Am Neuiedlersee

Es ist dann gestern doch noch ein Ausflug an den Neusiedlersee geworden. Ich war schon lange nicht mehr im Burgenland gewesen. Der Anlass: einer meiner Enkel, der für den Triathlon trainiert „musste“ schwimmen, Rad fahren und laufen – unter „Echtbedingungen.  Seine liebe Frau begleitete ihn im Elektroboot, in dem auch der Hund mitfuhr, und seine liebe Mutter begleitete ihn bei 50 km Radfahren. Für’s Laufen war’s dann schon zu spät, und außerdem dräuten Gewitterwolken. Meine Rolle: keine!

Ich genieße daher auch die Fahrt – diesmal nach Podersdorf. Über die Autobahn geht’s doch am schnellsten. Und die Ostautobahn weist zum Glück nicht so viele von den hässlichen Schallschutzwänden auf, dass man doch auch die Landschaft sehen kann. Es ist schön, wieder einmal nach „Pannonien“ zu kommen, die Weite genießen, keinen Horizont mehr wahrzunehmen (vielleicht weil es doch diesig ist?). Es ist Teil der alten „Awarenmark“, die Karl der Große zur Bekämpfung der Awaren eingerichtet hat.  In den Feldzügen zwischen 791 und 803 schlug Karl der Große, verbündet mit dem bulgarischen Khan Krum, die Awaren vernichtend.

Das gesamte Burgenland gehörte bis 1920/1921 zu Deutsch-Westungarn. Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Name Fertő-tó verwendet werden. Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn 1919 in den Verträgen von Saint-Germain und Trianon Österreich zugesprochen. Der See gehört seit 1921 überwiegend zum neu gegründeten Bundesland Burgenland. Danach kamen die ersten Touristen an den See; die Weltwirtschaftskrise zwang jedoch viele Burgenländer in die Emigration.

Es ist teilweise schon abgeerntet, die großen Ballen liegen auf den gelben Feldern. Aber der Mais wächst noch und ebenso grüßen die Sonnenblumen. Der Wein wächst hier „in Streifen“ – dazwischen jeweils ein oder zwei Äcker, was wohl der Grund hierfür ist? Und welcher Wein ist das wohl? Jener, den man im Supermarkt unter „Flat Lake“ erstehen kann?

Wir fuhren auch bei Parndorf, diesem riesigen Shopping-Center vorüber, von weitem sieht man schon den Hotelturm und entlang der Autobahn „hübschen Häuser“ die eigentlich Geschäfte sind. Aber selbstverständlich fällt uns auch das große Unglück von Parndorf ein, als neben diesem fröhlichen Outlet 71 Menschen aus dem Irak, aus Afghanistan, Syrien und dem Iran ums Leben kamen, die in einem Kühllastwagen von Ungarn aus nach Österreich einreisen wollten.

Entlang der Straße werden in Dörfern die reifen Marillen angeboten. Wir kommen zum See, wir wurden gewarnt, dass es schlecht mit den Parkplätzen aussähe. Aber so schlimm war das auch wieder nicht. Treffpunkt war: Beim Steg mit dem kleinen Leuchtturm.

Der Neusiedler See ist einer der wenigen Steppenseen in Europa und der größte abflusslose See in Mitteleuropa. Sein österreichischer Anteil macht ihn zum flächenmäßig größten österreichischen See. Der See zeichnet sich durch seinen Schilfgürtel, seine geringe Tiefe und sein mildes, aber windiges Klima aus. Dieser Schilfgürtel ist nach dem Donaudelta das größte zusammenhängende Schilfgebiet in Europa. Der seichte See wird überwiegend durch Niederschläge gespeist und durch Verdunstung entwässert. Dadurch ist der Wasserstand den Wetterbedingungen unterworfen und schwankt naturgemäß stark. Im Laufe der Jahrhunderte stieg und fiel der Seespiegel ständig, was auch das Leben rund um den See beeinflusste. Anfang des 17. Jahrhunderts trocknete der See über mehrere Jahrzehnte langsam aus, sodass sogar schon eine Rekultivierung des Seebodens erwogen wurde. Doch nach einigen Jahren war der See wieder voll.

Im Jahr 2003 sank der Wasserstand des Neusiedler Sees wieder stark ab. Vorhergesagt wird eine weitestgehende Austrocknung des Neusiedler Sees ab 2010 bis 2050. Die globale Erwärmung und immer geringere Niederschlagsmengen sollen zu einer sukzessiven Austrocknung des Sees in den kommenden Jahrzehnten führen. Es wurde untersucht, ob eine Zuleitung von Donaubegleitwasser (Grundwasser) in den Norden des Neusiedler Sees möglich sei. Als problematisch wurde dabei, neben den bautechnischen Erfordernissen, vor allem der Unterschied in der Zusammensetzung der beiden Binnengewässer gesehen. So könnten der zusätzliche Nährstoffgehalt und der geringere Salzgehalt des Donauwassers das Wachstum des Schilfgürtels wieder beschleunigen.

Durch seine ehemalige Trennung durch den Eisernen Vorhang wurde der See in Österreich aus der geographischen Nähe zum Ballungsraum Wien hauptsächlich von Wienern besucht und darum auch als Meer der Wiener bezeichnet.

Die Strandbäder am See wurden, zum Teil mit Ziel-1-Geldern der Europäischen Union, ausgebaut. Podersdorf am See hat sich als Zentrum des Tourismus am Neusiedler See etabliert. Die Gemeinde hat die höchsten Nächtigungszahlen, das breiteste Angebot und liegt am einzigen schilffreien Strandabschnitt des Sees.

Ich konnte, durch keinerlei Aktivitäten behindert, ungestört die Menschen beobachten, die sicherlich nicht nur aus Wien kamen. Es war eines Großteiles fröhliche Gesellschaft, mit vielen Kindern, die sich dann an den Stränden gut verteilten und dort die zahlreichen Freizeitangebote nutzten: ein Badebetrieb fast wie an der Oberen Adria!

Am Neuiedlersee

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