Das Eis – und die Politik

Jetzt im Hochsommer, im Westjordanland

Das amerikanische Unternehmen Ben & Jerry’s hat angekündigt, den Eisverkauf in den von Israel seit 1967 besetzten Gebieten einzustellen.

Die Firma wurde von Jerry Greenfield und Ben Cohen 1978 in Vermont gegründet. Lange bevor dies en vogue war, setzten sich die beiden jüdischen Geschäftsmänner für soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz und ähnliche Themen ein. Im Jahr 2000 verkauften sie das Unternehmen an den britischen Lebensmittelkonzern Unilever. Die Unternehmensführung von Ben & Jerry’s genießt aber weiterhin große Autonomie in ihren Entscheidungen, und auch Greenfield und Cohen treten nach wie vor im Namen der Firma auf.

Wesentlich ist, dass es gar nicht um die im Westjordanland lebenden Palästinenser geht, die eventuell jetzt kein Eis mehr bekommen, sondern die Menschen, die in den vielen dort bestehenden jüdischen Siedlungen leben. „Wir glauben, dass der Verkauf von Ben & Jerry’s in den besetzten palästinensischen Gebieten mit unseren Werten nicht vereinbar ist“, heißt es in der Medienmitteilung. Die Entscheidung passt zu einer Firma, die sich in politische Debatten einmischt und dabei klar liberale Positionen bezieht.

Durch das Waffenstillstandsabkommen nach dem Sechstagekrieg erhielt Israel die Kontrolle über die Gebiete, die es während der Kampfhandlungen erobert hatte:

  • das gesamte Gebiet des Westjordanlandes (Cisjordanien), das seit 1948 unter jordanischer Herrschaft war, darunter auch Ostjerusalem
  • die gesamte zu Ägypten gehörende Sinai-Halbinsel bis zum Sueskanal sowie den Gazastreifen, der unter ägyptischer Militärverwaltung stand
  • fast die gesamten zu Syrien gehörenden Golanhöhen.

Statt der von Israel anschließend erwarteten Land-gegen-Frieden-Angebote der Araber beschloss die Arabische Liga im September 1967 in Khartum ihre drei Neins: Nein zur Anerkennung Israels, zum Frieden und zu Beziehungen mit Israel. Für nationalreligiöse Juden stand nun das ganze „Land Israel“ (Eretz Israel), identisch mit dem geografischen Begriff Palästina, unter israelischer Kontrolle, die Rückkehr in die historische Heimat war komplett.

Bereits innerhalb eines Monats nach Kriegsende entstand auf den Golanhöhen mit dem Kibbuz Merom Golan die erste Siedlung. Die ersten, von Awoda-Regierungen bis 1977 gebauten Siedlungen des Westjordanlands wurden mit dem ausdrücklichen Ziel errichtet, eine jüdische Mehrheit in wichtigen strategischen Gebieten wie dem Tel-Aviv-Jerusalem-Korridor zu sichern. Die erste nach dem Sechstagekrieg dort gegründete Siedlung war Kfar Etzion. Sie entstand im September 1967. 1968 gab es nur fünf dünn besiedelte Siedlungen jenseits der Grünen Linie.

Während Vizepremier Jigal Allon die Bedeutung von Siedlungen in strategisch wichtigen Gebieten für die Errichtung sicherer Grenzen betonte, sprach Verteidigungsminister Mosche Dajan von „neuen Tatsachen“, die mit den Wehrdörfern geschaffen würden, von „Israelisierung“ besetzter Gebiete.

Bis zur Wahl von Menachem Begin zum Ministerpräsidenten 1977 wurden nur wenige solcher religiös-ideologischen Siedlungen gegründet. Begins und folgende Likud-geführte Regierungen gewährten Juden finanzielle Anreize, nach Judäa und Samaria zu ziehen, auch wenn die besiedelten Gebiete keinen strategischen Wert hatten. Ihr Zweck war es, Israels Einfluss auf das Territorium, das Teil des biblischen und historischen Israel war, zu festigen und der Schaffung eines palästinensischen Staates zuvorzukommen. Unmittelbar nach den Wahlen von 1977 lebten 1.900 Juden in 38 Siedlungen.

Mitte 2012 gab es rund 250 israelische Siedlungen und Außenposten mit insgesamt mehr als 600.000 Einwohnern, dessen gesamte Infrastruktur ca. 2 % des Territoriums des Westjordanlands ausmachten. Davon lebten rund 350.000 in Siedlungen im Westjordanland, etwa 300.000 in und um Ostjerusalem und rund 20.000 in den 33 Siedlungen auf den Golanhöhen. Im Jahr 2019 leben im Westjordanland und Ost-Jerusalem zusammen bereits ca. 700.000 jüdische Siedler.

Die israelische Regierung, aber auch Teile der Opposition reagierte heftig gegen den Beschluss der Firma, kein Eis mehr in diesen Siedlungen zu verkaufen. Mit dem Boykott gegen „Israel – eine Demokratie, umgeben von Inseln des Terrorismus“, habe das Unternehmen seinen Kompass verloren. Das Außenministerium warf der Firma vor, sich dem „wirtschaftlichen Terrorismus“ der BDS-Bewegung (Boycott, Divestment and Sanctions) zu beugen. Der israelische Außenminister Yair Lapid bezeichnete die Entscheidung als „schändliche Kapitulation vor dem Antisemitismus“. Die Siedlerbewegung rief zum Boykott der Firma auf.

Über Unilever versucht die israelische Regierung nun, Druck auszuüben, damit die Entscheidung zurückgenommen wird. Ähnliche Drohungen zeigten schon einmal ihre Wirkung: Vor zwei Jahren kündigte Airbnb an, in den Siedlungen keine Unterkünfte mehr anzubieten. Nachdem die Regierung mit einer Prozesslawine gedroht hatte – auch über Anti-BDS-Gesetze in den USA – nahm die Online-Plattform die Ankündigung stillschweigend zurück.

Die Siedlungen in den besetzten Gebieten sind nach internationalem Recht illegal. Palästinensische Vertreter und israelische Kritiker der Besetzung begrüßten daher den Schritt von Ben & Jerry’s. Der Boykott richte sich nicht gegen Israel, sondern gegen die Siedlungen, erklärte die Meretz-Abgeordnete Michal Rozin. Dies sei der Preis für die Landnahme und die Verwischung der grünen Linie, der Grenze von 1967.

Ich habe noch nie Ben & Jerry’s Eis gekostet und kann daher nicht beurteilen, ob die Aufregung berechtigt ist. Aber was das Westjordanland betrifft, ist kein Anlass zu nichtig, um nicht drüber eine mächtige politische Aufregung zu verursachen. Aber gegen die Methode, in der die Landnahme dort erfolgt, ist jede Aufregung berechtigt.

Das Eis – und die Politik

Witwenstand

Er geht mir ab, der Wirbel. Da war ich mit einer ganzen Familie auf Urlaub, zu Spitzenzeiten waren wir 7 Erwachsene und eine 2-Jährige. Dann hat langsam der 10-kleine-Ne…erlein-Effekt eingesetzt, nach Wien zurückgefahren sind wir dann nur mehr zu dritt. Es war lustig, immer war etwas los, immer schlug jemand eine Aktivität vor.

Jetzt, zurück in Wien, bin ich wieder allein. Meine 2 Wohngemeinschaftsteilnehmer sind derzeit an unterschiedlichen Orten in Italien unterwegs und werden „irgendwann“ wieder auftauchen. Ein komisches Gefühl, wieder allein zu sein, ich habe immer das Gefühl, dass andere um mich sind – und bei näherem Hinsehen sind sie nicht da. Es ist still um mich. Ein ganz klein wenig fühle ich mich einsam. Ich führe derzeit wieder mein Leben als Witwe, hoffe aber es bald wieder als Großmutter führen zu können. Und das lässt mich über die Stellung von Witwen in der Gesellschaft nachdenken.

Die Zahl der Witwen ist höher als die der Witwer. Dies ist einerseits bedingt durch die höhere Lebenserwartung von Frauen und den Altersunterschied bei der Heirat (Frauen sind meist jünger als ihre Männer). In Kriegszeiten vergrößert sich zudem die Anzahl der Witwen relativ zu den Witwern. Die Versorgung von Witwen sowie Waisen ist ein wichtiges Thema in der Geschichte der Fürsorge und später des Sozialstaates, vor allem nach Kriegen, die viele „Kriegerwitwen“ hinterlassen haben.

Da fallen mir also berühmte Witwen ein: Da gab es Chadidscha bint Chuwalid (* um 555; † um 619) die als erste Gattin des Propheten Mohammed später berühmt wurde. Sie war Witwe und vor der Ehe mit Mohammed schon zweimal verheiratet gewesen. Aus diesen Ehen hatte sie mehrere Kinder. Chadidscha war Erbin einer Karawanserei und eines Handelsgeschäftes in Mekka. Sie war also Unternehmerin und Kauffrau und verfügte frei über ihr reiches Vermögen. All das im sechsten Jahrhundert in Mekka, zu einer Zeit als der Koran entstand, der die Rechte der Frau zwar regelte aber Frauen eindeutig gegenüber Männern benachteiligte. Wobei es Theorien gibt, dass in der Wüstengesellschaft in Arabien damals teilweise noch das Matriarchat geherrscht haben soll.

In einigen Kulturen gilt das Leben einer Witwe als wertlos, was sich in Bräuchen wie der Witwenverbrennung (Sati) ausdrückt, die selbst heute noch gelegentlich in Indien illegal praktiziert wird. Aus der Bibel kennen wir die sogenannte Schwagerehe, wo ein Bruder des Verstorbenen dessen Witwe heiratet, um seine Linie fortzusetzen.

Ganz nebenbei gibt es auch die Geschichte der Witwe von Ephesus: Eine Witwe aus Ephesus trauert auf dem Friedhof um ihren verstorbenen Mann. Sie wacht an seinem Grab, isst nichts mehr und will ihrem geliebten Gatten in den Tod folgen. In ihrer Nähe hält ein Soldat Wache bei mehreren gekreuzigten Räubern. Er muss peinlichst darauf achten, dass kein Leichnam zur Beerdigung heruntergenommen wird, sonst droht ihm das Kriegsgericht und möglicherweise ebenfalls die Todesstrafe. Dieser Soldat bemerkt die Witwe, tröstet sie, gewinnt ihre Liebe und hält sich mehr und mehr bei ihr auf. Dabei vernachlässigt er seinen Wachdienst und eines Nachts wird der Leichnam eines Gekreuzigten gestohlen. Der Soldat fürchtet sich vor der Strafe und will sich selbst töten. Doch die Witwe gibt ihm als Ersatz den Leichnam ihres Mannes, und am nächsten Tag wunderte sich das Volk, wie denn ein Toter aufs Kreuz geklettert sei.

Aber zurück zu Witwen, die leben durften, wie es Ehefrauen und Nicht-Verheirateten oft nicht zustand: also als (erfolgreiche) Unternehmerinnen. Kürzlich habe ich von einer dieser Frauen gelesen (Die Frauen des Hauses Fugger – mit sanfter Macht zum Weltruhm, von Martha Schad. Es ist mühsam zu lesen, dieses Buch, da sehr viele Originaltexte von Briefen und sonstigen Unterlagen darin aufscheinen. Und diese Originaltexte muss man sich laut vorlesen, um sie zu verstehen. Und die Vielfalt der Namen, mit denen die Fuggers verschwägert waren, trägt auch nicht gerade zur Lesbarkeit bei, aber der Informationswert ist hoch): Barbara Fugger.  Nach dem Tod ihres Mannes 1469 führte Barbara Fugger gemeinschaftlich mit den Söhnen die Familiengeschäfte weiter und konnte das Vermögen ihres Mannes bis zu ihrem Tod auf über 23000 Gulden (auch Florin genannt) vermehren. Die Söhne, deren Hauptaufgabe zunächst im Reisen und Knüpfen neuer Kontakte bestand, waren wesentlich am Geschäft beteiligt. Sie verfügten, etwa im Jahr 1492, unabhängig von dem Vermögen ihrer Mutter über jeweils zwischen 11000 und 16000 Florin. Erst nach ihrem Tode 1497 erlangten die Fugger-Brüder die vollständige Verfügungsgewalt über das Familienvermögen. Aus dem um 1540 verfassten Ehrenbuch der Familie blieb Barbara Fugger dennoch ausgeschlossen. Denn auch bei den Fuggers blieb das Erbe ausschließlich bei den Söhnen!

Oftmals in der Geschichte „durften“ Witwen für ihre Söhne bis zu deren Volljährigkeit herrschen, aber noch öfter wurde diese Aufgabe/Privileg eher den Brüdern des Mannes als dessen Frau übertragen. Beispiele dafür sind: Katharina von Medici (1519–1589), für Karl IX., Maria von Medici (1573–1642) für Ludwig XIII., aber auch Anna von Österreich (1601– 1666) regierte für Ihren Sohn, Ludwig XIV.

Aber das geht für diesmal doch zu weit!

Witwenstand

Was ist eigentlich eine Grenze

Was bedeutet sie – für wen?

Wenn man so auf Urlaub fährt, überquert man Grenzen; wenn man innerhalb der EU reist, sollten sie nicht einmal mehr auffallen – aber Corona hate neue Grenzen gezogen – so wie auch der Brexit. Denn Laut Artikel 22 des Schengener Grenzkodex ist das Überschreiten der Schengen-Binnengrenzen unabhängig von der Staatsangehörigkeit der betreffenden Person an jeder Stelle ohne Personenkontrolle zulässig. Und Grenzen empfindet man – zumindest beim Reisen, aber auch Transportieren und Handeln – als Hindernisse.

Aber was sind Grenzen eigentlich? Eine Grenze ist der Rand eines Raumes und damit ein Trennwert, eine Trennlinie oder eine Trennfläche. Grenzen können geographische Räume begrenzen. Dazu gehören politische oder administrative Grenzen, wirtschaftliche-, Zollgrenzen.

Woher kommt die „Grenze“ überhaupt: Das im 12./13. Jahrhundert aus dem Altpolnischen entlehnte graniza/grænizen/greniz hat sich von den ostdeutschen Kolonisationsgebieten aus allmählich über das deutsche Sprachgebiet ausgeweitet und das deutsche Wort „Mark“ für Grenze, Grenzgebiet verdrängt. Wir kennen die Mark aber z.B. noch aus dem Markstein. Nur zu Klarstellung: ostdeutsche Kolonisationsgebiete: darunter versteht man die Einwanderung überwiegend deutschsprachiger Siedler in die östlichen Randgebiete des Heiligen Römischen Reiches während des Hochmittelalters und die damit einhergehenden Veränderungen der Siedlungs- und Rechtsstrukturen in den Einwanderungsgebieten. Bei diesen handelt es sich um die seit etwa 1000 n. Chr. überwiegend slawisch und teilweise baltisch bewohnten Gebiete östlich von Saale und Elbe sowie in Niederösterreich, der Steiermark und in Kärnten bis hin ins Baltikum, nach Böhmen, Polen, Ungarn, Rumänien und Moldawien.

Wie entstehen nun Grenzen: Ältere politische Grenzen zwischen zwei Ländern fallen manchmal mit den natürlichen, teilweise nur schwer überwindbaren Hindernissen zusammen: ein Gebirge, ein Meer oder Meeresarm, eine Wüste, ein Urwald oder ein Bergland. Diese stellen im Regelfall auch die Sprach- und Kulturgrenzen dar. Flüsse hingegen bilden erst seit etwa 1800 Staatsgrenzen (neue Grenzziehungen infolge von Kriegen bzw. Friedensverträgen), da sie früher viel eher einende Handelswege als trennende Hindernisse darstellten. Viele spätere Grenzen, wie jene zwischen den Bundesstaaten der USA, wurden vertraglich auf bestimmte Längen- oder Breitengrade festgelegt. Diese geraden Grenzen, die sich auch in Afrika finden, werden Reißbrettgrenzen genannt. Sie entstanden nicht durch jahrhundertelange evolutionäre Prozesse, sondern sind auf Willensakte in der Regel fremder Herrscher zurückzuführen (Kolonialismus). Zwischen vielen Staaten bestehen noch heute Territorialstreitigkeiten durch gegensätzliche Gebietsansprüche. Solche Dispute haben in der Geschichte häufig zu Krisen und Kriegen geführt. Heute sehr aktuelle Beispiele hierfür sind die Grenzen im Nahen Osten – mit dem Lineal zwischen zwei Punkten gezogen.

(Ich selbst bin manchmal nicht ganz frei von dem Denken von Grenzverschiebungen – z.B. im Zusammenhang mit Südtirol oder vielleicht auch Friaul). Aber ich sollte das besser lassen, denn ich bin schließlich Europäerin.

Im Sprachgebrauch gibt es auch die so genannte „Grüne Grenze“, so wird der Verlauf international anerkannter Landgrenzen zwischen den zugelassenen Grenzübergangsstellen bezeichnet oder „blaue Grenzen: darunter versteht man den Verlauf einer politischen Grenze auf dem Wasser.

Für mich als Österreicherin, die schon lange lebt, ist die Demarkationslinie noch eine böse Erinnerung. Das war eine durch Vertrag zwischen Staaten oder Kriegsparteien festgelegte Grenzlinie, die keine völkerrechtliche Grenze ist, sondern die jeweiligen Hoheitsbefugnisse oder Einflusssphären voneinander trennt. Durch Demarkationslinien wurden 1945 die Zonen der 4 Besatzungsmächte in Österreich begrenzt. Von mir besonders gefürchtet: jene zwischen Russen – also Sowjetunion – und USA – an der Enns, zwischen Oberösterreich und Niederösterreich.

Es gibt Regionen, die möchten zwischen sich und dem Territorium, in dem sie bestehen, eine Grenze ziehen. So – leider kriegerisch – historisch gesehen erst kürzlich – geschehen: der Zerfall Jugoslawiens. Das wurden neue Grenzen gezogen – nach ethnischen Prinzipien. Ich finde es schade, wenn multiethnische Wirtschaftsräume zerbrechen, wie es auch nach dem Ersten Weltkrieg geschehen ist, als die Habsburger Monarchie in viele Staaten auseinandergebrochen ist (oder auseinandergebrochen wurde).

Jetzt kämpft Katalonien um seine Freiheit von Spanien, vielleicht später dann auch noch das Baskenland; ob Schottland auch einen „Austritt“ aus Großbritannien durchführen wird, oder auch nicht, ist bei weitem noch nicht klar, Ähnliches gilt auch für Nordirland.

Grenzen schließen ein – sie werden geschützt, um Eindringlinge abzuhalten, „Hereinzukommen“. Außengrenzen der EU werden in oft brutaler Form bewacht, um Flüchtlinge daran zu hindern die EU zu betreten. Dazu wurde auch die FRONTEX gegründet: Die Europäische Agentur für die Grenz- und Küstenwache, sie ist in Zusammenarbeit mit den EU-Mitgliedstaaten zuständig für die Kontrolle der Außengrenzen der Europäischen Union. Frontex ist im Mittelmeer in Verruf geraten. Und da die EU da nicht immer erfolgreich ist, kommt es zu den berühmten Flüchtlingsverteilungsproblemen.

Wenn Sie jetzt sicher über eine Grenze kommen wollen, dann bereiten Sie Ihren Pass vor, (derzeit auch die „Grüne Karte“, das Impfzeugnis), sollte an manchen Grenzen doch – hoffentlich wider Erwarten – Grenzkontrollen stattfinden, hoffentlich nicht mehr lange!

Was ist eigentlich eine Grenze

Dschihad und Reconquista – wie hängen sie zusammen?

Urlaubszeit ist für mich auch Lesezeit. Und beim Lesen kommen dann auch weiterführende Gedanken, und auch für diese hat man während eines Urlaubs Muße. Auf meiner Leseliste sind Werke über Geschichte selbstverständlich, und mein Interesse für den Islam hat dann dazu geführt, dass ich das Buch: Die Reconquista: Christen und Muslime auf der Iberischen Halbinsel, von Nikolaus Jaspert ausgewählt habe.

Die Reconquista lief über mehrere Jahrhunderte, eine Zeit, in der auch Juden, Christen und Muslime, Gelehrt zumeist, zuweilen zusammengearbeitet haben und so die Renaissance in Europa vorbereitet haben.

So hat es begonnen: im April 711 überquerte ein muslimischer, wahrscheinlich berberischer Heerführer namens Ṭāriq ibn Ziyād (gest. ca. 720) zusammen mit einer Streitmacht von einigen Tausend Reitern und Fußsoldaten die Meerenge, die Nordafrika von der Iberischen Halbinsel trennt. Damit griff er das Reich der Westgoten an (die dort das große Weströmisch Reich abgelöst hatten). Der Ort, an dem Ṭāriq ibn Ziyād an Land ging, trägt noch heute seinen Namen, Gibraltar oder „Berg des Tariq“ (arab. Ğabal Ṭāriq). Kurze Zeit später wurde seine Armee von der Streitmacht des westgotischen Königs Roderich gestellt.

Die Kämpfe hatten ihren Anfang genommen …

Aber nicht nur die Kämpfe gegen die dort lebenden Westgoten, sondern vor allem auch die Kämpfe der muslimischen Herrschaftsbereiche untereinander. Immer wieder gerieten auch die „Invasoren“ untereinander in Konflikt, schlossen Bündnisse miteinander und durchliefen Herrscherwechsel. Einige von ihnen konnten in dieser Zeit durchaus expandieren und zu überregionalen Größen aufsteigen. Dazu gehörten zum Beispiel die ʿAbbādiden in Sevilla, vor allem unter Abū ʿl-Qāsim (gest. 1042) und dessen Sohn al Muʿtadid (gest. 1069), oder Toledo unter den Ziriden, wo die jüdische Familie der Naghrela (Ismaʿīl /Salomon ibn Naghrela (gest. 1055/56) und sein Sohn Yusuf (gest. 1066)) zu einflussreichen Beratern aufstieg.

Aber auch die christlichen Herrscher kämpften untereinander und verbanden sich wieder – da gab es die Königreiche Kastilien, Aragon, Navarra, Leon. Bis sich letztlich Kastilien und Aragon verbanden und die Mauren aus deren letzten Bastion Granada vertrieben haben.

Aber die Christen – ob geeint oder zerstritten versuchten die Mauren aus Spanien zu vertreiben – war das nun ein Kreuzzug? Waren all diese Kreuzzüge – ob zur Eroberung des Heiligen Landes, des maurischen Spaniens oder z.B. gegen die Katharer und Waldenser religiös begründete Kriege, an denen sich Personen nicht zuletzt deshalb beteiligten, weil sie diesen Kampf als eine Form der Buße und des Gottesdienstes ansahen? Gingen manche auf Kreuzzug, weil es ein Papst be(emp)fohlen, oder ein Mönch dazu aufgerufen hatte? Oder ging es schlicht um die Eroberung von verloren geglaubtem Territorium?

Das lange Jahrhundert zwischen 1085 und 1199 zeigt, dass man sich bei jeder Darstellung christlich-islamischer Konflikte auf der Iberischen Halbinsel vor einer geradlinigen Erzählung von christlichen Eroberungen und Erfolgen hüten sollte. Vielmehr ist jene Epoche ebenso und wesentlich durch bedeutende muslimische Siege gekennzeichnet. Verantwortlich für diese Erfolge waren insbesondere zwei reformreligiöse islamische Dynastien: die Almoraviden und die Almohaden. Aber um friedlich leben zu können, zahlte man einander auch Tribut.

1085 eroberte Alfons VI. von Kastilien Toledo, womit ein allmählicher Abstieg von Al-Andalus einsetzte.

In den dreißig Jahren zwischen 1220 und 1250 konnten drei christliche Königreiche ihre jeweiligen Territorien stark erweitern: Im Westen der Iberischen Halbinsel gelang es den portugiesischen Königen, bis zum Jahre 1248 an die Algarveküste vorzustoßen. Aragon vermochte unter der Führung König Jakobs I. des Eroberers (gest. 1276) im Jahre 1229, Mallorca in Besitz zu nehmen, 1238 Valencia und bis 1246 das gleichnamige Königreich insgesamt zu annektieren. Den Angriffen König Ferdinands III. (gest. 1252) von Kastilien-León schließlich fielen die bedeutenden Zentren Córdoba (1236) und Sevilla (1248) – und mit ihnen letztlich die fruchtbare Ebene des Guadalquivir – zum Opfer.

Aber der Begriff „Reconquista“, der uns eben für diese Epoche bekannt ist, hatte für Spanien noch eine ganz andere Bedeutung: dort hat er dazu gedient, aktuelle politische Ansprüche historisch zu legitimieren. „Reconquista“ ist kein mittelalterlicher Begriff, sondern fand erstmals Ende des 18. Jahrhunderts Verwendung, entfaltete sich dann zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach der napoleonischen Invasion Spaniens. Die Erfahrung der Unterdrückung durch die französischen Invasoren und der erfolgreiche Freiheitskampf bildeten das zeitgenössische Fundament für eine neue Interpretation mittelalterlicher Kriege als Befreiungskriege. Selbst die faschistische Franco-Diktatur (Beginn Spanischer Bürgerkrieg am 17. Juli 1936!)  untermauerte ihre militärischen Aktivitäten als „Reconquista“.

Und ist die Reconquista vielleicht auch ein Auslöser für den derzeit geführten Dschihad? Was ist sie denn anderes, als eine erfolgreiche Defensive nicht-muslimischer Gegner? Und das fand viel öfter statt, als nur bei der spanischen Reconquista: z.B. die byzantinische Expansion im 10 Jahrhundert, die normannische Eroberung Siziliens, die Kreuzzüge in der Levante …

Vielleicht sollten wir uns in die Gedankenwelt der Muslime versetzen, um „Reconquista“ in nicht-christlichem Licht zu sehen. Oder geht es wirklich nur um Territorialgewinne und Macht?

Dschihad und Reconquista – wie hängen sie zusammen?

Ein Restaurantvorschlag für heiße Sommertage!

Das Klee am Hanslteich

Kennen Sie das Klee am Hanslteich? Naja, ich gebe zu, das Restaurant ist öffentlich schwierig zu erreichen – (43’er nach Neuwaldegg, weiter mit Bus – in die Amundsenstraße 10). Aber wenn Sie nach einem heißen Tag in der Stadt Kühle und auch „Natur“ suchen, dann sind Sie im Klee richtig. Denn dort hat man das Gefühl „am Land“ zu sein. Der Teich und rundherum der Wald tragen dazu bei, dass Sie sich weit weg von jeglicher Großstadthektik empfinden. Es ist aber nicht weit weg, denn mit dem Auto ist das Klee schnell zu erreichen, der Parkplatz ist groß. Auf der Terrasse sitzt es sich sehr gemütlich, mit dem Blick auf den kleinen Teich. Der Teich wurde zirka 1920 zur Eisgewinnung angelegt. Er wird vom Alserbach gespeist und ist von Wald und Wiese umgeben. Früher wurde er auch zum Bootfahren genutzt, und im Winter – also vor der Erwärmung – konnte man hier auch noch Eislaufen. Der Hanslteich liegt auch am Rundumadum-Wanderweg, den zu gehen, ich schon einmal erwogen habe (aber der „innere Schweinehund“ hat zu heftig dagegen gebellt).

Aber im Restaurant hier zu sitzen, hat schon seine Vorzüge. Aber vorher hat man die „Corona-Prozedur“ zu befolgen. Die  Grüne Karte wird akribisch geprüft, ich finde das aber richtig so, denn ich möchte nicht unweit von Corona-Kranken sitzen.

Wir waren abends dort, und selbst, wenn ich wenig zu Mittag esse, bin ich nicht „rasend hungrig“ am Abend. Meine Freundin meint, dass es hier besonders gute (also „die richtigen“) Schnitzel gäbe. Ich suche doch lieber auf der „Fisch-Seite“. Es gibt derzeit viele Eierschwammerlgerichte.  Eventuelle Beilagen werden gesondert verrechnet. (Vielleicht hätte ich doch das Schnitzel essen sollen).

Für’s Dessert ist jetzt leider nicht mehr viel Platz, wahrscheinlich auch, weil mich keines besonders angelacht hat.

Aber wir sind sehr gemütlich dort gesessen (drei Stunden werden zugemessen, wenn man länger bleiben will, muss man das bei der Bestellung angeben) und haben munter geplaudert.  

Wenn Sie einen erholsamen, kühlen  Abend planen möchte: dann empfehle ich das Klee am Hanslteich.

Ein Restaurantvorschlag für heiße Sommertage!

Piombino – Wien,

18. Juli 2021

Jetzt möchte ich Ihnen doch noch von unserem letzten Reisetag „Sardinien“ erzählen. Also – eigentlich, auch noch von den letzten Stunden auf der so verspäteten Fähre.

Sollten Sie je eine Fähre benutzen, machen Sie keine detaillierten Pläne für die Zeit nach Ihrer Ankunft: Fähren sind vom Zeitplan her gesehen unverlässlich! Bei unserer wurde der Ankunftsort verschoben (eine Fahrstunde mit dem Auto entfernt vom ursprünglichen). Der Abfahrtszeitpunkt   wurde noch am Vormittag (desselben Tages) um eine Stunde nach hinten verschoben und dann ist die Fähre (Corsica Linea) zusätzlich noch weitere 1 ½ Stunden zu spät angekommen. Andererseits muss gesagt werden, das Personal des Schiffes ist nicht zu beneiden, die Einfahrt und Ausfahrt der Autos ist hervorragend organisiert und geht rasch vonstatten. Und während dieser Aus- und Einfahrt muss das Schiff geputzt werden, die Kabinen für die neuen Gäste hergerichtet werden – keine kleine Aufgabe.

Wir sind also so um Mitternacht aus dem Schiff in Piombino ausgefahren. Wir (mein Mann und ich) sind schon einmal dort gewesen – vor vielen Jahren, anlässlich unserer Etruskerreise. Pupluna, wie die Stadt zu Ertrusker-Zeiten hieß, war die einzige etruskische Stadt, die sich an der Küste entwickelt hat. Es war das größte Zentrum der Eisenverarbeitung des gesamten Mittelmeerraumes. Dort wurde das Eisenerz verhüttet, das von der nahe gelegenen Insel Elba stammte.  Gesehen von der Stadt haben wir gar nicht, weil wir nur den Pfeilen zur Autostrada (und vielen anderen Autos, die aus dem Schiff gekommen waren) folgten.

Wir hatten uns ein Quartier nahe der Autobahn, etwas nördlich von Livorno gesucht. Ein sehr nettes Bed-and-Breakfast, das den Schlüssel zur Einfahrt und Betreten des Hauses und Zimmers um ½ 2 vorsorglich hergerichtet hatte. Ich gebe zu, dort sind wir nur mehr in die Betten gefallen, weil wir so erschöpft waren (geschlafen habe ich dennoch schlecht). Wir mussten zeitig aufbrechen, denn wir hatten noch einiges vor, bevor wir endgültig nach Wien fahren würden.

Erstens einmal diese herrliche Fahrt durch die Toskana, mit den vielen Gedanken an die Medici-Zeit und die Künstler, die her gewirkt haben, in vielen derer Bilder sieht man diese wunderbare Landschaft. Planen darf man ja, auch in meinem Alter, wenn man auch keine Gewissheit hat, wie der nächste Tag aussieht, aber hierher möchte ich noch einmal kommen, wenn’s noch geht. Noch scheint die Sonne, aber im Norden ziehen schon dunkle Wolken auf.

Es gibt eine Verabredung um 13 Uhr in San Giorgio di Nogara. Bereits in der Antike bestand hier eine Siedlung an der Via Annia. Dort treffen wir uns wiederum in einem guten Restaurant (das auch wieder Fische anbietet – es ist halt doch etwas anderes, frisch gefangene Fische zu essen, wenn auch teilweise Pizza bevorzugt wird). Ja und dann fahren wir eine neu erworbene und aufs Feinste herausgeputzte Jacht zu besichtigen.  Ich habe mir unter einer Jacht immer etwas Großes vorgestellt, so halt wie es in den älteren James-Bond-Filmen gezeigt wurde. Aber ich wurde belehrt: eine Jacht ist ein Wasserfahrzeug für Sport- und/oder Freizeitzwecke, das – von Sonderfällen abgesehen – mit einem Deck und einer Kajüte ausgestattet ist. Entsprechend der Antriebsart werden Motoryachten und Segelyachten unterschieden. Wesentlich für eine Segelyacht ist – in Abgrenzung zur Jolle – ein fester, in der Regel mit Ballast versehener Kiel. Heiß und schwül ist es hier, die Sonne brennt noch herunter. Ich betrete zwar diese Jacht, aber für meine Konstitution ist sie doch etwas zu klein und eng. Ich kann mich nicht so gelenkig herumbewegen – und unterlasse es daher auch. Wie das mit 8 Personen geht, für die diese Jacht zugelassen ist und für die 6, die diesen Sommer schon geplant sind, kann ich mir nicht vorstellen.  Macht nix, diese Art des Reisens wird’s für mich halt nimmer werden.

Dunkle Wolken drohen, und wir machen uns wieder auf den Weg – Richtung Heimat. Naja, das Kanaltal ist ja eigentlich fast schon Heimat, wieder merken wir die Grenze kaum, keine Kontrollen und sind dankbar, dass wir nicht, wie an anderen Grenzen, wie im Radio gemeldet, mindestens eine Stunde stehen müssen. Und man kann wieder Wasser „direkt vom Hahn“ trinken, ohne Plastikflaschen kaufen zu müssen. Wir hören mit Schrecken von den verheerenden Unwettern, die jetzt auch Österreich verwüsten. Wir bleiben auf unserer Fahrt von Arnoldstein nach Wien davon verschont, nur ein heftiger Regenguss, der das schon recht verschmutzte Auto eine Spur ansehnlicher macht in der Gegend der Pack. Dass dieses Rasthaus dort nur zeitweilig untertags offen hat, bekümmert uns schon, denn wir brauchen noch eine Stärkung für die Fahrt, sowie Milch und Brot für den nächsten Tag.

Schön war’s, lustig war’s, ich bin dankbar – meinen Kindern und Enkeln, dass ich dabei sein konnte, dass alles „für mich“ gemacht wurde, ich musste nicht kochen, ich musste nicht Autofahren, ich musste mich um nichts kümmern und sorgen – nur genießen!

Piombino – Wien,

Alte Kulturen – höchst unterschiedlich

(Vom vorletzten Tag unserer Sardinienreise)

Es war schon faszinierend, an einem Tag haben wir die Ruinen von Nora besichtigt, wunderschön auf einer Landzunge – also mitten im Meer gelegen. Eine römische Siedlung, aus der späten Kaiserzeit, in der es bereits eine christliche Kirche gab – Teile davon liegen heute im Meer, da sich die Küsten verschoben haben.  Ungleich Wien – also Vindobona, oder Carnuntum nicht aus einem Militärstützpunkt entstanden. Wenige Leute haben diese Anlage besucht, wir waren fast allein. Die Anlage wird für unterschiedliche Arten von Performances genützt, Sessel sind bereits aufgestellt. Ein Paar probte, als wir nach dem Rundgang uns noch einen Kaffee gegönnt haten. Aber die Anlage und die Zwecke der Bauten sind vertraut, römische Ausgrabungen halt. Auf einem Felsen darüber steht ein mittelalterlicher Wehrturm (?), es gab wahrscheinlich viele Piraten – damals. Es war sehr stürmisch, das Meer herum aufgewühlt.  Zurück sind wir nicht über die Berge gefahren, sondern dem Meer entlang, einer wunderschönen – (noch) nicht verbauten sehr gegliederte Küste folgend, mit davor gelagerten Inseln.

Heute, es ist wieder die Zeit gekommen, nach Hause zu fahren, haben wir am Rückweg – also von der Südwestküste zur Nordostküste etwa in der Mitte eine bronzezeitliche Ausgrabung besucht.  In Sta. Cristina. Da war eigentlich gar nichts vertraut – und alles faszinierend: die Nuraghen.  Zuerst einmal, die Anlage befindet sich in einem großen „Garten“ mit uralten Olivenbäumen. Darin haben wir einen „Brunnen“ gefunden. Ähnliches habe ich noch nie gesehen. Es erinnert vielleicht an alte Heiligtümer in Irland. Dieser Brunnen hat auch astronomische Funktionen, die sich aber über die Jahrtausende leicht verschoben haben. Ich war auch an mittelalterliche Mikwen erinnert. Allerdings eine verkehrte Stiege als Gegenstück an der Decke habe ich noch nie gesehen.

Alles hier ist aus Basalt, teils bearbeitet, die älteren Bauten “roh“; die Steine mit Fango verbunden. Ein Turm, dessen ursprüngliche Höhe und Funktion man nicht kennt. Ein großes Haus, von dem man annimmt, dass es Priester beherbergt hat, ein Dorf – um beides herum gelagert, mit Mauern umgeben. Was hier ist wirklich ursprünglich, was ist wiedererrichtet?  Ich bin verwirrt, den bei manchen Anlagen sind die Steine nummeriert.

Wieso haben wir von dieser Kultur noch nie gehört? Allerdings wird erst seit den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ausgegraben.

Wir haben zum Glück keine Eile, uns zur Fähre zu begeben, da diese wieder die Abreisezeit um eine Stunde vershoben hat (die Nachricht kam am Vormittag, wenn wir das gewusst hätten, hätten wir länger schlafen können) Und sie kommt nicht in Livorno an, wie wir angenommen hatten, sondern in Piombino, weiter südlich, womit unsere Pläne für die Übernachtung durcheinandergebracht worden waren. Naja, Fähren halt ….

Aber dafür haben wir noch Zeit für ein gemütliches Mittagessen. Unterwegs schaut mein Enkel nach, das Restaurant soll nahe der Straße, aber am Meer liegen. Schon bald wird etwas angezeigt. Wir fahren ab, bald wird der Weg zur Sandstraße, man sieht auf einen Strand und schon sitzen wir in einem Garten unter Sonnenschirmen, hinter einer Hecke, die aber einen Blick aufs Meer zulässt. Die ersehnte Pizza gibt es nicht, aber dafür stellt sich das Lokal als Spezialist für Meeresfrüchte und Fische heraus. Wir haben köstlich gespeist, so frisch Gefangenes schmeckt halt doch ganz anders.

Jetzt wird es langsam Zeit, uns in den Hafen zu begeben. Als wir – eher bereits zeitlich knapp ankommen – ist die Fähre noch nicht angekommen. Wir warten, es ist recht heiß, wir stehen in der Schlange und versuchen, die Zeit so gut als möglich zu nutzen. Endlich kommt sie an, dann muss das Ausladen abgewartet werden, dann können wir endlich in den Schiffsbauch rollen. Die Luft in dieser Garage – mit den vielen, vielen Autos is fast unerträglich. Wir schlängeln uns durch die eng geparkten Autos durch, bis wir zu Stiegen kommen. Dann geht’s mehrere Stockwerke hinauf, es gibt wenig „außen“. Wir lassen uns an einem Fenster nieder (die reservierten Pullmannsitze sind in einem fensterlosen Raum!)

Und jetzt schwimmen wir dem Festland entgegen. Es wird spät, heute.

Alte Kulturen – höchst unterschiedlich

Es lebe der (aktive) Sport

Es fasziniert mich, meinen Enkeln bei ihren Sportausübungen zuzusehen. Dazu ist vorauszuschicken, dass ich sehr unsportlich bin und eigentlich auch immer gewesen bin. „Turnen“ in der Schule war immer eine „Schwachstelle“, in meiner Jugend war ich wandern und bergsteigen mit dem  Alpenverein, aber da ging’s eher um das Zusammensein mit anderen jungen Menschen. Ein echtes Anliegen scheint es mit nicht gewesen sein, denn als ich dann erwachsen war, habe ich es nicht weiter betrieben.  

Etwas, das ich immer gerne gemacht habe, war Gehen. Ich bin soweit als möglich immer zu Fuß ins Büro gegangen (oder zu mindestens einen Teil des Weges). Es hat mir damals den nötigen Abstand zwischen Herausforderungen der Familie und des Arbeitens im Büro gegeben. So war ich immer „vorbereitet“ für die nächste Herausforderung. Selbst als ich schon über mein eigenes Auto verfügte, habe ich meine tägliche Routine des „Zu-Fuß-Gehens“ beibehalten.

Aber ich gehe nicht gerne „Spazieren“, ich gehe lieber „mit Ziel“, also z.B. irgendwelche Besorgungen machen. Das ist jetzt in der Pension ungleich schwerer, da es eigentlich recht wenig Ziele gibt.

Meine Enkel hinwieder sind sehr sportlich. Ich kann das jetzt hier beobachten, sie gehen nicht, sie laufen, bzw. fahren mit dem Rad, das ganze Jahr über, fast bei jedem Wetter. Auch weite Strecken, wenn es dann gar zu weit wird, dann wird das Rad in die Bahn gepackt.

Der Wettkampf spielt in diesem Zusammenhang eine große Rolle, man „trainiert“ auch für den Marathon, für den Triathlon. Das heißt auch, dass man auch Schwimmen betreibt. Aber damit nicht genug, es kommen noch Yoga-Übungen dazu, und ich habe nicht den Eindruck, dass das gelassen und gemütlich vor sich geht. Teilweise wird das mit Musik betrieben, das heißt es wird auch Tempo vorgegeben. Man merkt beim Zusehen, wie anstrengend das letztlich ist.

Und dabei habe ich darüber nachgedacht, wie sehr wir heute unser Leben „erleichtert“ haben. Selbst zu Zeiten meiner Kindheit – (am Land), was wurde da noch alles mit der Hand gemacht. Der Transport von sperrigen schweren Gütern erfolgte mit dem „Leiterwagerl“, das man selbst ziehen musste. Meine Cousine, die auf einen verkehrt angelehnten Rechen getreten war und sich einen der Zähne „eingetreten“ hatte, wurde mitsamt Rechen im Leiterwagerl zum Arzt transportiert.

Wir mussten das Wasser mit Kübeln aus einer Quelle schöpfen und von dieser Quelle zum Haus und die Stiegen hinauftragen. (Natürlich ging man auch sorgsamer mit Wasser um). Um Wasser zu erhitzen musste Feuer im Herd gemacht werden. Dazu musste aber vorher das angelieferte Holz in Blöcke gesägt (ohne Motorsäge) und dann gehackt werden, zum Anzünden musste dieses gehackte Holz noch in dünne Späne geschnitten werden.  Selbst im Wald, beim Fällen der Bäume wurde alles noch mit der Hand gemacht, das Anhacken des Keils, damit der Baum in die richtige Richtung fällt, und das eigentliche Sägen.

Und die eigentliche Feldarbeit? Das Gras wurde mit der Sense gemäht, die Ränder mit den Sicheln, die Sense musste immer wieder nachgeschärft werden, dazu trugen die Mäher ein Gefäß für den Wetzstein, das auch mit Wasser gefüllt war, umgeschnallt. Die Sensen mussten immer wieder nachgeschärft werden, und am Abend wurde „gedengelt“, dass heißt, die Scharten wurden aus der Sense ausgeklopft. Auf der Wiese musste das geschnittene Gras „ausgebreitet“ werden, damit es trocknen kann, am nächsten Tag wurde es gewendet, und zuletzt wurde es auf Heuwagen (von Ochsen oder Pferden gezogen) verladen, und wir Kinder durften obenauf mitfahren. Dann musste der Heuwagen noch entladen werden, jeder einzelne Arbeitsschritt war anstrengend.

Das Mähen des Getreides war nicht weniger mühsam, die geschnittenen Ähren mussten zu Garben gebunden werden, am Bauernhof mit Dreschflegeln gedroschen werden …. Aber das waren Arbeiten, die nur im Sommer anfielen. Zwei Mal täglich mussten z.B. die Kühe händisch gemolken werden. Und das „Buttermachen“ im Butterfassel war auch anstrengend. Heute kann man diese Geräte alle nur mehr in entsprechenden Museen sehen, sie sind kaum mehr im Einsatz, höchstens auf Almen, große Maschinen fahren über die Äcker …Es gibt nur mehr wenige Tätigkeiten, die mit der Hand ausgeführt werden, z.B. das Pflücken der Erdbeeren oder das Stechen des Spargels, und dafür werden ausländische Hilfskräfte angeheuert.

Haben Sie schon einmal Erdäpfel gesetzt? Einen ganzen Tag lang, in gebückter Haltung?  Wie das so mit den Zuckerrüben war, habe ich nie erlebt.  

Nach all diesen jeweils recht einseitigen Arbeiten waren die Leute abends rechtschaffen müde, denn die Arbeit hatte mit Sonnenaufgang begonnen, und wurde erst bei Sonnenuntergang beendet, denn man musste das Wetter ausnützen. Heutzutage ist man wahrscheinlich erst nach einem richtigen Workout „rechtschaffen müde“, und daher bedarf es des Sports.

PS: was uns hier wirklich stört, sind die Gelsen, wir alle sind trotz Gelsenspray, Gelsenstecker und engmaschigen Gittern vor den Fenstern ziemlich zerstochen. Und bei jedem Essen sind wir von Wespen umschwirrt!

Es lebe der (aktive) Sport

Überlegungen beim Anblick des Meeres

Wenn man so am Strand sitzt und dem sich leise kräuselnden Meer zusieht, die doch eher kleineren Wellen sich an den Felsen schäumend brechen, sinniert man über dieses und jenes nach. Über die Menschen, die früher hier und anderswo an Stränden gelebt haben, und sich dann immer weiter auf dieses Meer hinausgewagt haben, um zu entdecken, ob sich Neues hinter dem Horizont verbirgt, obwohl viele in früheren Zeiten gemeint haben, dass die Erde eine Scheibe wäre und man am Rand dieser Scheibe in einen Abgrund fallen würde. Dennoch haben es einige immer wieder gewagt, weiter vorzudringen, sie waren die Entdecker.  Bei den ersten Entdeckern war es vielleicht die Neugierde gewesen, aber bald kamen andere nach, die kommerziellen Interessen hatten, die dann aus diesen neu entdeckten Punkten Handelsniederlassungen machten, man tauschte wohl anfänglich Mitgebrachtes gegen dort Vorhandenes.

Es gab Entdecker – und es gab Entdeckte!

Aber es dauerte wohl nicht lange, bis man sich dieses neu entdeckte Gebiet zu eigen machen wollte, den Menschen dort die eigene Denkungsweise aufzwingen sollte – kurz es wurde kolonialisiert. Man ließ sich in diesem neuen Land nieder man baute nach dem Stil, den man „bei sich zu Hause“ gewohnt war.

Dafür gibt es hier in Sardinien ein Beispiel. Auf einer Halbinsel bei Pula (ja, hier gibt’s auch hier ein Pula, nicht nur in Istrien) liegen die Überreste von Nora. Um das Jahr 1000 v. Chr. als die Nuraghenkultur gerade ihren Zenit erreichte tauchten fremde Segelschiffe am Horizon auf.

Die Nuraghenkultur auf Sardinien entwickelte sich etwa um 1600 v. Chr. während der Bronzezeit. Sie wurde nach den typischen Türmen, den Nuraghen, benannt.

Diese Segelschiffe gehörten den Phöniziern:  sie waren es, die im gesamten Mittelmeerraum Handelshäfen gründeten. Als die mykenische Kultur etwa 1050 v. Chr. endgültig untergegangen waren, gewannen die Phönizier die Seeherrschaft im Mittelmeer. Sie errichteten ab dem 9. Jahrhundert (vermutlich mit Einverständnis der einheimischen Bevölkerung) Niederlassungen, begannen aber 550 v. Chr. die Insel zu kolonialisieren.

Waren die jeweils „neuen“ Kolonisatoren den Einheimischen überlegen? Brachte die Kolonisierung Verbesserungen für die einheimische Bevölkerung – oder wurde diese nur unterdrückt und ausgebeutet?

Die in Bedrängnis geratenen Nuragher griffen die Nachfolger der Phönizier, die Punier, 509 v. Chr. an und waren gelegentlich auch siegreich. Letztlich erfolgte aber eine großräumige Besetzung durch die Karthager (von den Römern Punier genannt). Zwischen 500 und 238 v. Chr. brachten sie die für sie interessanten Teile, mehrheitlich auf der Westhälfte der Insel gelegen, unter ihre Herrschaft und errichteten mehrere Orte, unter andren auch Nora. Das führte zu ethnischen und kulturellen Verschmelzungen. Die Nuraghenkultur, die einmaligen Bronzefiguren schuf, ging dabei unter. So auch im Süden Sardiniens.

Bestehende Kulturen gehen unter!

Nun lösten andere Völker die Phönizier ab: Nora wurde von den Puniern – ausgebaut.  Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. hatten die Punier den Süden und Westen Sardiniens unter Kontrolle gebracht und die Versuche einer griechischen Besiedlung auf Korsika (540 v. Chr. in der Seeschlacht von Alalia) unterbunden. Danach begannen sie, ihren Teil der Insel zur Kornkammer umzugestalten. Punisches und Sardisches verband sich im besetzten Gebiet ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. zu einer Kultur.

Kulturen verschmelzen!

Das Dreieck Ibiza, Korsika (inklusive Sardinien) und Sizilien stellte die überseeische Fortsetzung des karthagischen Mutterlandes dar. Sardinien war damals zweigeteilt in einheimische und punische Gebiete. Anfangs musste Rom im Friedensvertrag von 241 v. Chr. die Hoheitsrechte Karthagos über Sardinien anerkennen. Aber als in Aufständen auf Sardinien stationierten Truppen meuterten und unter der Bevölkerung fürchterliche Massaker anrichteten, erlangten die Römer im Jahre 238 v. Chr. die Herrschaft über Sardinien.

Aber die Sarden waren stets ein eigenbrötlerisches, freiheitsliebendes Volk. Schon in der Antike wehrten sie sich gegen die „Zivilisierung“ durch die Römer. Diese aber brachten gepflasterte Straßen, Häuser aus Stein mit Wasser- und Abwasserversorgung, Geschäfte und Wirtshäuser. Aber auch wie NORA zeigt, ein römisches Theater, komplexe Wohnviertel, aber vor allem Bäder, 4 Thermalbäder gibt es allein in Nora. Aber auch Tempel für römische Götter – wie z.B. Äskulap.

Nach der römischen folgte die achtzigjährige Besetzung durch die Vandalen ab 455 n. Chr. Die byzantinische bzw. oströmische Besetzung begann dann 534, als der kaiserliche Feldherr Belisar die Inseln im westlichen Mittelmeer eroberte. Die Insel verarmte materiell und kulturell. Kurz erschienen die Ostgoten auf der Insel, die 552 unter Totila Cagliari eroberten. Die Langobarden versuchten ab 568 mehrmals, aber ohne Erfolg, die Insel zu erobern. 599 drängte Papst Gregor der Große die örtlichen Bischöfe, die zahlreichen Heiden Sardiniens gewaltsam zum Übertritt zum Christentum zu zwingen.

Es scheint, dass es immer Kolonisatoren geben hat, die vieles zerstört aber auch wesentliches, neues   gebracht haben. Auch das gilt es zu bedenken.

Überlegungen beim Anblick des Meeres

Alles, was Sie schon immer über die Geschichte Sardiniens wissen wollten

Oder nicht?

Wenn ich schon die Gelegenheit habe, eine Reise nach Sardinen zu erleben, dann kann ich doch nicht umhin mit der Geschichte dieses Landes auseinanderzusetzen.  Noch dazu, da sie auch mit den Habsburgern zu tun hat.

Aber bevor ich noch darauf zurückkomme, erscheint mir etwas besonders bemerkenswert: Im Gegensatz zu den anderen Europäern findet sich in der Volksgruppe der Sarden ein sehr hoher prozentualer Anteil an Menschen, die über 100 Jahre alt sind; man vermutet, das könnte aus spezifischen genetischen sowie sozialen Gründen der Fall sein. Also: ein Urlaub allein, wird allerdings keine lebensverlängernde Wirkung haben.  

Wer sind nun diese Sarden (sie wollen keineswegs Sardinier genannt werden)? Als Sarden bezeichnet man die einheimische Bevölkerung der Insel Sardinien im westlichen Mittelmeer, die politisch zu Italien gehört.

Die historische Flagge der Sarden ist die sogenannte Flagge der Vier Mauren. Die Flagge besteht aus dem Georgskreuz und vier enthaupteten Maurenköpfen, die in jedem Viertel ein weißes Kopftuch tragen. Seine Ursprünge sind im Wesentlichen rätselhaft, aber es wird vermutet, dass er seinen Ursprung in Aragon hat, um die Niederlage der sarazenischen Invasoren in der 1094 Schlacht von Alcoraz zu symbolisieren.

Nach Platon könnten die Sarden nach „Sardò“ benannt worden sein, einer legendären lydischen Frau aus Sardes in der Region Westanatolien. Nach anderen Autoren, wie Pausanias und Sallust, führten die Sarden ihre Abstammung zurück zum Sardus Pater Babai „Vater der Sarden“), einem mythischen Vorfahren und libyschen Sohn des Herkules oder Makeris, der entweder verwandt mit der Kabylischen Maqqur „Er ist der Größte“ oder verbunden mit der Figur vom Melqart ist.

Es wurde auch behauptet, dass die alten Nuraghen-Sarden das Seevolk von den Sherden gewesen sein könnten. Dieser Ausdruck wurde dann als sardus und sarda romanisiert.

Jetzt abgesehen von Legenden scheinen Daten darauf hinzudeuten, dass die heutige Bevölkerung Sardiniens zum großen Teil aus den steinzeitlichen Siedlern und dem Beitrag der historischen Kolonisatoren stammt. Letzteres ist jedoch nur in den Küstengebieten relevant, da die Einheimischen den fremden Mächten das malariaverseuchte (wenn auch strategisch wichtige) Tiefland überließen und in das rauere Landesinnere flüchteten, wo sich die meisten historischen Siedlungen Sardiniens konzentrierten. Die alten Sarden waren keine Italiker: einige Forscher behaupten, dass sie aus dem östlichen Mittelmeer kamen. Weitere Forschung deutet darauf hin, dass die Basken aus Spanien die genetisch am nächsten liegende Bevölkerung zu den ethnischen Sarden sein könnten und diese Ähnlichkeit nicht auf den Einfluss anderer Spanier während der Neuzeit zurückzuführen ist.

Nachweislich waren sie alle hier und haben ihre Spuren hinterlassen: Die Punier, die Phönikier, die Griechen und selbstverständlich auch die Römer.

Später hat dann der Staufer und König von Sizilien, Friedrich II. (1198–1250), 1239 seinen illegitimen Sohn Enzio zum König von Sardinien (1239–1249, † 1272) ernannt, woher der Status der Insel als Königreich herrührt, der bis zum Aufgehen im Königreich Italien 1861 erhalten blieb. Sardinien fiel später, ebenso wie Sizilien, zunächst dem Königreich von Aragon (1323–1409) zu, das den sardischen Reichsstatus erneuerte, und gehörte seit dem frühen 16. Jahrhundert in Personalunion zum Königreich Spanien.

Nach dem Aussterben der spanischen Habsburger fiel Sardinien nach dem Spanischen Erbfolgekrieg 1714 an die österreichische Linie des Hauses Habsburg, wurde jedoch schon 1720 von Österreich – im Tausch gegen Sizilien – an das Herrscherhaus von Savoyen abgetreten, das 1714 mit dem Besitz von Sizilien einen Königstitel erworben hatte und denselben nunmehr auf den Besitz Sardiniens gründete. Das neu entstandene Königreich Sardinien mit seiner Hauptstadt Turin und seinen Provinzen Savoyen und Piemont hatte seinen geographischen Schwerpunkt jedoch auf dem italienischen Festland. Lediglich während der französischen Okkupation des norditalienischen Reichsteils zwischen 1799/1800 und 1814 regierten die sardischen Könige Karl Emanuel IV. (1796–1802) und sein Bruder Viktor Emanuel I. (1802–1821) – ähnlich wie wenig später der aus Neapel vertriebene bourbonische König von Sizilien, Ferdinand IV. – unter dem Schutz der britischen Flotte direkt von ihrer Insel Sardinien aus, die sonst eher vernachlässigt wurde. Im Zuge der italienischen Einigung wurde der Herrscher Sardiniens Viktor Emanuel II. (1849–1878) im Jahre 1861 König von Italien.

1794, fünf Jahre nach der Französischen Revolution, gab es einen Aufstand der sardischen Oberschicht, der die Ausweisung piemontesischer Funktionäre aus Sardinien zur Folge hatte. Diesem folgte dann 1796 eine gescheiterte Revolte gegen die feudale sardische Oberschicht.

Im Zuge der italienischen Einigung 1860/61 und der erneuten Rückverlagerung des Schwerpunkts der Macht aus den Fürstentümern in Italien nach Turin, Florenz bzw. später Rom wurde Sardinien endgültig an den provinziellen Rand gedrängt. Erst 1946 erhielt die Insel Autonomie, doch bis 1982 gab es vereinzelte, z. T. bewaffnete Rebellionen zugunsten der vollständigen Unabhängigkeit Sardiniens, die häufig auch mit Entführungen verbunden waren.

Im sardischen Nationalismus sammeln sich Bewegungen, die eine konsequente Autonomie bzw. Unabhängigkeit von Italien anstreben.

Aber Sardinien ist, jetzt wie Italien, Frankreich und Österreich Teil der Europäischen Union, und wir können hierher kommen um Urlaub zu machen, ohne an Grenzen angehalten zu werden. Wir alle bezahlen in einer Währung, un d alle die Völker, die um Sardinien gekämpft haben, leben jetzt friedlich gemeinsam in der EU.

Alles, was Sie schon immer über die Geschichte Sardiniens wissen wollten