Xenia Hausner – True Lies – in der Albertina

Gestern am Nachmittag war es schwül, heiß würde mich nicht besonders stören, aber schwül. Die Arbeit war getan, was mache ich mit dieser Freizeit – mich in den Burggarten setzen? Durch die Stadt spazieren gehen?

Nein, da hatte ich dann doch eine bessere Idee – ich bin in die Albertina gegangen. Denn dort läuft sehr bald (8. August 2021) die Xenia Hausner Ausstellung True Lies aus, und die wollte ich mir doch unbedingt anschauen.

Ich muss zugeben, ich war schwer beeindruckt. Ich habe vorher keine „Einführungen“ gelesen, ich lasse gerne Objekte, in diesem Fall Bilder „ohne Intervention“ auf mich wirken. Vielleich sieht man mehr, versteht mehr, wenn man zu einer Führung geht oder die Worte von Wissenden liest. Aber ich wollte einfach die Bilder auf mich wirken lassen. Und sie haben gewirkt! Warum?  Ich glaube, weil sie Beziehungen – Zuneigung, Sorge, Gleichgültigkeit, Interesse und vieles mehr – zwischen Menschen zeigen. Und „Mensch“ ist in Xenia Hausners Welt Frau. Nur ganz wenige Bilder zeigen AUCH Männer z.B. den Vater der Malerin. Es sind fast alle attraktive – nicht notwendigerweise schöne – Frauen, die auf den riesigen Bildern zu sehen sind. Langsam habe ich begriffen, was mit den True Lies gemeint ist. Es ist die Wirklichkeit, die dargestellt wird, die aber inszeniert wird. Für ihre großformatigen Gemälde konstruiert die Künstlerin vorab aufwendige räumliche Settings: Installationen, die sie als Vorlage für ihre Bilder zunächst fotografiert. Zerschnittene Autos oder Zugabteile aus Karton werden zu einem „Probenraum“, in dem die Figuren, wie Schauspieler Beziehungen ausloten. Es sind sehr intensive, kräftige Farben, die verwendet werden. Die Figuren sind extrem lebendig in der Haltung, im Ausdruck.

Besonders betroffen hat mich die Serie „Flucht“ gemacht. Dabei denken wir derzeit meist an Menschen aus dem Nahen und Mittleren Osten, aber die in Zugabteile gedrängten Menschen sind „wir“. Wir bleiben draußen und versuchen noch eine Hand festzuhalten, wir sind drinnen und drängen uns zum Fenster um was? Vielleicht noch einen letzten Blick auf unsere verlorene Heimat zu werfen. Hier – so finde ich – wird mit drinnen und draußen experimentiert. Auch die Frauen mit den schweren Werkzeugen in Zugabteilen? Wollen sie sich damit gegen aufdringliche Männer wehren oder wollen sie anderswo damit ein neues Leben beginnen. Viele Fragen tun sich auf, beim Betrachten dieser Bilder.

Ich war sehr betroffen und es haben sich viele Fragen aufgedrängt, zu Beziehungen im Allgemeinen aber auch im persönlichen Bereich!

Nur zur Information: Xenia Hausner, geboren 1951 in Wien, stammt aus einer Künstlerfamilie. Als Tochter des österreichischen Malers Rudolf Hausner war Kunst bereits von klein auf Teil ihres Alltags. Ihre Werke werden international in Galerien und Museen gezeigt. Sie lebt und arbeitet in Berlin und Wien.

Beim Herausgehen, das Museum schließt um 18 Uhr, habe ich noch einen Blick auf einen Statue beim Eingang  geworfen – in etwas lebensgroß, eine ganz junge – zwar schwer bewaffnete -aber sehr verwundbare Athene, nicht die „männergleich“ Pallas Athene, die wir vor dem Parlament kennen. Sie ist die Göttin der Weisheit, der Strategie und des Kampfes, der Kunst, des Handwerks und der Handarbeit. Diese Statue in der Albertina zeigt – für mich – die Athene, die für die Kunst „zuständig“ ist. Demnächst muss ich versuchen herauszufinden, wer ihr Schöpfer ist.

Lang haben Sie nicht mehr Zeit, diese Ausstellung anzusehen, gehen Sie hin um eine Reflexion unserer Zeit zu erleben.

Xenia Hausner – True Lies – in der Albertina

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