Alles, was Sie schon immer über die Geschichte Sardiniens wissen wollten

Oder nicht?

Wenn ich schon die Gelegenheit habe, eine Reise nach Sardinen zu erleben, dann kann ich doch nicht umhin mit der Geschichte dieses Landes auseinanderzusetzen.  Noch dazu, da sie auch mit den Habsburgern zu tun hat.

Aber bevor ich noch darauf zurückkomme, erscheint mir etwas besonders bemerkenswert: Im Gegensatz zu den anderen Europäern findet sich in der Volksgruppe der Sarden ein sehr hoher prozentualer Anteil an Menschen, die über 100 Jahre alt sind; man vermutet, das könnte aus spezifischen genetischen sowie sozialen Gründen der Fall sein. Also: ein Urlaub allein, wird allerdings keine lebensverlängernde Wirkung haben.  

Wer sind nun diese Sarden (sie wollen keineswegs Sardinier genannt werden)? Als Sarden bezeichnet man die einheimische Bevölkerung der Insel Sardinien im westlichen Mittelmeer, die politisch zu Italien gehört.

Die historische Flagge der Sarden ist die sogenannte Flagge der Vier Mauren. Die Flagge besteht aus dem Georgskreuz und vier enthaupteten Maurenköpfen, die in jedem Viertel ein weißes Kopftuch tragen. Seine Ursprünge sind im Wesentlichen rätselhaft, aber es wird vermutet, dass er seinen Ursprung in Aragon hat, um die Niederlage der sarazenischen Invasoren in der 1094 Schlacht von Alcoraz zu symbolisieren.

Nach Platon könnten die Sarden nach „Sardò“ benannt worden sein, einer legendären lydischen Frau aus Sardes in der Region Westanatolien. Nach anderen Autoren, wie Pausanias und Sallust, führten die Sarden ihre Abstammung zurück zum Sardus Pater Babai „Vater der Sarden“), einem mythischen Vorfahren und libyschen Sohn des Herkules oder Makeris, der entweder verwandt mit der Kabylischen Maqqur „Er ist der Größte“ oder verbunden mit der Figur vom Melqart ist.

Es wurde auch behauptet, dass die alten Nuraghen-Sarden das Seevolk von den Sherden gewesen sein könnten. Dieser Ausdruck wurde dann als sardus und sarda romanisiert.

Jetzt abgesehen von Legenden scheinen Daten darauf hinzudeuten, dass die heutige Bevölkerung Sardiniens zum großen Teil aus den steinzeitlichen Siedlern und dem Beitrag der historischen Kolonisatoren stammt. Letzteres ist jedoch nur in den Küstengebieten relevant, da die Einheimischen den fremden Mächten das malariaverseuchte (wenn auch strategisch wichtige) Tiefland überließen und in das rauere Landesinnere flüchteten, wo sich die meisten historischen Siedlungen Sardiniens konzentrierten. Die alten Sarden waren keine Italiker: einige Forscher behaupten, dass sie aus dem östlichen Mittelmeer kamen. Weitere Forschung deutet darauf hin, dass die Basken aus Spanien die genetisch am nächsten liegende Bevölkerung zu den ethnischen Sarden sein könnten und diese Ähnlichkeit nicht auf den Einfluss anderer Spanier während der Neuzeit zurückzuführen ist.

Nachweislich waren sie alle hier und haben ihre Spuren hinterlassen: Die Punier, die Phönikier, die Griechen und selbstverständlich auch die Römer.

Später hat dann der Staufer und König von Sizilien, Friedrich II. (1198–1250), 1239 seinen illegitimen Sohn Enzio zum König von Sardinien (1239–1249, † 1272) ernannt, woher der Status der Insel als Königreich herrührt, der bis zum Aufgehen im Königreich Italien 1861 erhalten blieb. Sardinien fiel später, ebenso wie Sizilien, zunächst dem Königreich von Aragon (1323–1409) zu, das den sardischen Reichsstatus erneuerte, und gehörte seit dem frühen 16. Jahrhundert in Personalunion zum Königreich Spanien.

Nach dem Aussterben der spanischen Habsburger fiel Sardinien nach dem Spanischen Erbfolgekrieg 1714 an die österreichische Linie des Hauses Habsburg, wurde jedoch schon 1720 von Österreich – im Tausch gegen Sizilien – an das Herrscherhaus von Savoyen abgetreten, das 1714 mit dem Besitz von Sizilien einen Königstitel erworben hatte und denselben nunmehr auf den Besitz Sardiniens gründete. Das neu entstandene Königreich Sardinien mit seiner Hauptstadt Turin und seinen Provinzen Savoyen und Piemont hatte seinen geographischen Schwerpunkt jedoch auf dem italienischen Festland. Lediglich während der französischen Okkupation des norditalienischen Reichsteils zwischen 1799/1800 und 1814 regierten die sardischen Könige Karl Emanuel IV. (1796–1802) und sein Bruder Viktor Emanuel I. (1802–1821) – ähnlich wie wenig später der aus Neapel vertriebene bourbonische König von Sizilien, Ferdinand IV. – unter dem Schutz der britischen Flotte direkt von ihrer Insel Sardinien aus, die sonst eher vernachlässigt wurde. Im Zuge der italienischen Einigung wurde der Herrscher Sardiniens Viktor Emanuel II. (1849–1878) im Jahre 1861 König von Italien.

1794, fünf Jahre nach der Französischen Revolution, gab es einen Aufstand der sardischen Oberschicht, der die Ausweisung piemontesischer Funktionäre aus Sardinien zur Folge hatte. Diesem folgte dann 1796 eine gescheiterte Revolte gegen die feudale sardische Oberschicht.

Im Zuge der italienischen Einigung 1860/61 und der erneuten Rückverlagerung des Schwerpunkts der Macht aus den Fürstentümern in Italien nach Turin, Florenz bzw. später Rom wurde Sardinien endgültig an den provinziellen Rand gedrängt. Erst 1946 erhielt die Insel Autonomie, doch bis 1982 gab es vereinzelte, z. T. bewaffnete Rebellionen zugunsten der vollständigen Unabhängigkeit Sardiniens, die häufig auch mit Entführungen verbunden waren.

Im sardischen Nationalismus sammeln sich Bewegungen, die eine konsequente Autonomie bzw. Unabhängigkeit von Italien anstreben.

Aber Sardinien ist, jetzt wie Italien, Frankreich und Österreich Teil der Europäischen Union, und wir können hierher kommen um Urlaub zu machen, ohne an Grenzen angehalten zu werden. Wir alle bezahlen in einer Währung, un d alle die Völker, die um Sardinien gekämpft haben, leben jetzt friedlich gemeinsam in der EU.

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