Was ist eigentlich eine Grenze

Was bedeutet sie – für wen?

Wenn man so auf Urlaub fährt, überquert man Grenzen; wenn man innerhalb der EU reist, sollten sie nicht einmal mehr auffallen – aber Corona hate neue Grenzen gezogen – so wie auch der Brexit. Denn Laut Artikel 22 des Schengener Grenzkodex ist das Überschreiten der Schengen-Binnengrenzen unabhängig von der Staatsangehörigkeit der betreffenden Person an jeder Stelle ohne Personenkontrolle zulässig. Und Grenzen empfindet man – zumindest beim Reisen, aber auch Transportieren und Handeln – als Hindernisse.

Aber was sind Grenzen eigentlich? Eine Grenze ist der Rand eines Raumes und damit ein Trennwert, eine Trennlinie oder eine Trennfläche. Grenzen können geographische Räume begrenzen. Dazu gehören politische oder administrative Grenzen, wirtschaftliche-, Zollgrenzen.

Woher kommt die „Grenze“ überhaupt: Das im 12./13. Jahrhundert aus dem Altpolnischen entlehnte graniza/grænizen/greniz hat sich von den ostdeutschen Kolonisationsgebieten aus allmählich über das deutsche Sprachgebiet ausgeweitet und das deutsche Wort „Mark“ für Grenze, Grenzgebiet verdrängt. Wir kennen die Mark aber z.B. noch aus dem Markstein. Nur zu Klarstellung: ostdeutsche Kolonisationsgebiete: darunter versteht man die Einwanderung überwiegend deutschsprachiger Siedler in die östlichen Randgebiete des Heiligen Römischen Reiches während des Hochmittelalters und die damit einhergehenden Veränderungen der Siedlungs- und Rechtsstrukturen in den Einwanderungsgebieten. Bei diesen handelt es sich um die seit etwa 1000 n. Chr. überwiegend slawisch und teilweise baltisch bewohnten Gebiete östlich von Saale und Elbe sowie in Niederösterreich, der Steiermark und in Kärnten bis hin ins Baltikum, nach Böhmen, Polen, Ungarn, Rumänien und Moldawien.

Wie entstehen nun Grenzen: Ältere politische Grenzen zwischen zwei Ländern fallen manchmal mit den natürlichen, teilweise nur schwer überwindbaren Hindernissen zusammen: ein Gebirge, ein Meer oder Meeresarm, eine Wüste, ein Urwald oder ein Bergland. Diese stellen im Regelfall auch die Sprach- und Kulturgrenzen dar. Flüsse hingegen bilden erst seit etwa 1800 Staatsgrenzen (neue Grenzziehungen infolge von Kriegen bzw. Friedensverträgen), da sie früher viel eher einende Handelswege als trennende Hindernisse darstellten. Viele spätere Grenzen, wie jene zwischen den Bundesstaaten der USA, wurden vertraglich auf bestimmte Längen- oder Breitengrade festgelegt. Diese geraden Grenzen, die sich auch in Afrika finden, werden Reißbrettgrenzen genannt. Sie entstanden nicht durch jahrhundertelange evolutionäre Prozesse, sondern sind auf Willensakte in der Regel fremder Herrscher zurückzuführen (Kolonialismus). Zwischen vielen Staaten bestehen noch heute Territorialstreitigkeiten durch gegensätzliche Gebietsansprüche. Solche Dispute haben in der Geschichte häufig zu Krisen und Kriegen geführt. Heute sehr aktuelle Beispiele hierfür sind die Grenzen im Nahen Osten – mit dem Lineal zwischen zwei Punkten gezogen.

(Ich selbst bin manchmal nicht ganz frei von dem Denken von Grenzverschiebungen – z.B. im Zusammenhang mit Südtirol oder vielleicht auch Friaul). Aber ich sollte das besser lassen, denn ich bin schließlich Europäerin.

Im Sprachgebrauch gibt es auch die so genannte „Grüne Grenze“, so wird der Verlauf international anerkannter Landgrenzen zwischen den zugelassenen Grenzübergangsstellen bezeichnet oder „blaue Grenzen: darunter versteht man den Verlauf einer politischen Grenze auf dem Wasser.

Für mich als Österreicherin, die schon lange lebt, ist die Demarkationslinie noch eine böse Erinnerung. Das war eine durch Vertrag zwischen Staaten oder Kriegsparteien festgelegte Grenzlinie, die keine völkerrechtliche Grenze ist, sondern die jeweiligen Hoheitsbefugnisse oder Einflusssphären voneinander trennt. Durch Demarkationslinien wurden 1945 die Zonen der 4 Besatzungsmächte in Österreich begrenzt. Von mir besonders gefürchtet: jene zwischen Russen – also Sowjetunion – und USA – an der Enns, zwischen Oberösterreich und Niederösterreich.

Es gibt Regionen, die möchten zwischen sich und dem Territorium, in dem sie bestehen, eine Grenze ziehen. So – leider kriegerisch – historisch gesehen erst kürzlich – geschehen: der Zerfall Jugoslawiens. Das wurden neue Grenzen gezogen – nach ethnischen Prinzipien. Ich finde es schade, wenn multiethnische Wirtschaftsräume zerbrechen, wie es auch nach dem Ersten Weltkrieg geschehen ist, als die Habsburger Monarchie in viele Staaten auseinandergebrochen ist (oder auseinandergebrochen wurde).

Jetzt kämpft Katalonien um seine Freiheit von Spanien, vielleicht später dann auch noch das Baskenland; ob Schottland auch einen „Austritt“ aus Großbritannien durchführen wird, oder auch nicht, ist bei weitem noch nicht klar, Ähnliches gilt auch für Nordirland.

Grenzen schließen ein – sie werden geschützt, um Eindringlinge abzuhalten, „Hereinzukommen“. Außengrenzen der EU werden in oft brutaler Form bewacht, um Flüchtlinge daran zu hindern die EU zu betreten. Dazu wurde auch die FRONTEX gegründet: Die Europäische Agentur für die Grenz- und Küstenwache, sie ist in Zusammenarbeit mit den EU-Mitgliedstaaten zuständig für die Kontrolle der Außengrenzen der Europäischen Union. Frontex ist im Mittelmeer in Verruf geraten. Und da die EU da nicht immer erfolgreich ist, kommt es zu den berühmten Flüchtlingsverteilungsproblemen.

Wenn Sie jetzt sicher über eine Grenze kommen wollen, dann bereiten Sie Ihren Pass vor, (derzeit auch die „Grüne Karte“, das Impfzeugnis), sollte an manchen Grenzen doch – hoffentlich wider Erwarten – Grenzkontrollen stattfinden, hoffentlich nicht mehr lange!

Was ist eigentlich eine Grenze

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