Wo ist Ihr Lieblings-Eissalon?

Gehen Sie auch gerne zuweilen in einen Eissalon – nicht nur um sich schnell ein Schleck-Eis zu holen, sondern sich dort niederzulassen, an einem der Marmortischchen, die Eiskarte studieren, und irgendeine Kombination aus verschiedenen Eissorten, Früchten, Schlagobers (viel) und eventuell Schokoladesauce mit einem Schirmchen obendrauf mit einem exotischen Namen bestellen? Haben Sie auch einen Lieblingseissalon, besser gesagt einen Lieblingsitaliener? Manches kann man nur in bestimmten Eisgeschäften „erobern“, da muss man dann aber auch hinfahren, z.B.um die Eismarillenknödel vom Tichy zu holen.

Angeblich erzeugte der Sizilianer Francesco Procopio, ein ehemaliger Koch des Sonnenkönigs Ludwig XIV., 1675 in Paris erstmalig „Gefrorenes“ in seiner heutigen, festen Form. In Wien wurde es erst nach der Zweiten Türkenbelagerung bekannt (Ende 17. Jahrhundert), blieb aber anfangs als Spezialität dem Adel vorbehalten. Mitte des 18. Jahrhunderts konnte man Frucht- und Schokoladeeis auch bereits in den Limonadehütten der Innenstadt konsumieren, doch behinderte der hohe Preis (12-30 Kreuzer pro Becher) eine weitere Verbreitung.

Die eigentlichen Erzeuger waren meist Italiener, drei Viertel stammen angeblich aus dem Val di Zoldo in der Provinz Belluno in den Dolomiten. Dies liegt hauptsächlich an der um 1850 herrschenden Armut der dortigen Bevölkerung, die sich daraufhin auf die Speiseeisproduktion spezialisierte. Viele gingen nach Österreich und in der Weimarer Zeit auch nach Deutschland, wo ab den späten 1920er-Jahren die „Eisdiele“ (im Gegensatz zum Eissalon oder Gelateria in Österreich) zum Bestandteil der gastronomischen Stadtkultur wurde. Sie waren es, die dazu übergingen, das Eis (das noch ohne Maschinen per Hand erzeugt wurde) im Straßenverkauf mit kleinen rot-weiß gestrichenen Wägelchen anzubieten und die Kunden mittels einer kleinen Glocke anzulocken. Einige Eissorten (meist Himbeer-, Vanille-, Zitronen- und Schokoladeeis) wurden in gekühlten Steingutgefäßen mitgeführt, aus denen das Eis mittels einer Hornspachtel herausgeholt und in „Stanitzeln“ verkauft wurde. Der größere Umsatz drückte die Preise je nach der Größe der Portion auf 2-5 Kreuzer. Solche Wagerln konnte man bis vor kurzem in der Kärntnerstraße, Ecke Stock-im-Eisen-Platz antreffen.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der die Straßen abfahrende Gefrorenesmann (nicht zuletzt aus hygienischen Gründen) allmählich, nach dem Zweiten Weltkrieg fast endgültig von den Eissalons verdrängt.

Zahlreiche Eissalons schlossen früher in den Wintermonaten oder wurden anderweitig genutzt, weil die Inhaber diese umsatzschwache Zeit in Italien verbrachten. Diese Tradition begann sich mit dem Generationenwechsel um die letzte Jahrhundertwende zu ändern. Zum einen übernahmen die Kinder der Betreiber das Geschäft, die keine so starken Bindungen nach Italien haben wie ihre Eltern. Weiterhin ist eine so lange Schließzeit betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll: Mieten und Nebenkosten sowie Löhne sind gegenüber früher deutlich höher, andererseits besuchen an milden Wintertagen durchaus viele Gäste ihre Lieblingseissalons, um eventuell hier ihren Espresso zu trinken oder auch in Wintermonaten einen Eiskaffee als Dessert zu sich zu nehmen.

Selbstverständlich kann man das Eis vom „Lieblingsitaliener“ auch in einer Box nach Hause nehmen, aber es ist halt dann doch nicht dasselbe, als wenn man es aus den meist sehr verschnörkelten Glasschalen oder Bechern im Salon selbst isst.

Eissalons könne zu Glaubensfragen werden. Ich kenne Menschen, denen Eis nur von einem bestimmten Italiener schmeckt und sie nehmen weite Wege auf sich, um dort Eis zu essen. Ich bin nicht ganz so rigoros. Ich favorisiere mehrere Eissalons, weil ich bestimmte Eissorten dort besser finde, als in anderen. Überhaupt mag ich das „fette“ Eis – bereits mit viel Schlagobers gemacht weniger gerne, als das „wässrige“, aber es darf dann doch nicht zu wässrig sein. Und ich brauche ganz eindeutig extra dazu einige Hohlhippen oder Waffeln, selbst wenn sie extra zu bezahlen sind.

Es gibt viele, viele Eissorten – vor allem wird Eis aus fast allen jeweils verfügbaren Früchten erstellt. Ich bin da recht konservativ, ich mag Vanilleeis aber nicht Schokoladeeis. Ein großer Teil meiner Familie schwört auf Nocciolaeis – vom Schwedenplatz. Ein anderer Teil der Familie mag nur das Eis aus der Tuchlauben. Gar nicht meiner Eisvorstellung entsprechen Kräutereis (Basilikum) oder Gemüseeis.

Aber so eine Schale „Banana-Split“ oder „Heiße Liebe“ genossen in einem meiner Eissalons (in der Annagasse oder Himmelpfortgasse) können mich schon locken. Eine erfreuliche Aussicht in diesen schwülen Tagen – bevor noch das Gewitter kommt.

Wo ist Ihr Lieblings-Eissalon?

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