Namenstage: Thomas

Bei uns in der Familie werden Namenstage noch gefeiert, vielleicht nicht ganz so „groß“, wie Geburtstage, aber es wird gratuliert, bei Kindern gibt es kleine Geschenke, bei Erwachsenen wird meist angestoßen. Kürzlich haben einer meiner Enkel, mein Sohn und ich Namenstag gehabt.

Aber mein leider verstorbener Mann hat immer sehr großen Wert daraufgelegt, dass seines Namenstages gedacht wird. Mein Mann hieß Thomas, und war nach dem Apostel Thomas benannt. Früher durfte man nicht „nachtaufen“, also der Namenstag musste im Jahreskreis später als der Geburtstag liegen, und da mein Mann nach seinem Großvater Thomas benannt wurde, kam im Jahreskreis (Geburtstag Ende November) nur der Apostel Thomas in Frage.

Nun kam es zu einem Problem, denn im Rahmen des Vatikanischen Konzils wurden auch Änderungen der Feiertage von Heiligen vorgenommen. Und ausgerechnet der Heilige Thomas wurde vom 21. Dezember auf den 3. Juli verschoben. Das passte meinem Mann schon gar nicht und ein besonders netter älterer Geistlicher hatte ihm geraten, seinen Namenstag dennoch weiterhin am 21. Dezember zu feiern, was dann auch jährlich geschah. Denn mein Mann – Journalist – hatte den Heiligen Thomas zu seinem und aller Journalisten Patron erklärt, da Thomas ja nicht glaubte, sondern alles hinterfragte, was nach Meinung meines Mannes gute Journalisten tun sollten.

Der Name Thomas hat seinen Ursprung im aramäischen Wort „teoma“, was „der Zwilling“ bedeutet. Er erfuhr erstmals im Mittelalter eine weite Verbreitung. Dies war zum einen dem neuen Testament zuzuschreiben. In diesem spielt der Apostel Thomas eine wichtige Rolle – als einem der Jünger Jesu, der ihn drei Jahre lang als Freund begleitete. Er ging als „Der ungläubige Thomas“ in die Bibelgeschichte ein, da er zunächst an der Wiederauferstehung Jesu, aber auch Mariens Aufnahme in den Himmel bezweifelte. In England erlangte der Vorname vor allem durch den Heiligen Thomas Becket Popularität, der im 12. Jahrhundert Erzbischof von Canterbury war. Hierzulande hatte Thomas in den 1950er und 1960er Jahren als meist vergebener Jungenname seine Blütezeit. Danach ebbte seine Beliebtheit zunehmend ab. Heute findet sich der Name aber zumindest noch in den Top 100. Es gab auch weitere Große in der Geschichte, die den Namen Thomas trugen: Thomas Jefferson, der 3. US-Präsident, der Theologe Thomas Müntzer, der Schriftsteller Thomas Mann, der Erfinder Thomas Alva Edison.

Und jetzt lese ich, dass in Indien am 3. Juli erstmals landesweit ein „Tag des christlichen Indien“ begangen wurde. An diesem Tag feiern viele Christen das Fest des Heiligen Thomas. Der Apostel Thomas verließ nach lokaler Thomas-Hagiographie Jerusalem etwa im Jahr 40 n. Chr. und kam – nachdem er eine Zeit lang im Mittleren Osten (heute Iran, Irak, Afghanistan und Belutschistan) evangelisiert hatte – um das Jahr 52 nach Nordindien. Dort reiste Thomas einer späteren Legende zufolge entlang der südwestlichen Küste Indiens (damals Malabar, heute der Bundesstaat Kerala) und gelangte schließlich nach Madras (heute: Chennai im Bundesstaat Tamil Nadu) an der Koromandelküste, wo ihn ein Speer tödlich getroffen habe. Über seinem vermeintlichen Grab wurde dort (heute St. Thomas Mount) 1547 eine Kirche errichtet, in der sich ein Kreuz mit einer mittelpersischen Inschrift aus dem 8./9. Jahrhundert befindet. Die bekanntere Verehrung von Thomas-Reliquien in Edessa wird mit der Überführung eines Großteils seiner Gebeine dorthin im 3. Jahrhundert erklärt. Die alten christlichen Kirchen Indiens betrachten Thomas bis heute als ihren Gründer und spirituellen Vater und bezeichnen sich als „Töchter des hl. Thomas“. Überliefert ist nicht nur, dass der Apostel Thomas in Indien wirkte und starb, sondern auch dass er lange Zeit dort begraben war, seine Reliquien nach Edessa überführt wurden, aber seine ursprüngliche Grabstätte weiter in Indien verehrt werde. Unabhängig davon besteht in Südindien die beständige, aus apostolischer Zeit herrührende Tradition von der dortigen Missionstätigkeit des Apostels, der Gründung der ersten sieben Gemeinden an der Malabarküste und von seinem Märtyrertod in Mailapur an der gegenüberliegenden Koromandelküste. Auch bestätigt die lokale Überlieferung der Thomaschristen Indiens eine Überführung des größten Teils der Reliquien nach Edessa, wobei einige wenige Überreste im dortigen Grab verblieben seien, die man tatsächlich bei späteren Ausgrabungen auffand. In einigen Traditionslinien, die vor allem in der Gnosis und im Manichäismus zum Ausdruck kommen, gilt Thomas als Zwillingsbruder Jesu. Das Thomasevangelium und die Thomasakten sind jedoch pseudepigraphische Schriften.

Das jetzige Gedenken an Thomas in Indien geht auf eine ökumenische Initiative zurück, mit dem Ziel, die Hindumehrheit im Land darauf aufmerksam zu machen, dass das Christentum keine ausländische Religion ist. Der Gedenktag soll künftig jährlich begangen werden. Einige rechts-nationalistische Bewegungen in Indien erwecken manchmal den Eindruck, dass das Christentum nicht zu Indien gehört. Es ist daher wichtig, daran zu erinnern, wie alt die Wurzeln des Christentums im Lande sind.

Ich selbst habe Thomas-christliche Priester im Vatikan erlebt, als sie an einer Messe teilnahmen, in der fast alle Priester grüne Messgewänder trugen, nur einige von ihnen waren in Rosa gekleidet. Auf meine Frage nach dem Grund für diese Abweichung, wurde mir erklärt, sie wären Thomaschristen und ihre Liturgie würde sich von der römisch-katholischen etwas unterscheiden.

So viel ist mir zum Namenstag vom Heiligen Thomas – dem Zwilling auf- und eingefallen.

Namenstage: Thomas

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