Die Rückkehr der Taliban und die Auswirkungen auf Frauen und Mädchen in Afghanistan

Gestern in der Zweiten Zeit-im-Bild wurde eine Karte gezeigt, die das Vorrücken der Taliban in Afghanistan dokumentiert. Ich war schockiert!  Der Vormarsch erfolgt sehr zügig, nachdem die USA- und Nato-Truppen das Land verlassen haben.

Und eines der Ziele der Allianz war de Vertreibung der Taliban gewesen – und jetzt? All diese Gefallenen – soll das jetzt alles umsonst gewesen sein?

Die USA hatten Al-Kaida-Chef bin Laden und sein Gefolge für die Anschläge vom 11.9.2001 verantwortlich gemacht. Die Allianz vertrieb die Taliban von der Regierungsmacht, weil sie ihnen als Helfer von Al-Kaida galten. Nach ihrem Sturz eroberten die Taliban große Teile ihres früheren Herrschaftsgebiets zurück. Wie es in Afghanistan weitergeht, ist ungewiss. Vor allem Frauen fühlen sich von den Taliban bedroht.

Die Taliban sind eine deobandisch-islamistische Terrorgruppe, die von September 1996 bis Oktober 2001 erstmals große Teile Afghanistans beherrschte. Der Name bedeutet Schüler, Suchender Diplomatisch wurde das Islamische Emirat Afghanistan der Taliban nur von Pakistan, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten anerkannt. Die Taliban-Bewegung hat ihre Ursprünge in religiösen Schulen für afghanische Flüchtlinge in Pakistan. Die Ideologie der Bewegung basiert auf einer extremen Form des Deobandismus und ist zudem stark vom paschtunischen Rechts- und Ehrenkodex, dem Paschtunwali, geprägt.

Seit 2003 führten die Taliban ausgehend von Pakistan eine terroristisch-militärische Kampagne gegen die demokratische Islamische Republik Afghanistan und die internationalen Truppen der ISAF in Afghanistan. Hierbei verübten die Taliban mehr als doppelt so häufig gezielte Anschläge gegen die afghanische Zivilbevölkerung wie gegen die afghanischen oder internationalen Truppen.

Während der Regierungszeit der Taliban im Islamischen Emirat Afghanistan von 1996 bis 2001 wurde das System der Taliban international besonders durch die Be- und Misshandlungen von Frauen bekannt. Das erklärte Ziel der Taliban war es, ein „sicheres Umfeld für die Frau zu schaffen, in der ihre Keuschheit und Würde wieder unantastbar ist“, was auf Glaubensvorstellungen basiert, danach soll eine Frau in Zurückgezogenheit („Parda“) leben!

Frauen wurden gezwungen, in der Öffentlichkeit die Burka zu tragen, weil, wie ein Sprecher der Taliban es ausdrückte, „das Gesicht der Frau eine Quelle der Korruption für die mit ihr nicht verwandten Männer ist“. Es wurde Frauen verboten, zu arbeiten und ab dem Alter von acht Jahren unterrichtet zu werden. Bis dato war der Unterricht auf die Lehren des Koran beschränkt. Frauen, die eine höhere schulische Ausbildung anstrebten, waren gezwungen, Schulen im Untergrund zu besuchen, wo sie und ihre Lehrer, falls entdeckt, die Todesstrafe riskierten. Frauen war es nicht gestattet, ohne einen männlichen Begleiter einen männlichen Arzt aufzusuchen, was dazu führte, dass viele Krankheiten unbehandelt blieben.

Denn:

  • Ab dem Alter von acht Jahren war es Frauen untersagt, mit Männern in direktem Kontakt zu stehen, die nicht mit ihnen blutsverwandt oder angeheiratet sind.
  • Frauen sollen nicht ohne einen männlichen Blutsverwandten und ohne Burka auf die Straße.
  • Frauen sollen keine Schuhe mit hohem Absatz tragen, damit kein Mann die Schritte einer Frau hören und dadurch erregt werden könne.
  • Frauen dürfen nicht laut in der Öffentlichkeit sprechen, da kein Fremder die Stimme einer Frau hören soll.
  • Alle Fenster im Erdgeschoss und im ersten Stock sollen zugemalt oder abgeschirmt werden, um zu vermeiden, dass Frauen in ihren Wohnungen von der Straße aus gesehen werden könnten.
  • Das Fotografieren oder Filmen von Frauen ist strengstens verboten, genau wie das zur Schau stellen von Bildern mit weiblichen Personen in Magazinen, Büchern, Zeitungen, Geschäften oder im eigenen Heim.
  • Ortsnamen, die das Wort „Frau“ beinhalten, müssen geändert werden. (Ein Beispiel: „Frauengarten“ wurde zu „Frühlingsgarten“ umbenannt).
  • Es ist Frauen nicht gestattet, sich auf der Terrasse oder dem Balkon ihrer Wohnung bzw. ihres Hauses aufzuhalten.
  • Verbannung der Frau von Radio, TV und öffentlichen Versammlungen jeglicher Art.

Farbenfrohe Kleidung wurde verbannt, da sie als sexuell attraktiv angesehen wurde. Ein Erlass der Taliban aus dem Jahre 1996 besagt: „Wenn sich Frauen mit modischer, geschmückter, enger und reizvoller Kleidung außer Haus zeigen, werden sie von der Islamischen Scharia verdammt, und kommen niemals in den Himmel.“ Auch das Auftragen von Nagellack wurde verboten.

Und bestraft wird: durch Schlagen!

Schwierig war es für diejenigen, die sich keine Burka leisten konnten oder keinen Mahram (männlicher Verwandte, der sie begleiten konnte) hatten. Diese Frauen standen daher regelrecht unter Hausarrest.

Verordnungen, welche die Mobilität der Frau betrafen, lauteten:

  • Verbot der Frau, ein Fahrrad oder Motorrad zu fahren, selbst mit ihrem Mahram
  • Verbot der Frau, ohne ihren Mahram ein Taxi zu nehmen
  • Einführung getrennter Busbetriebe, um das Reisen von Männern und Frauen in ein und demselben Bus zu verhindern

Witwen, die das Haus nicht verlassen dürfen, daher nicht arbeiten können, müssen ihre Kinder betteln schicken. Wenn sie keine Kinder haben (oder keine freundlichen hilfsbereiten Nachbarn) müssen sie einfach VERHUNGERN.

Und wir im „Westen“ schauen zu, (schieben Afghanen dorthin ab), und sind heilfroh, dass unsere „Boys“ aus dieser Hölle heil zurückgekommen sind. Aber wir sind dennoch betroffen: in Afghanistan führt der Vormarsch der Taliban zu einem deutlichen Anstieg der Opiumproduktion!

Werden die Taliban auf Afghanistan beschränkt bleiben?

Die Rückkehr der Taliban und die Auswirkungen auf Frauen und Mädchen in Afghanistan

4 Gedanken zu “Die Rückkehr der Taliban und die Auswirkungen auf Frauen und Mädchen in Afghanistan

  1. Ich hatte von Anfang meine Zweifel, dass es gelingen würde, Afghanistan zu stabilisieren und darüber auch mehrfach in meinem Blog geschrieben. Jetzt sind die „Helfer“ abgezogen und Afghanistan versinkt wieder im Chaos. Es wird vermutlich eine neue Flüchtlingswelle geben, wenn es überhaupt möglich ist, den Taliban zu entkommen.

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  2. Die Taliban leben offenbar — wie manch andere sehr religiöse oder sonstwie ideologisch fixierte Menschen — in einer in sich erstarrten Wahnwelt, in der für anderes als die eigene Weltanschauung kein Platz ist.

    Eckhardt Kiwitt, Freising

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