Julikrise 1914 – Erstellung des Ultimatums an Serbien

Es sind gewisse Ereignisse, die an einem 23. Juli geschehen sind, die zu denken geben. Wer waren die involvierten Personen?

1914: Österreich-Ungarn stellt drei Wochen nach der Ermordung Erzherzog Franz Ferdinands ein Ultimatum von 48 Stunden an Serbien durch Außenminister Leopold Berchtold. Es enthält umfangreiche Forderungen an den Nachbarstaat. Ihre weitgehende, aber unvollständige Erfüllung löst nach Fristablauf die österreichische Kriegserklärung und in der Folge den Ersten Weltkrieg aus.

Erzherzog Franz Ferdinand Carl Ludwig Joseph Maria von Österreich-Este (* 18. Dezember 1863 in Graz; † 28. Juni 1914 in Sarajevo) entstammte dem Geschlecht der Habsburger und war seit 1896 Thronfolger von Österreich-Ungarn. Beim Attentat von Sarajevo starben er und seine Frau Herzogin Sophie von Hohenberg durch die Hand des bosnisch-serbischen Nationalisten Gavrilo Princip.

Franz Ferdinand wurde wie die meisten seiner Standesgenossen schon als Kind zur Jagd geschickt. Im Alter von neun Jahren erlegte er sein erstes Wild. Im erwachsenen Alter erwachte in ihm die Lust am Zielen und Töten nach Zahlen. Er unterhielt mehrere große Jagdreviere und erlegte im Lauf seines Lebens – laut erhaltener Schusslisten – 274.889 Stück Wild. Auf Großwildjagden, an denen er während seiner Weltreisen teilnahm, schoss er Tiger, Löwen und Elefanten. Trotz dieses Jagd-Fanatismus interessierte sich Franz Ferdinand schon damals für die Umwelt, förderte ökologische Projekte auf seinen Gütern, die er als Musterbetriebe führte und engagierte sich intensiv im Bereich des Denkmalschutzes und an der Erhaltung alter, wertvoller Gebäude.

Ab 1878 erhielt Franz Ferdinand eine militärische Ausbildung, die ihn durch die gesamte Monarchie führte. Während seiner Militärzeit erkrankte er mehrmals an Lungentuberkulose. 1892/1893 unternahm er auf ärztlichen Rat eine Weltreise. Die Reise führte ihn von Triest nach Indien, Indonesien, Australien, Japan, Kanada und Nordamerika. Mehrere Versuche, ihn standesgemäß zu verheiraten schlugen fehl. Am 1. Juli 1900 heiratete Erzherzog Franz Ferdinand gegen die Regeln des Habsburger Hausgesetzes Gräfin Sophie Chotek, eine ehemalige Hofdame Erzherzogin Isabellas. Dem Familiengesetz zufolge durfte ein Mitglied der Kaiserfamilie nur ein Mitglied einer regierenden oder einer ehemals regierenden Herrscherfamilie heiraten. Das Habsburger Hausgesetz machte dabei übrigens keinen Unterschied zwischen einer Gräfin, einer Baronin oder einer Bürgerlichen. Der oder die Zuheiratende durfte kein/e Untertan/Untertanin sein. Diese Regel galt allerdings nur für die österreichische Kaiserfamilie. Kaiser Franz Joseph erlaubte die Heirat schließlich unter der Bedingung, dass weder Sophie noch zukünftige, der Ehe entspringende Kinder die Herrschaft übernehmen dürften, 1909 wurde Sophie zur Herzogin von Hohenberg (Gertrude von Hohenberg war die Frau König Rudolfs I. am Anfang der Habsburgermonarchie[CC1] ).

Obwohl Kaiser Franz Joseph den Thronfolger bewusst von der Politik fernhielt, betätigte er sich unter dem Deckmantel des Militärs aktiv an der Politik. Er forcierte den militärischen Aufbau der Streitkräfte (gemeinsames Heer und Kriegsmarine) und plante die Stärkung der Zentralmacht und die Schwächung des Dualismus.

Im Rahmen von Manöverbesuchen hielten sich Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau im Juni 1914 in Bosnien-Herzegowina auf. Am 28. Juni 1914 statteten sie dessen Hauptstadt Sarajevo einen offiziellen Besuch ab. Die Untergrundorganisation „Mlada Bosna“ plante mit Hilfe von Mitgliedern der serbischen Geheimorganisation „Schwarze Hand“ zu diesem Anlass ein Attentat. Nach einem zunächst fehlschlagenden Attentat mit einer Handgranate gelang es dem 19-jährigen Schüler Gavrilo Princip bald danach den Thronfolger und seine Frau mit zwei Pistolenschüssen niederzustrecken.

Leopold Graf Berchtold (* 18. April 1863; † 21. November 1942) war Diplomat, von Dezember 1906 bis 1911 österreichischer Botschafter in Sankt Petersburg. 1912 wurde Berchtold vom Kaiser und König zum Minister des kaiserlichen und königlichen Hauses und des Äußeren ernannt. Er war Vertreter einer anti-serbischen Politik und initiierte deshalb, um Serbien vom Mittelmeer fernzuhalten, die Gründung von Albanien. Nach der Ermordung des österreichisch-ungarischen Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand am 28. Juni 1914 im Attentat von Sarajevo formulierte und vertrat er am 23. Juli 1914 das Ultimatum an Serbien, dessen Ablehnung letztlich den Ersten Weltkrieg einleitete. Schon am 7. Juli 1914 hatte Berchtold gefordert, „Serbien durch eine Kraftäußerung für immer unschädlich zu machen“. Anfang November 1918 begleitete er einen Transport von habsburgischen Juwelen aus der Schatzkammer in der Wiener Hofburg in die Schweiz, um ihre weitere Disposition durch Karl I. zu ermöglichen.

Gavrilo Princip (* 13. Juli jul. / 25. Juli 1894greg. in Obljaj, Vilâyet Bosnien; † 28. April 1918 in Theresienstadt) war ein bosnisch-serbischer nationalistischer Attentäter. Dadurch wurde die Julikrise ausgelöst, die zum Ersten Weltkrieg führte. Princip war Mitglied der Mlada Bosna (Junges Bosnien), eines revolutionären, nationalistischen Geheimbunds aus Schülern und Studenten, der im von Österreich-Ungarn 1908 annektierten Bosnien-Herzegowina aktiv war. Princip stammte aus einer Familie bosnischer Serben, die seit Generationen in der Bosanska Krajina siedelte, dem Grenzland zwischen Bosnien und Kroatien. Daher besaß er die 1910 eingeführte bosnisch-herzegowinische Landesangehörigkeit. Im Mai 1912 zog er nach Belgrad, um dort das Gymnasium zu besuchen und anschließend zu studieren. Die jungen Leute berauschten sich am Nationalmythos, wonach die Serben seit ihrer heroischen Niederlage auf dem Amselfeld 1389 stets das Opfer ausländischer Machenschaften gewesen seien. Dies übertrugen sie auf das Österreich der damaligen Gegenwart. Terroristische Anschläge auf hochgestellte Persönlichkeiten waren in dieser Epoche nicht selten. Princip verübte am 28. Juni 1914 in Sarajevo den Mordanschlag auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand und dessen Ehefrau Sophie.

In der Untersuchungshaft stellte sich Princip zunächst als Einzeltäter dar, musste aber einräumen, mit anderen gemeinsam das Attentat geplant zu haben. In Theresienstadt wurde Princip in Isolationshaft in einer sehr engen, feuchten, dunklen Zelle gehalten, war bis 1916 ständig angekettet und durfte nicht einmal Verwandte als Besucher empfangen. Schließlich starb er am 28. April 1918 im Gefängnislazarett an Tuberkulose.

Wenn man davon ausgeht, dass der Erste Weltkrieg – die Urkatastrophe des Zwanzigsten Jahrhunderts – nicht auf Absichten, sondern auf eine Verkettung unglücklicher Umstände zurückzuführen ist, haben diese drei hier angeführten Persönlichkeiten eine wesentliche Rolle bei dessen Beginn gespielt.


 [CC1]

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