Wiener Straßenreinigung – mit Wasser, woher?

Eine mühselige Suche!

Neulich, abends, als wir auf dem Balkon saßen, kam ein Spritzwagen vorbei. Mein Enkel kommentierte, dass Wien eine reiche Stadt sein müsste, um nächtens Spritzwagen durch die Stadt fahren zu lassen.

Nun haben sich die Fragen gestellt: woher kommt das Wasser für den Spritzwagen – ist es Hochquellenwasser oder Nutzwasser, vielleicht aus der Donau?  Nun wollen wir’s genau wissen.

Ich habe an das Wort Wasserer gedacht – (einer der Alt-Wiener Typen) als jemand, der Straßen mit Wasser reinigt – leider stellte sich heraus, ein „Wasserer“ war ein Pferdewagenwäscher, ein Knecht der Fiaker, der außerdem die Pferde mit Wasser zu versehen hatte. Aber es gibt noch eine andere Definition für diese Wasserer (auch Wassermänner und -frauen): sie verkauften Wasser auf der Straße, das sie in ihren von Pferden gezogenen Tankwagen (Bottichen) herbeischafften (bevor es die Wiener Wasserleitungen gab).

Gefunden habe ich z.B., dass sich im Rahmen der Städtischen Straßenreinigung Kehrmaschinen und Spritzwagen im Einsatz befinden. Die Fahrleistung der Spritzwagen beträgt etwa 2/3 der Fahrleistung der Kehrwagen. Aber leider nichts zum verwendeten Wasser!

Bis ins Mittelalter waren unbefestigte Straßen die Norm, die früheren römischen Militärstraßen waren verfallen. Völlig unbefestigte Straßen sind jedoch in Städten nicht zweckmäßig, nicht zuletzt, weil sie sie bei Trockenheit staubig und bei starkem Regen schlammig sind.

Schon lange ist die Straßenreinigung Wiens ein Anliegen der Stadt: Die Bevölkerung wurde beispielsweise 1644 zur regelmäßigen Reinigung der Rinnsale mittels frischen Wassers verpflichtet, ab 1724 wurde den Straßen in der Stadt eine Wölbung gegeben, damit das zur Reinigung verwendete Wasser abfließen konnte.

Eine sehr einfache Form der Straßenbefestigung bestand darin, sie mit Schotter zu belegen. Ein großer Nachteil war dabei, dass bei Trockenheit viel Staub aufgewirbelt wurde, der die Gesundheit der Bürger beeinträchtigte. Als Abhilfe wurden in Wien wichtige Straßen mit Wasser (wiederum: mit welchem?) besprüht. So wurden beispielsweise in Ober-St.-Veit im 13. Bezirk 1915 die Straßen zweimal täglich mittels Spritzwägen oder Schlauchkarren befeuchtet, die Hauptstraßen sogar dreimal.

Erst das Belegen einer Straße mit Steinen führt zu einer stabilen und staubfreien Oberfläche. Erste regelmäßige Straßenpflasterungen in Wien werden für das 17. Jahrhundert vermutet, Belege für befestigte Plätze gibt es ab 1725 und für befestigte Straßen ab 1765. Die Stadtpflasterung war auch eine wichtige Voraussetzung für die Verbesserung der Straßenreinigung, weil die Straßen mit Wasser besprengt und daher gründlich gesäubert werden konnten wiederum: mit welchem Wasser?  

In der Stadt Wien selbst wurde Wasser aus dem Donaukanal gepumpt, um es als Nutzwasser einzusetzen. In Matzendorf wurden vier Brunnen mit elektrisch betriebenen Pumpen errichtet, die am 3. November 1909 probeweise in Betrieb genommen wurden. Wofür wird dieses Nutzwasser verwendet?

Dann gibt’s da noch das Wientalwasserwerk in Purkersdorf, das zunächst ausschließlich Nutzwasser lieferte. Der dazugehörige See ist der Wienerwaldsee. Es gab einen Wasserlieferungsvertrag vom 8. Juli 1898, der sicherte die „Compagnie des Eaux de Vienne, Societé anonyme“ der Stadt Wien die Lieferung von maximal 25.000 Kubikmetern Nutzwasser täglich zu, wobei die Stadt im Jahresdurchschnitt 10.000 Kubikmeter täglich abzunehmen hatte. Die Gemeinde Wien verpflichtete sich dafür, an Private und für industrielle Zwecke – ausgenommen Lebensmittel- und Genussmittelfabriken – nur Nutzwasser aus der Wientalwasserleitung abzugeben. Nach der Übernahme durch die Wiener Wasserwerke wurde hier auch bis 2004 Trinkwasser für die Stadt Wien und die dazwischenliegenden Gemeinden gewonnen.

Dann wurde irgendwann motorisiert: gefunden habe ich einen Lastwagen, der einen Wasserkanister mitführte – und die Straßen spritzte aus 1952. Da fand sich dann der Jenbacher-Büffel-Dieselkarren, der nach allen Seiten Wasser spritzte – ich habe ihn selbst leider nie gesehen.

Es tut mir leid, Ihnen mitteilen zu müssen, dass ich Konkreteres, vor allem ob die Straßen mit Hochquellenwasser gereinigt werden oder das Wasser anderswo herkommt (wo?) im Internet nicht finden konnte. Da mir aber solche Fragen keine Ruhe lassen, werde ich versuche, es über andere Wege herauszufinden – und Sie dann informieren.

Wiener Straßenreinigung – mit Wasser, woher?

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