Namenstage: Thomas

Bei uns in der Familie werden Namenstage noch gefeiert, vielleicht nicht ganz so „groß“, wie Geburtstage, aber es wird gratuliert, bei Kindern gibt es kleine Geschenke, bei Erwachsenen wird meist angestoßen. Kürzlich haben einer meiner Enkel, mein Sohn und ich Namenstag gehabt.

Aber mein leider verstorbener Mann hat immer sehr großen Wert daraufgelegt, dass seines Namenstages gedacht wird. Mein Mann hieß Thomas, und war nach dem Apostel Thomas benannt. Früher durfte man nicht „nachtaufen“, also der Namenstag musste im Jahreskreis später als der Geburtstag liegen, und da mein Mann nach seinem Großvater Thomas benannt wurde, kam im Jahreskreis (Geburtstag Ende November) nur der Apostel Thomas in Frage.

Nun kam es zu einem Problem, denn im Rahmen des Vatikanischen Konzils wurden auch Änderungen der Feiertage von Heiligen vorgenommen. Und ausgerechnet der Heilige Thomas wurde vom 21. Dezember auf den 3. Juli verschoben. Das passte meinem Mann schon gar nicht und ein besonders netter älterer Geistlicher hatte ihm geraten, seinen Namenstag dennoch weiterhin am 21. Dezember zu feiern, was dann auch jährlich geschah. Denn mein Mann – Journalist – hatte den Heiligen Thomas zu seinem und aller Journalisten Patron erklärt, da Thomas ja nicht glaubte, sondern alles hinterfragte, was nach Meinung meines Mannes gute Journalisten tun sollten.

Der Name Thomas hat seinen Ursprung im aramäischen Wort „teoma“, was „der Zwilling“ bedeutet. Er erfuhr erstmals im Mittelalter eine weite Verbreitung. Dies war zum einen dem neuen Testament zuzuschreiben. In diesem spielt der Apostel Thomas eine wichtige Rolle – als einem der Jünger Jesu, der ihn drei Jahre lang als Freund begleitete. Er ging als „Der ungläubige Thomas“ in die Bibelgeschichte ein, da er zunächst an der Wiederauferstehung Jesu, aber auch Mariens Aufnahme in den Himmel bezweifelte. In England erlangte der Vorname vor allem durch den Heiligen Thomas Becket Popularität, der im 12. Jahrhundert Erzbischof von Canterbury war. Hierzulande hatte Thomas in den 1950er und 1960er Jahren als meist vergebener Jungenname seine Blütezeit. Danach ebbte seine Beliebtheit zunehmend ab. Heute findet sich der Name aber zumindest noch in den Top 100. Es gab auch weitere Große in der Geschichte, die den Namen Thomas trugen: Thomas Jefferson, der 3. US-Präsident, der Theologe Thomas Müntzer, der Schriftsteller Thomas Mann, der Erfinder Thomas Alva Edison.

Und jetzt lese ich, dass in Indien am 3. Juli erstmals landesweit ein „Tag des christlichen Indien“ begangen wurde. An diesem Tag feiern viele Christen das Fest des Heiligen Thomas. Der Apostel Thomas verließ nach lokaler Thomas-Hagiographie Jerusalem etwa im Jahr 40 n. Chr. und kam – nachdem er eine Zeit lang im Mittleren Osten (heute Iran, Irak, Afghanistan und Belutschistan) evangelisiert hatte – um das Jahr 52 nach Nordindien. Dort reiste Thomas einer späteren Legende zufolge entlang der südwestlichen Küste Indiens (damals Malabar, heute der Bundesstaat Kerala) und gelangte schließlich nach Madras (heute: Chennai im Bundesstaat Tamil Nadu) an der Koromandelküste, wo ihn ein Speer tödlich getroffen habe. Über seinem vermeintlichen Grab wurde dort (heute St. Thomas Mount) 1547 eine Kirche errichtet, in der sich ein Kreuz mit einer mittelpersischen Inschrift aus dem 8./9. Jahrhundert befindet. Die bekanntere Verehrung von Thomas-Reliquien in Edessa wird mit der Überführung eines Großteils seiner Gebeine dorthin im 3. Jahrhundert erklärt. Die alten christlichen Kirchen Indiens betrachten Thomas bis heute als ihren Gründer und spirituellen Vater und bezeichnen sich als „Töchter des hl. Thomas“. Überliefert ist nicht nur, dass der Apostel Thomas in Indien wirkte und starb, sondern auch dass er lange Zeit dort begraben war, seine Reliquien nach Edessa überführt wurden, aber seine ursprüngliche Grabstätte weiter in Indien verehrt werde. Unabhängig davon besteht in Südindien die beständige, aus apostolischer Zeit herrührende Tradition von der dortigen Missionstätigkeit des Apostels, der Gründung der ersten sieben Gemeinden an der Malabarküste und von seinem Märtyrertod in Mailapur an der gegenüberliegenden Koromandelküste. Auch bestätigt die lokale Überlieferung der Thomaschristen Indiens eine Überführung des größten Teils der Reliquien nach Edessa, wobei einige wenige Überreste im dortigen Grab verblieben seien, die man tatsächlich bei späteren Ausgrabungen auffand. In einigen Traditionslinien, die vor allem in der Gnosis und im Manichäismus zum Ausdruck kommen, gilt Thomas als Zwillingsbruder Jesu. Das Thomasevangelium und die Thomasakten sind jedoch pseudepigraphische Schriften.

Das jetzige Gedenken an Thomas in Indien geht auf eine ökumenische Initiative zurück, mit dem Ziel, die Hindumehrheit im Land darauf aufmerksam zu machen, dass das Christentum keine ausländische Religion ist. Der Gedenktag soll künftig jährlich begangen werden. Einige rechts-nationalistische Bewegungen in Indien erwecken manchmal den Eindruck, dass das Christentum nicht zu Indien gehört. Es ist daher wichtig, daran zu erinnern, wie alt die Wurzeln des Christentums im Lande sind.

Ich selbst habe Thomas-christliche Priester im Vatikan erlebt, als sie an einer Messe teilnahmen, in der fast alle Priester grüne Messgewänder trugen, nur einige von ihnen waren in Rosa gekleidet. Auf meine Frage nach dem Grund für diese Abweichung, wurde mir erklärt, sie wären Thomaschristen und ihre Liturgie würde sich von der römisch-katholischen etwas unterscheiden.

So viel ist mir zum Namenstag vom Heiligen Thomas – dem Zwilling auf- und eingefallen.

Namenstage: Thomas

Die Andrea Doria sank an einem 26. Juli

(Wiederveröffentlichung)

Die Andrea Doria lief am 16. Juni 1951 vom Stapel und unternahm ihre Jungfernfahrt am 14. Jänner 1953. Warum mir das bemerkenswert erscheint: weil ich im September 1953 mit diesem Schiff den Atlantik überquert hatte. Und wahrscheinlich auch, weil der Luxusliner auf seiner 51. Fahrt am 25. Juli 1956 auf dem Weg nach New York vor der Küste von Nantucket mit dem ostwärts fahrenden Passagierschiff Stockholm kollidierte.

Nur kurz zum Background: Andrea Doria (* 30. November 1466; † 25. November 1560), war ein genuesischer Admiral und Fürst von Melfi. Obwohl er nicht das Amt des Dogen ausübte, wurde er zum eigentlichen Machthaber der Republik Genua. Er wuchs vaterlos auf und diente als Condottiere (Söldnerführer) zunächst Papst Innozenz VIII., dann auch anderen italienischen Fürsten. 1503 kämpfte er für seine Heimatstadt auf Korsika gegen die Franzosen, die er auch zum Rückzug aus Ligurien zwang. Danach wurde er Admiral und kämpfte an der Spitze der genuesischen Flotte gegen Osmanen und nordafrikanische Piraten.

Genua wurde sowohl von Frankreich als auch vom Heiligen Römischen Reich beansprucht und wiederholt besetzt. Als Kaiser Karl V. die Stadt 1522 eroberte, verbündete sich Doria mit den Franzosen und trat in die Dienste König Franz I. Andrea Doria wechselte er 1528 auf die Seite des Kaisers. Er reformierte die Verfassung des Stadtstaats Genua, überwand die Spannungen zwischen Ghibellinen und Guelfen und schuf die Grundlagen für eine aristokratische Regierungsform. Er hatte bis zu seinem Tod erheblichen Einfluss auf das „Parlament“ Genuas. Andrea Doria befehligte als kaiserlicher Admiral mehrere Einsätze gegen die Osmanen (unter Sultan Süleyman I). Sein persönlicher Reichtum und Einfluss brachten ihm Neid, Missgunst und auch offene Feindschaft ein. Diese Zeit beleuchtet Friedrich Schiller in seinem Trauerspiel „Die Verschwörung des Fiesco zu Genua“. 1555 kehrte er fast 90-jährig als alter und gebrechlicher Mann nach Genua zurück und legte alle öffentlichen Ämter nieder. Er starb dort 1560, wenige Tage vor seinem 94. Geburtstag.

Die Andrea Doria war das schnellste Schiff der italienischen Flotte. Nur außerhalb der italienischen Flotte existierten größere und schnellere Schiffe, z. B. die Queen Elizabeth und die United States. Als erstes die südliche Nordatlantikroute befahrendes Schiff war die Andrea Doria mit drei auf Deck liegenden Schwimmbecken ausgestattet – einem für jede Klasse: Erste, Kabinen- und Touristenklasse. Das Schiff konnte 218 Passagiere der ersten Klasse, 320 der Kabinenklasse und 703 Passagiere der Touristenklasse befördern. Das Schiff wurde vielfach als eines der schönsten Passagierschiffe bezeichnet, die je gebaut wurden.

Vielleicht können Sie es nachvollziehen, wie wir europäische Studenten, die wir auf dem Weg in die USA waren, uns fühlten, als wir mit diesem prächtigen Schiff Reise antraten. Ich war damals 18 Jahre alt und freute mich unbändig auf meine Studienzeit. Der Luxus des Schiffes überwältigte uns. Ja sicher, wir waren in der Touristenklasse untergebracht, zu viert in einer Kabine mit zwei Stockbetten, aber wir hatten uns schnell angefreundet und waren neugierig, der anderen Studenten kennen zu lernen.  Schwierig war’s nicht, da es viel mehr männliche als weibliche Studenten gab. Wir genossen das köstliche (italienische) Essen, wir erkundeten das Schiff, wir benutzen ausgiebig den Swimmingpool bei herrlichem Wetter. Wir genossen die Ausflüge nach Neapel, die Fahrt entlang der französischen Riviera, wir erkundeten Barcelona, und waren überwältigt von Gibraltar. Nur so rund um die Azoren war das Wetter etwas schlechter, es war etwas stürmisch und die Wogen gingen hoch. Das war mr dann doch nicht so ganz geheuer aber richtig seekrank bin ich dann doch nicht geworden. Die Einfahrt in den Hafen von New York am frühen Morgen, vorbei an der Freiheitsstatue war einfach überwältigend.

Und weil die Erste Klasse nicht ganz so ausgebucht war, und den Menschen dort abends nach dem Nachtmahl etwas fad zu sein schien, wurden wir Studenten eingeladen, in der Bar der Ersten Klasse zu tanzen.  Na, wir ließen uns das nicht zwei Mal sagen.

Dass ich dort meine „shipboard-romance“ getroffen habe, gehört wohl zum Zauber dieser Überfuhr. Er war groß, blond, blauäugig hieß Hans Joachim und studierte in Rechtswissenschaften Heidelberg. Er fuhr von New York, wo wir angekommen waren, in Ann Arbor Michigan und ich nach Fresno, Kalifornien.  Wir trafen einander dann in Kalifornien in den Semesterferien, aber Fernbeziehungen damals – brieflich – funktionierten nicht so gut wir heute mit WhatsApp und Skype. 

Mit ihrem doppelwandigen und mit wasserdichten Schotten in elf Abteilungen unterteilten Rumpf galt die Andrea Doria als eines der sichersten Schiffe. Es gab genügend Rettungsboote, um alle auf dem Schiff befindlichen Menschen unterbringen zu können. Außerdem war die Andrea Doria mit dem damals modernsten Radarsystem ausgestattet.

Am Abend des 25. Juli 1956 befand sich die Andrea Doria mit 1134 Passagieren und 572 Besatzungsmitgliedern auf Westkurs in Richtung New York, dem Ziel der am 17. Juli in Genua begonnenen Überfahrt. Der Zeitplan sah ein Einlaufen in den New Yorker Hafen für den nächsten Morgen vor. Zur gleichen Zeit befand sich die Stockholm, ein kleineres Passagierschiff, das am Mittag in New York abgelegt hatte, auf Ostkurs in Richtung des schwedischen Göteborg. Die Gewässer des Nordatlantiks südlich von Nantucket sind häufig von Nebelbänken betroffen, da an dieser Stelle der kalte Labrador-Strom auf den wärmeren Golfstrom trifft. Um etwa 23:10 Uhr kollidierten die Schiffe. Ein Großteil der Opfer starb auf den unteren Decks der Kollisionszone, die von Meerwasser geflutet wurden. Insgesamt starben 51 Personen. In den ersten Stunden wurden viele der Überlebenden mit Rettungsbooten zur Stockholm transportiert. Die Île de France rettete einen Großteil der verbliebenen Passagiere, indem ihre Rettungsboote zur Andrea Doria und zurück pendelten. Offiziell sank die Andrea Doria elf Stunden nach der Kollision, um 10:09 Uhr am 26. Juli.

Die Andrea Doria sank an einem 26. Juli

Am Neuiedlersee

Es ist dann gestern doch noch ein Ausflug an den Neusiedlersee geworden. Ich war schon lange nicht mehr im Burgenland gewesen. Der Anlass: einer meiner Enkel, der für den Triathlon trainiert „musste“ schwimmen, Rad fahren und laufen – unter „Echtbedingungen.  Seine liebe Frau begleitete ihn im Elektroboot, in dem auch der Hund mitfuhr, und seine liebe Mutter begleitete ihn bei 50 km Radfahren. Für’s Laufen war’s dann schon zu spät, und außerdem dräuten Gewitterwolken. Meine Rolle: keine!

Ich genieße daher auch die Fahrt – diesmal nach Podersdorf. Über die Autobahn geht’s doch am schnellsten. Und die Ostautobahn weist zum Glück nicht so viele von den hässlichen Schallschutzwänden auf, dass man doch auch die Landschaft sehen kann. Es ist schön, wieder einmal nach „Pannonien“ zu kommen, die Weite genießen, keinen Horizont mehr wahrzunehmen (vielleicht weil es doch diesig ist?). Es ist Teil der alten „Awarenmark“, die Karl der Große zur Bekämpfung der Awaren eingerichtet hat.  In den Feldzügen zwischen 791 und 803 schlug Karl der Große, verbündet mit dem bulgarischen Khan Krum, die Awaren vernichtend.

Das gesamte Burgenland gehörte bis 1920/1921 zu Deutsch-Westungarn. Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Name Fertő-tó verwendet werden. Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn 1919 in den Verträgen von Saint-Germain und Trianon Österreich zugesprochen. Der See gehört seit 1921 überwiegend zum neu gegründeten Bundesland Burgenland. Danach kamen die ersten Touristen an den See; die Weltwirtschaftskrise zwang jedoch viele Burgenländer in die Emigration.

Es ist teilweise schon abgeerntet, die großen Ballen liegen auf den gelben Feldern. Aber der Mais wächst noch und ebenso grüßen die Sonnenblumen. Der Wein wächst hier „in Streifen“ – dazwischen jeweils ein oder zwei Äcker, was wohl der Grund hierfür ist? Und welcher Wein ist das wohl? Jener, den man im Supermarkt unter „Flat Lake“ erstehen kann?

Wir fuhren auch bei Parndorf, diesem riesigen Shopping-Center vorüber, von weitem sieht man schon den Hotelturm und entlang der Autobahn „hübschen Häuser“ die eigentlich Geschäfte sind. Aber selbstverständlich fällt uns auch das große Unglück von Parndorf ein, als neben diesem fröhlichen Outlet 71 Menschen aus dem Irak, aus Afghanistan, Syrien und dem Iran ums Leben kamen, die in einem Kühllastwagen von Ungarn aus nach Österreich einreisen wollten.

Entlang der Straße werden in Dörfern die reifen Marillen angeboten. Wir kommen zum See, wir wurden gewarnt, dass es schlecht mit den Parkplätzen aussähe. Aber so schlimm war das auch wieder nicht. Treffpunkt war: Beim Steg mit dem kleinen Leuchtturm.

Der Neusiedler See ist einer der wenigen Steppenseen in Europa und der größte abflusslose See in Mitteleuropa. Sein österreichischer Anteil macht ihn zum flächenmäßig größten österreichischen See. Der See zeichnet sich durch seinen Schilfgürtel, seine geringe Tiefe und sein mildes, aber windiges Klima aus. Dieser Schilfgürtel ist nach dem Donaudelta das größte zusammenhängende Schilfgebiet in Europa. Der seichte See wird überwiegend durch Niederschläge gespeist und durch Verdunstung entwässert. Dadurch ist der Wasserstand den Wetterbedingungen unterworfen und schwankt naturgemäß stark. Im Laufe der Jahrhunderte stieg und fiel der Seespiegel ständig, was auch das Leben rund um den See beeinflusste. Anfang des 17. Jahrhunderts trocknete der See über mehrere Jahrzehnte langsam aus, sodass sogar schon eine Rekultivierung des Seebodens erwogen wurde. Doch nach einigen Jahren war der See wieder voll.

Im Jahr 2003 sank der Wasserstand des Neusiedler Sees wieder stark ab. Vorhergesagt wird eine weitestgehende Austrocknung des Neusiedler Sees ab 2010 bis 2050. Die globale Erwärmung und immer geringere Niederschlagsmengen sollen zu einer sukzessiven Austrocknung des Sees in den kommenden Jahrzehnten führen. Es wurde untersucht, ob eine Zuleitung von Donaubegleitwasser (Grundwasser) in den Norden des Neusiedler Sees möglich sei. Als problematisch wurde dabei, neben den bautechnischen Erfordernissen, vor allem der Unterschied in der Zusammensetzung der beiden Binnengewässer gesehen. So könnten der zusätzliche Nährstoffgehalt und der geringere Salzgehalt des Donauwassers das Wachstum des Schilfgürtels wieder beschleunigen.

Durch seine ehemalige Trennung durch den Eisernen Vorhang wurde der See in Österreich aus der geographischen Nähe zum Ballungsraum Wien hauptsächlich von Wienern besucht und darum auch als Meer der Wiener bezeichnet.

Die Strandbäder am See wurden, zum Teil mit Ziel-1-Geldern der Europäischen Union, ausgebaut. Podersdorf am See hat sich als Zentrum des Tourismus am Neusiedler See etabliert. Die Gemeinde hat die höchsten Nächtigungszahlen, das breiteste Angebot und liegt am einzigen schilffreien Strandabschnitt des Sees.

Ich konnte, durch keinerlei Aktivitäten behindert, ungestört die Menschen beobachten, die sicherlich nicht nur aus Wien kamen. Es war eines Großteiles fröhliche Gesellschaft, mit vielen Kindern, die sich dann an den Stränden gut verteilten und dort die zahlreichen Freizeitangebote nutzten: ein Badebetrieb fast wie an der Oberen Adria!

Am Neuiedlersee

Ich bin ein Kind der Stadt

Heute hätte es eigentlich an den Neusiedlersee gehen sollen. Aufgrund widriger Umstände ist der Plan – ins Wasser gefallen. (Verspätet hat er sich dann doch realisiert – ich bin ja flexibel). Und siehe da, ich war gar nicht so traurig. Oja, es tut mir leid, dass die ich die Menschen, mit denen es hätte stattfinden sollen, die ich sehr mag, nicht sehe, aber der See, die grünen – doch bunten Wiesen, die Wälder – erfreuen mich, aber sie gehen mir nicht besonders ab, eher schon die lichten Föhrenwälder von Pernitz. Natürlich gibt es auch für mich Sehnsuchtsorte, aber die liegen am Meer – z.B.in Abbazia (ich bitte um Entschuldigung: Opatje)

Denn – „ich bin ein Kind der Stadt“!   Dieser Text, dieses Gedicht ist mir eingefallen, das ich aus meinem Lesebuch der Schulzeit kenne. Ich habe den vollständigen Text gesucht, zum Glück nicht in unserer Bibliothek, denn da hätte ich es nicht gefunden. Denn irrtümlicherweise habe ich angenommen, dass der Autor Ferdinand von Saar wäre. So kann man sich täuschen. Unsereins hat heutzutage ja Google und da kann man mit „Textfetzen“ das ganze Gedicht, mitsamt dem Autor finden. „Ich bin ein Kinder Stadt“ wurde von Anton Wildgans geschrieben und hat mich als Halbwüchsige damals sehr beeindruckt.  Gefunden habe ich es interessanterweise unter „das rote Wien, dem Weblexikon der Wiener Sozialdemokratie.

„Ich bin ein Kind der Stadt. Die Leute meinen,

und spotten leichthin über unsereinen,

daß solch ein Stadtkind keine Heimat hat.“

Anton Wildgans (* 17. April 1881 in Wien; † 3. Mai 1932 in Mödling,) war ein österreichischer Lyriker und Dramatiker. Er war zweimal Direktor des Wiener Burgtheaters und für den Nobelpreis für Literatur nominiert. Seine künstlerische Entwicklung ging vom Naturalismus (beeinflusst von Gerhart Hauptmann) über den Symbolismus zum Expressionismus. Die von ihm geschaffene Lyrik stand anfangs unter dem Einfluss von Rilke und Hofmannsthal, erfuhr aber bald durch realistische Naturnähe, Anmut und Musikalität persönliche Prägung; eine tiefe Liebe zu aller Kreatur, aber auch Hingabe an den Zauber der Landschaft und Verbundenheit mit seiner Heimatstadt kommen in ihr zum Ausdruck. Er war vor allem für seine sozialkritischen Werke bekannt. Wildgans setzte sich sehr für die staatliche österreichische Eigenständigkeit ein, als nach dem Ersten Weltkrieg viele an der Lebensfähigkeit des nunmehrigen Kleinstaates zweifelten.

Ich mag meine Stadt, besonders im Sommer, und speziell heuer. Da ich mich meist zu Fuß bewege und mein „normales Einzugsgebiet“ auf so genannten Touristenmeilen liegt, freue ich mich zwar, dass heuer wieder Touristen kommen, aber doch nicht so viele, dass sie die Stadt überschwemmen (sorry, Tourismuswirtschaft).

Und da ist so ein Sonntagvormittag schon sehr gemächlich. Die Sonne lacht von einem strahlend blauen Himmel, es ist kaum Verkehr, es gibt noch jede Menge freie Parkplätze. Die Restaurants sperren gerade auf, die Schanis werden gekehrt, eventuell der Gehsteig abgespritzt, die Tische werden gedeckt. Aber die Ober von benachbarten Restaurants haben noch Zeit für ein kurzes Schwätzchen. Der ein oder andere holt sich seine Sonntagzeitung aus den umherhängen Säckchen, ob er Geld einwirft, mag ich in manchen Fällen bezweifeln.

Kirchenglocken beginnen zu läuten, um die Menschen daran zu erinnern, dass Sonntag ist, und man in die Kirche gehen sollte. Zuerst diese von einer Kirche und bald stimmen die Glocken mehrerer Kirchen ein. Ein schöner Klang! Menschen strömen nicht gerade in die Kirche, aber einige gehen doch hinein. Brav setzen sie sich vor dem Eintritt die Maske auf.

Etwas später sieht man schon die Touristen, eifrig aufs Handy schauend (wohl um den Weg zu finden), selten aufschauend, meist eigentlich nur um die zu photographieren. Manchmal bleiben sie auch nur stehen, um aus ihren Wasserflaschen zu trinken. Dabei gibt es so viele Konditoreien und Caféhäuser, in die man sich setzen könnten, um etwas zu trinken.  Wenigstens fahren am Sonntagmorgen keine Autos durch die Kärntnerstraße, die somit ganz den Fußgängern gehört – auch die Geschäfte sind geschlossen, wobei dann doch einiges der sonst herrschenden Hektik entfällt. Nur Blumen kann man kaufen oder sich daran erfreuen, wie ich es tue im Vorübergehen.

Und bin der flutend-namenlosen Menge,

die deine Straßen anfüllt mit Gedränge,

ein Pünktchen nur, um welches du nicht weißt;

und hab‘ in deinem heimatlichen Kreise,

gleich einem fremden Gaste auf der Reise,

kein Stückchen Erde, das mein Eigen heißt.

Ich finde es schön, dass man in der Schule ein Gedicht gelernt hat, einen Bezug dazu gefunden hat, an das man sich im hohen Alter noch erinnern kann.

Ich bin ein Kind der Stadt

Brauchen wir mehr Atomstrom um die Klimakrise zu meistern?

Wir alle brauchen Energie, viel Energie! Auch die jetzt so favorisierten E-Autos. Sie benötigen zwar kein Benzin/Diesel mehr (es sei denn, sie wären Hybrid-Autos), sie sind also CO2 frei, aber Strom brauchen sie allemal.

Ja, und der muss irgendwoher kommen. Soll die Dekarbonisierung auch im Verkehr und im Wärmesektor gelingen, braucht es künftig nicht weniger, sondern mehr Strom, und dieser sollte möglichst nicht mehr aus fossilen Energieträgern stammen. Wenn man nun vor allem auf Wind und Sonne setzt, wird Elektrizität für Konsumenten und Unternehmen teurer (als nötig), weil deren Stromerzeugung stark schwankend ist.

Allenthalben wird nach den jüngsten Überschwemmungen eine Beschleunigung der Klimapolitik gefordert. In dieser Diskussion ist bis jetzt aber ein Thema in weiten Kreisen tabu: der Ausstieg diverser Industriestaaten aus der Kernkraft nach dem Reaktorunfall von Fukushima. Deutschland z.B. stellt bereits nächstes Jahr seine letzten Kernreaktoren ab – während Kohlekraftwerke weiterlaufen. Das scheint diesbezüglicieeher kontraproduktiv zu sein. Österreich ist von Anfang an nicht in die Atomstromproduktion eingetreten. Die Schweiz nimmt nicht gleich alle Kernkraftwerke vom Netz, aber auch das Schweizer Stimmvolk hat 2017 den schrittweisen Ausstieg gutgeheißen. In der Wirtschaft macht man sich deshalb Sorgen um die längerfristige Versorgungssicherheit.

Auch im Österreich herum werden ziemlich alte Kernkraftwerke weiterhin betrieben und sogar ausgebaut:  Atomkraftwerke sind auf eine bestimmte Lebensdauer, üblicherweise 30 Jahre, ausgelegt. Es wird zwar behauptet, dass Reaktoren problemlos bis zu 60 (sogar 80) Jahre laufen können. Meist sind die Investitionen nach ca. 20 Jahren AKW-Betrieb abgeschrieben und die laufenden Betriebskosten sind relativ günstig. Sicherheitsfragen werden möglicherweise vernachlässigt, obwohl sich die Atomkraftwerke in Europa immer weiter vom Stand der Technik entfernen und das Risiko von Verschleißerscheinungen am Material größer wird.

In der Slowakei laufen derzeit vier Reaktoren an zwei Standorten (Bohunice und Mochowske), die 2019 53,9 Prozent der Stromerzeugung des Landes lieferten. Mochowske soll um zwei Reaktoren erweitert werden. Der Anteil der Atomenergie am Gesamtstrom beträgt 53,9 %.

In Slowenien ist ein Druckwasserreaktor am Standort Krško in Betrieb und produzierte 2019 37 Prozent der gesamten Stromproduktion des Landes.

Es gibt zwei Atomkraftwerke in Tschechien. Die vier Hochrisikoreaktoren am Standort Dukovany und zwei weitere Blöcke in Temelin. Beide AKWs haben bereits einige Störfälle zu beklagen.  Der Anteil der Atomenergie am Gesamtstrom betrug 2019 35,2 Prozent.

In Ungarn sind vier Atomreaktoren aus der sowjetischen Baureihe am Standort Paks, südlich von Budapest, in Betrieb. Nach einem schweren Störfall im Jahr 2003 wurde ein Reaktor längere Zeit abgeschaltet. Das AKW Paks lieferte 2019 49,2 Prozent der ungarischen Stromproduktion.

Je nach Jahreszeit stammen zwischen 6 – 16% der in Österreich verbrauchten Energie aus Atomstrom. Es gibt eine Stromkennzeichnungspflicht, die sicherstellen soll, dass Atomstrom als solcher gekennzeichnet wird. Das System der Stromkennzeichnung mit Herkunftsnachweisen garantiert jedoch nicht, dass der bezogene Strom kein Atomstrom ist. Nach wie vor ist es möglich, mit Wasserkraftzertifikaten aus dem Ausland Atomstrom sauberzuwaschen und in Österreich als Strom aus Wasserkraft zu verkaufen.

Die Erinnerungen an Fukushima und hier in Europa besonders an Tschernobyl sind haften geblieben. Dennoch gehört die Kernkraft zusammen mit den Erneuerbaren Wind, Sonne und Wasserkraft nicht nur zu den saubersten Energiequellen, sie ist auch vergleichsweise sicher – jedenfalls wenn man nur die verursachten Todesfälle in Beziehung zur produzierten Strommenge setzt. Allerdings, Unfälle kosten verhältnismäßig viele Menschenleben, beeinträchtigen das Leben weiterer durch Krankheit erheblich und machen ganze Regionen unbewohnbar. Kernkraftwerke haben andererseits den Vorteil, dass sie im Gegensatz zu den riesigen Wind- oder Solarfarmen kaum die Landschaft verschandeln, da sie auf wenig Fläche Platz haben. Dennoch ist uns allen auch bewusst, dass die Atommüllentsorgung überhaupt noch nicht gelöst ist.

In Industrieländern kann es zwar nicht darum gehen, dass der Staat selbst in die Kernkraft investiert. Das müssen, wenn schon, private Investoren übernehmen. Geld sollte die öffentliche Hand aber weiterhin in die Forschung stecken. Und Regierungen können die Rahmenbedingungen ändern, so dass Kernkraftwerke überhaupt eine Chance haben – dort, wo sie noch zugelassen sind. Eine spürbare CO2-Abgabe macht Kernkraft konkurrenzfähiger.

Wäre es z.B. besser, wenn China statt der vielen geplanten Kohlekraftwerke – in denen es immer wieder zu schweren Unfällen kommt – stärker auf Kernkraft setzen würde?

Diese Debatte über den vermehrten Einsatz von Atomstrom sollte möglich sine ira et studio geführt werden! Gleichzeitig sollte aber weiterhin verstärkt geforscht werden, um weitere saubere Energiequellen zu erschließen.

Brauchen wir mehr Atomstrom um die Klimakrise zu meistern?

Höchste Zeit wär’s

Für Klimaschutzmaßnahmen – auch während der Hundstage

Die für Umwelt, Klima und Energie zuständigen Fachminister der G20-Staaten haben sich zum Pariser Klimaabkommen von 2015 bekannt, sich aber nicht auf eine Formulierung zur stärkeren Begrenzung der globalen Erwärmung einigen können. In der gemeinsamen Abschlusserklärung (23.07.2021) fehlt ein Bekenntnis, das 1,5-Grad-Ziel schon bis Ende 2030 erreichen zu wollen. Es hat auch keine Einigung „bei Kohle und Kohlefinanzierung“ gegeben. Diese G20-Staaten allein sind für 80 Prozent aller globalen Emissionen verantwortlich!

Ich finde es ja außerordentlich bedauerlich, dass man sich nicht einmal auf ambitioniertere Ziele einigen kann. Aber Ziele allein nützen auch kaum etwas, wenn keine Taten -Maßnahmen – folgen, und von denen hört man recht wenig.

Aber welche Zeichen werden denn noch benötigt, der Wald brennt großflächig in den Vereinigten Staaten, aber auch in Russland. Es kommt zu grauenhaften folgenreichen Überschwemmungen in China, aber auch in Europa. Wirbelstürme treten in Gegenden auf, in denen sie früher kaum erwartet worden sind – einer davon bedroht jetzt die „derzeit-Olympia-Stadt“ Tokyo.

Wovor fürchten sich diese mutlosen Politiker? Sichtlich nicht vor dem Klimawandel – mit all seinen Konsequenzen (denn da werden sie wahrscheinlich nicht mehr im Amt sein), aber vor dem Volkszorn, wenn endlich drastische Maßnahmen gesetzt werden müssen?

Derzeit herrschen in Europa die Hundstage – die haben – wie Sie sicher wissen – nichts mit den vielen Wufferln in verschiedenen Größen an langen und an kurzen oder gar keinen Leinen, mit oder ohne Beißkorb, liebevoll getragen oder in einem Hundewagerl spazieren geführt, zu tun.

Als Hundstage werden umgangssprachlich in Europa die heißen Tage im Sommer, genauer in der Zeit vom 23. Juli bis zum 23. August, bezeichnet. Da ich persönlich die Wärme der Kälte vorziehe, vertrage ich (moderate) Hitze ganz gut – außer bei erheblicher Anstrengung. Wenn die Nachttemperatur unter 20° bleibt kann ich nächtens lüften und untertags halt alle Fenster schließen und Jalousien herunterlassen.

Der Begriff Hundstage stand ursprünglich in Verbindung mit dem heliakischen (Oberbegriff der Astronomie und bedeutet „zur aufsteigenden Sonne gehörend“). Aufgang des Sirius, was heutzutage allerdings nicht mehr zutrifft. Der Name kommt vom Sternbild Großer Hund (Canis Major). Vom Aufgang des Sternbildes bis zur Sichtbarkeit als Gesamteinheit vergehen 30 bis 31 Tage, woher sich deshalb die Bezeichnung „Tage vom großen Hund“ (Hundstage) ableitet. Der Stern Muliphein stellt den Kopfanfang des Sternbildes dar, ist aber so lichtschwach, dass er erst bei voller Dunkelheit zu sehen ist. Sirius erscheint als hellster Stern bereits in der Morgendämmerung. Mit Aludra ist es dann vollständig aufgegangen.

Die Zeitangabe für die Hundstage (lateinisch dies caniculares) – 23. Juli bis 23. August – entstand im Römischen Reich. Am Anfang der römischen Königszeit erfolgte der sichtbare heliakische Aufgang von Sirius in Rom am 26. Juli; zu Zeiten von Julius Cäsar im Jahr 46 v. Chr. am 1. August.

Im altägyptischen Kalender nahm Sirius als Verkörperung der Göttin Sopdet sowie als „Bringer der Nilschwemme“ im dritten Jahrtausend v. Chr. einen besonderen Rang ein. Das gleiche Ereignis wurde später von den Griechen als heliakischer Aufgang bezeichnet, was so viel wie „mit der Sonne aufgehend“ bedeutet.

Die Griechen erklärten den Zusammenhang zwischen der Wiederkehr des Sirius und den Tagen der größten Sommerhitze durch den folgenden Mythos: Die Verschmelzung des Sonnenlichts mit dem „Feuer“ des Sirius sei Ursache der großen Hitze. Arabische Astronomen bezeichneten die in flirrender Sommerhitze besonders häufig erscheinenden Fata Morganen gar als den „vom Himmel tropfenden Speichel des Hundssterns“.

So schlimm ist es bei uns dann doch wieder nicht!

Die Präzession der Erdachse ist dafür verantwortlich, dass sich die Zeit der Hundstage um etwa vier Wochen verlagert hat. In Mitteleuropa kann der heliakische Aufgang des Sirius erst frühestens ab dem 30. August beobachtet werden und ist damit ein Zeichen für den nahenden Herbstanfang. Entsprechend der alten Tradition werden aber immer noch die heißesten Wochen des Jahres als „Hundstage“ bezeichnet.

Falls Sie, so wie ich, auch nicht wissen, was Präzession heißt, hier die Erklärung (Wikipedia): Als Zyklus der Präzession, auch Großes Jahr, Platonisches Jahr oder Weltjahr, wird die Präzessionsperiode der Erdachse von etwa 25.700 bis 25.800 Jahren bezeichnet. In diesem Zeitraum präzediert die Erdachse, die schräg zur Ebene der Ekliptik steht, einmal um die Achse durch den Erdmittelpunkt, die senkrecht auf der Ekliptik steht. Dadurch wandert der Frühlingspunkt einmal durch alle Tierkreiszeichen (Sternbilder).

Hoffentlich können Sie Ihre Hundstage gemütlich verbringen, werden nicht durch Corona-Maßnahmen an Stränden gestört, stehen nicht stundenlang bei der Rückreise (in der Hitze) an der Grenze. Uns allen wünsche ich mutigere Politiker, die endlich und wirklich Maßnahmen gegen den Klimawandel, die Verringerung der Artenvielfalt, das Zubetonieren unserer Ackerflächen unternehmen. Höchste Zeit wär’s!

Höchste Zeit wär’s

Julikrise 1914 – Erstellung des Ultimatums an Serbien

Es sind gewisse Ereignisse, die an einem 23. Juli geschehen sind, die zu denken geben. Wer waren die involvierten Personen?

1914: Österreich-Ungarn stellt drei Wochen nach der Ermordung Erzherzog Franz Ferdinands ein Ultimatum von 48 Stunden an Serbien durch Außenminister Leopold Berchtold. Es enthält umfangreiche Forderungen an den Nachbarstaat. Ihre weitgehende, aber unvollständige Erfüllung löst nach Fristablauf die österreichische Kriegserklärung und in der Folge den Ersten Weltkrieg aus.

Erzherzog Franz Ferdinand Carl Ludwig Joseph Maria von Österreich-Este (* 18. Dezember 1863 in Graz; † 28. Juni 1914 in Sarajevo) entstammte dem Geschlecht der Habsburger und war seit 1896 Thronfolger von Österreich-Ungarn. Beim Attentat von Sarajevo starben er und seine Frau Herzogin Sophie von Hohenberg durch die Hand des bosnisch-serbischen Nationalisten Gavrilo Princip.

Franz Ferdinand wurde wie die meisten seiner Standesgenossen schon als Kind zur Jagd geschickt. Im Alter von neun Jahren erlegte er sein erstes Wild. Im erwachsenen Alter erwachte in ihm die Lust am Zielen und Töten nach Zahlen. Er unterhielt mehrere große Jagdreviere und erlegte im Lauf seines Lebens – laut erhaltener Schusslisten – 274.889 Stück Wild. Auf Großwildjagden, an denen er während seiner Weltreisen teilnahm, schoss er Tiger, Löwen und Elefanten. Trotz dieses Jagd-Fanatismus interessierte sich Franz Ferdinand schon damals für die Umwelt, förderte ökologische Projekte auf seinen Gütern, die er als Musterbetriebe führte und engagierte sich intensiv im Bereich des Denkmalschutzes und an der Erhaltung alter, wertvoller Gebäude.

Ab 1878 erhielt Franz Ferdinand eine militärische Ausbildung, die ihn durch die gesamte Monarchie führte. Während seiner Militärzeit erkrankte er mehrmals an Lungentuberkulose. 1892/1893 unternahm er auf ärztlichen Rat eine Weltreise. Die Reise führte ihn von Triest nach Indien, Indonesien, Australien, Japan, Kanada und Nordamerika. Mehrere Versuche, ihn standesgemäß zu verheiraten schlugen fehl. Am 1. Juli 1900 heiratete Erzherzog Franz Ferdinand gegen die Regeln des Habsburger Hausgesetzes Gräfin Sophie Chotek, eine ehemalige Hofdame Erzherzogin Isabellas. Dem Familiengesetz zufolge durfte ein Mitglied der Kaiserfamilie nur ein Mitglied einer regierenden oder einer ehemals regierenden Herrscherfamilie heiraten. Das Habsburger Hausgesetz machte dabei übrigens keinen Unterschied zwischen einer Gräfin, einer Baronin oder einer Bürgerlichen. Der oder die Zuheiratende durfte kein/e Untertan/Untertanin sein. Diese Regel galt allerdings nur für die österreichische Kaiserfamilie. Kaiser Franz Joseph erlaubte die Heirat schließlich unter der Bedingung, dass weder Sophie noch zukünftige, der Ehe entspringende Kinder die Herrschaft übernehmen dürften, 1909 wurde Sophie zur Herzogin von Hohenberg (Gertrude von Hohenberg war die Frau König Rudolfs I. am Anfang der Habsburgermonarchie[CC1] ).

Obwohl Kaiser Franz Joseph den Thronfolger bewusst von der Politik fernhielt, betätigte er sich unter dem Deckmantel des Militärs aktiv an der Politik. Er forcierte den militärischen Aufbau der Streitkräfte (gemeinsames Heer und Kriegsmarine) und plante die Stärkung der Zentralmacht und die Schwächung des Dualismus.

Im Rahmen von Manöverbesuchen hielten sich Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau im Juni 1914 in Bosnien-Herzegowina auf. Am 28. Juni 1914 statteten sie dessen Hauptstadt Sarajevo einen offiziellen Besuch ab. Die Untergrundorganisation „Mlada Bosna“ plante mit Hilfe von Mitgliedern der serbischen Geheimorganisation „Schwarze Hand“ zu diesem Anlass ein Attentat. Nach einem zunächst fehlschlagenden Attentat mit einer Handgranate gelang es dem 19-jährigen Schüler Gavrilo Princip bald danach den Thronfolger und seine Frau mit zwei Pistolenschüssen niederzustrecken.

Leopold Graf Berchtold (* 18. April 1863; † 21. November 1942) war Diplomat, von Dezember 1906 bis 1911 österreichischer Botschafter in Sankt Petersburg. 1912 wurde Berchtold vom Kaiser und König zum Minister des kaiserlichen und königlichen Hauses und des Äußeren ernannt. Er war Vertreter einer anti-serbischen Politik und initiierte deshalb, um Serbien vom Mittelmeer fernzuhalten, die Gründung von Albanien. Nach der Ermordung des österreichisch-ungarischen Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand am 28. Juni 1914 im Attentat von Sarajevo formulierte und vertrat er am 23. Juli 1914 das Ultimatum an Serbien, dessen Ablehnung letztlich den Ersten Weltkrieg einleitete. Schon am 7. Juli 1914 hatte Berchtold gefordert, „Serbien durch eine Kraftäußerung für immer unschädlich zu machen“. Anfang November 1918 begleitete er einen Transport von habsburgischen Juwelen aus der Schatzkammer in der Wiener Hofburg in die Schweiz, um ihre weitere Disposition durch Karl I. zu ermöglichen.

Gavrilo Princip (* 13. Juli jul. / 25. Juli 1894greg. in Obljaj, Vilâyet Bosnien; † 28. April 1918 in Theresienstadt) war ein bosnisch-serbischer nationalistischer Attentäter. Dadurch wurde die Julikrise ausgelöst, die zum Ersten Weltkrieg führte. Princip war Mitglied der Mlada Bosna (Junges Bosnien), eines revolutionären, nationalistischen Geheimbunds aus Schülern und Studenten, der im von Österreich-Ungarn 1908 annektierten Bosnien-Herzegowina aktiv war. Princip stammte aus einer Familie bosnischer Serben, die seit Generationen in der Bosanska Krajina siedelte, dem Grenzland zwischen Bosnien und Kroatien. Daher besaß er die 1910 eingeführte bosnisch-herzegowinische Landesangehörigkeit. Im Mai 1912 zog er nach Belgrad, um dort das Gymnasium zu besuchen und anschließend zu studieren. Die jungen Leute berauschten sich am Nationalmythos, wonach die Serben seit ihrer heroischen Niederlage auf dem Amselfeld 1389 stets das Opfer ausländischer Machenschaften gewesen seien. Dies übertrugen sie auf das Österreich der damaligen Gegenwart. Terroristische Anschläge auf hochgestellte Persönlichkeiten waren in dieser Epoche nicht selten. Princip verübte am 28. Juni 1914 in Sarajevo den Mordanschlag auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand und dessen Ehefrau Sophie.

In der Untersuchungshaft stellte sich Princip zunächst als Einzeltäter dar, musste aber einräumen, mit anderen gemeinsam das Attentat geplant zu haben. In Theresienstadt wurde Princip in Isolationshaft in einer sehr engen, feuchten, dunklen Zelle gehalten, war bis 1916 ständig angekettet und durfte nicht einmal Verwandte als Besucher empfangen. Schließlich starb er am 28. April 1918 im Gefängnislazarett an Tuberkulose.

Wenn man davon ausgeht, dass der Erste Weltkrieg – die Urkatastrophe des Zwanzigsten Jahrhunderts – nicht auf Absichten, sondern auf eine Verkettung unglücklicher Umstände zurückzuführen ist, haben diese drei hier angeführten Persönlichkeiten eine wesentliche Rolle bei dessen Beginn gespielt.


 [CC1]

Julikrise 1914 – Erstellung des Ultimatums an Serbien

Nur eine Gasse in Meidling

Für einen Wiener Bürgermeister: Daniel Fockhy

Wenn auch meine Miniserie „Wiener Bürgermeister“ nur bei sehr wenigen von Ihnen Interesse geweckt hat, möchte ich sie doch fortsetzen. Wahrscheinlich war die Wahl des ersten vorgestellten Bürgermeisters nicht gerade günstig. Aber ich habe mich halt täuschen lassen, durch ein sehr prominent gelegenes Denkmal, eine Gasse „in guter Lage“ und vertreten auf der Ankeruhr – also dreifach geehrt, das muss doch eine bedeutende Persönlichkeit gewesen sein – tätig zu Pest- und Türkenzeiten. Ja, aber die Amtszeit betrug nur drei Jahre und erfolgreich waren andere in seiner Amtszeit. Also ich finde seine Ehrung – also Liebenbergs – doch etwas übertrieben, im Vergleich mit anderen Bürgermeistern unserer Stadt.

Zum Vergleich möchte ich Ihnen den nur mehr wenig bekannten Bürgermeister Daniel Fockhy (* 8. März 1626, † 23. März 1695) vorstellen, besonders deshalb, weil er Liebenberg während seiner Krankheit vertreten hat. Es gibt kein Fockhy Denkmal in Wien, wohl aber die Fockhygasse in Meidling. Daniel Fockhy war Sohn eines Honig- und Zwetschkenhändlers, der aber bereits in den rittermäßigen Adelsstand erhoben worden war.

Fockhy wandte sich zunächst dem Kaufmannsstand zu, erwarb 1661 das Bürgerrecht und begann 1663 seine öffentliche Laufbahn. 1674 kam er in den Inneren Rat, während der Pestepidemie von 1679 kontrollierte er die Lazarette, 1682 wurde er Oberkämmerer, und während der Türkenbelagerung (1683) war er Oberstleutnant der Bürgerwehr, überwachte die Verteilung des Proviants und leitete die Löscharbeiten bei Bränden; während der Krankheit Liebenbergs übernahm er dessen Vertretung, nach dessen Tod bis Ende 1683 die Verwesung des Bürgermeisteramts. 1686 zog er sich in den Inneren Rat zurück, als dessen Senior er fungierte; am 24. Jänner 1687 wurde er mit dem Titel „Kaiserlicher Rat“ ausgezeichnet.

Auch Fockhy übte das Bürgermeisteramt nicht lange aus, 1688-1691 war er Bürgermeister, aber er hat einiges für die Stadt getan. Unter ihm wurde am 5. Juni 1688 die öffentliche Beleuchtung von Straßen und Plätzen eingeführt, im selben Jahr erließ er eine neue Feuerordnung, 1690 empfing er den zum König gekrönten Josef in Wien.

Privat besaß er 1660-1666 das Haus „Zum goldenen Wolfen“ in der Alservorstadt, 1670-1695 das Haus Stadt 502 (1, Judengasse 4) und 1688-1695den Galvagnihof (Conskriptionsnummer 514; 1, Hoher Markt 10-11, Teil C).

Noch kurz zu den Conskriptionsnummern: Ursprünglich erfolgte die Bezeichnung der Häuser und Geschäfte, insbesondere der Wirtshäuser, Apotheken und dergleichen, mittels Schildnamen, welche die späteren Hausnummern ersetzten. Optisch waren die Namen durch Schmiedeeisenschilder, Bilder, Tafeln oder Skulpturen kenntlich gemacht.

Unechte Häusernummerierungen sind die nummerierten Listen von Häusern in den Hofquartierbüchern (1566, 1587, 1664) und die Reihungen in den Steuerbüchern (ab 1749), welche Albert Camesina als Grundlage für seine Zusammenstellungen benützte; diese Nummern waren nicht an den Häusern angebracht.

Erst 1770/1771 wurden im Zuge der „Seelenkonskription“ in der Stadt und in den meisten Vorstädten die Häuser mit sichtbar aufgemalten „Konskriptionsnummern“ nummeriert. Da unverbaute Grundstücke keine Nummern erhielten, ergab sich von Zeit zu Zeit die Notwendigkeit der Umnummerierung, so unter anderem 1795 und 1819/1821. In einigen Vorstädten erfolgte die Nummerierung erst später, außerdem gab es in sechs Vorstädten zwischen 1827 und 1830 eine weitere Umnummerierung.

1862 wurden die Konskriptionsnummern durch die bis heute gültigen, straßenweise vergebenen Orientierungsnummern abgelöst.

(Selbst in dem Haus, in dem ich lebe, sind noch (Innen) zwei Conscriptionsnummern angebracht)

Nur eine Gasse in Meidling

Eine Restaurantempfehlung: das d’Atri in der Schauflergasse

Jetzt ist eigentlich eine sehr gemütliche Zeit in Wien, viele Freunde sind auf Urlaub oder in der Sommerfrische, man kommt zurück, um nach dem rechten zu sehen, vielleicht auch um Freunde zu treffen, dann fährt man wieder ins Sommerdomizil. Es sind auch noch nicht so viele Fremde hier, dass die Stadt „überfüllt“ wäre, aber doch genug, um sie wahrzunehmen. Es fahren wieder die Touristenbusse – die hopp-on-hopp-off – Variante durch die Stadt, auch Fiaker sind wieder unterwegs und all die seltsamen Verkehrsmittel, die ansonsten Touristen transportieren.

Und die Freunde, die so zwischendurch nach Wien kommen, wollen selbstverständlich all ihre Bekannten sehen, die sich noch – oder schon wieder – hier befinden. Ja, und wo trifft man einander unter diesen Umständen, abends, beim Heurigen und zu Mittag in den Schanigärten der Stadt. Es gibt da so einige, die haben ihre Schanis in schattigen Höfen, andere auf der Straße, die mag ich weniger, denn die Vorbeigehenden schauen auf den Teller, von dem man gerade isst und der Verkehr dröhnt auch, wodurch ein vernünftiges Gespräch erschwert wird, besonders wenn man terrisch ist, so wie ich. Da zieht man dann doch die kühlen Innenräume vor.

So hat es mich heute in die Schauflergasse getrieben. Die Schauflergasse, in der Innenstadt befindlich, erstmals 1547 als Schaufelgasse bezeichnet, seit 1776 in der heutigen Schreibweise gebräuchlich. Die Schauflergasse verlief ursprünglich von der Mitte des Michaelerplatzes über den Ballhausplatz bis zur Löwelstraße. Bereits 1300 und 1310 ist urkundlich eine Schaufellucke („schuvellucke“) nachgewiesen, deren Name allerdings nicht geklärt ist; da man mit Lücke im Allgemeinen eine Vorstadtsiedlung bezeichnete, dürfte die Schauflergasse schon vor der Errichtung der Ringmauer bestanden haben. Die Parzellen Ballhausplatz 2 (später Staatskanzlei, heute Bundeskanzleramt) und 3 (später Teil des Kaiserspitals) waren im 14. Jahrhundert ins Minoritenkloster einbezogen worden. Die ungerade nummerierte Straßenseite fiel bereits 1458 an den Landesfürsten (Cillierhof; angrenzende Häuser gingen im 16./17. Jahrhundert im Reichskanzleitrakt beziehungsweise im 19. Jahrhundert im Michaelertrakt der Hofburg auf).

Wir trafen einander in der Osteria  d’Atri auf Nummer 4 in der Schauflergasse. Den Eingang könnte man fast übersehen, im Vergleich zu den angrenzenden Restaurants. Es gehört schon lange zu den Lieblingsrestaurants unserer Freunde, war aber für uns, als mein Mann noch lebte „tabu“, da sich nur ein Tisch ebenerdig befindet, und der eigentliche Speisesaal nur über einige Stufen zu erreichen ist. Dieser Saal, der Ausdruck ist schon fast übertrieben, denn der Raum ist nicht besonders groß, hat eine Tür in einen wunderschönen schattigen Hof, der aber leider nicht zu dem Restaurant gehört. Der dürfte zum Haus Herrengasse 5 gehören, dem Palais Brassican-Wilczek. Das Palais, eigentlich als Durchhaus konzipiert, wurde unter den Freiherren Brassican Anfang des 18. Jahrhundert erbaut. 1728 kam das Palais in den Besitz von Carl Ignaz Lempruch und wurde 1825 von den Wilczeks übernommen. Noch heute besitzt die Familie das Palais, derzeit Graf Johann Gregor Wilczek. Zwischen 1898 und 1899 wurde durch Humbert Walcher von Molthein ein Um- und Neubau vorgenommen. Das Palais Wilczek diente auch als Wohn- und Sterbehaus des Johann Nepomuk Graf Wilczek (Finanzier der Österreich-Ungarischen Nordpolexpedition von Julius Payer und Carl Weyprecht in den Jahren 1872 bis 1874, die mit der Admiral Tegetthoff das von ihnen benannte Kaiser-Franz-Joseph-Land erkundeten. Wilczek ließ die Burg Kreuzenstein errichten und erwarb das Schloss Moosham. Er gründete mit Theodor Billroth das Rudolfinerhaus, und die Wiener Freiwillige Rettungsgesellschaft), Wohn- und Sterbehaus Franz Högler (Bildhauer), Wohnhaus Franz Grillparzer und Joseph von Eichendorff, Geburtshaus von Graf Stephan Szechenyi (Staatsmann und Erneuerer Ungarns).

Aber jetzt nach all der Historie wollen Sie sicher wissen, wie man in der Osteria speist: typische Speisen der traditionsreichen Mittelmeer-Küche werden hier serviert. Ich hab’ ein Carpaccio aus roten Garnelen gegessen – einfach köstlich, hinterher Nudeln mit Meeresfrüchten, großartig und dann noch – Sie werden es nicht glauben ein Affogato (Espresso mit Vanilleeis).

Ich muss zugeben, der Mittagsschlaf hinterher war schon sehr notwendig.

Eine Restaurantempfehlung: das d’Atri in der Schauflergasse

Berühmte Wiener Bürgermeister

Wer bekommt als Wiener Bürgermeister ein Denkmal, oder eine Verewigung durch einen Straßennamen, am Beispiel Liebenberg.

Ihnen fällt wahrscheinlich sofort der derzeit so umstrittene Karl Lueger ein, aber auf dieses Thema gehen derzeit zu viele ein.  Also z.B. Johann Andreas von Liebenberg (* 29. November 1627 in Wien; † 10. September (nach manchen Quellen 9. September) 1683 auch in Wien) war ab 1680 Bürgermeister von Wien. Eigentlich ist nicht so besonders viel von ihm bekannt: Ab 1653 war er Leiter der Städtischen Kanzlei, 1678–1680 Stadtrichter und ab 1680 bis zu seinem Tod 1683 Bürgermeister von Wien. Genau genommen war er nur drei Jahre Bürgermeister. Seine Familie wurde bereits 1622 nobilitiert und hatte den Namen Liebenberger von Liebenberg.

Ich lese: „Er erwarb sich 1679 große Verdienste bei der Pestbekämpfung.“ Wie war das mit der Pest damals: Auf Drängen des Hofmedikus Paul de Sorbait wurde zwar bereits im Sommer 1678 von der niederösterreichischen Regierung erhöhte Sauberkeit und Meldepflicht für ankommende Fremde eingemahnt, doch insgesamt nahm man die Bedrohung auf die leichte Schulter. Im Spätherbst 1678 traten die ersten Pestfälle in der Leopoldstadt auf, die als „hitziges Fieber“ klassifiziert wurden. Im Winter 1678/79 grassierte die Seuche noch immer hauptsächlich in der Leopoldstadt. Sorbait suchte nun die niederösterreichische Regierung schon zu diesem Zeitpunkt davon zu überzeugen, dass die ausgebrochene Seuche die Pest sei, doch wurden seine Warnungen ignoriert. Erst als im Juli 1679 die Zahl der Todesfälle dramatisch anstieg wurde der Pestausbruch zur Gewissheit. Die Seuche erlebte im September mit fast 3000 nachweisbaren Todesopfern ihren Höhepunkt und ebbte bis zum April 1680 ab. Die Zahl der in den Totenprotollen eindeutig feststellbaren Todesopfer betrug 7.196. Auf Basis von falschen Zuordnungen und von auf der Flucht dahingeraffter Opfer wurde sie auf zumindest 12.000 geschätzt. Damit ist aber wohl nur eine Untergrenze benannt. Die Umstände dürften zu einer deutlichen Untererfassung der Sterbefälle geführt haben. Tatsächlich lag die Zahl der Opfer wohl deutlich höher, wenigstens bei einem Fünftel der Einwohner.

Trotz der Warnungen von Paul de Sorbait wurde der Ausbruch der Seuche bis Juli 1679 von den städtischen Behörden völlig ignoriert. Dann brach das Chaos aus. Die kaiserliche Familie und ein Großteil des Hofes verließen die Stadt. Leopold I. mit seinem Hofstaat floh über Umwege nach Prag. Tote lagen tagelang auf den Straßen herum. Nur wenige waren bereit als Siechenknecht und Totengräber zu arbeiten. Kranke lagen tagelang am Tiefen Graben auf Sammelwägen, vor dem Stubentor häuften sich infizierte Betten, Stroh, Leichen. Sorbait ordnete an, dass die Toten in Pestgruben bestattet und mit ungelöschtem Kalk überschüttet werden sollten. Diese Pestgruben wurden über die Vorstadtzone verstreut angelegt. Trotz strengem Verbot wurden auch am Stephansfreithof 353 Pestleichen beerdigt. Der Magister Sanitatis und Lazarettvater suchten sich an den Toten zu bereichern und wurden auf Anordnung Sorbaits öffentlich gehängt. Zahlreiche Ärzte und Geistliche die die Kranken besuchten fielen der Seuche zum Opfer, auch Sorbait.

In dieser Darstellung sehe ich wenig “Verdienste der Stadt“ bei der Pestbekämpfung? Vielleicht wäre es angebracht, Paul de Sorbait ein Denkmal zu setzen? Paul de Sorbait war im Jahr 1639 zunächst Wandermusiker. Er studierte Philosophie in Paderborn sowie Medizin in Padua. Im Jahr 1652 erfolgte die Repetition an der Medizinischen Fakultät in Wien. Paul de Sorbait war ab 1654 Professor für Medizin an der Universität Wien, 1668 Rektor. Er war Leibarzt der Kaiserinwitwe Eleonore. Sorbait erkannte die Gefahr von Feuer und Räucherungen zur Bekämpfung der Pest, da der Wind sich plötzlich drehen konnte. Es sei deshalb wichtig, fernab der Zivilisation zu verbrennen und manchmal sei es sogar besser, die verpesteten Dinge einzugraben, wenn die Windrichtung unbeständig sei. Seine Bemühungen, durch hygienische Maßnahmen die Pest zu bekämpfen, konnten allerdings den Ausbruch der Großen Pest in Wien von 1679 nicht verhindern. Ein besonderes Anliegen von Paul de Sorbait waren Botanik und Anatomie und er begründete die erste medizinische Bibliothek an der Universität. Von 1659 bis 1666 wurden zahlreiche Disputationen Sorbaits gedruckt. Er bewies damit eine ungewöhnlich aktive professorale Amtsführung. 1669 verteidigte einer seiner Studenten den neu entdeckten Blutkreislauf. Ab 1679 war Paul de Sorbait Generalinquisitor in Pestangelegenheiten.

Weiters lese ich über Liebenberg: Bei der zweiten Wiener Türkenbelagerung überwachte er die Vorbereitungen für die Verteidigung und die Schanzarbeiten und organisierte die Bürgerwehr. Die Zweite Wiener Türkenbelagerung im Jahr 1683 war – wie die erste von 1529 – ein erfolgloser Versuch des Osmanischen Reichs, Wien einzunehmen. Sie dauerte vom 14. Juli bis zum 12. September, als ein von Polens König Johann III. Sobieski befehligtes Entsatzheer die osmanische Armee des Großwesirs Kara Mustafa Pascha in der Schlacht am Kahlenberg zum Rückzug zwang.

Unter dem Stadtkommandanten Ernst Rüdiger von Starhemberg wurde Wien, damals Residenzstadt des römisch-deutschen Kaisers, zwei Monate lang gegen ein rund 120.000 Mann starkes Belagerungsheer verteidigt. Zum Entsatz der Stadt verbündeten sich erstmals Truppen des Heiligen Römischen Reiches mit solchen aus Polen-Litauen. Weitere Unterstützung leisteten die Republik Venedig und der Kirchenstaat.

Von dem Stadtkommandanten habe ich schon als Kind viel gehört, denn meine Mutter hatte mir sein Denkmal auf dem Rathausplatz gezeigt. Über die Zweite Türkenbelagerung habe ich einiges gelesen, aber den Namen Liebenberg nirgends gefunden. Seine größte Leistung bestand aber 1683 während der Zweiten Wiener Türkenbelagerung, als er in größter Not die Verteidigungsarbeiten überwachte und eine Bürgerwehr organisierte. Seine Aktivitäten trugen entscheidend dazu bei, den Durchhaltewillen der belagerten Bürger zu fördern und zu erhalten. Er war allerdings zwei Tage vor dem Sieg des Entsatzheeres über Kara Mustafa an der Ruhr gestorben.

Aber im Wien von heute ist er sehr präsent: Im Jahr 1865 wurde in Wien Innere Stadt die Liebenberggasse nach ihm benannt. Am 12. September 1890 wurde ihm zu Ehren ein Denkmal vor der Mölker Bastei, gegenüber der Universität Wien, enthüllt. Weiters ist er in der Ankeruhr verewigt.

Berühmte Wiener Bürgermeister