G’hört sich das?

Besonders zu Zeiten der Pandemie

Hat man früher des Öfteren von Eltern, Lehrern, Erziehern oder sonst wem gehört, der auf „law and order“ bedacht war: das gehört sich nicht!

Aber wenn man sich an diese „Benimm-Regeln“ gehalten hat, war man ziemlich sicher, richtig zu liegen. Natürlich hat das alles auch bei uns Jungen damals Widerspruch (manchmal sogar Gelächter) herausgefordert, aber besonders rebellisch bezüglich dieser Regeln waren eigentlich nur wenige, ich gehörte damals nicht unbedingt in allem dazu.

Benimm-Regeln im gesellschaftlichen Umfeld hat man in der Tanzschule gelernt. Daran hat man sich dann doch nicht immer gehalten, vieles schien schon damals absurd.

Historisch gesehen, gab es „den Knigge“: Über den Umgang mit Menschen ist das bekannteste Werk des deutschen Schriftstellers Adolph Freiherr Knigge (1752–1796). Es erschien erstmals im Jahre 1788. Das Buch beschäftigt sich mit „guten Umgangsformen“. Das Buch über den Umgang mit Menschen war schon zu Knigges Lebenszeit ein Erfolg. Nach seinem Tod wurde sein Buch wiederholt von Herausgebern umgeschrieben und in neuer Gestalt publiziert. Im Laufe der Zeit wurde es so immer mehr zu einer „Anstandsfibel“, einer Einführung in Anstandsregeln; der „moderne Knigge“ war geboren. So steht heutzutage der Name „Knigge“ für Benimmratgeber, und der Ausdruck „Knigge“ bedeutet zumeist so viel wie „gute Manieren“ oder auch „gutes Benehmen“, was viele als Übernehmen höfischen Benehmens verstanden. Doch dieser Gebrauch beruht weitgehend auf einem Irrtum. 2017 erschien in Zürich ein Original-Knigge in modernem Deutsch. Bei uns in Österreich übt diese Funktion der „Elmayer“ aus, Gutes Benehmen wieder gefragt.

Wenn man das jungen Menschen so sagt, dann – uijegerl, kommt unweigerlich: wer sagt das? Ist er/sie dazu befugt? Warum gehört sich das nicht? Heutzutage sagt man es daher besser nicht, es fordert nur endlose Diskussionen, weniger über das „was“ als das warum, hervor.

Heißt das jetzt, dass es keine „Standards“ mehr gibt?

Aus sehr aktueller Sicht beschäftigt sich der Autor Richard David Precht in seinem Buch „von der Pflicht“ mit diesem Thema. Richard David Precht (* 8. Dezember 1964 in Solingen) ist ein deutscher Philosoph, Schriftsteller, Publizist und Moderator.

In den Jahren 2020 und 2021, der Zeit der Covid-19-Pandemie, ereignete sich ein bemerkenswertes Schauspiel. Während der weitaus größte Teil der Menschen Empathie mit den Schwachen und besonders Gefährdeten zeigte, entpflichtete sich eine Minderheit davon und rebellierte gegen die staatlichen Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit aller Bürger. Eine Minderheit verhält uneinsichtig und rebellisch. Zunächst wurden das Maskentragen, Hygieneregeln und Rücksicht von vielen begrüßt. Markige Politiker zogen in Umfragen davon. Mittlerweile empfinden Menschen ein wachsendes Unbehagen gegenüber dem Staat und den Lockdown-Maßnahmen. Die Aufgabe des Staates ist – laut Precht – demnach nicht der Schutz des Menschen (und seines teils unvernünftigen Verhaltens) voreinander, sondern vor Ansteckung. Der Staat soll für Sicherheit und Gemeinwohl sorgen.

Für Richard David Precht ein Anlass, darüber nachzudenken, was eigentlich die Pflicht des Fürsorge- und Vorsorgestaates gegenüber seinen Bürgern ist und was die Pflicht seiner Bürger. Was schulden wir dem Staat und was sind die Rechte der Anderen auf uns? Die Frage führt ein Dilemma vor Augen: Auf der einen Seite sind wir darauf konditioniert, egoistische Konsumenten zu sein. Und auf der anderen Seite braucht der Staat zu seinem Funktionieren genau das Gegenteil, nämlich solidarische Staatsbürger.

Als ein „großes Erwachen“ aus selbstverständlichen Gewohnheiten und Sichtweisen erwägt Precht die Corona-Krise. Menschliche Anpassungsfähigkeit wisse unter diesen Umständen nicht mehr, woran sie sich anpassen solle. Viren nicht als Computerviren, sondern im biologischen Sinne wahrzunehmen, müsse erst wieder gelernt werden. Die Rückkehr der Biologie im Zeichen des Virus weise in eine andere Richtung als die der bedingungslosen technologischen Expansion. Die Globalisierung sieht Precht angesichts der Corona-Pandemie nicht am Ende, auch wenn diese deren Fragilität zeige. Nötig seien Korrekturen mit Rücksicht auf regionale und analoge Bedürfnisse. Eine verminderte Dynamik des „Schneller-Höher-Weiter-Mehr“ und Raumgewinn für das Miteinander erscheinen Precht zwar nicht sonderlich wahrscheinlich, doch hält er einen nachhaltigen Wiederaufbau immerhin für möglich. Aber Empathie, Gemeindewohl, Rücksicht – wie können solche Werte gefördert werden?

Precht ist nicht der erste Philosoph, der „Lebensregeln“ aufstellt. Schon in der Antike (Griechenland) richtete man sich nach den vier Kardinaltugenden aus:

  • verständig,
  • gerecht,
  • fromm (im Sinne von besonnen, klug)
  • tapfer (im Sinne von gut)

Man kann das jetzt über das Mittelalter (christlich geprägt) die Aufklärung hindurch verfolgen, man kann bei anderen Ländern überprüfen, in der Gegenwart analysieren: viel hat sich nicht geändert, an den Anforderungen an den Menschen. Nur beim Einhalten, da hapert’s, damals wie heute – besonders in Pandemiezeiten.

G’hört sich das?

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