuch scheiterte.

Am 25. Juni 1991 lösten sich Slowenien und Kroatien aus dem Staatsverband Jugoslawien und erklärten ihre Unabhängigkeit. Die slowenische Polizei und die Streitkräfte der slowenischen Territorialverteidigung Teritorialna Obramba (TO) übernahmen unmittelbar danach die Kontrolle an den Grenzübergängen zu Italien, Österreich und Ungarn und die Sicherung der Luftkontrolle auf den slowenischen Flughäfen. Der jugoslawische Ministerpräsident Ante Marković ermächtigte daraufhin die Jugoslawische Volksarmee (JNA), „die Staatsgrenzen zu schützen, sowohl an Grenzübergängen als auch in Regionen, die im Grenzgebiet liegen“.

Die Kämpfe begannen am 27. Juni. Es kam zu mehreren Gefechten zwischen slowenischen Polizisten und der slowenischen Territorialverteidigung einerseits und der jugoslawischen Volksarmee andererseits. Besonders an internationalen Grenzübergängen, wie z. B. Spielfeld, wurde während der kriegerischen Handlungen häufig eine Gefahr darin gesehen, dass Österreich in diese bewaffneten Auseinandersetzungen mit hineingezogen werden könnte. Aus diesem Grund verlegte das Österreichische Bundesheer Truppen an die Südgrenzen zu Slowenien. Das war einer der Zeitpunkte in der österreichischen Geschichte, an dem das sonst oft geschmähte und vernachlässigte Heer plötzlich in den Augen der Bevölkerung wichtig geworden war! An den Grenzübergängen, die sich zugleich in der Nähe von Kasernen befanden, tobten heftige Kämpfe, die entsprechend hohe Schäden und einige Todesopfer forderten.

Viele Panzereinheiten der jugoslawischen Volksarmee erreichten nie ihre Ziele im Norden Sloweniens, da die slowenische Territorialverteidigung nach monatelanger Vorbereitung in der Lage war, sich mit Panzersperren an den wichtigen Verkehrspunkten erfolgreich zur Wehr zu setzen. Da das nördliche Slowenien alpines Gebiet ist, konnten die gut gerüsteten jugoslawischen Streitkräfte nicht mit Luftschlägen kontern. Dennoch „verirrten“ sich jugoslawische MIGs bis weit in den österreichischen Luftraum (Graz).

Zugleich wurden in Kroatien (das sich gerade selbst in Unabhängigkeitsbestrebungen befand) viele Kasernen blockiert und sabotiert. Kroaten und Bosnier in der jugoslawischen Volksarmee ergaben sich sofort der slowenischen Territorialverteidigung, da sie an einem Waffengang nicht teilnehmen wollten. Innerhalb weniger Tage ergaben sich etwa 3800 Soldaten der jugoslawischen Volksarmee der slowenischen TO.

Nach zehn Tagen wurde ein Waffenstillstand vereinbart. Daher spricht man bis heute vom 10-Tage-Krieg. Im Oktober 1991 verließ der letzte jugoslawische Soldat slowenischen Boden.

Es gab keine größeren Zerstörungen, was die Entwicklung der slowenischen Wirtschaft nach der Unabhängigkeit begünstigte. Anders als in Kroatien sowie in Bosnien und Herzegowina zogen sich die militärischen Auseinandersetzungen nicht in die Länge. Begünstigt wurde dies dadurch, dass Slowenien als einzige Teilrepublik über eine recht homogene Bevölkerungsstruktur verfügte. Die serbische Minderheit Sloweniens ohne kompaktes Siedlungsgebiet war mit circa zwei Prozent deutlich kleiner als in den anderen Teilstaaten, so dass in Slowenien und im Rest Jugoslawiens mit einer entsprechend geringeren Unterstützung für eine Annexion zu rechnen war.

Unter Vermittlung der UNO, der EG und der österreichischen Regierung konnte mit dem Brioni-Abkommen, benannt nach den kroatischen Brijuni-Inseln, ein Kompromiss erzielt werden, der den Konflikt endgültig beendete: Slowenien sollte (ebenso wie Kroatien) den Vollzug der Unabhängigkeit für die Dauer von drei Monaten aussetzen, im Gegenzug wurden der slowenischen Polizei und den slowenischen Streitkräften die Kontrolle über das slowenische Territorium überlassen und in die dortigen Soldaten der JNA, die ihren Präsenzdienst in Slowenien leisteten, mussten sich zurückziehen, wobei schweres Gerät und schwere Waffen an Slowenien zu übergeben waren. Beide Seiten hielten sich an die Vereinbarung, und so konnte am 8. Oktober 1991 die Unabhängigkeit der Republik Slowenien in Kraft gesetzt werden. Während die Kriegshandlungen in Slowenien somit schon nach kurzer Zeit eingestellt wurden und Slowenien unabhängig wurde, entbrannte in Kroatien ein weiterer Krieg. Doch darüber später!

Der Zehn-Tage-Krieg für die Unabhängigkeit Sloweniens

Nur ein paar Fakten zu Tornados

Es hat mich schon erschreckt, der Tornado gestern, bei uns, in Mitteleuropa. Wir alle kennen sie, die Bilder von Verwüstungen – in den USA, in der Karibik, aber bei uns? Den ganzen Abend zogen schwere Sommergewitter durch Südmähren, das für seine Weinanbaugebiete bekannt ist. Es fielen angeblich Hagelkörner von der Größe von Tennisbällen.

Was ist so ein Tornado? Auch Wind- oder Wasserhose genannt, ist ein kleinräumiger Luftwirbel in der Erdatmosphäre mit annähernd senkrechter Drehachse. Tornados entstehen über Land am häufigsten im Frühsommer, über Wasser wird das Maximum im Spätsommer erreicht. Tornados über Land treten am wahrscheinlichsten in den frühen Abendstunden auf, während bei Wasserhosen das Maximum in den Morgenstunden liegt.

Die Kraft eines Tornados kann vielfältige Schäden verursachen. Er kann Häuser und Autos zerstören und stellt eine Gefahr für Tiere und Menschen dar. Auch Steinhäuser sind nicht sicher. Indirekt entstehen viele Schäden durch umherfliegende Trümmer, wie wir jetzt im grenznahen tschechischen Gebiet beobachten konnten.  

Tornados werden weltweit überall da beobachtet, wo es Gewitter gibt. Schwerpunkte sind Regionen mit fruchtbaren Ebenen in den Subtropen bis in die gemäßigten Breiten. An erster Stelle steht der Häufigkeit nach der Mittlere Westen der USA. Jährlich werden in den USA etwa 1200 Tornados registriert, die meisten entstehen entlang der so genannten Tornado Alley mit etwa 500 bis 600 Fällen pro Jahr. In Europa liegt die jährliche Zahl der Tornadobeobachtungen bei 330, davon 160 über Wasser, unter Einbeziehung der Dunkelziffer schätzungsweise bei 590 Tornados, davon geschätzt 290 Wasserhosen (2020: 800 gemeldete Ereignisse). Wie in den USA sind auch die meisten europäischen Tornados schwach. Verheerende Tornados sind zwar selten, doch sind bisher acht F4- und zwei F5-Ereignisse aus Deutschland dokumentiert.

Dazu muss man wissen, dass auch Tornados klassifiziert werden: bei dieser Skala wird aber mangels direkter Messungen anhand der vom Tornado verursachten Schäden geschätzt. Diese reichen von leichten Sturmschäden bis zur völligen Zerstörung massiver Gebäude. Bislang wurden Tornadostärken F0 bis F5 in der Realität beobachtet; physikalische Abschätzungen ergeben aus energetischen Gründen die Intensität F6 als Obergrenze.

In Österreich wurden im Schnitt der vergangenen 30 Jahre jährlich etwa drei Tornados beobachtet. Allerdings ist seit 2002 durch die vermehrte Spotter- und Statistiktätigkeit von ehrenamtlichen Helfern eine mittlere Anzahl von etwa fünf Tornados/Jahr zu beobachten. Unter Einbezug einer möglicherweise recht hohen Dunkelziffer sowie der nach wie vor sehr unterrepräsentierten F0-Fälle könnte die tatsächliche, gemittelte, jährliche Anzahl bei bis zu zehn Tornados liegen.

Dabei treten jedes Jahr mehrere F0- und F1-Fälle auf. Im Schnitt kann zudem mit einem F2 jährlich, bzw. einmal in zwei Jahren, alle fünf bis zehn Jahre auch mit einem F3 gerechnet werden. Bisher ist auch ein F4-Tornado in Österreich dokumentiert. Die höchste Tornadodichte ist dabei in der Südoststeiermark zu beobachten (um drei Tornados/10.000 km²/Jahr), gefolgt von dem Gebiet um den Hausruck in Oberösterreich, dem Wiener Becken, der Region um Linz, dem westlichen Weinviertel, dem Klagenfurter Becken, Bodensee-Region sowie dem Inntal im Bereich von Innsbruck.

Die Dauer eines Tornados beträgt zwischen wenigen Sekunden und mehr als einer Stunde, generell ist das Auftreten von Tornados starken Schwankungen unterworfen, was sich in Häufungen (Ausbruch genannt, englisch: Outbreak) innerhalb recht kurzer Zeitspannen – oft an einem einzigen Tag – äußert, gefolgt von recht langen Abschnitten relativer Ruhe. Die Ausbrüche sind durch den engen Zusammenhang mit bestimmten Wetterlagen begründet.

Das Ziel in der Meteorologie ist die Verbesserung der Vorwarnzeit. Die Zeit zwischen Warnung und dem Eintreten des Ereignisses wird als Lead Time bezeichnet. Aktuell beträgt sie im Durchschnitt 13 Minuten. Eine exakte / genaue Vorhersage eines Tornados, seiner Stärke und seines Weges ist mit den aktuellen Mitteln nicht möglich. Vielen von uns sind in diesem Zusammenhang die „Spotter“ aus diversen amerikanischen Katastrophenfilmen bekannt. Sie geben Auskünfte über gesichtete Tornados und auch andere Wettergefahren, wie zum Beispiel Gewitterfallböen, Hagel und Sturzfluten, in das Kurzfrist-Warnsystem einbringen. Die Spotter sind in dem Netzwerk Skywarn organisiert. Daneben besteht eine wachsende Zahl von storm chasers (privaten Sturmjägern), welche primär aus Faszination an den Naturgewalten Gewitter und Tornados verfolgen, dabei aber auch wertvolle Informationen für die Unwetter- und Tornadoforschung liefern und sich selbst zuweilen in Gefahr bringen.

In der Katastrophenforschung geht es darum, anhand der verursachten Schäden herauszufinden, wie die Bausubstanz kostengünstig verbessert werden kann, um die Schäden der Naturerscheinung zu verringern.

Die Bevölkerung wird auf vielfältige Weise geschützt. In den USA gibt es ein Netz aus 159 bodennahen Radarsystemen. Wird ein Tornado erkannt, erfolgt eine Meldung im nationalen TV und in den lokalen Radiostationen. Durch die Nachrichten erfolgt die Aufforderung, Keller oder Schutzräume aufzusuchen. Mittlerweile wurden diese weiterentwickelt und können bautechnisch verstärkt werden. Soweit sind wir noch lange nicht.

Hoffen wir also, dass sich die Wettersituation bei uns in Mitteleuropa jetzt einmal soweit verbessert hat, dass weniger Gewitter und vor allem weniger Hagelschäden auftreten. Die diesbezügliche Bilanz ist heuer verheerend!

Nur ein paar Fakten zu Tornados

Können wir noch so richtig streiten?

Können wir noch streiten?  Ich meine streiten und uns hinterher wieder vertragen?  Ertragen wir es überhaupt noch, einander zuzuhören? Erfassen wir noch, was der andere uns sagen will?

Ich fürchte, vieler dieser Fähigkeiten haben wir eingebüßt. Ich meine, dass die elektronischen Medien uns die Möglichkeit gegeben haben, unseren Unmut, unsere Wut auf die anderen hinauszuschreien, Shitstorms in die Wege zu leiten. Wozu noch zuhören?

Wir haben gelernt: Demokratie lebt vom politischen Streit, der auch dann verbindet, wenn er nicht zu einem Konsens führt. Die Unterlegenen müssen ertragen, dass sie verloren haben. Und die Gewinner müssen die Verlierer respektieren. Grundlegend ist das Recht, die Meinung frei zu äußern. Das Problem dabei ist, dass es die Unterlegenen eben nicht ertragen, dass sie verloren haben. Die Gewinner respektieren die Verlierer nicht, sie sind überheblich und machtgeil, und beachten nicht, dass sich das Rad auch einmal drehen wird. Und Respekt für einander, der ist überhaupt schon lange abhandengekommen.

In einer demokratischen Gesellschaft gibt es ein grundlegendes Prinzip: Unterschiedliche Menschen haben unterschiedliche Meinungen. Die parlamentarische Demokratie lebt von der politischen Auseinandersetzung, von gegensätzlichen Interessen und der Suche nach einem Ausgleich zwischen diesen Interessen. In autokratischen Systemen wird der Streit in der Regel als Schwächung der Gemeinschaft bzw. als Abweichung von akzeptierten und stabilisierenden Normen gewertet. Wenn ich so unser Umfeld betrachte, ist nach dieser Definition unser Land keine „lupenreine“ Demokratie mehr. Ich mag mir keine Debatten mehr ansehen, weil alle durcheinander reden und keiner den anderen zuhören will. In der heutigen Mediengesellschaft werden Diskussion und Debatte jedoch häufig vermieden. Vielfach wird beklagt, dass Erklärungen nur mehr mediengerecht formalisiert aufgesagt werden. Ähnliche Worthülsen werden von Politikern gleicher Parteien durch die Gegend geschleudert. Das wird dann vielleicht noch „Message Control“ genannt.

„Fairer Streit um die Sache und das Ringen um vernünftige Kompromisse sind in der Demokratie aber unerlässlich“. Demokratie bedarf des Streits, der Streit braucht Streitkultur. Konflikte zwischen Einzelnen und Gruppen sind Normalität. Sie sind die natürliche, ja notwendige Folge eines lebendigen menschlichen Zusammenlebens. Das Problem ist weniger, ob es Konflikte gibt, sondern wie sie ausgetragen werden, d. h. wie die Konfliktpartner miteinander streiten: besonnen-kooperativ oder autoritär-gewalttätig. Es geht auch um das „Miteinander“ – Tweets-Absetzen ist keine Basis für einen konstruktiven Streit. Konstruktive Streitkultur heißt, einander offen und fair die Meinung sagen, ohne zu verletzen. Und auch das erscheint mir sehr wesentlich, der „Andere, das Gegenüber“ soll nicht verletzt werden. Ein guter Streit endet mit einer Einigung und nicht mit dem Sieg der einen Partei über die andere. Nach Beilegung des Streits soll die Beziehung zwischen den Konfliktpartnern nicht nachhaltig gestört bleiben. Wenn ich mir so überlege, dass Untersuchungskommissionssitzungen in Zukunft im Fernsehen übertragen werden, sehe ich die Zukunft einer Streitkultur dort düster.

In der griechischen Mythologie war Eris die Göttin der Zwietracht und des Streites. In der Philosophie der Antike verwendeten Platon und Aristoteles Eristik als Begriff für den wissenschaftlichen Meinungsstreit, insbesondere aber auch für das Streiten um des Rechthabens willen. Sie meinten damit die von den Sophisten entwickelte Dialogtechnik, mit der alles bewiesen oder auch alles widerlegt werden konnte. Schopenhauer hat sich dessen angenommen und 1864 folgendes publiziert: Eristische Dialektik. Die Arbeit mit dem Untertitel Die Kunst, Recht zu behalten enthält 38 rhetorische Strategeme. Das Werk will die nötigen Fähigkeiten vermitteln, um in einer Diskussion in jedem Fall als Sieger hervorzugehen, unabhängig von der Frage, ob die eigene Position der Wahrheit entspricht, und ohne Rücksicht auf Folgerichtigkeit oder Fairness dem Gegner gegenüber. Wahrheit wünsche ich mir in den heutigen Debatten und Diskussionen besonders dringend! Zu diesem Themenkreis gehört die Rabulistik, das heißt die (zweifelhafte) „Kunst“, wortwörtlich „recht zu haben“ bei einer Sache, die inhaltlich unehrlich ist und nicht vertreten werden kann. Erreicht wird dies durch Sophismen, verdeckte Fehlschlüsse und andere rhetorische Tricks wie das Einbringen diskussionsferner Aspekte, semantische Verschiebungen etc. Die Grenzen zur Täuschung, Irreführung und Lüge sind dabei fließend. Anderer abwertende Ausdrücke sind in diesem Zusammenhang: „Wortverdreherei“ und „Haarspalterei“.

Nur habe ich leider das Gefühl, dass es eine ganze Menge von Politikern gibt, die diese Künste recht gut beherrschen. Und damit – so meine ich – brauche ich mir die Debatten und Diskussionen eigentlich gar nicht anzusehen oder anzuhören, weil vieles, das dort gesagt wird, unredlich und unehrlich ist.

Traurig!

Können wir noch so richtig streiten?

Der 24. Juni – Schicksalstag für Österreich

Eine verlorene und eine gewonnene Schlacht

Wenn wir „Solferino“ hören, oder „Custozza“ – woran denken manche von uns? Beide Orte sind jeweils am 24. Juni – berühmt geworden.

Die Schlacht von Solferino war die Entscheidungsschlacht im Sardinischen Krieg zwischen dem Kaisertum Österreich und dem Königreich Sardinien mit dessen Verbündeten Frankreich unter Napoleon III. Durch die Niederlage der Österreicher bei Solferino am 24. Juni 1859 wurde der Krieg von Sardinien gewonnen und der Weg zur Einigung Italiens eröffnet. Die Anordnungen des jungen Kaisers Franz Joseph hatten erheblichen Anteil an der Niederlage.

Die Schlacht von Solferino galt als die blutigste militärische Auseinandersetzung seit der Schlacht von Waterloo. Im Verlauf der Schlacht waren bis zu 30.000 Soldaten getötet und verwundet worden. Mindestens 10.000 Soldaten galten als vermisst oder gefangen. Rund 40.000 weitere Soldaten erkrankten durch Nahrungsmangel, Überanstrengung und aufgrund der völlig unzureichenden sanitären Verhältnisse in den Tagen nach der Schlacht. Die meisten Soldaten starben nicht bei den Kampfhandlungen, sondern später an den Folgen ihrer Verwundungen. Es herrschte extremer Mangel an medizinischer Versorgung der Opfer durch notwendige militärische Sanitätsdienste, die auf beiden Seiten sowohl personell als auch bezüglich ihrer Ausstattung völlig überfordert waren. Verwundete wurden oft nach ihrer Bergung sich selbst überlassen oder gänzlich auf dem Schlachtfeld zurückgelassen. Nahrung und Wasser standen nur in unzureichenden Mengen zur Verfügung und waren darüber hinaus von hygienisch schlechter Qualität.

Österreich musste die Lombardei – mit Ausnahme der Festungen Mantua und Peschiera del Garda, die am Mincio lagen, dem Grenzfluss zu Venetien – an Napoleon III. abtreten, der die Lombardei dann weiter an Sardinien übergab.

Aber etwas Gutes hat diese Schlacht doch gebracht: Die Grausamkeit der Schlacht und die Hilflosigkeit der verwundeten Soldaten veranlassten Henry Dunant (1828–1910) zur Gründung des Roten Kreuzes und führten zur Vereinbarung der Genfer Konvention von 1863. Genfer Abkommen sind zwischenstaatliche Abkommen und eine essentielle Komponente des humanitären Völkerrechts. Sie enthalten für den Fall eines Krieges oder eines internationalen oder nicht internationalen bewaffneten Konflikts Regeln für den Schutz von Personen, die nicht oder nicht mehr an den Kampfhandlungen teilnehmen.

In der Schlacht bei Custozza scheitert im Dritten Italienischen Unabhängigkeitskrieg der Versuch, Venetien und das Trentino vom Kaisertum Österreich zu erobern. Im Dritten Italienischen Unabhängigkeitskrieg kam es am 24. Juni 1866 zur zweiten Schlacht bei Custozza zwischen Italien und dem Kaisertum Österreich. Den Österreichern gelang bei Custozza ein Sieg, da die Italiener zersplittert kämpften und nach diesem Misserfolg auf einen neuerlichen Gegenangriff verzichteten. Aus ganz ähnlichen Gründen verloren die Italiener auch die anschließende Seeschlacht von Lissa, ebenfalls 1866. Da aber das mit Italien verbündete Preußen Österreich kurz darauf in der Schlacht von Königgrätz besiegte, musste Österreich infolge eines Geheimabkommens Preußen/Italien die begehrte Provinz Venetien trotz seiner militärischen Erfolge an Italien abtreten.

Oft gehen wir gedankenlos daran vorbei: Im Jahr 1866 wurde das Erzherzog-Albrecht-Denkmal auf der Albrechtrampe in Wien zum Gedenken an den siegreichen Befehlshaber aufgestellt. Albrecht war der älteste Sohn von Erzherzog Karl von Österreich-Teschen (1771–1847), dem Sieger in der Schlacht bei Aspern, und Henriette von Nassau-Weilburg. Väterlicherseits war er damit ein Enkel von Kaiser Leopold II. Nicht zu vergessen: Im Zuge der Revolution hatte er am 13. März 1848 den Befehl zum Gebrauch der Feuerwaffe gegen das Volk gegeben. Auch als Diplomat war er nicht besonders erfolgreich:  Eine vertrauliche Mission an den Berliner Hof im Frühjahr 1859, um für den bevorstehenden italienischen Krieg Preußens Unterstützung oder doch bestimmte Zusagen auszuwirken, hatte keinen Erfolg, und eine ähnliche Mission im Frühjahr 1864 fiel nicht besser aus. Aber in seinem Palast zu Wien befindet sich die unter dem Namen Albertina bekannte ausgezeichnete Sammlung von Kupferstichen und Handzeichnungen berühmter Meister, die von Albert Kasimir von Sachsen-Teschen angelegt wurde.

Das Ossario di Custoza (Beinhaus) in Form eines 38 m hohen Turmes in der Nähe des Dorfes erinnert an die zahlreichen Toten der beiden Schlachten von 1848 und 1866, es wurde 1879 erbaut. Die Krypta des achteckigen Denkmales beherbergt die Überreste von 1894 Gefallenen der österreichischen und der italienischen Armee. Mit meinem Mann, der ein Faible für Schlachtfelder, Soldatenfriedhöfe und Beinhäuser hatte, besuchten wir selbstverständlich auch dieses.  

Österreichs Geschichte um diese Zeit war nicht besonders ruhmreich, der Verlust der Lombardei und Venetiens war hart. Heute sind wir – Österreich sowie Italien – Mitglieder der EU und Grenzen zwischen unseren Ländern spielen – außer vielleicht in Corona-Zeiten – keine große Rolle mehr.

Wir müssen sehr dankbar sein, dass es schon lange keine Eroberungskriege in Europa mehr gegeben hat.

Der 24. Juni – Schicksalstag für Österreich

G’schicht‘ln zu Kirschen

Ich mag Kirschen, schon allein deshalb, weil sie nicht das ganze Jahr verfügbar sind. Leider sind sie meist ziemlich teuer, wahrscheinlich weil sie mühsam (und teils gefährlich) zu pflücken sind. Anfangs kommen sie aus südeuropäischen Ländern, jetzt werden sie auch bei uns schon reif. Es gibt unterschiedliche Sorten, ich mag die großen – fast gelben – Herzkirschen am liebsten. Zuletzt kommen die sogenannten Schneeberger Kirschen, dunkelrot, sehr saftig und sehr süß. Nicht nur esse ich Kirschen gerne, mit gefällt auch die rosa blühenden Kirschbäume im Frühling sehr gut.  

Heute stehen zwei Schüsseln mit frisch gepflückten Herzkirschen bei mir in der Küche. Leider kann ich derzeit keine mehr davon essen – so viele habe ich schon schnabuliert. Eine Freundin hat sie heute früh in Dürnstein in ihrem Garten gepflückt und mir gebracht. Ich war und bin gerührt.

Zu Kirschen gibt es ein paar G’schicht’ln.

Zuallererst gab es da in meiner Kindheit ein Bilderbuch, aus dem mir immer wieder vorgelesen wurde. Es handelte ich um ein kleines Mädchen, das sehr gerne – und oft sehr hastig – Kirschen aß. Naja, Kinderbücher damals mussten halt immer „Lehren“ enthalten. Einmal verschluckte dieses Kind, in seiner Hast möglich viele Kirschen zu essen, einen Kirschenkern. Und oh Schreck – aus diesem Kern wuchs ein Baum hervor, der durch ihren Mund nach außen kam. Da aber alles gut ausgehen musste, stellte sich am Ende heraus, dass es sich nur um einen bösen Traum gehandelt hatte- und das Kind aß Kirschen fürderhin langsam und spuckte die Kerne sorgsam aus. Diese Geschichte hat mich schon einigermaßen beeindruckt.

Dann kam die Zeit im Gymnasium. Meine „beste Freundin“ war ein Mädchen, das im Krieg aus dem Sudetenland mitsamt seiner ganzen Familie vertrieben worden war. Aber eine Großmutter hatte immer schon in Wien gelebt. Die Familie selbst – vormalige Textilfabrikanten – wohnten in Wien im so genannten Textilviertel (am Franz-Josef-Kai und rund um den Rudolfsplatz kam es in der Gründerzeit zur Niederlassung von zahlreichen Verkaufsgeschäften und Niederlagen des Textilgewerbes, die sich bis heute hier konzentriert erhalten haben).  

Aber die Großmama wohnte in Döbling, in einer wunderschönen Villa in der Formanekgasse,  benannt (1891) nach dem Tischlermeister und Unterdöblinger Bürgermeister (1867-1885) Karl Formanek (1814-1886). Diese Villa klag in einem großen Garten, in diesem Garten stand ein großer Kirschbaum – mit Herzkirschen. Nach der Schule (Billrothstraße) begaben wir uns umgehend in diesen Garten.  Die große Leiter stand schon bereit und wir verbrachten den Nachmittag im Kirschbaum. Wir haben uns dort wirklich die Bäuche mit Kirschen vollgeschlagen.

Wir, mein Mann und ich, sowie unsere damals zwei noch kleinen Kinder hatten einen Ausflug auf den Anninger gemacht. Am Heimweg, wir waren alle schon ein wenig müde, kamen wir an einem Kirschenbaum vorbei, der in einem Garten stand. Ich konnte natürlich nicht widerstehen, und pflückte – auf der Straße stehend Kirschen für uns. Ob der Ast auf die Straße überhängend war, kann ich heute nicht mehr genau sagen. Jedenfalls drang Rufen aus dem Garten, uns war unser „Kirschenstehlen“ fürchterlich peinlich – und wir rannten davon! Aber die in der Villa Wohnende lief uns nach – und sie war schneller. Sie war eine Bekannte und wir waren sehr betreten, aber sie wollte uns eigentlich nur auffordern, doch so viele Kirschen als nur möglich mitzunehmen, da sie selbst nicht ausreichend Zeit hatten, um sie zu ernten. Jedenfalls lud sie uns dann umgehend auf eine Kaffeejause mit Kirschkuchen ein.

Auf der Bundesstraße 21 kurz nach der Abzweigung von der Autobahn gab es auf der Höhe der Ruine Starhemberg eine Kirschenalle:  Der Name Starhemberg wird vom ursprünglichen Namen ’starker Berg‘ oder ‚Starkenberg‘ abgeleitet. Mit dem oberösterreichischen Adelsgeschlecht Starhemberg gibt es keinen Zusammenhang. Als Erbauer gilt Markgraf Otakar III. von Steiermark, welcher zwischen 1140 und 1145 an dieser Stelle eine kleine Burg errichtete. Die Piesting war zu dieser Zeit die Grenze zwischen der Steiermark und der Ostmark. 1192 fiel die Steiermark und damit auch die Burg an die Babenberger. Der letzte Herzog der Babenberger, Friedrich der Streitbare, ließ die Burg ausbauen und neu befestigen. Im 13. Jahrhundert zählte Starhemberg zu den bedeutendsten Burgen in Niederösterreich.

In Kriegszeiten waren das Archiv und der Familienschatz hier geborgen und wurden vom Deutschen Ritterorden bewacht. Nach der Schlacht von Dürnkrut 1278 erhielten die Habsburger die Burg. 1482 wurde die Burg von Matthias Corvinus eingenommen. Bei der zweiten Wiener Türkenbelagerung von 1683 bot die Burg der umliegenden Bevölkerung Schutz vor den Truppen der Osmanischen Armee.

Um der neuen Dachsteuer zu entgehen, ließen die Grafen Heussenstein um 1800 Türen und Fensterstöcke herausbrechen und die Dächer abdecken. Damit begann der Verfall der Burg. Um 1870 stürzte ein Großteil des Palas ein. Bis in die Mitte des 20. Jh. wurde die Ruine von der Bevölkerung zur Gewinnung von Baumaterial verwendet.

Also auf diesem daran vorbeiführenden Straßenstück gab es früher eine Kirschenallee. (Seither wurde die Straße erweitert – und die Bäume sind der Erweiterung zum Opfer gefallen.) Meine kleine Tochter war inzwischen schon zum Teenager geworden, ihr Hobby damals waren das Reiten.  Pferde wurden zu diversen Turnieren befördert – zu Kirschenzeit hielt man das Fuhrwerk unter diesen Kirchenbäumen an, stieg aufs Dach und pflückte – Kirschen.

Und „gestohlene“ Kirschen sind allemal die allerbesten – oder?

G’schicht‘ln zu Kirschen

Lost in Europa

Die Flüchtlingssituation

Es wird derzeit früheren Generationen so einiges vorgeworfen: Vor allem derzeit Antisemitismus (z.B. Lueger etc.), den etwas später Geborenen, dass sie allesamt Nazis gewesen wären, der darauffolgenden Generation, dass sie sich vor der Aufarbeitung gedrückt hätte …

Naja, und indem das schon immer so war: was wird man der jetzigen Generation in Zukunft vorwerfen?  Ich könnte mir da schon einiges vorstellen, besonders im Zusammenhang mit Klimaveränderung, Artensterben, Verschmutzung der Meere, Plastikmüll, Ressourcenverschwendung (besonders Lebensmittel) etc.

Aber eine wahre Schande finde ich unser Verhalten Flüchtlingen gegenüber. Neulich habe ich gehört, dass man Schallgeräte einsetzt, um Flüchtlinge von den Außengrenzen Europas fernzuhalten. Ja, wir bauen unser Europa immer weiter zur Festung aus, die Belagerung durch Flüchtlinge wehren wir einfach ab, mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln. Viele ertrinken ohnedies unterwegs! Und sollten es einige der Flüchtlinge dennoch geschafft haben, EU-Boden zu betreten auf den griechischen Inseln, auf Malta, Lampedusa oder Ceuta, tun wir alles nur erdenklich Mögliche, sie umgehend zurückzuschicken oder dort unter wirklich grauenhaften Bedingungen möglichst lange festzuhalten. Ich denke an die Lager in Lesbos. Wir stehlen Menschen bewusst ihre Lebenszeit.  Jene Zeit, die sie in Europa verbringen wollten mit Arbeit, mit Aufbau einer Existenz, mit Beschaffung von Wohnraum für ihre Familien. Besonders den Kindern dort – ab sie nun alleinreisend oder mit ihren Eltern gekommen sind, verweigern wir Bildung. Das nachzuholen stelle ich mir schwer bis unmöglich vor. Die Menschen sind dort vollkommen perspektivenlos. 

Wir sehen es, wir hören es, und wir tun NICHTS dagegen.

Andere lassen wir an Grenzen einfach hängen, ohne irgendeine Versorgung.  Z.B. an der EU-Außengrenze zwischen Bosnien-Herzegowina und Kroatien sitzen derzeit Hunderte Flüchtlinge fest, die Polizei hindert sie daran, in die EU zu gelangen. In ganz Bosnien sind es momentan rund 8.000 Geflüchtete. 6.000 von ihnen leben in offiziellen, teilweise heillos überfüllten Camps, 2.000 haben sich auf eigene Faust ihren eigenen Schutzraum gesucht; verlassene Häuser, Bauruinen, aufgegebene Firmengebäude, abbruchreife Lagerhallen, aber auch Zelte im Wald sind ihr vorübergehendes Zuhause. Darunter befinden sich rund 500 unbegleitete minderjährige Geflüchtete, die am meisten gefährdet sind, Opfer von Gewalt zu werden. Die EU schließt ihre Außengrenzen, finanziert in der ganzen Region ein Netzwerk an Camps, in denen prekäre Bedingungen herrschen, und drängt die Balkanstaaten zum Ausbau ihrer Kapazitäten für Rückführungen aller Art. Damit verbunden ist die Militarisierung der Grenzen zwischen den einzelnen Ländern des Westbalkans: Es gibt immer mehr Stacheldrähte, Mauern und Wärmebildkameras. Illegale, sehr brutale Pushbacks sind in der Ägäis und entlang der gesamten Balkanroute zur Normalität geworden – in aller Öffentlichkeit und völlig ungestraft. Wichtiger Pfeiler dieser Sicherheitszusammenarbeit im Namen der Migrationsabwehr ist es, biometrische Daten zu sammeln und aufzubereiten. Die Ziele solcher Bemühungen sind kein Geheimnis und werden in einem Protokoll des EU-Rats vom Juni 2020 klar beschrieben: Erstens sollen alle Staaten im Westbalkan als sichere Drittstaaten gelten. Zweitens sollen Rückübernahme-Abkommen für Drittstaatsangehörige geschlossen werden, die in einem dieser Länder bereits vergeblich einen Asylantrag gestellt haben. Drittens soll die Kapazität für freiwillige und unfreiwillige Rückkehr in den Balkanländern gestärkt werden. Damit würde die EU den Dublin-Mechanismus weiter auslagern und die Balkanstaaten gleichermaßen zu einem Hotspot vor seinen Toren und zu einem Epizentrum für Abschiebungen machen.

Wer nicht in einem der offiziellen Camps lebt, bekommt Hilfe nur von privaten Hilfsorganisationen. Sie helfen, obwohl es ihnen dort offiziell verboten ist. Hygienische Standards gibt es in den Behausungen so gut wie keine, frisches Wasser ist Mangelware, die Flächen rund um die jeweiligen Gebäude gleichen vielfach Müllhalden. Menschen kommen und gehen, geduldet, aber nicht erwünscht. Viele der Geflüchteten sind krank, leiden an Krätze, Atemwegsinfektionen, Erkrankungen der Verdauungsorgane, von den psychischen Erkrankungen ganz zu schweigen. Corona ist so gut wie kein Thema, da nicht getestet wird und werden kann.

Und selbst wenn die Flüchtlinge endlich nach vielen Mühen in den Zielländern ankommen, beginnt ein sehr langer, sehr dorniger Weg mit vielen bürokratischen Hindernissen. Und dann kann es dazu kommen, dass gut integrierte Menschen nach langem Aufenthalt wieder von hier abgeschoben werden – und das möglicherweise in das „sichere“ Land Afghanistan.

Ich glaube, dass die zukünftigen Generationen viel Grund haben werden, um uns Vorwürfe zu machen – werden wir dann auch versuchen, uns herauszureden?  SCHANDE!

Lost in Europa

Menschen machen Pläne, Gott lacht.

So sprach ein unbekannter Aphoristiker. Wie oft haben wir hochfliegende Pläne – die sich letztendlich nicht verwirklichen lassen.

Doch unsere Zeit ruft nach „Planbarkeit“, wie oft habe ich den Ruf nach „Planbarkeit“ in der Pandemie-Zeit gehört. Trotz aller guten Vorsätze, wie oft haben die Planungen dann – aus den unterschiedlichsten Gründen – nicht funktioniert.

Unsere arbeitsteilige Gesellschaft kann ohne Planung – und damit zumindest zeitlicher Abstimmung -nicht klappen. Mir fallen dazu zu allererst die so genannten Lieferketten ein, wenn ein Glied dieser Kette „ausfällt“, bricht die gesamte Umwelt zusammen. Bewiesen wurde uns das recht nachdrücklich bei dem Unfall im Suezkanal oder bei dem Hackerangriff auf die größte Pipeline der USA. Aber um diese Probleme zu schaffen, hat ja schon die Pandemie mit den vielen Ausfällen an Personen genügt, warum müssen wir jetzt drei Monate auf Waschmaschinen, Fahrradersatzteile etc. warten, durch den Lockdown in z.B. asiatischen Ländern fehlen viele (Ersatz-)Teile. Dafür ist auch das Konzept des „Just-in-Time“ (bedarfssynchrone Produktion) verantwortlich, ein logistikorientiertes, dezentrales Organisations- und Steuerungskonzept, bei dem nur das Material in der Stückzahl und zu dem Zeitpunkt geliefert und produziert wird, wie es auch tatsächlich zur Erfüllung der Kundenaufträge benötigt wird. Das spart eine Menge Geld für die Lagerhaltung und vermindert Kapitalbindung.

Ich erinnere mich gut an den Medienrummel, als in der Sowjetunion die 5-Jahrespläne verkündet wurden.  Seit 1928 erarbeitete und überwachte Gosplan, das Komitee für die Wirtschaftsplanung der Sowjetunion, die Fünfjahrespläne, um im bisherigen Agrarstaat eine Rüstungsindustrie aufzubauen. 1956 wurde in der Sowjetunion gar ein Siebenjahrplan eingeführt, später kehrte man wieder zu den Fünfjahrplänen zurück. Der zwölfte und letzte Fünfjahrplan der Sowjetunion währte von 1985 bis 1990. Der nachfolgende 13. Fünfjahrplan wurde bereits 1991 wegen der Auflösung der Sowjetunion vorzeitig abgebrochen. Der Asteroid (2122) Pyatiletka wurde am 50. Jahrestag des ersten Fünfjahresplanes der Sowjetunion nach ebendiesem benannt.

Der 5-Jahresplan ist ein in Zentralverwaltungswirtschaften übliches Instrument der Planung volkswirtschaftlicher Aktivitäten. Diese Pläne enthalten in der Regel Zuweisungen von Fonds und Ressourcen sowie Vorgaben für zu erbringende Produktion und Dienstleistungen. Die Pläne legen viele ökonomische Variablen fest, unter anderem Investitionen, Preise und Löhne. Die Volksrepublik China, Indien, Vietnam und Nordkorea strukturieren heute noch ihre Wirtschaftsplanung in Fünfjahresplänen.

Als Argument für die Aufstellung von Plänen wurde unter anderem angeführt, dass Marktkräfte nicht für eine bedarfsgerechte Verteilung von Ressourcen unter der Bevölkerung sorgen. Wesentlicher Kritikpunkt an Plänen ist, dass sie durch die Unterbindung von Wettbewerb den Fortschritt hemmen, dass es grundsätzlich unmöglich ist, die Komplexität einer gesamten Volkswirtschaft zu erfassen und auf Jahre hinaus zu planen.

Aber ganz ohne Plan geht’s auch nicht – bei uns werden z.B. die politischen Vorhaben in Budgetpläne gegossen. Und jede Firma, jedes Projekt hat seinen Plan, und der Fortschritt wird daran gemessen. Damit kann ordentlich gewirtschaftet werden, es können aber auch Chancen verpasst werden, wenn man sich ganz stur an seine Pläne hält und aus bürokratischer Tradition nicht davon abweichen will, wenn es auch günstiger wäre das zu tun.

Um einen sinnvollen Plan zu entwickeln bedarf es auch der Abstimmung – also des Dialogs – wenn’s geht, aller Betroffener.  Das kann sehr mühsam sein, aber es lohnt, es zu Beginn einer Tätigkeit zu tun. Nicht abgestimmte Pläne werden nur unwillig und daher nicht optimal erfüllt.

Als ich meine Tätigkeit für die Bank einstellte, war ich schon sehr froh, diesem Planungszyklus zu entgehen, diesen tourlichen Berichten über den Stand der Dinge, von denen ich oft den Eindruck hatte, dass sie mich nur von der eigentlichen Arbeit aufgehalten haben.

Aber wie das so ist, auch in meiner Pension hatte und habe ich Pläne – die zu erfüllen waren, z.B. beim Schreiben meiner Bücher gab es immer Abstimmungen – mit dem Verlag, mit meiner sehr, sehr geschätzten Lektorin. Präsentationstermine mussten festgelegt werden, Einladungen versandt werden.

Und selbst jetzt, für den Blog muss ich meine Zeit einteilen, obwohl dabei sehr viel spontan geht.  Aber ich habe gelernt, dass jetzt persönliche Kontakte immer viel wichtiger sind, als eine Tätigkeit nach Plan auszuführen. Eine Gefahr droht dabei immer selbstverständlich: das Prokrastinieren (ein Verhalten, das dadurch gekennzeichnet ist, dass Aufgaben trotz vorhandener Gelegenheiten und Fähigkeiten entweder nicht oder erst nach sehr langer Zeit und dabei oft zu spät erledigt werden). Manchmal muss man schon streng mit sich selber sein.

Menschen machen Pläne, Gott lacht.

Gestatten Sie mir noch ein wenig Nostalgie

von der Grotta Azzura zum Sole

Gestern waren wir miteinander essen, eine Freundin und ich – das Lokal hatten wir ausgesucht, weil es ein Lieblingslokal meines Mannes gewesen ist.  Es handelt sich um das Restaurant Sole in der Annagasse. In allen möglichen Familien- und Freundeskombinationen waren wir schon hier gewesen, Familienfest hatten wir hier gefeiert. Die Annagasse hat für mich „Salon-Qualität“, kein Auto fährt hierdurch, hier kennt man einander, die Annagasse ist das Herz dieses innerstätischen Grätzls. Manchmal kommen die Patres der Annakirche vorbei. Und immer trafen und treffen wir hier Bekannte. Es ist einfach unmöglich, hier nicht irgendwelche Freunde und Bekannte zu treffen. Der Besitzer liebt seine Gäste und die Gäste lieben ihn. Und seine besonderen Gäste sind jene, die in der Oper, im Musikverein, im Konzerthaus tätig sind. 

Und wie denn anders, trafen wir auch gestern hier „alte Bekannte“. Und manche davon kannten wir schon aus den Zeiten der Grotta Azzurra – in der Babenbergerstraße. Diese Straße wurde 1863 nach dem ersten österreichischen Herrschergeschlecht der Babenberger benannt, die von 976 bis 1156 Markgrafen, von 1156 bis 1246 Herzöge von Österreich waren. Sie hatten ihre Residenz 1156 nach Wien verlegt. Seither ist Wien die Hauptstadt Österreichs.

Dieses Lokal besteht zwar noch immer, unter irgendeinem anderen Namen – es hat seit dem traurigen Schließen des liebevoll nur Grotta genannten Lokals mehrfach seine „Ethnie“ gewechselt.

In der Grotta Azzurra hatten wir Italien in Wien gefunden, damals war italienisches Essen noch nicht in unsere Küchen eingekehrt, sondern wir kannten es nur durch unsere Urlaube in Italien. Umsichtig geleitet wurde die Grotta von dem Commendatore, der alle seine Gäste namentlich kannte, genauso wie ihre Vorlieben was Essen und Wein anlangte.  Ausgesehen hat er für mich wie ein Tenor, der Verdi Arien singt. Als wir alle dort warten, da waren wir noch jung und das Leben lag noch vor uns, uns stand die Welt offen. Jetzt sind wir etwas abgeklärter, aber essen und trinken bzw. jetzt auch kochen noch allemal gerne – italienisch!

Aber auch im Sole kann man heutzutage köstlich italienisch speisen und trinken. Da wir alle gerne Weißwein trinken, war es dann immer ein Pinot Grigio, der uns angeboten wurde.  Mein Mann hat fast immer Schinken mit Krenn als Vorspeise gegessen, meine Kinder und ich, wir waren eher auf der Meeresfrüchte-Seite, besonders wenn sie mit Avocado zubereitet waren.  Heutzutage geht eine Kombination aus Vorspeise, Hauptspeise, Dessert einfach nicht mehr, ich bin schon nach einem Gang meist satt. Aber ich konnte es nicht lassen, auch gestern wieder gebackene Tintenfische mit Sauce Tartar zu essen. Meine Lieblingsvariante der Tintenfische, von meinen Kindern in deren Jugend Gummiringerln genannt. Wenn ich vernünftiger aufgelegt bin, esse ich den Tintenfisch gegrillt, mit Blattspinat.  Aber es ist auch schwer, die Pasta auszulassen, die es in jahreszeitlich unterschiedlichen köstlichen Varianten gibt. (Mir rinnt gleich wieder das Wasser im Mund zusammen.)

Ja, und da gibt es ein Dessert, das eigentlich immer ein „Muss“ war, das Zitronen- oder Mandarinen-Sorbet, in der jeweiligen Frucht serviert.  Natürlich gibt es vieles andere auch, aber dieses Sorbet – ist einfach unübertroffen. Na und ohne einen Caffè (ristretto) kann man selbstverständlich dieses Lokal nicht verlassen.  Und eigentlich gehört jetzt noch ein Digestiv dazu – mein Mann liebte den Grappa (den ich nicht ausstehen kann), für mich gab’s dann einen Limoncello (den ich auf der Insel Ischia kennen und lieben gelernt hatte) oder, was nach manchem üppigen Essen dringender notwendig war, ein Amaretto.

Da man nach so einem Essen kaum arbeiten kann, musste es gestern mittags leider wesentlich spartanischer ausfallen.  Aber es war ja hoffentlich nicht das letzte Mal, dass ich im Sole gespeist habe.  

Gestatten Sie mir noch ein wenig Nostalgie