Eine Restaurantempfehlung: das d’Atri in der Schauflergasse

Jetzt ist eigentlich eine sehr gemütliche Zeit in Wien, viele Freunde sind auf Urlaub oder in der Sommerfrische, man kommt zurück, um nach dem rechten zu sehen, vielleicht auch um Freunde zu treffen, dann fährt man wieder ins Sommerdomizil. Es sind auch noch nicht so viele Fremde hier, dass die Stadt „überfüllt“ wäre, aber doch genug, um sie wahrzunehmen. Es fahren wieder die Touristenbusse – die hopp-on-hopp-off – Variante durch die Stadt, auch Fiaker sind wieder unterwegs und all die seltsamen Verkehrsmittel, die ansonsten Touristen transportieren.

Und die Freunde, die so zwischendurch nach Wien kommen, wollen selbstverständlich all ihre Bekannten sehen, die sich noch – oder schon wieder – hier befinden. Ja, und wo trifft man einander unter diesen Umständen, abends, beim Heurigen und zu Mittag in den Schanigärten der Stadt. Es gibt da so einige, die haben ihre Schanis in schattigen Höfen, andere auf der Straße, die mag ich weniger, denn die Vorbeigehenden schauen auf den Teller, von dem man gerade isst und der Verkehr dröhnt auch, wodurch ein vernünftiges Gespräch erschwert wird, besonders wenn man terrisch ist, so wie ich. Da zieht man dann doch die kühlen Innenräume vor.

So hat es mich heute in die Schauflergasse getrieben. Die Schauflergasse, in der Innenstadt befindlich, erstmals 1547 als Schaufelgasse bezeichnet, seit 1776 in der heutigen Schreibweise gebräuchlich. Die Schauflergasse verlief ursprünglich von der Mitte des Michaelerplatzes über den Ballhausplatz bis zur Löwelstraße. Bereits 1300 und 1310 ist urkundlich eine Schaufellucke („schuvellucke“) nachgewiesen, deren Name allerdings nicht geklärt ist; da man mit Lücke im Allgemeinen eine Vorstadtsiedlung bezeichnete, dürfte die Schauflergasse schon vor der Errichtung der Ringmauer bestanden haben. Die Parzellen Ballhausplatz 2 (später Staatskanzlei, heute Bundeskanzleramt) und 3 (später Teil des Kaiserspitals) waren im 14. Jahrhundert ins Minoritenkloster einbezogen worden. Die ungerade nummerierte Straßenseite fiel bereits 1458 an den Landesfürsten (Cillierhof; angrenzende Häuser gingen im 16./17. Jahrhundert im Reichskanzleitrakt beziehungsweise im 19. Jahrhundert im Michaelertrakt der Hofburg auf).

Wir trafen einander in der Osteria  d’Atri auf Nummer 4 in der Schauflergasse. Den Eingang könnte man fast übersehen, im Vergleich zu den angrenzenden Restaurants. Es gehört schon lange zu den Lieblingsrestaurants unserer Freunde, war aber für uns, als mein Mann noch lebte „tabu“, da sich nur ein Tisch ebenerdig befindet, und der eigentliche Speisesaal nur über einige Stufen zu erreichen ist. Dieser Saal, der Ausdruck ist schon fast übertrieben, denn der Raum ist nicht besonders groß, hat eine Tür in einen wunderschönen schattigen Hof, der aber leider nicht zu dem Restaurant gehört. Der dürfte zum Haus Herrengasse 5 gehören, dem Palais Brassican-Wilczek. Das Palais, eigentlich als Durchhaus konzipiert, wurde unter den Freiherren Brassican Anfang des 18. Jahrhundert erbaut. 1728 kam das Palais in den Besitz von Carl Ignaz Lempruch und wurde 1825 von den Wilczeks übernommen. Noch heute besitzt die Familie das Palais, derzeit Graf Johann Gregor Wilczek. Zwischen 1898 und 1899 wurde durch Humbert Walcher von Molthein ein Um- und Neubau vorgenommen. Das Palais Wilczek diente auch als Wohn- und Sterbehaus des Johann Nepomuk Graf Wilczek (Finanzier der Österreich-Ungarischen Nordpolexpedition von Julius Payer und Carl Weyprecht in den Jahren 1872 bis 1874, die mit der Admiral Tegetthoff das von ihnen benannte Kaiser-Franz-Joseph-Land erkundeten. Wilczek ließ die Burg Kreuzenstein errichten und erwarb das Schloss Moosham. Er gründete mit Theodor Billroth das Rudolfinerhaus, und die Wiener Freiwillige Rettungsgesellschaft), Wohn- und Sterbehaus Franz Högler (Bildhauer), Wohnhaus Franz Grillparzer und Joseph von Eichendorff, Geburtshaus von Graf Stephan Szechenyi (Staatsmann und Erneuerer Ungarns).

Aber jetzt nach all der Historie wollen Sie sicher wissen, wie man in der Osteria speist: typische Speisen der traditionsreichen Mittelmeer-Küche werden hier serviert. Ich hab’ ein Carpaccio aus roten Garnelen gegessen – einfach köstlich, hinterher Nudeln mit Meeresfrüchten, großartig und dann noch – Sie werden es nicht glauben ein Affogato (Espresso mit Vanilleeis).

Ich muss zugeben, der Mittagsschlaf hinterher war schon sehr notwendig.

Eine Restaurantempfehlung: das d’Atri in der Schauflergasse

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