Ich bin ein Kind der Stadt

Heute hätte es eigentlich an den Neusiedlersee gehen sollen. Aufgrund widriger Umstände ist der Plan – ins Wasser gefallen. (Verspätet hat er sich dann doch realisiert – ich bin ja flexibel). Und siehe da, ich war gar nicht so traurig. Oja, es tut mir leid, dass die ich die Menschen, mit denen es hätte stattfinden sollen, die ich sehr mag, nicht sehe, aber der See, die grünen – doch bunten Wiesen, die Wälder – erfreuen mich, aber sie gehen mir nicht besonders ab, eher schon die lichten Föhrenwälder von Pernitz. Natürlich gibt es auch für mich Sehnsuchtsorte, aber die liegen am Meer – z.B.in Abbazia (ich bitte um Entschuldigung: Opatje)

Denn – „ich bin ein Kind der Stadt“!   Dieser Text, dieses Gedicht ist mir eingefallen, das ich aus meinem Lesebuch der Schulzeit kenne. Ich habe den vollständigen Text gesucht, zum Glück nicht in unserer Bibliothek, denn da hätte ich es nicht gefunden. Denn irrtümlicherweise habe ich angenommen, dass der Autor Ferdinand von Saar wäre. So kann man sich täuschen. Unsereins hat heutzutage ja Google und da kann man mit „Textfetzen“ das ganze Gedicht, mitsamt dem Autor finden. „Ich bin ein Kinder Stadt“ wurde von Anton Wildgans geschrieben und hat mich als Halbwüchsige damals sehr beeindruckt.  Gefunden habe ich es interessanterweise unter „das rote Wien, dem Weblexikon der Wiener Sozialdemokratie.

„Ich bin ein Kind der Stadt. Die Leute meinen,

und spotten leichthin über unsereinen,

daß solch ein Stadtkind keine Heimat hat.“

Anton Wildgans (* 17. April 1881 in Wien; † 3. Mai 1932 in Mödling,) war ein österreichischer Lyriker und Dramatiker. Er war zweimal Direktor des Wiener Burgtheaters und für den Nobelpreis für Literatur nominiert. Seine künstlerische Entwicklung ging vom Naturalismus (beeinflusst von Gerhart Hauptmann) über den Symbolismus zum Expressionismus. Die von ihm geschaffene Lyrik stand anfangs unter dem Einfluss von Rilke und Hofmannsthal, erfuhr aber bald durch realistische Naturnähe, Anmut und Musikalität persönliche Prägung; eine tiefe Liebe zu aller Kreatur, aber auch Hingabe an den Zauber der Landschaft und Verbundenheit mit seiner Heimatstadt kommen in ihr zum Ausdruck. Er war vor allem für seine sozialkritischen Werke bekannt. Wildgans setzte sich sehr für die staatliche österreichische Eigenständigkeit ein, als nach dem Ersten Weltkrieg viele an der Lebensfähigkeit des nunmehrigen Kleinstaates zweifelten.

Ich mag meine Stadt, besonders im Sommer, und speziell heuer. Da ich mich meist zu Fuß bewege und mein „normales Einzugsgebiet“ auf so genannten Touristenmeilen liegt, freue ich mich zwar, dass heuer wieder Touristen kommen, aber doch nicht so viele, dass sie die Stadt überschwemmen (sorry, Tourismuswirtschaft).

Und da ist so ein Sonntagvormittag schon sehr gemächlich. Die Sonne lacht von einem strahlend blauen Himmel, es ist kaum Verkehr, es gibt noch jede Menge freie Parkplätze. Die Restaurants sperren gerade auf, die Schanis werden gekehrt, eventuell der Gehsteig abgespritzt, die Tische werden gedeckt. Aber die Ober von benachbarten Restaurants haben noch Zeit für ein kurzes Schwätzchen. Der ein oder andere holt sich seine Sonntagzeitung aus den umherhängen Säckchen, ob er Geld einwirft, mag ich in manchen Fällen bezweifeln.

Kirchenglocken beginnen zu läuten, um die Menschen daran zu erinnern, dass Sonntag ist, und man in die Kirche gehen sollte. Zuerst diese von einer Kirche und bald stimmen die Glocken mehrerer Kirchen ein. Ein schöner Klang! Menschen strömen nicht gerade in die Kirche, aber einige gehen doch hinein. Brav setzen sie sich vor dem Eintritt die Maske auf.

Etwas später sieht man schon die Touristen, eifrig aufs Handy schauend (wohl um den Weg zu finden), selten aufschauend, meist eigentlich nur um die zu photographieren. Manchmal bleiben sie auch nur stehen, um aus ihren Wasserflaschen zu trinken. Dabei gibt es so viele Konditoreien und Caféhäuser, in die man sich setzen könnten, um etwas zu trinken.  Wenigstens fahren am Sonntagmorgen keine Autos durch die Kärntnerstraße, die somit ganz den Fußgängern gehört – auch die Geschäfte sind geschlossen, wobei dann doch einiges der sonst herrschenden Hektik entfällt. Nur Blumen kann man kaufen oder sich daran erfreuen, wie ich es tue im Vorübergehen.

Und bin der flutend-namenlosen Menge,

die deine Straßen anfüllt mit Gedränge,

ein Pünktchen nur, um welches du nicht weißt;

und hab‘ in deinem heimatlichen Kreise,

gleich einem fremden Gaste auf der Reise,

kein Stückchen Erde, das mein Eigen heißt.

Ich finde es schön, dass man in der Schule ein Gedicht gelernt hat, einen Bezug dazu gefunden hat, an das man sich im hohen Alter noch erinnern kann.

Ich bin ein Kind der Stadt

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