Die Andrea Doria sank an einem 26. Juli

(Wiederveröffentlichung)

Die Andrea Doria lief am 16. Juni 1951 vom Stapel und unternahm ihre Jungfernfahrt am 14. Jänner 1953. Warum mir das bemerkenswert erscheint: weil ich im September 1953 mit diesem Schiff den Atlantik überquert hatte. Und wahrscheinlich auch, weil der Luxusliner auf seiner 51. Fahrt am 25. Juli 1956 auf dem Weg nach New York vor der Küste von Nantucket mit dem ostwärts fahrenden Passagierschiff Stockholm kollidierte.

Nur kurz zum Background: Andrea Doria (* 30. November 1466; † 25. November 1560), war ein genuesischer Admiral und Fürst von Melfi. Obwohl er nicht das Amt des Dogen ausübte, wurde er zum eigentlichen Machthaber der Republik Genua. Er wuchs vaterlos auf und diente als Condottiere (Söldnerführer) zunächst Papst Innozenz VIII., dann auch anderen italienischen Fürsten. 1503 kämpfte er für seine Heimatstadt auf Korsika gegen die Franzosen, die er auch zum Rückzug aus Ligurien zwang. Danach wurde er Admiral und kämpfte an der Spitze der genuesischen Flotte gegen Osmanen und nordafrikanische Piraten.

Genua wurde sowohl von Frankreich als auch vom Heiligen Römischen Reich beansprucht und wiederholt besetzt. Als Kaiser Karl V. die Stadt 1522 eroberte, verbündete sich Doria mit den Franzosen und trat in die Dienste König Franz I. Andrea Doria wechselte er 1528 auf die Seite des Kaisers. Er reformierte die Verfassung des Stadtstaats Genua, überwand die Spannungen zwischen Ghibellinen und Guelfen und schuf die Grundlagen für eine aristokratische Regierungsform. Er hatte bis zu seinem Tod erheblichen Einfluss auf das „Parlament“ Genuas. Andrea Doria befehligte als kaiserlicher Admiral mehrere Einsätze gegen die Osmanen (unter Sultan Süleyman I). Sein persönlicher Reichtum und Einfluss brachten ihm Neid, Missgunst und auch offene Feindschaft ein. Diese Zeit beleuchtet Friedrich Schiller in seinem Trauerspiel „Die Verschwörung des Fiesco zu Genua“. 1555 kehrte er fast 90-jährig als alter und gebrechlicher Mann nach Genua zurück und legte alle öffentlichen Ämter nieder. Er starb dort 1560, wenige Tage vor seinem 94. Geburtstag.

Die Andrea Doria war das schnellste Schiff der italienischen Flotte. Nur außerhalb der italienischen Flotte existierten größere und schnellere Schiffe, z. B. die Queen Elizabeth und die United States. Als erstes die südliche Nordatlantikroute befahrendes Schiff war die Andrea Doria mit drei auf Deck liegenden Schwimmbecken ausgestattet – einem für jede Klasse: Erste, Kabinen- und Touristenklasse. Das Schiff konnte 218 Passagiere der ersten Klasse, 320 der Kabinenklasse und 703 Passagiere der Touristenklasse befördern. Das Schiff wurde vielfach als eines der schönsten Passagierschiffe bezeichnet, die je gebaut wurden.

Vielleicht können Sie es nachvollziehen, wie wir europäische Studenten, die wir auf dem Weg in die USA waren, uns fühlten, als wir mit diesem prächtigen Schiff Reise antraten. Ich war damals 18 Jahre alt und freute mich unbändig auf meine Studienzeit. Der Luxus des Schiffes überwältigte uns. Ja sicher, wir waren in der Touristenklasse untergebracht, zu viert in einer Kabine mit zwei Stockbetten, aber wir hatten uns schnell angefreundet und waren neugierig, der anderen Studenten kennen zu lernen.  Schwierig war’s nicht, da es viel mehr männliche als weibliche Studenten gab. Wir genossen das köstliche (italienische) Essen, wir erkundeten das Schiff, wir benutzen ausgiebig den Swimmingpool bei herrlichem Wetter. Wir genossen die Ausflüge nach Neapel, die Fahrt entlang der französischen Riviera, wir erkundeten Barcelona, und waren überwältigt von Gibraltar. Nur so rund um die Azoren war das Wetter etwas schlechter, es war etwas stürmisch und die Wogen gingen hoch. Das war mr dann doch nicht so ganz geheuer aber richtig seekrank bin ich dann doch nicht geworden. Die Einfahrt in den Hafen von New York am frühen Morgen, vorbei an der Freiheitsstatue war einfach überwältigend.

Und weil die Erste Klasse nicht ganz so ausgebucht war, und den Menschen dort abends nach dem Nachtmahl etwas fad zu sein schien, wurden wir Studenten eingeladen, in der Bar der Ersten Klasse zu tanzen.  Na, wir ließen uns das nicht zwei Mal sagen.

Dass ich dort meine „shipboard-romance“ getroffen habe, gehört wohl zum Zauber dieser Überfuhr. Er war groß, blond, blauäugig hieß Hans Joachim und studierte in Rechtswissenschaften Heidelberg. Er fuhr von New York, wo wir angekommen waren, in Ann Arbor Michigan und ich nach Fresno, Kalifornien.  Wir trafen einander dann in Kalifornien in den Semesterferien, aber Fernbeziehungen damals – brieflich – funktionierten nicht so gut wir heute mit WhatsApp und Skype. 

Mit ihrem doppelwandigen und mit wasserdichten Schotten in elf Abteilungen unterteilten Rumpf galt die Andrea Doria als eines der sichersten Schiffe. Es gab genügend Rettungsboote, um alle auf dem Schiff befindlichen Menschen unterbringen zu können. Außerdem war die Andrea Doria mit dem damals modernsten Radarsystem ausgestattet.

Am Abend des 25. Juli 1956 befand sich die Andrea Doria mit 1134 Passagieren und 572 Besatzungsmitgliedern auf Westkurs in Richtung New York, dem Ziel der am 17. Juli in Genua begonnenen Überfahrt. Der Zeitplan sah ein Einlaufen in den New Yorker Hafen für den nächsten Morgen vor. Zur gleichen Zeit befand sich die Stockholm, ein kleineres Passagierschiff, das am Mittag in New York abgelegt hatte, auf Ostkurs in Richtung des schwedischen Göteborg. Die Gewässer des Nordatlantiks südlich von Nantucket sind häufig von Nebelbänken betroffen, da an dieser Stelle der kalte Labrador-Strom auf den wärmeren Golfstrom trifft. Um etwa 23:10 Uhr kollidierten die Schiffe. Ein Großteil der Opfer starb auf den unteren Decks der Kollisionszone, die von Meerwasser geflutet wurden. Insgesamt starben 51 Personen. In den ersten Stunden wurden viele der Überlebenden mit Rettungsbooten zur Stockholm transportiert. Die Île de France rettete einen Großteil der verbliebenen Passagiere, indem ihre Rettungsboote zur Andrea Doria und zurück pendelten. Offiziell sank die Andrea Doria elf Stunden nach der Kollision, um 10:09 Uhr am 26. Juli.

Die Andrea Doria sank an einem 26. Juli

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