Meine Probleme mit der P.C. (ja, political correctness)

Manchmal bin ich dankbar, dass es nicht nur mir so geht. Ein Bekannter hat mir folgendes erzählt: bei einer Vorbereitung zu einer Modenschau hat er eines der Models gefragt, woher sie denn käme. Er hat diese Dame, schwarz, für besonders schön empfunden und wollte einfach wissen, woher eine solche Schönheit kommen könnte. Es kam anders, es kam zum Krach. Die wunderschöne Dame war wütend, fühlte sich verletzt, erklärte, dass sie aus Paris käme und selten so unverschämt angesprochen worden wäre.

Auch ich habe bis vor Kurzem, bis ich entsprechend aufgeklärt wurde, eigentlich fast immer z.B. Taxichauffeure gefragt, woher sie denn kämen (wenn sie nicht gerade ausgeprägtes breites Wienerisch gesprochen haben). Ich habe gemeint, diese Frage könnte mein Interesse an ihrer Person dokumentieren und dem Fahrer die Gelegenheit geben, von sich oder dem Land, aus dem er stammt, zu erzählen. Aber mir wurde erklärt, es wäre beleidigend, man mache diese Person zu einem „Außenseiter“, die sie nicht sein will, und woran sie nicht erinnert werden will.

Ich muss gestehen, dass ich z.B. Österreicher ebenso nach ihrer Herkunft frage – wenn es sich ergibt, wenn diese Person z.B. kärntnerisch oder tirolerisch spricht. Ich hoffe sehr, dass das nicht auch schon politisch inkorrekt ist? Oder doch?

Ich lese gerne Zeitungen. In einem Kommentar fand ich den Ausdruck das „N-Wort“. Kurz überlegte ich und kam dann zu dem Schluss, in Österreich stünde es für „Nazi“. Als ich den Artikel weiterlas, kam mir das Geschriebene komisch vor, bis ich dann draufkam (Blitzgneisserin, die ich schon bin), dass das N-Wort in diesem Fall „Neger“ bedeutete (ich bitte um Entschuldigung, dass ich dieses Unwort verwende und nicht „Farbiger“ verwende (ist das überhaupt politisch korrekt?), aber das Wort Farbiger fangt halt nicht mit N an.  Ich ersuche, dass in solchen Fällen, wenn man ein Wort aus political correctness abkürzen muss, es doch wenigstens einmal zu erläutern. Auch solche Menschen, die mit manchen Themen nicht so vertraut sind, möchten gerne wissen, was mit einem Artikel ausgesagt werden soll, ohne ihn zwei Mal lesen zu müssen.

Vieles in diesem Zusammenhang ist aus den USA zu uns herübergeschwappt. Aber bei uns sind die Gegebenheiten und Grundlagen ganz andere. Die Bevölkerungszusammensetzung ist und war in der Vergangenheit eine ganz andere. Bei uns gab’s keine „Nigger“, höchstens Mohren, ein Wort das ja eigentlich “Mauren“ (Bewohner von Mauretanien) ausdrückte. Aber ich seh‘ ein, das N-Wort, empfinden Farbige als beleidigend und verwende es daher nicht mehr.

Und wenn wir schon dabei sind, muss ich Ihnen noch etwas beichten: ich bin nicht dafür, dass die sogenannte Raubkunst (oder muss ich auch schon R-Kunst sagen?) vollständig zurückgegeben werden soll. Selbstverständlich alte Knochen und persönliche Objekte, da bin ich schon dafür. Aber es sollte dabei immer bedacht werden, dass in vielen Ländern die eigenen Kunstwerke von den Nachfahren vernachlässigt bis zerstört wurden, sei es von Personen, die aus religiösen Gründen daran Anstoß nahmen (die Taliban oder al Qaida z.B.), sei es durch kriegerische Handlungen – Bürgerkriege im eigenen Land oder Kriege aggressiver Nachbarn oder sonstiger Feinde. In unseren Museen wurden sie jedenfalls wohl bewahrt und hochgeschätzt.

In diesem Zusammenhang überlege ich mir auch, welche Folgen Umbenennungen haben, weil Worte die Gefühle von Menschen verletzen. Also jetzt sagen wir Novemberpogrom, früher sagten wir Reichskristallnacht. Aber sämtliche Dokumente in all den Bibliotheken in der gesamten Welt enthalten ja das „alte Wort“, spätere Forscher, werden es in der Zukunft schwer haben, wenn sie nur die neuen, politisch korrekten Worte gelernt haben, die alten Text zu entziffern!

Und dann begehe ich noch so einen faux-pas, denn ich verwende noch immer deutsche Ortsnamen. Interessanterweise ist das bei Prag ok, noch nie hat mich jemand   gerügt, nicht Praha gesagt zu haben. Aber bei Laibach oder Marburg ist das gleich ganz anders, da wird mir erklärt, ich hätte Ljubljana bzw. Maribor zu sagen – warum eigentlich? Ich reg mich ja auch nicht auf, wenn Fremde Wien als Vienna oder Vienne bezeichnen. Außerdem waren z.B. 1910 von 27.994 Einwohnern 22.653 Deutschsprachige (80,9 %), 3.828 Slowenen (13,7 %) in Marburg. Das ist jetzt selbstverständlich anders. Ich entschuldige mich im Voraus: für mich bleibt Opatje selbstverständlich mein Traumziel Abbazia (= Sankt Jakobi).

Und bitte, wer entscheidet, was nun politisch korrekt ist?

Bei Rhodesien sehe ich die Namensänderung hinwieder vollkommen ein – heute heißt es Simbabwe („Steinhäuser“ in der Sprache der Shona). Schließlich leitete sich der ursprüngliche Name sich von Cecil Rhodes ab, dem Gründer der Bergbaugesellschaft De Beers und der ehemaligen Kolonie. Ich verstehe auch, dass man als Namen der Hauptstadt nicht Salisbury belassen wollte und sie Harare nannte.

Wenn Sie mit dem Lesen überhaupt bis hierher gekommen sind teile ich Ihnen mit, dass ich genug gemotzt habe und mich jetzt ersprießlicheren Dingen zuwenden werde.

Meine Probleme mit der P.C. (ja, political correctness)

Ein Gedanke zu “Meine Probleme mit der P.C. (ja, political correctness)

  1. Isa schreibt:

    Das Problem ist nicht, zu fragen woher jemand kommt. Das Problem ist, sich mit einer Antwort wie Paris, Innsbruck oder Stuttgart nicht zufrieden zu geben, sondern weiter zu fragen, woher das Gegenüber „eigentlich“ kommt.

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